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Kategorie: 2015

Man stelle sich vor, eine feurige Mondfinsternis glüht über Berlin, und niemand nimmt Notiz davon

Wir befinden uns irgendwann um das Jahr 1000 v. Chr. in China. Ein ganz ungewöhnliches Himmels-Spektakel zieht nicht nur die Blicke der einfachen Bevölkerung in seinen Bann. Auch die königlichen Himmels-Beobachter der Zhou-Dynastie starren dort hin, wo noch vor wenigen Minuten ein runder Vollmond das Himmelsfirmament beleuchtete. Was sie dort jedoch sahen, gefiel ihnen gar nicht.

Langsam wandert ein bedrohlich dunkler Schatten über den strahlend hellen Erdtrabanten, der sich hierdurch immer weiter verfinstert. Schließlich umhüllt geheimnisvolle Dunkelheit das so vertraute Gestirn vollständig. Über der westlichen Hauptstadt des Reiches, Zongzhou, wird die Nacht schlagartig schwarz. Doch kurz nur verharrt der verschwundene Mond in völliger Unsichtbarkeit. Denn auf einmal beginnen seine Umrisse in einem feurigen Rot zu erglühen.

Ein Raunen und Wehklagen rauscht durch die Gassen von Zongzhou. Es ist mitten in der Nacht, und doch haben sich nahezu alle Bewohner der antiken ostasiatischen Metropole vor ihre Haustüren begeben. Die Himmels-Schauer des Königs haben ihrem Herrscher darauf hin nicht viel Gutes zu berichten. Nichts anderes als ein schlechtes Omen müsse es sein, wenn der Mond ganz plötzlich in leuchtendem Feuer zu stehen scheint.

Etwa 3000 Jahre später leben wir längst in einer aufgeklärten Welt. Wir kennen das Phänomen der Mondfinsternis als ein immer wiederkehrendes Himmelsereignis, bei dem der Mond in den Kernschatten der Erde gerät. Hierzu müssen drei Gestirne, nämlich Sonne, Erde und Mond, in einer Linie liegen, was nicht allzu oft geschieht. Da der Mond nicht selbst erstrahlt, sondern von der Sonne beschienen wird, erscheint er dunkel, sobald die Erde die Sonne verdeckt.

Am 28. September 2015 etwa gegen 3:00 mitteleuropäischer Zeit beginnt eine totale Mondfinsternis der ungewöhnlicheren Art, denn gleichzeitig erreicht der Mond eine besonders große Nähe zur Erde, ei n Phänomen, das als Super-Mond bezeichnet wird. Es dauert etwa eine Stunde, bis der Mond völlig im Kernschatten der Erde verschwindet. Und dennoch dunkelt er nicht vollständig ab. Denn diffuses Sonnenlicht, das von der Erde abgestrahlt wird, taucht ihn ein in einen blutroten Schein. Im Englischen wird das Himmelsereignis daher auch als Blutmond bezeichnet.

Die Medien haben das Himmels-Spektakel seit Tagen angekündigt. Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mitten in der Nacht mit Kamera-Equipment bewaffnet exponierte Orte der Welt-Metropole Berlin aufzusuchen, um die Mondfinsternis zu dokumentieren.

Eine Stadt wie Berlin ist auch nachts auf den Straßen bevölkert. In Zeiten der Schichtarbeit und der Nachtdienste ist das auch nicht nicht verwunderlich.

Verwunderlich hingegen ist die Ignoranz der Berliner, die nicht nach oben, sondern nach unten schauen. Genauer gilt ihre volle Aufmerksamkeit einem kleinen Gegenstand, den sie in ihren Händen halten. Es handelt sich um das sogenannte Smartphone, das seit Jahren einen Siegeszug um die gesamte Welt erfahren hat. Die Kombination aus Telefon, Kamera und Computer mit Internet-Zugang scheint, eine perfide Erfindung zu sein, die dazu dient, die Menschen davon abzuhalten, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. Während Umweltverschmutzung, eine durch den Menschen hervorgerufene Klimaerwärmung, Kriege und rohe Gewalt das Weltbild bestimmen, ist der individuelle Mensch auf Schritt und Tritt vernetzt, befindet sich im Dauerchat mit seinen Freunden. Ein kleines technisches Meisterwerk, das im Grunde nichts besonders zu leisten vermag, lenkt das Bewusstsein der Erdenbürger weg von den ernsten Problemen hin zur unglaublichen Banalität.

