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Monat: November, 2016

Deutschlands Kinder erleben die Natur als unzugängliche Blackbox – falsch verstandener Artenschutz fördert die Unbildung unserer jüngeren Generationen

Die Kröte blähte sich auf wie ein Luftballon, als der Junge mittels Strohhalm Luft in den Anus des Tieres blies. Die Amphibie starb einen qualvollen Tod. Ein Kollege erzählte mir einmal, dass derlei Experimente sein frühkindlicher Zugang zur späteren seriösen Naturbeobachtung gewesen seien. Worin unterscheidet sich dann die brutale Herangehensweise des angehenden Naturwissenschaftlers von der des Sadisten, der aus Lust an der Gewalt agiert?

Nun, der angehende Wissenschaftler stellt sich nach seiner Tat die Frage, wie es überhaupt möglich sein kann, dass sich die Kröte wie ein Luftballon verhält. Um der Lösung des Problems näher zu kommen, hat er vielleicht denselben Versuchsansatz an einer Maus durchgeführt, die dann bei aller Bemühung nicht zur aufgeblähten Kugel heranwachsen wollte. Nun ist Literaturrecherche angebracht: Was unterscheidet die Maus anatomisch vom Frosch? Bessere Biologie-Schulbücher warten mit des Rätsels Lösung auf: Dem Froschlurch fehlen Rippen sowie eine Trennung der Brusthöhle von der Bauchhöhle in Form eines Zwerchfells.

Sollen also Schullehrern ihren Schützlingen, die einmal Karriere als Zoologen machen wollen, dazu raten, für den Fall der Fälle stets ein Sortiment unterschiedlich großer Strohhalme bei sich zu tragen? Die Antwort ist nein, denn Gewalt gegen Tiere ist unmoralisch und daher verwerflich. Derselbe Wissensgewinn lässt sich nämlich auch auf ganz andere Art und Weise erzielen. Denn, wer hätte es gedacht, Kröten können sich auch von ganz alleine aufblasen, ohne dabei Schaden zu nehmen, Mäuse hingegen nicht. Die warzigen Froschlurche tun dies sogar in ganz unterschiedlichen Situationen, nämlich bei Bedrohung durch Fressfeinde, um größer zu erscheinen, und während der Paarung.  Letzteres steht gemäß einer wissenschaftlichen Publikation australischer Forscher aus dem Jahre 2010 im Zusammenhang mit der sogenannten sexuellen Selektion. Weibchen blähen sich auf, so dass nur entsprechend große Männchen sie umschlingen können. Denn je mehr Körpermasse ein Männchen sein Eigen nennt, desto größer ist der Befruchtungserfolg. Zumindest gilt dies so für die australische Riesenkröte Bufo marinus.

Doch Kinder wissen heutzutage weder, dass Kröten und Frösche eine Metamorphose im Wasser durchlaufen, noch, dass sie sich räuberisch ernähren, ganz zu schweigen von einer Schallblase der Männchen oder dem Verlauf des Paarungsverhaltens. Wie also kann aus ihnen die Kröten-Forscher-Generation der Zukunft werden? Doch nur dadurch, dass schon Kinder zur Naturbeobachtung motiviert werden. Und was sich nicht ohne Weiteres im Freiland beobachten lässt, kann oft unter künstlichen Bedingungen bestaunt werden.

Wer schon einmal ein Terrarium gebaut hat, lernt sehr schnell, dass geeignete Tiere darin nur dann ein natürliches Verhalten zeigen, wenn der natürliche Lebensraum so exakt wie möglich nachempfunden wurde. Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Bodengestaltung und geeignete Nahrungsbedingungen sind zu berücksichtigen. Terraristik oder Aquaristik können ein guter Start für ein Kind sein, später einmal den Weg in die Wissenschaft zu finden. Denn die Erkenntnis, dass Arten an einen ökologischen Kontext gebunden sind, lässt sich schwerlich eindrucksvoller gewinnen.

