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Kategorie: Bevölkerung

Tod den Naturwissenschaften – Es lebe „Inter“? Warum das individuelle Geschlechtsempfinden zwar staatlichen Schutz verdient, jedoch nicht zum biologischen Fakt erhoben werden darf

Im letzten Jahr bereits beschließt das Bundesverfassungsgericht, dass es in Deutschland als Diskriminierung anzusehen sei, wenn von Bürgern verlangt werde, sich in offiziellen Dokumenten entweder dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen. Konsequenter Weise entschied der Bundestag nun, dass etwa im Zusammenhang mit Wahlunterlagen neben der Einordnung in männlich oder weiblich als dritte Möglichkeit „divers“ eingeräumt werden solle.

 

Geburten ohne eindeutige Geschlechterzugehörigkeit

 

Klingt absurd, ist aber nicht aus der Luft gegriffen, denn in der Tat ist es biologischer Fakt, dass statistisch bei etwa einer von tausend Geburten beide Geschlechtsmerkmale gleichzeitig ausgebildet sind. Aufgrund dieser äußerlich klar nachweisbaren Merkmalszusammensetzung ist der betroffene Mensch weder ein Mann noch eine Frau. Das bereits seit der Antike gut bekannte Phänomen wird umgangssprachlich daher auch etwa als „Zwitter“ oder „Hermaphrodit“ bezeichnet. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind jedoch beide Begriffe unzutreffend. Hermaphroditismus ist in der Pflanzen- und Tierwelt nämlich ein durchaus häufig auftretendes Phänomen. Per Definitionem wird aber vorausgesetzt, dass betroffene Individuen reproduktionsfähig sind. Dies ist bei Menschen, die mit beiderlei Geschlechtsanlagen auf die Welt kommen, hingegen nicht der Fall.

Ein echter Hermaphrodit: der Regenwurm. Copyrights Stefan F. Wirth

 

Es war bislang übliches Procedere, dass Menschen mit beiden Geschlechtsanlagen im selben Körper noch im Kleinkindalter einer sogenannten geschlechtsangleichenden Operation unterzogen wurden. Dabei wird das in Folge äußerlich auszumachende Geschlecht häufig nach rein pragmatischen Überlegungen ausgewählt, nämlich gemäß der leichteren medizinischen Praktikabilität in Bezug auf den Prozess des operativen Eingriffs. Damit geschieht den Betroffenen möglicherweise Unrecht. Dass überhaupt die Entscheidung getroffen wird, Menschen ohne eindeutige Geschlechtsanlagen auf eine männliche oder weibliche Erscheinung umzuformen, wird mit psychologischen Argumenten begründet. So könne sich ein betroffenes Kind leichter in eine Welt einleben, die durch zwei klar unterscheidbare Geschlechter dominiert werde. Obwohl mir dieser Ansatz sehr plausibel erscheint, liegt eindeutig eine Diskriminierung derjenigen vor, deren Eltern sich entweder gegen die frühzeitige geschlechtsangleichende Operation entschieden haben oder die nach Erreichen der gesetzlichen Mündigkeit die Entscheidung treffen, diese wieder rückgängig machen zu lassen.

Der Entschluss des Deutschen Bundestages ist daher richtig, wird allerdings einem Phänomen gerecht, das nur selten auftritt.

 

Einfluss sozialer und psychischer Faktoren auf die Geschlechterbestimmung?

 

Erwartungsgemäß wird die Thematik jedoch politisch instrumentalisiert. Etwa vom Lesben- und Schwulenverband LSVD, dessen Vorstand, Henny Engels, zu dem Schluss kommt „, dass sich das Geschlecht nicht allein nach körperlichen Merkmalen bestimmen lässt, sondern von sozialen und psychischen Faktoren mitbestimmt wird“. Dies ist faktisch falsch und mit den Kenntnissen der modernen Naturwissenschaften nicht in Übereinstimmung zu bringen. Zwar ist es Fakt, dass es vergleichsweise häufig vorkommt, dass Menschen an sich selbst subjektiv ein anderes als ihr biologisches Geschlecht wahrnehmen, dies hat jedoch keinen Einfluss auf das faktische biologische Geschlecht. Eine biologische Frau etwa, die sich jedoch männlich oder „inter“ fühlt, bleibt faktisch zumindest dann ganz eindeutig Frau, wenn sie weiterhin empfängnis- und gebärfähig ist. Führt diese Person beispielsweise eine geschlechtsangleichende Operation zum Mann durch, handelt es sich de facto um eine Frau, die infolge eines medizinischen Eingriffs juristisch zu einem Mann geworden ist. Das Geschlecht kann aus biologischer Sicht nicht gewechselt werden. Es handelt sich lediglich um eine körperliche Angleichung, die der psychischen Wahrnehmung der betroffenen Person gerechter wird. Dass es diese Möglichkeiten gibt, ist richtig. Dass Betroffene durch Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze geschützt werden müssen, erst recht.

