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Monat: Oktober, 2015

Warum das Fälschen einer Doktorarbeit kein Kavaliersdelikt ist

Der Regisseur Robert Zemeckis hat uns das Jahr 2015 in seiner Zukunftsvision „Zurück in die Zukunft“ aus dem Jahre 1989 als ein Zeitalter der fliegenden Autos präsentiert. Blanke Fantasie, die sich so schnell nicht erfüllen wird. Und doch beweist der Filmemacher in seiner Komödie intelligente Weitsicht und sieht den Flachbildschirmfernseher im Kinoleinwandformat ebenso zutreffend voraus wie das 3D-Kino, Computerspiele ohne Konsole oder die Multimedia-Brille, wie sie beispielsweise Google entwickelt hat. Doch eines konnte man sich offenbar damals nicht vorstellen: die Möglichkeiten des Internets!

Die Hollywood-Produktion ging stattdessen davon aus, dass Fax-Geräte an Bedeutung zunehmen würden. Und so sieht man in einer Szene, wie via Fax solche Kurzmitteilungen ankommen, wie wir sie heute via Facebook oder Whatsapp versenden würden.

Die Möglichkeiten und auch Gefahren großer öffentlich zugänglicher Internet-Datenbanken im 21. Jahrhundert konnte sich mancher in den 1980er Jahren noch nicht vorstellen.

So ganz offensichtlich auch nicht die späteren Politiker Annette Schavan (CDU) und Margarita Mathiopoulos (FDP). Sie hatten in jener Zeit noch allen Grund zu der Annahme, dass ihre gefälschten Doktorarbeiten schnell und unauffällig in einem schwarzen Loch ewigen Vergessens verschwinden würden. Übrig bleiben sollte nur eines: der Doktortitel mit all seinen positiven Eigenschaften, die er der Trägerin unterstellt.

Auf ein deutlich glatteres Eis hingegen wagten sich jene Fälscher aus den Reihen prominenter Politiker, die nach 2000 noch hofften, ihre späteren Ämter würden ihr damaliges gesetzeswidriges Gemauschel so sehr überschatten, dass ihnen keine Gefahr drohe. Schließlich haben sich die künftigen Möglichkeiten des Internets in jenen Zeiten bereits deutlich erahnen lassen.

Die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden, war jedoch eine Fehleinschätzung! Denn seit 2011 gibt es das „VroniPlag“ und ähnliche Internetseiten, die sich auf die Entlarvung gefälschter wissenschaftlicher Arbeiten in Deutschland spezialisiert haben. Ein besonderes Augenmerk gilt und galt dabei natürlich jenen Promovierten, die in hohen Ämtern und Würden eine besondere Vorbildfunktion darzustellen haben. Dank VroniPlag und Co. mussten inzwischen schon einige bekannte Persönlichkeiten der deutschen Politik die Aberkennung ihrer Doktorgrade hinnehmen, meist einhergehend mit einer beachtlichen Medienaufmerksamkeit und dem Verlust ihrer politischen Ämter.

Zwar berichtete auch die populäre Presse ausführlich und zumeist aus kritischer Perspektive heraus. Doch immer wieder wurden Stimmen laut, die in einer gefälschten Doktorarbeit ein Kavaliersdelikt wahrnehmen, das kaum der Rede wert sei. Viele Nicht-Akademiker sind offenbar der Ansicht, dass manchen Persönlichkeiten die Dekoration mit einem Doktortitel per se zustehe, anderen eben nicht. Dass dieser akademische Grad Ausdruck einer erheblichen Lebensleistung ist, scheint vielen deutschen Normalbürgern nicht klar zu sein.

Doch selbst manch ein promovierter Akademiker hält den Medien-Hype um Plagiate in Dissertationen einschließlich der beruflichen Konsequenzen für die Entlarvten für übertrieben. Denn immer wieder werden gerade aus diesen Reihen Meinungen geäußert, die darauf beharren, dass man trennen müsse zwischen damaligem akademischem Fehlverhalten und den Leistungen im heutigen beruflichen Umfeld. Ein wohlwollender und oft auch akademisch differenziert daherkommender Ansatz, der mir dennoch überhaupt gar nicht einleuchten kann.