Doch zahlreiche einheimische Tiere stehen unter Artenschutz. Ihr Bestand ist gefährdet. Dies wird von Eltern oder Schullehrern gerne als Vorwand genutzt, um Kinder von der Erkundung der einheimischen Flora und Fauna kategorisch fernzuhalten, anstatt ihren Entdeckungsdrang mit der selbstverständlich gebotenen Rücksichtnahme auf unsere Natur zu unterstützen. Es lassen so leider falsch verstandene Naturschutzbestrebungen der Erziehungsbefugten die Vielfalt unserer Natur zu einer Blackbox für die Heranwachsenden werden. Unsere Artenvielfalt als etwas, von dem Kinder sich fernzuhalten haben. Wer kein Aquarium oder Terrarium anlegen, im Wald nicht von den Wegen abweichen und einen Maikäfer nicht anfassen darf, der erlangt weder Artenkenntnisse noch ein Verständnis von ökologischen Zusammenhängen. Und schlimmer noch: das Interesse an alldem wird gar nicht erst geweckt.

In meiner Zeit als freier Dozent an einer Berliner Universität habe ich Lehramtskandidaten im Master-Studiengang unterrichtet. Auffallend war, wie viele Studenten an Exkursionen nicht teilgenommen haben. Andere zeigten sich echauffiert, wenn bei Waldausflügen vom Wege abgegangen oder Insekten vorübergehend zur Vor-Ort-Bestimmung eingefangen wurden. Doch wie sonst wollen angehende Biologielehrer unseren Nachwuchs von der Vielfalt des Lebens begeistern?

Jungen Biologiestudenten in den ersten Semestern fehlt heutzutage häufig die grundlegende fachliche Allgemeinbildung. In ihrer Schulausbildung können sie daher nur unzureichend ausgebildet worden sein und auch außerhalb des Unterrichts zu wenig Erfahrung gesammelt haben. Nicht nur haben sie noch nie die Entwicklung einer Kaulquappe beobachtet, weil ihnen stets verboten worden ist, einige Froscheier ins heimische Aquarium zu verbringen, auch Zoobesuche gehören offenbar nicht mehr zum Standard moderner Kindererziehung. Nur so ist es zu erklären, dass Biologiestudenten im ersten Semester häufig die Menschenaffen, immerhin unsere nächsten biologischen Verwandten, nicht benennen können.

Mein Weg zur Zoologie lief über die Terraristik. Und ich habe als Kind durchaus Gelbbauchunken, Grasfrösche oder Zauneidechsen, zumindest kurzzeitig, im Terrarium beobachtet. Letzteres ist allerdings heutzutage mancherorts im Saarland, wo ich aufgewachsen bin, kaum mehr möglich, auch nicht in dem Wald- und Wiesenbiotop, das an das Grundstück meines Elternhauses grenzte. Die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist hier rar geworden. Doch keineswegs aufgrund der Zudringlichkeiten naturbegeisterter Terrarianer. Es ist vielmehr die Mauereidechse (Podarcis muralis), die an ihrer Stelle nun zunehmend häufiger anzutreffen ist, vermutlich begünstigt durch Klimaveränderungen.

Doch nicht allein die durch den Menschen weltweit hervorgerufene Klimaerwärmung bedroht die bestehende Artenvielfalt. Rücksichtslose Bauvorhaben, das Anlegen von Monokulturen zu agrarwirtschaftlichem Nutzen, die Einführung invasiver Arten oder die verantwortungslose Verschmutzung einheimischer Gewässer führen zur Dezimierung der heimischen Artenvielfalt. Natur- und Artenschutz sind dazu da, dem entgegenzuwirken. Doch kann er nicht ernsthaft das Ziel verfolgen, Kinder davon abzuhalten, mit Gummistiefeln, Insektennetz und Einmachglas die Natur zu erkunden.