menschengemischt

Verschwimmen die Geschlechtergrenzen? Copyrights Stefan F. Wirth

 

Auch ist zu strikter Biologismus zu kritisieren, zum Beispiel dann, wenn es um die Frage geht, ob es sich bei einem Menschen, der mit der körperlichen Ausstattung einer Frau geboren wurde und sich auch weiblich fühlt, jedoch aus welchen Gründen auch immer unfruchtbar ist, um eine biologisch „vollwertige“ Frau handelt. Wäre der Ansatz aus wissenschaftlicher Sicht eventuell zwar vertretbar, würde er der Lebensrealität moderner Gesellschaften allerdings nicht einmal im Ansatz gerecht werden. Allzu schnell gelangte man zu Denkweisen, die nur als unmenschlich bezeichnet werden können  und beispielsweise integraler Bestandteil des menschenverachtenden Systems des Nationalsozialismus gewesen sind.

Es ist daher allgemein grundsätzlich richtig, nicht nur im Alltag, sondern auch per Gesetz der individuellen Selbstwahrnehmung und Selbstbestimmung ein Stück weit Rechnung zu tragen. Es ist dabei allerdings äußerste Vorsicht geboten. Grenzen müssen eingehalten werden. Ließe sich die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht künftig durch ein Individuum willkürlich festlegen, käme das dem Niedergang der Naturwissenschaften und somit dem inzwischen Jahrhunderte alten Geist der Aufklärung gleich.

 

Zukunft der Naturwissenschaften

 

Was sollte denn dann der Biologie-Lehrer seinen Schülern, was der Biologie-Professor seinen Studenten vermitteln? Dass die Geschlechterdeterminierung im Tierreich allgemein Folge naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten sei, es sich beim Menschen jedoch um eine Glaubensangelegenheit handele? So weit dürfen wir nicht kommen! Daher ist es aus meiner Sicht bereits ein falscher Weg, dass die geplanten Reformen der großen Koalition vorsehen, dass in bestimmten Ausnahmefällen kein ärztliches Attest, sondern eine eidesstattliche Versicherung des Betroffenen ausreichen solle.

 

Das naturwissenschaftliche Verständnis der AfD

 

Das Thema erhitzt die Gemüter. Und so fühlen sich nicht nur eher linke Verbände zu kritischen Äußerungen genötigt. Auch das rechte Lager wittert umgehend ein Podium, um politisch konservatives Gedankengut zu verteidigen. So äußert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD: „Die Geschlechtszugehörigkeit ist seit Bestehen der Menschheit ein objektives Faktum – so wie Alter und Körpergröße auch.“ Ein objektives Faktum ist vielmehr, wie sachlich unzutreffend diese Äußerung ist. Die Stellungnahme der Frau von Storch verwundert allerdings auch nicht weiter, hat sie doch bereits an anderen Stellen ihr fragwürdiges naturwissenschaftliches Verständnis vorgeführt, etwa, als sie in einem Interview forderte, es müsse erst einmal bewiesen werden, dass der Mensch Einfluss auf die zunehmende Klimaerwärmung ausübe.

Copyrights Stefan F. Wirth, Berlin Dezember 2018

 

 

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Meine Antworten zum Fragebogen der katholischen Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“

Die ökumenisch ausgerichtete und überregionale katholische Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ hat einen Fragebogen via Email versandt. Er landete in meinem Spam-Ordner und war auch nicht explizit an meine Person gerichtet. Und dennoch entschied ich mich, die Fragen zu beantworten.

Diese Antworten sollen hier präsentiert werden:

1. Irgendetwas Höheres muss es doch geben.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Nicht auszuschließen, aber auch nicht belegt. Die Evolution erklärt alle Vorkommnisse des irdischen Lebens lückenlos.

2. Gott erfährt man eher durch Fühlen, weniger durch Denken.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Das würde den Religionsgemeinschaften so passen. Ihre Schäflein bleiben nur dann folgsam und zahlungswillig, wenn man sie dumm hält.

