Ich unterstütze das Adoptionsrecht für alle

Es geschieht häufig genug, dass Frauen unerwünscht schwanger werden, oft in einem so jungen Alter, dass weder Außenstehende noch sie selbst sich eine Mutterrolle vorstellen können. Um einem solchen Kind dennoch eine Zukunft zu ermöglichen, kann die Freigabe zur Adoption eine Lösung sein. Wird das Kind direkt nach der Geburt Adoptiveltern zugeführt, erlebt es möglicherweise trotz eines widrigen Starts ins Leben eine glückliche und behütete Kindheit.

Doch das Adoptionsrecht in Deutschland ist kompliziert. Nicht jedes interessierte Paar erfüllt die Bedingungen, um ein Kind adoptieren zu dürfen. Die Jugendämter willigen häufig nicht in die Vermittlung an Ersatzeltern ein. Stattdessen gibt es wenig Skrupel, das elternlose Kind in ein Kinderheim zu überstellen. Dort herrschen Schichtdienst und Massenabfertigung. Es fehlt eine dauerhafte Bezugsperson, betroffene Heranwachsende flüchten sich in der Folge nicht selten in die Drogenabhängigkeit oder gar die Welt der Kriminalität.

Ich bin daher der Ansicht, dass Adoptionsgesetze zu lockern sind. Grundsätzlich sollten alleinstehende Männer oder Frauen ebenso adoptionsberechtigt sein wie gleichgeschlechtliche Paare. Ein liebevoller Adoptivvater, eine liebevolle Adoptivmutter und liebevolle schwule oder lesbische Paare können für ein Kind, das sonst im Heim landet, nur die bessere Option sein.  Jede Form der verantwortungsbewussten Elternschaft ist besser als ein Kinderheim oder gar wechselnde Pflegefamilien.

Und dennoch regt sich auch von wissenschaftlicher Seite her Widerstand, insbesondere gegen die Möglichkeit einer Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Vertreten wird zum Beispiel die These aus biologischer Sicht, dass Kinder insbesondere unter schwulen Adoptiveltern zu leiden hätten. Aufgrund des fehlenden Mutterinstinktes neigten Männer zu mangelnder Geduld und Gewaltbereitschaft. Es wurde sogar geäußert, die Neigung zu pädophilen Annäherungen an die eigenen Adoptivsöhne stelle eine nicht selten zu erwartende und für das Kindeswohl bedrohliche Gefahr dar.

Eine mir vorliegende grundlegende wissenschaftliche Publikation, die obige Thesen in der Tat untermauert, erscheint mir jedoch auf sehr wackeligem Fundament gebaut. Eine weitere ist mir nicht bekannt. Es handelt sich bei dem Fachartikel um eine reine Literaturrecherche, die in ihrem Diskussions-Teil selbst darauf hinweist, dass die Methoden der zugrunde liegenden Einzelarbeiten mitunter dubios sind. Das Paper eignet sich somit aus meiner Sicht nicht als Referenz für Behauptungen, die schwule Paare in den Generalverdacht der pädophilen Neigung stellen. Vielmehr ist die Publikation dazu prädestiniert, Homophobie zu schüren. Denn in der Tat ist die Unterstellung der pädophilen Neigung schwuler Männer nicht neu. Die rechtsextreme und kriminelle russische Gruppierung „Occupy Pedophilia“ lockt beispielsweise junge Homosexuelle mit Hilfe gefälschter Profile in einschlägigen Online-Netzwerken in die Falle, um sie dort zu erniedrigen und zu quälen. Ziel soll eine Umerziehung hin zur Hetero-„Normativität“ sein, da Homosexualität und Pädophilie dieselbe Personengruppe betreffe. So etwas möchte doch in Deutschland hoffentlich niemand haben!

Ich warne daher davor, unbegründete Hypothesen zu verbreiten, die Gewalt und Abneigung gegen Andersartigkeit fördern können. Tatsächlich ist mir keine einzige seriöse wissenschaftliche Arbeit bekannt, aus der sich ableiten ließe, dass Homo-Männer ihren eigenen Adoptivsöhnen erotisch nicht widerstehen könnten. Ich gehe zudem davon aus, dass Männer sehr wohl dazu befähigt sind, einen Schutzinstinkt gegenüber ihren Kindern aufzubauen. Erfolgreich allein erziehende Väter belegen dies aus meiner Sicht.

Es ist meiner Ansicht nach völlig inakzeptabel, unvorsichtige und nicht hinreichend begründbare Thesen zu formulieren, die Homo-Männer der Gefahr ausliefern, noch mehr diskriminiert zu werden als ohnehin schon.

Copyrights Stefan F. Wirth, Berlin/ Saarland November 2017

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