Zunächst muss einmal klar gestellt werden, was eine Dissertation oder Doktorarbeit überhaupt ist. Was unterscheidet ein solches Werk von einer gewöhnlichen Semesterarbeit oder gar einer Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit?

Erst die Dissertation ist eine vollwertige wissenschaftliche Leistung. Denn neben der korrekten wissenschaftlichen Arbeitsweise ist auch die Veröffentlichung der Doktorarbeit Pflicht und somit integraler Bestandteil des Promotionsverfahrens. Nur solche wissenschaftlichen Ergebnisse sind dabei  auch von wissenschaftlicher Relevanz, die publiziert und so einem Fachpublikum zugänglich gemacht worden sind.

Zwar besteht natürlich jedem ehrgeizigen Akademiker auch die Möglichkeit, schon frühere Leistungen wie eine Bachelor- oder Masterarbeit zu publizieren, das geschieht dann jedoch auf rein freiwilliger Basis.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass beispielsweise eine Bachelorarbeit eine kleine wissenschaftliche Abhandlung sein kann, die den Rang der Publikationswürdigkeit jedoch noch nicht erreicht haben muss. Viele solcher Arbeiten liefern eher erste Grundlagenkenntnisse, um dann darauf aufbauend ein umfassenderes wissenschaftliches Projekt, zum Beispiel eine Dissertation, zu beginnen.

Anders verhält es sich eben mit der Promotionsarbeit, die so umfassend und tief gehend zu sein hat, dass sie sich einer Publikation als würdig erweist.  Ernst zu nehmende wissenschaftliche Beiträge schüttelt jedoch niemand mal eben so im Vorbeigehen aus dem Ärmel. Stattdessen erfordert wissenschaftliches Arbeiten bestimmte Fähigkeiten, die im Vorfeld zu erwerben sind. Manch einer gelangt jedoch niemals zur Qualifikation, um eine Doktorarbeit oder ähnliche Leistungen abschließen zu können. Diejenigen sind natürlich dann daher auch nicht in der Lage, die entsprechenden Lorbeeren zu ernten.

Wer hingegen eine Dissertation erfolgreich beenden konnte, erhält hierfür als Auszeichnung zurecht einen akademischen Titel. Es ist in Deutschland der einzige akademische Titel, der als Namenszusatz im Personalausweis oder Reisepass aufgeführt werden darf.

Hat jedoch jemand eine Doktorarbeit auf unlautere Art und Weise beendet, obwohl er über die dafür notwendigen akademischen Fähigkeiten gar nicht verfügt, trägt er den Titel natürlich zu Unrecht. Abgesehen von kriminellen Aktivitäten, wie beispielsweise dem Verstoß gegen Urheberrechte und allgemein betrügerischem Vorgehen, muss in diesen Fällen zudem die Titel-Anmaßung gerügt werden. Und das unabhängig davon, ob der Betroffene im Anschluss an seine Dissertation eine weitere wissenschaftliche Karriere geplant hatte oder nicht.

Welche Fähigkeiten benötigt der Doktorand denn überhaupt? Er muss Ausdauer beweisen, zielstrebig arbeiten, in der Lage sein, etwas nicht nur zu beginnen, sondern auch zu Ende zu bringen. Er muss mit Begeisterung aus eigenem Antrieb arbeiten können und darf nicht strikt nach definierten Arbeitszeiten fragen. Der Doktorand arbeitet am Tage und in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen, wenn dies für sein Projekt gerade erforderlich ist. Er ist befähigt zur Kooperation mit Wissenschaftlern oder anderen Doktoranden, weiß, wie man recherchiert, zitiert und wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert. Ein künftiger Promovierter hat dazu imstande zu sein, die Eigenschaften Fleiß, Talent, Disziplin, Zielstrebigkeit und Kompetenz miteinander zu vereinen.

Wer diese Eigenschaften jedoch nicht aufbringen kann, verwirkt somit auch das Recht, jemals einen Doktortitel zu tragen. Das sollte doch auch jedem Nicht-Akademiker einleuchten können. Oder etwa nicht?