3. Zweifeln gehört zum Glauben.

Ja, das sehe ich so.
Gängige Glaubensdogmen muss man stets bezweifeln!

4. Wenn Gott fehlt, ist alles erlaubt.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Dort, wo ein menschengemachter dogmatischer Gott das Sagen hat, ist nicht nur jede Unmenschlichkeit erlaubt, sondern sie ist sogar integraler Bestandteil jeder Glaubensbewegung. Wo ein Menschengott herrscht, herrschen stets auch Diskriminierung, Verleumdung, Hass und Morde.

5. Die Ergebnisse der Natur- und Humanwissenschaften …

… können über Gott keine Aussage treffen.
Seriöse Wissenschaften agieren faktenbasiert. Bei fehlenden Fakten wird keine Aussage getroffen. Es gibt keine wissenschaftlich haltbaren Belege für einen christlichen, einen muslimischen oder buddhistischen Gott.

6. Der zunehmende Wohlstand hat Gott überflüssig gemacht.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Das zunehmende Bildungsniveau weltweit und die damit einhergehende zunehmende Individualisierung der Menschen, die Selbstbewusstsein durch Aufklärung erfahren, machen die genannten von Menschen erfundenen Götter überflüssig.

7. Die Kirche sollte sich mehr mit der Frage nach Gott beschäftigen.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Die Kirchen dieser Welt sollten sich mehr mit Ethik, Bildung, Toleranz und Menschlichkeit befassen.

8. »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.« (Joh 14,6). Jesus ist der einzige Weg zu Gott.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Der historische Jesus aus Nazareth war ein Lehrer für Moral und Toleranz. Anstatt ihn mit der Andichtung albernen Hokuspokus zu verhöhnen, sollte man sich mit seinen Lehren befassen, den Lehren über Moral und Toleranz.

9. Nur mit Gott hat das Leben einen Sinn.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Biologisch besteht der Sinn in der Fortpflanzung. Philosophisch sind zahlreiche Zielwerte entwickelbar. Kein dogmatisches Gottesbild wird benötigt.

 

By Stefan F. Wirth

Berlin, Oktober 2018

Die AfD und Deutschlands Bildungsarmut, eine wahrlich ungute Paarung

Die AfD ist aus meiner Sicht eine Strafe für Deutschland. Doch Strafe wofür? Rechtspopulismus und Rechtsextremismus sind plötzlich wieder salonfähig. Mussten  sich die politisch Motivierten ganz rechts außen vor einigen Jahren mit ihrem oft menschenverachtenden Gedankengut noch verstecken, so können sie heute ganz offiziell und seriös gekleidet als Politiker auftreten. Nationalistische Irrlehren und völkisches Blabla, wie konnte das nur Einzug in ein modernes Europa finden? Als Jugendlicher hätte ich so etwas nicht einmal zu träumen gewagt. Ich glaubte allen Ernstes, in einem der modernsten und tolerantesten Länder der Welt zu leben. Doch nun ist alles anders geworden, und ich frage mich: Was ist die Ursache?

Die Regierungspolitik im Zusammenhang mit den Migrantenströmen wird häufig als Quelle des AfD-Übels benannt. Ich kann das nicht glauben und gehe sogar so weit zu behaupten, dass wir die AfD eventuell auch dann heute im Bundestag vertreten hätten, wenn kein einziger Flüchtling je seinen Fuß nach Deutschland gesetzt hätte. Die Flüchtlingskrise ist ein internationales Problem, die Erfolge der AfD jedoch halte ich für ein vorwiegend innenpolitisches Desaster. Zugrunde liegt aus meiner Sicht ein Versagen der Regierung auf einer ganz anderen Ebene, als immer behauptet wird. Eine Kombination aus zerrüttetem und inkompetentem Bildungssystem und einer zunehmenden Verarmung der Bevölkerung mündet in Wut und Verzweiflung. Hilflosigkeit und Unwissen einhergehend mit immer weiter eingeschränkten Fähigkeiten komplexer Gedankenführung öffnen extremistischen Scheinpolitikern alle Pforten.