Dennoch darf terraristisches Bestreben nicht maßlos sein. Daher ist löblich hervorzuheben, dass Interessensgemeinschaften wie die DGHT (Deutsche herpetologische Gesellschaft) strikten Artenschutzbestimmungen folgen. Denn häufig geht das Interesse an Naturbeobachtungen im heimischen Wohnzimmer weit über das Ziel hinaus, nämlich dann, wenn es in Sammelleidenschaft umschlägt. Wer es zur eigenen Profilierung beispielsweise darauf anlegt, möglichst seltene, gar endemische Arten, sein Eigen zu nennen, der bedroht bestehende Tierpopulationen im In- oder Ausland und muss daher in seine Schranken verwiesen werden.

Im Übrigen lassen sich interessante Tierbeobachtungen hinter Glas nicht nur an der heimischen Fauna erleben. Zahlreiche exotische Tierarten, die sich für die Terrarienhaltung eignen, können heutzutage erfolgreich durch Terrarianer nachgezüchtet werden. Sie eignen sich daher gut für eine ökologisch gut vertretbare Haltung in den eigenen vier Wänden. Ob tropische Ameisen oder exotische bunt schillernde Blatthornkäfer,  sie alle eignen sich hervorragend, um lehrreiches und mitunter sehr ungewöhnliches Tierverhalten studieren zu können.

Die Aufwand des Hobbys Naturerkundung lohnt immer, denn je mehr inhaltlich motivierter wissenschaftlicher Nachwuchs hervorgebracht wird, desto größer sind die Chancen, unsere Artenvielfalt auch in Zukunft effektiv schützen zu können. Der britische Astrophysiker Steven Hawking verwies kürzlich in einem Vortrag an der University of Cambridge auf die Fragilität unseres Planeten, auf dem die Menschheit seiner Einschätzung nach die nächsten tausend Jahre nicht überleben wird. Umso wichtiger ist es für kommende Generationen, über ein umfassendes Umweltbewusstsein  zu verfügen. Die Basis hierfür ist ein gutes Bildungsniveau, und hierzu gehören auch aktive Naturerlebnisse, und zwar bereits in der Kindheit.

Ganz allgemein ist das Bildungsniveau Heranwachsender in Deutschland im internationalen Vergleich derzeit schlecht. Gute Lehrer wecken und unterstützen die Wissbegierde ihrer Schüler. Schlechte Lehrer haben selbst nie Wissbegierde gekannt. Sie sind daher für ihren Beruf ungeeignet.

 

 

Copyrights Stefan F. Wirth, November 2016.

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Eine Zukunft, in der künstliche Intelligenz menschliche Arbeitskräfte ablösen wird

 

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Symbolbild, Copyrights Stefan F. Wirth

 

Wir befinden uns in der fernen Zukunft, etwa im Jahre 2150. Eine ökologische Katastrophe, hervorgerufen durch mangelndes Umweltbewusstsein des Menschen, hat die vollständige Schmelzung der Polkappen herbeigeführt und einen weltweiten Klimawandel ausgelöst. Manhattan liegt unter Wasser, nur die obersten Etagen einstmaliger Wolkenkratzer ragen noch über die Fluten hinaus. Auch der Alltag der Menschheit hat sich drastisch verändert. So genannte Mechas sind eine ernsthafte Konkurrenz für Menschen aus Fleisch und Blut geworden. Die Roboter-Technologie ist so weit voran geschritten, dass Roboter der Zukunft nicht nur menschenartig aussehen, sondern auch selbstständig denken können. Sie sind zu Individuen geworden, die individuelle Ziele verfolgen können und auch hinsichtlich ihrer physischen Leistungsfähigkeit dem Menschen ebenbürtig sind.