Doch warum wünscht nun jemand, der zur Promotion nicht taugt, den Titel dennoch zu ergattern? Die Antwort liegt auf der Hand: der Doktortitel kann unter bestimmten Umständen ein ausgesprochener Türöffner sein. Kann insbesondere den Zugang zu allgemein nicht notwendiger Weise akademischen Berufsfeldern erheblich erleichtern. Das scheint insbesondere in der Politik regelmäßige Anwendung zu finden. Wer ein hohes Amt möchte, muss beweisen, mehr zu können als die Mitbewerber. Was eignet sich denn hierzu besser als ein Doktortitel. Ist der doch ein klarer Beleg dafür, dass sein Träger über die weiter oben ausgeführten Fähigkeiten nachweislich verfügt.

Fälscher beschaffen sich also zudem einen Vorteil in Bewerbungsverfahren, einen unberechtigten Vorteil. Dies stellt aus meiner Sicht bereits hinreichend die Verbindung zwischen akademischem Fehlverhalten und der neuen Tätigkeit im Anschluss an den akademischen Werdegang her.

Doch damit nicht genug. Gerne bemühe ich auch die Kriminalstatistik. Diese sagt uns etwas aus über die Wahrscheinlichkeit einer Rückfälligkeit von Verbrechern. So haben Wissenschaftler aus Göttingen im Jahre 2014 analysiert, dass insgesamt 34 Prozent aller untersuchten Straftäter wieder rückfällig geworden sind. Im Falle von Raubdelikten ist die Prognose sogar noch schlechter, denn von der analysierten Personengruppe haben 50 % das rekapituliert, wofür sie einst bestraft worden sind. Im Grunde sind Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten mit Raubdelikten durchaus vergleichbar, so meine Einschätzung. Daher ist aus meiner Sicht unbedingt davon auszugehen, dass die Fälscher von Doktorarbeiten auch in ihren Tätigkeiten danach nicht von unmoralischem Handeln und gesetzeswidrigem Vorgehen lassen können.

Politiker mit nachweislich vorsätzlich erschummelten Doktortiteln sind meiner Ansicht nach in der Konsequenz umgehend von ihren Ämtern zu entbinden. Denn Deutschland benötigt in seiner Regierung weder Verbrecher noch potentielle Verbrecher.

Nun sieht man den Mitgliedern der aktuellen Regierung nicht auf den ersten Blick an, dass aus ihren Reihen die meisten Doktorarbeit-Vergehen zu verzeichnen sind. Doch wer auch als Politiker fälscht, tut dies ja gerade im Geheimen, will natürlich mit allen Mitteln nicht publikumswirksam durch seine Zweifelhaftigkeit in Erscheinung treten. Daher kann die Öffentlichkeit nur vermuten, inwieweit die einstigen Täter auch in ihren neuen Ämtern den rechten Weg verlassen haben oder nicht. Ich als Wissenschaftler denke stets nach dem Prinzip der sparsamsten Erklärung. Der zufolge ist zu erwarten, dass die Fälscher von Dissertationen auch als Politiker mehrheitlich keine Skrupel kennen, zum eigenen Vorteil vom rechten Weg abzuweichen.

Zumindest darf hinzugefügt werden, dass noch keiner (modernen) Regierung zuvor so explizit Manipulationen der Arbeitslosenstatistiken nachgewiesen wurden. Auch die politische Kontrolle der vorgeblich freien Medien wird zunehmend aufgedeckt. Namhafte Nachrichtensendungen werden dabei erwischt, bewusst falsches Bildmaterial in aktuellen Zusammenhängen zu präsentieren.

Für wie verdorben darf man die aktuelle Regierung in Deutschland denn überhaupt halten? Diese komplexe Frage will ich hier nicht pauschal beantworten.

Zumindest steht fest, dass seit 2011 acht führenden Politikern zurecht die Doktorwürde aberkannt wurde. Ein weiterer Politiker, Andreas Scheuer, wurde dabei ertappt, sich mit einem Schmalspur-Doktortitel aus dem Ausland zu profilieren, der in Deutschland nur in den Bundesländern Berlin und Bayern geführt werden darf.