Als über dem Berliner Hauptbahnhof der besonders große Blutmond funkelt, sind die Berliner, die auf den Straßen unterwegs sind, viel zu beschäftigt, um davon Notiz zu nehmen. Schließlich erfordert es ein gewisses logistisches Geschick, auf dem kurzen Weg zum Frühdienst noch alle Bekannte davon in Kenntnis zu setzen, wie lange man geduscht hat, welches Duschgel verwendet wurde und dass an der nächsten Tankstelle noch schnell Toilettenpapier erworben werden müsse.

Wäre der Mond vor dem Berliner Hauptbahnhof herabgestiegen vom Himmelsfirmament, hätte er sich auf der Erde angekommen in eine Prinzissen aus loderndem Feuer verwandelt, die auf der Invalidenstraße den Schwanensee tanzt, niemand hätte es bemerkt.

Die NASA berichtete via Live-Stream von der Himmelserscheinung. Womöglich, so hoffte ich im Nachhinein, waren all diese scheinbar ignoranten Menschen, die mir begegneten, in eben diese Internet-Übertragung vertieft. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich nachvollziehbar, dass der eigene Blick zum Himmel schlicht aus Gründen der verhältnismäßigen Banalität unterlassen wurde.

Blood Moon signiert

Mondfinsternis über Berlin am 28. September 2015, all copyrights Stefan F. Wirth

Mein Video der Mondfinsternis am 28. September 2015

Was sind sogenannte „Errata“?

Ziel der Forschungsarbeit eines Biologen ist stets die Publikation. Es ist dem Wissenschaftler dabei angeraten, in Journals zu publizieren, die ein ordentliches und hochwertiges Begutachtungsverfahren durchführen. Auf diese Weise ist sicher gestellt, dass die Arbeit auch tatsächlich zeitgemäßen wissenschaftlichen Standards entspricht.

Dennoch kann es auch in hochrangigen Journals geschehen, dass Fehler sowohl durch die Autoren wie auch durch die Gutachter übersehen werden. Selbst der Editor , der das Manuskript zuletzt auf die Eignung zur Publikation hin erneut überprüft, bemerkt nicht jede inhaltliche Unkorrektheit, jeden Druckfehler oder jede falsche Bildunterschrift.

Eine Publikation ist im Nachhinein jedoch nicht rückgängig zu machen. Auch Korrekturen können in der Regel nachträglich nicht mehr eingefügt werden. Sollten also Fehler nach Erscheinen der Publikation ins Auge springen, ist zu erwägen, ob der Leser diese leicht als Fehler erkennen kann oder ob ein sogenanntes Erratum (Lat. von errare = sich irren) notwendig ist, um Missverständnisse bei künftigen Lesern zu verhindern

Es handelt sich dabei um eine winzige eigenständige Publikation in derselben Zeitschrift, die in möglichst sehr knapper Form die Fehler benennt und korrigiert. Der Autor kann dann nur hoffen, dass Leser seiner Arbeit das zugehörige Erratum, das häufig erst in einer späteren Ausgabe des Journals erscheint, auch tatsächlich entdecken.

Korrekturwürdig ist beispielsweise auch, wenn ein Zoologe, der dabei ist, eine neue Tierart zu beschreiben, zu unvorsichtig ist, vor Erscheinen seiner Artbeschreibung Tiermaterial an Kollegen herauszugeben. In seltenen Fällen kann es so geschehen, dass der betreffende Kollege das Material in seine aktuelle Forschung mit einbezieht und seine Ergebnisse publiziert, noch bevor die eigentliche Artbeschreibung durch den Entdecker der Art auf den Weg gebracht wurde.

Im schlimmsten Falle nennt der Kollege in seiner vorgegriffenen Publikation einen Artnamen für das Tier. Er könnte somit unter Umständen zum offiziellen Erstbeschreiber werden. Im harmloseren Falle wird die Art als neu oder unbekannt (Gattung + n. sp. oder Gattung + sp.)angegeben. Jedoch ist es für spätere Leser beider Publikationen dann trotzdem eventuell nicht ersichtlich, dass die zuerst publizierten Forschungsergebnisse sich auf die erst danach publizierte neue Tierart beziehen.

In einem solchen Falle kann ein Erratum, um wissenschaftliche Zusammenhänge klarzustellen, angeraten sein.