Der Prototyp eines Unternehmens namens Cybertronics ist ein kleiner Junge, David, der dazu erschaffen wurde, kinderlosen Ehepaaren als Kind-Ersatz zu dienen (https://www.youtube.com/watch?v=2WlcL_6sa9M). David unterscheidet sich dabei optisch nicht von einem biologischen Menschenkind im Alter von etwa elf Jahren. Steven Spielberg erzählt in seinem visionären filmischen Meisterwerk aus dem Jahre 2001 im Grunde eine alte Geschichte. Carlo Collodis Pinocchio-Erzählung aus dem Jahre 1881 hat lediglich ein neues Gewand erhalten (https://www.youtube.com/watch?v=_19pRsZRiz4). In Spielbergs Zukunftsvision ist es nun nicht mehr eine Holzpuppe mit Bewusstsein, getrieben von der tiefen Sehnsucht, einmal ein richtiger Mensch aus Fleisch und Blut zu werden, sondern ein Mensch-gleicher Roboter, der sich auf die Suche nach der blauen Fee begibt, um von ihr in ein echtes Kind verwandelt zu werden. Obgleich sich das Bemühen um echte Menschlichkeit durch eine Hightech-Puppe im Film nur teilweise erfüllt, dem Zuschauer also vor Augen geführt wird, dass Sehnsucht oft Selbstzweck ist, aber auch dass  alle noch so ausgefeilte Hochtechnologie niemals imstande sein wird, einen biologischen Organismus zu erschaffen, bleibt doch die Frage nach der möglichen Wahrhaftigkeit einer solchen Zukunftsvision mit Robotern und echten Menschen im Konkurrenzkampf um einen Platz inmitten menschlicher Gemeinschaften bestehen.

Die Roboter-Technologie ist bereits in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts erstaunlich weit entwickelt. Folgerichtig wird zunehmend durch allerlei Medien die Frage aufgeworfen, inwieweit der Mensch seine eigenen Geschöpfe in Zukunft einmal als Konkurrenten fürchten muss. Philosophische Zukunftsmusik?

Keineswegs. So hat ein internationales Forschungsprojekt in Kooperation mit der Shadow Robot Company in London bereits 2013 der Weltöffentlichkeit die reelle Version eines „One Million Dollar Man“ präsentiert, namentlich eine Reminiszenz an die Fernsehserie „Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann“ aus den 1970-er Jahren. In der bekannten TV-Serie wird ein Astronaut durch einen Flugzeugabsturz so schwer verletzt, dass nur das Anbringen bionischer Körperteile (Beine, ein Arm, ein Auge) das Überleben ermöglichen kann.

Rex (Kurzform für „robotic exoskeletons“), der eine Million Dollar (?) schwere Roboter, ist weiter fortgeschritten, als man sich in den 1979-ern nur vorstellen konnte. Er verfügt über eine Gliedmaßen-Anatomie, die bis ins Detail der des realen Menschen nachempfunden ist. Laufen allerdings kann er aufgrund seiner fragilen Konstruktion nur mittels einer mechanischen Stütz-Apparatur (https://www.youtube.com/watch?v=V9scEFSIlwI&index=11&list=PLmC1FR_SSuY8zPeLJ3x3K6BgP61kuwJB5). Doch damit nicht genug. Er ist zudem dazu in der Lage, visuelle Reize in elektronische Impulse zu verwandeln und imitiert somit die Funktionsweise eines tierischen Nervensystems.

Auch ein funktionierendes Herz-Kreislauf-System nennt die Hightech-Kreatur ihr Eigen (https://www.youtube.com/watch?v=2B7Iu15NPDM&index=9&list=PLmC1FR_SSuY8zPeLJ3x3K6BgP61kuwJB5). An der Herstellung weiterer künstlicher Organsysteme, wie Harnblase, Bauchspeicheldrüse oder Lunge wird derzeit hingegen noch geforscht.

Wohin sollen diese Innovationen führen, wirklich alles nur teure Spielerei? Nein, denn die bionische Forschung verfolgt natürlich sehr konkrete und angewandte Ziele. Es geht um die Herstellung möglichst lebensechter Prothesen. Obwohl die Transplantation eines bionischen Gesichts noch blanke Science Fiction ist, arbeiten zahlreiche Unternehmen weltweit an der Entwicklung künstlicher Gesichtszüge, die menschliche Mimik imitieren sollen. Zugegeben, die aktuellen Ergebnisse lassen nur schwer erahnen, dass in ferner Zukunft vielleicht tatsächlich ein vollkommen menschlich aussehender David  erzeugt werden kann. Dennoch beeindruckt die Vielfalt künstlicher Persönlichkeiten mit humanoidem Antlitz schon heute.