Rechts will uns immer weiß machen, die Migranten, insbesondere die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, lägen uns wie Parasiten auf der Tasche, brächten Gewalt und Unfrieden in unser Land. Gern wird bei all der diffamierenden Hetze jedoch verschwiegen, dass es auch Migranten gibt, die mehrere Sprachen fließend sprechen und in ihrem Land ein Studium absolviert oder zumindest begonnen haben. Mit all dem haben sie heutzutage doch vielen Deutschen gegenüber etwas voraus. Die Wahrheit ist nämlich, dass Deutschland Kräfte aus dem Ausland benötigt, da es den Einheimischen zunehmend an Kompetenzen mangelt, und zwar ganz konkret brauchen wir auch einige derer, die entweder in Deutschland Asyl beantragt haben oder aber hierher gekommen sind, eine Duldung ohne Asylverfahren erwirkten und einen Arbeitsplatz oder einen Ausbildungsplatz ergattern konnten.

Was nur wären die Parolen der AfD heute, wenn es keine Migrantenströme gegeben hätte? Eigentlich auch völlig egal, denn um die Inhalte geht es ja nicht wirklich. Einfach gestrickt müssen sie sein, die Parolen, etwa von der Sorte Forderungen, die manch einem ansonsten geistig durchaus regen Menschen im Vollsuff aus der Rübe purzeln können. Aus meiner Sicht gilt ganz allgemein: Mehr Bildung in Deutschland bedeutet weniger AfD!

Von Verwandten in höheren AfD-Positionen distanziere ich mich ausdrücklich.

Berlin, Juli 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

Fall aus Rendsburg: Dürfen Schulen ihre Schüler zum Besuch von Kirchen nötigen?

Medienberichten zufolge hat das Amtsgericht Meldorf in Schleswig-Holstein die Eltern eines dreizehn-jährigen Jungen zu einem Bußgeld in Höhe von zwei mal 25 Euro wegen eines vorsätzlichen Verstoßes gegen das Schulgesetz verurteilt. Der verhandelte Fall ereignete sich bereits in 2016: Aufgrund der Befürchtung einer religiösen Indoktrination hatten die Eltern ihrem Sohn die Teilnahme an einer Moschee-Besichtigung, die von der organisiert wurde, untersagt.

Gemäß den Einlassungen des väterlichen Anwalts sei der Besuch der Moschee als Religionsunterricht eingestuft worden, zu dessen Teilnahme keine Verpflichtung bestehe. Die Eltern seien jedoch Atheisten und befürchteten durch den Schulausflug eine religiöse Beeinflussung ihres Sohnes. Darüber hinaus kritisiere man allgemein einen „Umbau“ der Bundesrepublik in eine „multikulturelle Wertegesellschaft“.

Das Gericht folgte diesen Einschätzungen jedoch nicht. Werbung für den Islam habe es nicht gegeben, weswegen der Moschee-Besuch dem Schüler zumutbar gewesen sei. Das Gericht ließ jedoch die Möglichkeit einer Rechtsbeschwerde zu. Es berichteten unter anderem die Kieler Nachrichten.

Die Schule selbst legte dar, dass Religionsunterricht nur dann vorliege, wenn Religionen als „wahr“ dargestellt würden, dies sei aber hier nicht der Fall gewesen.

Spiritualität und Gottesglaube haben menschliche Kulturen seit jeher erheblich beeinflusst. Viele menschliche Errungenschaften stehen im engen Bezug zur Religiosität. Man denke in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Architekturgeschichte, und das weltweit und keineswegs nur im europäischen Raum. Generell gilt: Wenn wir eine Kultur verstehen wollen, das betrifft auch längst vergangene Kulturen, ist das Verständnis des spirituellen Lebens von zentraler Bedeutung. Denn in den meisten Kulturen der Welt gibt und gab es keine Unterscheidung zwischen Weltlichkeit und Glaube.

Daher kann der Besuch auch eines aktiven Gotteshauses in unserer Zeit, welcher Religion auch immer zugehörig, eine Bereicherung sein, die das allgemeine Bildungsniveau erhöht. Ich beispielsweise besuche als religionsloser Wissenschaftler und Künstler gerne Kirchen, insbesondere alte und geschichtsträchtige Gebäude. Dabei beeindrucken mich nicht nur die Entwicklung architektonischer Errungenschaften, sondern natürlich auch die der bildenden Kunst. Zudem weisen Gotteshäuser häufig besondere akustische Eigenschaften auf, die jedes Konzert zu einem wahren Erlebnis werden lassen.

Und dennoch stellt sich die Frage, ob es Bürgern im Deutschland des 21. Jahrhunderts frei stehen sollte, ob sie eine Kirche betreten möchten oder nicht. Indoktrinieren aktive Gotteshäuser nun per se, oder tun sie das nicht? Jede aktive Kirche in moderner Zeit ist darauf aus, Gläubige an sich zu binden. Daher konfrontiert eine Kirche immer jeden Besucher mit Ansätzen der Beeinflussung, also der Indoktrination.