Von diesen 9 Politikern, die sich des Missbrauchs eines Doktortitels schuldig gemacht haben, sind drei der CSU, einer der CDU, vier der FDP und einer der SPD zugehörig. Ein aktuelles Verfahren zur Aberkennung des akademischen Grades läuft zudem gerade gegen Ursula Gertrud von der Leyen (CDU).

Man kommt also nicht umhin herauszustellen, dass Politiker linker Parteien ihre Doktortitel offenbar zurecht erworben haben, während in den Zwillingsparteien CDU und CSU sowie in deren Lieblings-Koalitionspartner FDP der durch Betrug erschlichene Doktorgrad offenbar Methode hat.

Das ist nicht nur aus bereits genannten Gründen Anlass für berechtigte höchste Kritik an den entsprechenden Personen. Auffällig ist zudem, dass häufig in Disziplinen promoviert wurde, die vergleichsweise niedrige Ansprüche an eine ordentliche Doktorarbeit stellen. Hierzu gehören die Fächer Jura, Medizin und Sozialwissenschaften.

Diese verteilen sich wie folgt auf die Politiker, deren Doktortitel bereits aberkannt wurden, bzw. deren Aberkennungsverfahren noch läuft: zwei mal Jura, zwei mal Sozialwissenschaften und einmal Medizin.

Nun hat man also in Deutschland extra Schmalspur-Doktorgrade aus dem Boden gestampft, um es Karrieristen zu ermöglichen, ihren Titel mit minimalem Aufwand legal erlangen zu können. Und trotzdem wussten sich die betroffenen späteren führenden Politiker nicht anders zu helfen, als auch unter niedrigen Anforderungen Plagiate anstelle eigener Leistung einzureichen und zu veröffentlichen. Dies wiegt aus meiner Sicht besonders schwer, beweist es doch nicht nur die fehlende moralische Integrität der betreffenden Persönlichkeiten, sondern auch ihre offensichtliche Unfähigkeit zum selbstständigen Denken und seriösen Arbeiten.

Was Deutschland braucht, sind souveräne Politiker, gerne ohne je eine Doktorarbeit verfasst zu haben. Oder solche, die zusätzlich zur allgemeinen Souveränität auch noch einen fleißig verdienten Doktorgrad vorweisen können. Und die können offenkundig nur im linken politischen Segment angetroffen werden.

Manchmal gibt es sogar eine Diskrepanz zwischen juristischer Korrektheit und moralischer Verwerflichkeit. So hat Frau von der Leyen ihren Lebenslauf nebst Doktortitel auch dadurch beschönigt, Stationen an der kalifornischen Elite-Universität Stanford absolviert zu haben.

Die zunächst hierüber entrüstete Elite-Einrichtung, die ihren Namen missbraucht wähnte, musste inzwischen aus juristischen Gründen einlenken. Schließlich seien unter bestimmten Gründen universitäre Aufenthalte denkbar, die im Nachhinein nicht mehr überprüft werden können.

Doch nicht nur aus moralischer, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sachlage eindeutig: Wer weder einen Schein noch die Teilhaberschaft an einer wissenschaftlichen Publikation (Co-Autorenschaft oder Benennung in den Danksagungen) vorzeigen kann, die durch Mitglieder dieser Einrichtung veröffentlicht wurde, schmückt sich zu Unrecht mit seinem Aufenthalt an einer ehrenwerten Universität. Wenn Frau von der Leyen nichts dergleichen geleistet hat, ist es aus akademischer Sicht als verwerflich zu beurteilen, Stationen in Stanford im Lebenslauf aufzuführen.

Namhafte Politiker der aktuellen Regierungsparteien haben sich im Sinne dieses Artikels schuldig gemacht, schuldig auch denjenigen gegenüber, die ihre Doktorarbeiten durch Fleiß, Kompetenz und Disziplin, sogar meist mit Begeisterung für das Thema, beendet haben.

Schuldig gemacht haben sie sich aber auch denjenigen gegenüber, die sich keiner Prominenz erfreuen, aber dennoch ihre Arbeiten gefälscht haben. Denn die werden zusätzlich häufig strafrechtlich belangt, was ich hiermit auch für nachweislich schuldige Spitzenpolitiker fordere.