Seit Jahren ist Japan in diesem Forschungssegment ein internationaler Vorreiter. Die Hiroshi Ishiguro Laboratories betreiben mehrere Forschungsgruppen, die sich mit verschiedenen Aspekten der Mensch-Robotor-Interaktion befassen. Neben einer möglichst menschenähnlichen Erscheinung der Androiden gehört hierzu natürlich auch die Fähigkeit, Sprache zu verstehen und passend dazu eine realistische mimische Reaktion zu erzeugen. Generell sollte ein intelligenter künstlicher Gesprächspartner darüber hinaus natürlich auch dazu in der Lage sein, verschiedene Geräusche im dreidimensionalen Raum voneinander trennen und richtig interpretieren zu können, eine Forschungsrichtung, mit der sich die sogenannte SI-group (sound environment intelligence) unter der Leitung von Carlos T. Ishi auseinandersetzt.

Wer aus Metall, Kunststoffen und Mikrochips die Imitation eines menschlichen Gesprächspartners erschaffen will, tut gut daran, sich an einem konkreten Vorbild zu orientieren, um tatsächlich zu individuellen Gesichtszügen des Roboters zu gelangen. So ist beispielsweise der Geminoid HI-2 der Forschergruppe aus Japan eine Nachbildung der realen Person des Teamleiters der Geminoid Research Group, Hiroshi Ishiguro (https://www.youtube.com/watch?v=WijMCSfX0RA).

Bisher wurde jedoch nur ein Aspekt der Spielberg’schen Vision aus dem Jahre 2001 hinsichtlich der Umsetzbarkeit bis heute beleuchtet, nämlich die äußere Erscheinung eines Androiden mit möglichst menschlichen Gesichtszügen und der Fähigkeit, die menschliche Fortbewegungsweise zu imitieren. Doch Roboter benötigen keineswegs eine Menschengestalt, um effizient und flexible Arbeit intelligent koordinieren und verrichten zu können. Je nach Aufgabenbereich, in dem die künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen soll, kann sogar auf die Fähigkeit zu laufen ganz verzichtet werden. Soll die Maschine hingegen menschlichen Fähigkeiten von vornherein hoch überlegen sein, so empfiehlt sich eine neuartige Fortbewegungsart, die umsetzen kann, wozu kein Mensch in der Lage ist. So sind die Roboter Case and Tars aus dem Spielfilm Interstellar aus dem Jahr 2014 wahre Formwandler, eine Fiktion, die der Erforschung extraterrestrischer Lebensräume sicher sehr förderlich wäre, die im Zuge der Verfilmung jedoch damit auskommen musste, durch Puppenspieler in Gang gebracht zu werden (http://www.moviepilot.de/news/interstellar-roboter-wurden-von-puppenspieler-gesteuert-146906).

Auf innovative Fortbewegungs-Technologien von selbstständig agierenden Robotern setzt das US-Unternehmen Boston Dynamics. Beeindruckende Videoaufnahmen zeigen beispielsweise Roboter der Atlas-Reihe beim Spaziergang im Wald (https://www.youtube.com/watch?v=rVlhMGQgDkY) oder Cheetah, den Roboter, der weltweit am schnellsten auf vier Beinen laufen kann (https://www.youtube.com/watch?v=chPanW0QWhA). Nicht Mensch und nicht Gepard waren hier alleinige Vorbilder, und doch sind die Bewegungsabläufe dieser Modelle eindeutig der tierischen Natur entlehnt. Anders der beeindruckende „Sandfloh“, der auf vier Rädern rollt, jedoch durch eine besondere Sprungmechanik unbeschadet ein Hausdach erreichen kann, um dort seinen Weg fortzusetzen (https://www.youtube.com/watch?v=6b4ZZQkcNEo).