Anders als in fast allen vergangenen und der Mehrheit moderner Kulturen sind im modernen Deutschland Glaube und Weltlichkeit strikt voneinander getrennt, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob dies der Kanzlerin bekannt ist. Es ist daher aus meiner Sicht nicht zu vertreten, dass Menschen gegen ihren Willen zum Kirchgang verpflichtet werden. Ein Bildungsdefizit hierdurch ist heutzutage längst nicht mehr gegeben. Die digitale Revolution macht es leicht möglich, Aspekte kirchlicher Kunst oder Architektur auch virtuell in hinreichender Qualität erleben zu können. Daher ist mir die hier vorliegende gerichtliche Entscheidung zur Gänze nicht nachvollziehbar.

Die Welt und unser Bildungsniveau leiden derzeit unter einer ganz neuartigen Welle religiösen Wahns. Der fanatische Islamismus mag eine Ausprägung davon sein, die verschiedenen Facetten ursprünglich christlicher Schöpfungsmythen sind jedoch mit Sicherheit eine andere, und zwar eine nicht unbedingt minder bedrohliche. Vorwiegend aus den USA kommend stellen Kreationismus und Intelligent Design Wissen und Erkenntnisse aus den seriösen Wissenschaften der letzten zweihundert Jahre in Frage. Gläubigen wird so geschickt die Befähigung zur selbstständigen Hinterfragung von Sachverhalten des täglichen Lebens genommen. Das macht Menschen zwar leichter kontrollierbar, der Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung jedoch wird erheblich beeinträchtigt.

Dabei müssen spirituelle Glaubensdogmen in heutiger Zeit keineswegs deutlich sichtbar das Etikett einer Religionsgemeinschaft tragen. Ein Beispiel hierfür sind bestimmte Denkansätze des Gender-Mainstreamings, die unter anderem den genetisch und hormonell determinierten Geschlechtsdimorphismus beim Menschen bestreiten. Es handelt sich um Pseudo-Naturwissenschaften, basierend auf Glaubensentwürfen, die derzeit in Deutschland zum Nachteil der echten Naturwissenschaften mit erheblichen Forschungsgeldern ausgestattet werden.

Es ist besonders vor diesem Hintergrund hervorzuheben, dass die Aufgabe unserer Schulen vor allem darin besteht, Wissen und nicht Glauben zu vermitteln, um beispielsweise seriösen wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen. Doch diesem Bildungsauftrag kommen deutsche Schulen bereits seit Jahren nicht mehr hinreichend nach. Es hapert bei jungen Studenten mitunter ganz erheblich an jeder grundlegenden Allgemeinbildung, wovon ich mich als universitärer Dozent immer wieder überzeugen konnte.

Gerade in diesem Zusammenhang erscheint mir der hier verhandelte Fall als lächerliche Farce, die aus meiner Sicht die Seriosität deutscher Schulen an sich in Frage stellt.

Das soll allerdings nicht bedeuten, dass ich den Ausführungen der väterlichen Seite bei Gericht folgen möchte, denen zufolge Deutschland sich im Umbau hin zu einer multikulturellen Wertegesellschaft befinde. Als seien multikulturelle, also durch verschiedene Ethnien geprägte Gesellschaften etwas Besonderes. Ohne die permanente Vermischung von Populationen hätte nämlich der moderne Mensch die letzten 300 000 Jahre aufgrund der Notwendigkeit genetischer Vielfalt nicht überleben können.

Berlin, Juli 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

 

The mite Histiostoma blomquisti and creationism in Louisiana/ USA

New Orleans is a dynamic and a very lively city, a city full of freedom and tolerance, a city of life style and of a unique cuisine. A mix-up of ethic groups and cultures, New Orleans, the modern city, a world metropolis.

But this is not Louisiana, it is an island, an exception, New Orleans is not even the capital of this Southern Federal State. The rest of Louisiana is landscape, swamps, wetlands, pine woods, red sand, even a Red River, harmless snakes and a touch of music, not any kind of music, Louisiana is the birthplace of Jazz.

LA is unfortunately also home land of a strict two class society, with the white race in a top position and the native Americans and the blacks on a level much further below. The latter inhabit usually the so called „no go-areas“. That’s where poverty lives, where a permanent existential emergency dominates the daily routine, and yes, where based on all this distress also criminality finds a new home again and again.