Quellen: u.a. http://de.vroniplag.wikia.com

Das Urheberrecht an diesem und allen anderen Artikeln dieses Blogs liegt ausschließlich bei Stefan F. Wirth, Berlin.

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Kanzlerin Dr. Angela Merkel fordert vom deutschen Volk eine Rückbesinnung zu mehr religiöser Spiritualität

Es ist zugegebenermaßen eine Zumutung, die die offenbar schon leicht ermüdete Kanzlerin über sich ergehen lassen muss. So ist sie am 3. September 2015 extra nach Bern gereist, um den Ehrendoktertitel durch die dortige Universität entgegenzunehmen, hat sich die Laudatio des Direktors Martin Täuber angehört, um dann anschließend selbst eine Dankesrede zu halten.

Zum Abschluss gibt es noch einige Fragen durch das Publikum an die Kanzlerin. Schließlich passiert das Unvermutete, eine einfache populistische Frage lässt sie ganz offenbar vollständig die Contenance verlieren. Es scheint, als sei ihr jeder intellektuelle Kontrollmechanismus abhanden gekommen, wodurch sie vor laufenden Kameras ein ungefiltertes Bild über das Selbstverständnis der deutschen Regierungspartei offenbart. Frau Dr. Merkel wirkt noch unbeholfener als sonst. Die Haare sitzen wie eine schlecht auftoupierte Perücke, die Augen wirken klein und eingefallen, die Mundwinkel-Falten ziehen sich tief gefurcht bis unter das Kinn herab. Und Frau Dr. Merkel redet sich um Kopf und Kragen, ihre Ausführungen wirken so krude und unüberlegt, dass die konservativen Medien im Ausland voller Schadenfreude triumphieren.

Was genau ist eigentlich geschehen? Eine Frau mittleren Alters, Blümchenbluse, blonde Schulmädchen-Frisur und übergroße eckige Plastikbrille, möchte wissen, was im Grunde jeder ausländerfeindliche Populist in Deutschland gerne fragen würde. Es gehe doch darum, das Volk auch zu schützen, schließlich „…kommen ja noch mehr Leute mit einem islamischen Hintergrund zu uns. Und ich glaube, was der Herr vorhin angesprochen hat, beinhaltet ja auch eine große Angst hier in Europa zu dieser Islamisierung, die immer mehr stattfindet. Wie wollen Sie Europa in dieser Hinsicht und unsere Kultur schützen?“.

Die Frage birgt nichts Neues, man könnte sie leicht souverän beantworten. Schließlich gibt es keinerlei Hinweise auf eine Bedrohung durch Flüchtlinge. Auch die freche Unterstellung, Deutschland islamisieren zu wollen, lässt jedes argumentative Fundament vermissen. Der Deutsche an sich neigt nun einmal zur Fremdenfeindlichkeit und schreckt daher auch nicht davor zurück, sogar den Diebstahl von Steuergeldern zu unterstellen. Der brave Bürger kann sich offenbar nicht vorstellen, dass hilfebedürftige Ausländer weder per se gefährlich sind noch die Staatskasse aus Steuergeldern über Gebühr belasten. Ganz davon zu schweigen, dass eine große Zahl deutscher Steuerzahler selbst ausländische Wurzeln hat und dass Steuersünder, die ihre Schwarzgeld- Bankkonten im Ausland anlegen, dem deutschen Volk weitaus größeren Schaden zufügen als jeder einzelne Flüchtling jemals vermag.

Doch Frau Merkel argumentiert anders. Ihr Mund verkleinert sich, und verkniffen presst sie die Lippen aufeinander. Die Augen sind zwei schmale dunkle Spalten, und es scheint, als rutsche ihr gleich das Toupet vom Kopf. Der islamistische Terror befinde sich in Syrien, Lybien und dem Norden des Irak, zu dem die Europäische Union leider jedoch eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen habe. Überhaupt sei Angst nie ein guter Ratgeber gewesen, weder im persönlichen noch im gesellschaftlichen Leben.