Die Einsatzmöglichkeiten dieser intelligenten Maschinen sind vielfältig. Sie reichen von militärischen Aufgaben über die Erkundung schwer zugänglicher Lebensräume (wie beispielsweise der Tiefsee) bis hin zur Assistenz bei medizinischen Operationen am Menschen. Doch auch in der Vermittlung von Werbe-Informationen sollen Roboter künftig Einsatz finden, sind sie doch weit geduldiger und ausdauernder als menschliche Promoter. Spezialisiert hierauf hat sich das russische Unternehmen Promobot aus Perm in Russland, das besondere mediale Aufmerksamkeit erreichte, als eines seiner elektronischen Kreationen im Juni 2016 unerlaubt das Firmengelände verließ und auf der Straße einen Verkehrsstau erzeugte, weil dem neugierigen kleinen Kerl, der auszog, um die Welt zu erkunden, ausgerechnet dort der Strom ausgegangen war (https://www.youtube.com/watch?v=zmzG7kv8DGA).

Deutlich ernster zu nehmen ist natürlich die reale Aussicht, dass Roboter aller Art schon in naher Zukunft Tätigkeiten übernehmen werden, die heute noch Arbeitsplätze für menschliche Kräfte sind. Befasst hat sich mit dieser für manche Leser sicherlich düsteren Thematik beispielsweise die Zeitschrift Der Spiegel in ihrer Ausgabe vom 3.9.2016. Neben Beispielen für Roboter-Einsätze, die schon jetzt vormals menschliche Arbeitskräfte ersetzen, vermittelt die Zeitschrift einen Eindruck davon, welche Berufe in Zukunft ganz besonders von einer maschinellen Automatisierung in Gestalt Computer betriebener Arbeiter betroffen sein können. Als Quelle diente dabei eine Statistik der international agierenden US-Unternehmensberatung A. T. Kearney, derzufolge vor allem in klassischen Arbeiterberufen eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass Menschen durch leistungsfähigere und zugleich billigere Roboter ersetzt werden. In den drei oberen Positionen im Ranking um die meist gefährdeten Tätigkeitsbereiche stehen demnach Büro- und Sekretariatskräfte, gefolgt von Verkäufern und dem Gasronomieservice. Ungleich resistenter gegen eine Verdrängung durch elektronische Arbeitskräfte sind jene Berufe, die eine besondere Komplexität an Handlungsweisen verlangen. Dazu gehören beispielsweise Kinderbetreuung, Kfz-Technik, Sozialarbeit, Altenpflege und Hochschullehre, bzw. -forschung.

Aus meiner Sicht kann solchen Prognosen gerade in Deutschland nur entgegengewirkt werden, indem Regierung und Bildungsministerien das Bildungssystem drastisch umstrukturieren. Mehr Bildung ist erforderlich einhergehend mit nicht immer kürzeren, sondern deutlich längeren Schulzeiten. Bislang geht die Rechnung in Deutschland gut auf, nach dem erweiterten Hauptschulabschluss eine handfeste Arbeiterlehre zu absolvieren, um hernach als Sekretär, Postzusteller, Restaurant-Servicekraft oder Buchhalter ein gutes Auskommen zu finden, das nicht selten zu Gehältern führt, von denen manch ein akademischer Forscher nur träumen kann. Oft wird sogar bestraft, wer nach 13 Jahren Abitur ein naturwissenschaftliches Hochschulstudium absolviert, anschließend promoviert und danach als Forscher mit gelegentlichen Stipendien, Lehraufträgen und befristeten Anstellungen als Überlebenskünstler sein Dasein fristen muss. Der schnellste Weg zum eigenen Gehalt ist in vielen Augen auch heute noch der beste Weg. Und das muss sich dringend ändern. Denn kein Sozialsystem der Welt wird imstande sein, große Teile der Bevölkerung, die in Folge voranschreitender Automatisierungsprozesse im mittleren Alter aus ihren Berufen scheiden, effizient zu unterstützen und zu reintegrieren.

Copyrights für Text und Titelfoto: Stefan F. Wirth November 2016