It’s a land, where racism is still alive, where colored people take over the minor jobs, while the whites reign over in high positions. A land of injustice, of inconsistency, a land of religious fanaticism.

Nevertheless, beauty can be found everywhere. When the setting sun illuminates the colorful water of the Red river or shines on lying around rusty metal scrap, then a  spectacle of glowing colors blinds the eyes of the audience. When I walked across the fields and forests, then I found an inspiring silence, a flood of harmonic nature impressions, giant millipedes of Polydesmida hiding under freely lying stone chunks, butterflies colonizing rotting fruits and fluttering with a gentle noise in the air, colorful water turtles taking their sun baths around ponds, and under suitable weather conditions I witnessed wedding celebrations of a very special kind: winged ants rose in the air to mate for their first and only time.

The most common ant species is the Red Imported fire Ant, Solenopsis invicta, a fascinating social insect, but far away from being native to Louisiana. It is a so called invasive species, which was transferred to the Southern US via ballast substrate of ships coming from Southern America. The high frequency of ant colonies in Louisiana makes that species to a worthwhile research object, and even especially being an unwelcome invader, which needs to be better understood to successfully be fought.

As most known ant species, also S. invicta is characterized by hosting a remarkable number of non-ant-inhabitants in their nests, for example mites. One mite species attracted a special attention due to its habit to appear in great numbers on winged ant females and rarely also on their males. Nobody was competent to describe it taxonomically, but I was, that’s why I travelled in 2009 to the Southern Research Station of the USDA Forest Service in Pineville, funded by the German DFG (German Research Foundation). I was very friendly and courteously hosted by the 80 years old colleague John C. Moser, who supported my research by providing access to a microscope and preparation equipment. Although he did not participate directly in my taxonomic work, I honored his contributions of ideas and his interest in my work by offering him a co-authorship.

After the species description was already almost finished and the discussion was about the species‘ name, he unexpectedly insisted in the epitheton „blomquisti“, to honor his assistant Stacy Blomquist. Although he surely was depending on her young dynamic power, I was certainly not amused about this choice. Mrs. Blomquist appeared me being too much involved into the kind of spiritual devoutness, which seemed me to be typical for the whole land. But there was no way out, the species was finally named Histiostoma blomquisti Wirth & Moser, 2010. As a consequence, my name would be forever  connected with hers, an immutable fact. But I still have the freedom to emphasize that I until today think that a biological assistant without a high and internationally well known scientific reputation never deserves a species being named after her. I additionally insist in the fact that I unsolicited would never honor somebody I consider a religious activist with my scientific work. Thus I announce herwith my strict distance to Mrs. Blomquist, who accidentally became namesake of my species.

As all Southern US-States, Louisiana is a land dominated by the creationism, being part of the so called bible belt. I was told that the separation between blacks and whites even goes thus far that there exist black and white churches, but I experienced for sure that Chinese inhabitants are priviledged to be considered white, thus visiting the white churches.

Once I was invited to a private video evening. It was organized by a Chinese assistant of the research institute and a white colleague of him, a hobby marathon runner. They presented the 2003 US/ German/ British co-production „Luther“ with Joseph Fiennes in the main role. Directed by the British Eric Till, this very average movie with a Martin Luther, attractive, slim, completely unlike the historical original, fat with a strong penchant for alcohol, was a strange choice for me as a cineaste, but I expected an entertaining popcorn evening with discussions about good and bad movies. But what I then witnessed was very unexpected.

It was so silent that I could hear the air breath, the flies buzzing around, a mysterious expectation filled the room, while my two hosts stared to the screen, awaiting the first appearance of „Martin Luther“ with religious reverence and deistic adoration. I landed in a private divine service, and when Joseph Fiennes appeared for the first time, both raised their arms ecstatically into the air, praising Luther as the great only one. It kept going on like this, no popcorn for me, but very frequent cigarette breaks instead, I fled outside as often as I could.

It is a well known phenomenon that in areas of unjustice worldwide natives tend to protect their own conscience with an unfounded belief to stand under a special supervision by a god. Only a god of immorality and misanthropy claimes to have created the planet and all life on it within six days, only such a god supports the inequality of races and the discrimination of minorities.

Berlin, November 2017

Histiostoma blomquisti on fire ant queens

Copyrights Stefan F. Wirth

 

Abgeordnete von CDU und CSU mit hohen nicht transparenten Nebeneinkünften, wenigstens schickt die OSZE Wahlbeobachter nach Deutschland

Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren in vielen Bereichen negativ verändert. Das macht sich im allgemeinen Bildungssektor und den Wissenschaften schon länger bemerkbar. Doch auch das Sozialsystem hinkt.