So weit, so mit gutem Willen noch akzeptabel. Zwar tut sich mir die Frage auf, ob eine Schuldanerkenntnis des Westens an der eskalierenden Gewalt im nahen Osten tatsächlich mit Verweis auf immerhin in Deutschland aufgewachsene Terroristen erfolgen sollte. Das benachbarte Ausland jedenfalls spöttelt über diesen eher hilflos wirkenden Argumentationsstrang. Vielmehr hat doch der Westen, insbesondere USA und Großbritannien, aus wirtschaftlichem Kalkül heraus militärische Interventionen in den betreffenden Ländern durchgeführt und damit Hassreaktionen der Bevölkerung hervorgerufen. Das verschweigt die Kanzlerin hier. Und dafür habe ich Verständnis, schließlich beabsichtigt sie ganz offensichtlich, sich aus dieser universitären Veranstaltung herauszuwinden, ohne im Publikum polarisierende Wirkungen zu erzeugen.

Doch da hat die Kanzlerin nicht nachhaltig gedacht. Denn eine Bemühung um kurzfristige Unauffälligkeit kann langfristig schadhaft sein. Frau Dr. Merkel muss sogar damit rechnen, dass die Aufzeichnung dieser Peinlichkeit lebenslang von den Medien hervor gekramt werden wird, immer dann, wenn vom Image der Ex-Kanzlerin und ihrer historischen Bedeutung die Rede sein soll.

Doch warum eigentlich peinlich? Bisher wurde doch lediglich mangelnde rhetorische Eleganz bemängelt, eine Eigenschaft, für die die Kanzlerin bereits seit ihrer Amtsübernahme bekannt ist. Nichts Neues also, könnte man meinen.

Doch, oh Schreck, ihre Einlassungen zur Beantwortung der Frage aus dem Publikum sind noch nicht abgeschlossen. Was nun kommt, ließ mir aus Fremdscham die Nackenhaare zu Berge stehen.

Zunächst führt sie noch aus, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Eine eigenartige Formulierungsweise, wie ich finde, sollte es doch eigentlich besser heißen: Muslimische Menschen gehören zu Deutschland. Doch erbost und verständnislos nehme ich erst die folgenden Ausführungen der Kanzlerin zur Kenntnis:

„Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Und wenn ich was vermisse, dann ist das nicht, dass ich irgendjemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut, zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Haben wir…(Stotterer, Anm. Autor)…dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal n‘ Bild in der Kirche noch erklären zu können, und, wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würd ich mal sagen, isses mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das find ich irgendwie komisch. Und vielleicht kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und n‘ bisschen mehr Kenntnis darüber haben. Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv. Gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen. …“

Im Anschluss weist Frau Merkel noch darauf hin, dass wir als Deutsche aufgrund unserer historischen Vergangenheit nun wahrlich kein Anrecht auf  „Hochmut“ besäßen. Vielleicht hat sie damit recht. Doch befassen möchte ich mich mit den epischen Ausführungen, die hier in wörtlicher Rede widergegeben sind.

Was genau soll hier vermittelt werden? Unterstellt Frau Dr. Merkel Neid als Ursache für Vorbehalte gegen muslimische Einwanderer, Neid auf eine kulturell-religiöse Identität, die jene Einwanderer besitzen, den zunehmend atheistisch werdenden Deutschen aber fehlt? Oder hat sie sich schlicht im Fach des Zynismus versucht, frei nach dem Motto: Wenn Ihr die komplexe Problematik der Flüchtlingsströme nach Deutschland auf religiöse Vorbehalte reduziert, befasst Euch doch erst einmal mit Eurer eigenen Religion?

Aus Gründen meiner Einschätzung ihres allgemeinen Intellekts traue ich Frau Dr. Merkel dies jedoch nicht zu. Als Vorsitzende einer Partei, die die christliche Religion im Parteilogo trägt, meint sie tatsächlich, was sie sagt, vermisst sie in der Tat die Kenntnis der jüngeren Generation darüber, was Pfingsten eigentlich sei.

Was ist Pfingsten? Natürlich weiß ich das nicht mehr, habe es absichtlich vergessen, aber für diesen Artikel extra einmal nachrecherchiert. Und das, obwohl ich aus reiner Bequemlichkeit der Evangelischen Kirche NOCH nicht ausgetreten bin und obwohl ich (als evangelische Minderheit) eine katholische Privatschule besucht habe.

Pfingsten feiert die „Ausgießung“ des heiligen Geistes. Jener, so die biblische Überlieferung, kam nämlich auf die Jünger und Apostel herab, während sie sich zur Begehung des jüdischen Festes Schawuot zusammenfanden. Die Bibel schildert das Ereignis ausführlich, beispielsweise in der Apostelgeschichte des Lukas (Apg2, 1-4, EU): „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“.

Frau Dr. Merkel: Deutschland braucht keinen Glauben an nicht belegbare Wundergeschichten. Deutschland braucht Bildung. Deutschland war weltweit führend, beispielsweise im Bereich der Naturwissenschaften. Das haben Sie abgeschafft! Hochqualifizierte Forscher flüchten längst ins Ausland, denn sie haben in Deutschland kaum noch Aussichten auf eine Anstellung. Und das, weil Sie, Frau Kanzlerin (bzw. Ihre Regierung), fleißig Forschungsstellen gestrichen haben!

Warum Sie das getan haben (bzw. Ihre Regierung)? Um Kritiker wie mich mundtot zu machen, Kritiker, denen vor Entsetzen schwindelig wird, wenn sie sich Ihre öffentlichen Auftritte anschauen müssen. Kritiker, die zwar voller Mitleid mit Ihnen fühlen, wenn man Sie unvorbereitet mit Fragen konfrontiert, die Ihnen dann aber beim besten Willen nur ein „ausreichend minus“ bescheinigen können, und zwar dafür, dass Sie überhaupt zum Interview erschienen sind.

So auch beim Interview, das Sie, Frau Dr. Merkel, am 7.10.2010 in der ARD bei Anne Will zu bewältigen hatten. Wie Sie sich geschlagen haben, wollen Sie von mir wissen, Frau Merkel? Wie üblich, ist meine Antwort, gerade so bestanden mit einem ausreichend minus, der Anwesenheit wegen!

Deutschland braucht keine Kanzlerin, die für wirre Äußerungen wie die folgende in die Geschichte eingehen wird: „…Dann ist doch die Aufgabe, dass man so heran geht, dass man es schafft, und dann kann man das auch schaffen. Und ich hab überhaupt keinen Zweifel, und stellen Sie sich mal vor, wir würden alle miteinander erklären, wir schaffens nicht. Und dann? Das geht doch nicht!“ (Zitat: ARD, „Anne Will“, 07.10.2015, 21:45).

Nein, Frau Dr. Merkel, da haben Sie recht, das geht so doch nicht! Sie und Ihre Partei sowie Ihre Regierung gehen nicht, und zwar so gar nicht!

Man stelle sich vor, eine feurige Mondfinsternis glüht über Berlin, und niemand nimmt Notiz davon

Wir befinden uns irgendwann um das Jahr 1000 v. Chr. in China. Ein ganz ungewöhnliches Himmels-Spektakel zieht nicht nur die Blicke der einfachen Bevölkerung in seinen Bann. Auch die königlichen Himmels-Beobachter der Zhou-Dynastie starren dort hin, wo noch vor wenigen Minuten ein runder Vollmond das Himmelsfirmament beleuchtete. Was sie dort jedoch sahen, gefiel ihnen gar nicht.

Langsam wandert ein bedrohlich dunkler Schatten über den strahlend hellen Erdtrabanten, der sich hierdurch immer weiter verfinstert. Schließlich umhüllt geheimnisvolle Dunkelheit das so vertraute Gestirn vollständig. Über der westlichen Hauptstadt des Reiches, Zongzhou, wird die Nacht schlagartig schwarz. Doch kurz nur verharrt der verschwundene Mond in völliger Unsichtbarkeit. Denn auf einmal beginnen seine Umrisse in einem feurigen Rot zu erglühen.

Ein Raunen und Wehklagen rauscht durch die Gassen von Zongzhou. Es ist mitten in der Nacht, und doch haben sich nahezu alle Bewohner der antiken ostasiatischen Metropole vor ihre Haustüren begeben. Die Himmels-Schauer des Königs haben ihrem Herrscher darauf hin nicht viel Gutes zu berichten. Nichts anderes als ein schlechtes Omen müsse es sein, wenn der Mond ganz plötzlich in leuchtendem Feuer zu stehen scheint.