Hochqualifizierte Naturwissenschaftler, insbesondere aus der Grundlagenforschung, wie zum Beispiel Zoologen, flüchten ins Ausland, weil Deutschland großflächig diverse Forschungsdisziplinen nicht mehr finanziert. Das tun inzwischen andere, die USA, auch südamerikanische Länder oder Russland. In den biologischen Disziplinen Systematik, Taxonomie und Phylogenie war Deutschland einst weltweit führend. Heute führen andere.

Doch die CDU dominierte Regierung scheint wenig Interesse an einem hohen Bildungsstandart in Deutschland zu haben. Zu viele Menschen mit intellektuellen Fähigkeiten würden schließlich die Wahlerfolge der Erzkonservativen gefährden.  Denn das haben wir doch schon immer aus den Erfahrungen mit Ländern, die durch Macht-Regierungen kontrolliert wurden, gelernt: Die effizienteste Diktatur lässt sich am besten dort errichten, wo die Bevölkerung am wenigsten weiß.

Hierzulande wissen immer weniger angehende Akademiker, ihre eigene Sprache fehlerfrei zu Papier zu bringen. Wie soll solch eine Bevölkerung noch wissen, wen sie da eigentlich seit über einem Jahrzehnt brav an die Macht wählt?

Bereits die Regierung Adenauer hat Täter des Nationalsozialismus mit politischen Ämtern versehen, andere aus den Gefängnissen in die Freiheit entlassen. So wurden beispielsweise Täter des Konzentrationslagers Buchenwald Mitte der 1950-er Jahre kurzerhand und unbeschwert in die Gemeinschaft zurückgeführt: SS-Obersturmführer Philip Grimm, der unter anderem für den Abtransport behinderter Häftlinge sorgte, SS-Hauptsturmführer Herman Hackman, ließ 8000 Gefangene der Roten Armee durch Genickschuss töten, SS-Hauptscharführer Gustav Heigel, hat über 350 Hinrichtungen durchführen lassen und Wolfgang Otto, SS-Scharführer, in Buchenwald Protokollführer des Exekutionskommandos, hernach bis 1962 Religionslehrer an einer katholischen Volksschule.

In der Ära Kohl war der CDU-Bundeskanzler selbst in einen Korruptionsskandal um vermeintliche Spendengelder verwickelt. Und auch in der Merkel-Regierung ist der Schein zum Machterhalt wichtiger als eine gute und verantwortungsvolle Innenpolitik. Von Politikern gefälschte Doktortitel gelten offenkundig als Kavaliersdelikt. Soziale Not in der Bevölkerung wird durch beschönigende Statistiken vertuscht. Deutschland kann zudem dauerhaft in der international vergleichenden Pisa-Studie keinen hohen Platz mehr belegen.

Doch frei nach dem Slogan Macht allein macht immer noch nicht glücklich sind den Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU die beachtlichen monatlichen Diäten in Höhe von fast zehntausend Euro nicht genug. Gemäß einer Studie der Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de erscheinen Abgeordnete dieser Parteien in einem Ranking zur Höhe von Nebeneinkünften deutscher Bundestagsabgeordneter auf neun der ersten zehn Plätze. Die höchsten Nebeneinkünfte werden dabei Philipp Graf von und zu Lerchenfeld zugeordnet.

Alles legal, und doch beanstandet die Organisation aus meiner Sicht zurecht, dass die genaue Herkunft von Summen in Millionenhöhe nicht vollständig angegeben werden muss.

Für die Betroffenen natürlich sehr angenehm. Und solange die politischen Machtverhältnisse bleiben, wie sie heute sind, muss auch in Zukunft niemand ernsthaft befürchten, dass ihm genauer auf die Finger geschaut wird. Dazu muss allerdings die Bundestagswahl auch tatsächlich gewonnen werden. Kein Problem, wenn man ernstzunehmende Wahlprognosen zugrunde legt. Eine Regierung von CDU und FDP wird erwartet.

Wenn es nun aber, selbstverständlich völlig unerwartet, nun doch brenzlig werden sollte, würde man sich dann so ohne Weiteres geschlagen geben? Die OSZE ist davon offensichtlich nicht so ganz überzeugt, weswegen gemäß der Zeit Online drei bis fünf Experten als Wahlbeobachter nach Deutschland entsandt werden sollen.