Etwa 3000 Jahre später leben wir längst in einer aufgeklärten Welt. Wir kennen das Phänomen der Mondfinsternis als ein immer wiederkehrendes Himmelsereignis, bei dem der Mond in den Kernschatten der Erde gerät. Hierzu müssen drei Gestirne, nämlich Sonne, Erde und Mond, in einer Linie liegen, was nicht allzu oft geschieht. Da der Mond nicht selbst erstrahlt, sondern von der Sonne beschienen wird, erscheint er dunkel, sobald die Erde die Sonne verdeckt.

Am 28. September 2015 etwa gegen 3:00 mitteleuropäischer Zeit beginnt eine totale Mondfinsternis der ungewöhnlicheren Art, denn gleichzeitig erreicht der Mond eine besonders große Nähe zur Erde, ei n Phänomen, das als Super-Mond bezeichnet wird. Es dauert etwa eine Stunde, bis der Mond völlig im Kernschatten der Erde verschwindet. Und dennoch dunkelt er nicht vollständig ab. Denn diffuses Sonnenlicht, das von der Erde abgestrahlt wird, taucht ihn ein in einen blutroten Schein. Im Englischen wird das Himmelsereignis daher auch als Blutmond bezeichnet.

Die Medien haben das Himmels-Spektakel seit Tagen angekündigt. Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mitten in der Nacht mit Kamera-Equipment bewaffnet exponierte Orte der Welt-Metropole Berlin aufzusuchen, um die Mondfinsternis zu dokumentieren.

Eine Stadt wie Berlin ist auch nachts auf den Straßen bevölkert. In Zeiten der Schichtarbeit und der Nachtdienste ist das auch nicht nicht verwunderlich.

Verwunderlich hingegen ist die Ignoranz der Berliner, die nicht nach oben, sondern nach unten schauen. Genauer gilt ihre volle Aufmerksamkeit einem kleinen Gegenstand, den sie in ihren Händen halten. Es handelt sich um das sogenannte Smartphone, das seit Jahren einen Siegeszug um die gesamte Welt erfahren hat. Die Kombination aus Telefon, Kamera und Computer mit Internet-Zugang scheint, eine perfide Erfindung zu sein, die dazu dient, die Menschen davon abzuhalten, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. Während Umweltverschmutzung, eine durch den Menschen hervorgerufene Klimaerwärmung, Kriege und rohe Gewalt das Weltbild bestimmen, ist der individuelle Mensch auf Schritt und Tritt vernetzt, befindet sich im Dauerchat mit seinen Freunden. Ein kleines technisches Meisterwerk, das im Grunde nichts besonders zu leisten vermag, lenkt das Bewusstsein der Erdenbürger weg von den ernsten Problemen hin zur unglaublichen Banalität.

Als über dem Berliner Hauptbahnhof der besonders große Blutmond funkelt, sind die Berliner, die auf den Straßen unterwegs sind, viel zu beschäftigt, um davon Notiz zu nehmen. Schließlich erfordert es ein gewisses logistisches Geschick, auf dem kurzen Weg zum Frühdienst noch alle Bekannte davon in Kenntnis zu setzen, wie lange man geduscht hat, welches Duschgel verwendet wurde und dass an der nächsten Tankstelle noch schnell Toilettenpapier erworben werden müsse.

Wäre der Mond vor dem Berliner Hauptbahnhof herabgestiegen vom Himmelsfirmament, hätte er sich auf der Erde angekommen in eine Prinzissen aus loderndem Feuer verwandelt, die auf der Invalidenstraße den Schwanensee tanzt, niemand hätte es bemerkt.

Die NASA berichtete via Live-Stream von der Himmelserscheinung. Womöglich, so hoffte ich im Nachhinein, waren all diese scheinbar ignoranten Menschen, die mir begegneten, in eben diese Internet-Übertragung vertieft. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich nachvollziehbar, dass der eigene Blick zum Himmel schlicht aus Gründen der verhältnismäßigen Banalität unterlassen wurde.

Blood Moon signiert

Mondfinsternis über Berlin am 28. September 2015, all copyrights Stefan F. Wirth

Mein Video der Mondfinsternis am 28. September 2015