Eine Geste immerhin, die jedoch auch bei den Wahlen in 2009 den Verlauf nicht in Frage stellte. Das wäre womöglich für ein solch übersichtliches Expertenteam auch schwer in die Wege zu leiten. In anderen Ländern werden ungleich größere Wahlbeobachtungsmissionen durchgeführt. Das Zugeständnis ist dem Artikel zufolge im Übrigen dem Engagement der AfD geschuldet, woraufhin ich nur sehr ungern hinweise. Denn nichts, das sich rechts von CDU/ CSU positioniert, kann Deutschland aus meiner Sicht zugute kommen.

Doch es hat natürlich seine Gründe, dass Teile der Bevölkerung ihr Vertrauen dem rechten Populismus schenken. Denn einfache Antworten und Schuldzuweisungen simulieren häufig greifbare Hoffnung auf Verbesserung, wo in Wahrheit noch ein langer steiniger Weg zu meistern ist.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland groß geworden. Wer am Existenzminimum und darunter lebt, fühlt sich immer häufiger unverstanden. Wie kann ein Politiker, der monatlich über Einnahmen von mehr als zehntausend Euro verfügt, Verständnis für die Nöte derjenigen aufbringen, die sich bei Einkünften von unter 400 Euro ihr Brot nicht leisten können.

Links bietet stets die besseren politischen Konzepte, doch sind sie meist nicht so leicht verständlich wie rechtsradikale Polemik. Umso mehr müssten sich die linken Parteien Linkspartei, Grüne und SPD um ihre Wählerschaft bemühen. Doch es hapert am politischen Engagement. Gerade die kleineren Linksparteien gefallen sich leider zu sehr in ihren Rollen als Opposition.

Deutschland hat jedoch keine Zeit für oppositionelle Genügsamkeit. Denn auf Berlins Straßen ist die Obdachlosigkeit nun allerorts nicht mehr zu übersehen.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, 02. August 2017

 

 

Der Selbsthass der Tschetschenien-Führer führt zu Mord und Inhaftierung Homosexueller

Gemäß eines Artikels in der russischen und regierungskritischen Zeitschrift Nowaja Gaseta geschehen derzeit im Nordkaukasus grauenvolle Dinge. Schwule Männer sind in Tschetschenien in einer großangelegten Razzia „aufgrund nicht traditioneller sexueller Orientierung“ verhaftet, misshandelt und an einen unbekannten Ort verbracht worden. Die Autorin des Artikels, Jelena Milaschina, spricht von um die hundert Festnahmen und mindestens drei Toten.

Da die bedrohliche Klaue des religiösen Fanatismus seit jeher die autonome Region im Kaukasus gefangen hält, ist es nicht einmal leicht, Homosexuelle ausfindig zu machen. Öffentlich würde niemand seine erotischen Vorlieben bekennen. Daher sind die Opfer Milaschina zufolge in einschlägigen sozialen Netzwerken ausfindig gemacht und unter dem Vorwand einer erotischen Verabredung in die Falle gelockt worden.

Unter den Verschwundenen seien auch Prominente. Dabei beruft sich die investigative Journalistin auf Hilferufe, die User in sozialen Netzwerken gepostet haben. In einem solchen Post auf VKontakte werde beispielsweise geschildert, wie ein 16-Jähriger seinen Angehörigen oder Freunden zurück übergeben wurde. Der junge Mann sei nach seiner Verhaftung als „ein Sack voller Knochen….vor die Tür geworfen worden“, und zwar mit dem Hinweis, man möge ihn nun töten.

Nach Anfrage durch die Nachrichtenagentur Interfax äußerste der Sprecher des lokalen Machthabers Ramsan Kadyrow ein Statement, das menschenfeindlicher nicht sein könnte. „Man kann niemanden verhaften oder unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“ Und falls solche Leute existierten, so Alwi Karimov weiter, „müssten sich die Sicherheitsbehörden keine Sorgen um sie machen, denn ihre Verwandten würden sie schon an einen Ort geschickt haben, von dem sie nie wiederkehren könnten.“

Tschetschenien ist nicht als Hort der Wahrung von Menschenrechten bekannt. Dies liegt nicht zuletzt am religiösen Traditionalismus, denn die Mehrheit der Tschetschenen gehört dem sunnitischen Islam an. Religiöser Fanatismus tritt die Menschlichkeit bekanntlich schon immer mit Füßen.

Von den homophoben Vorfällen in Tschetschenien berichten unter anderem Die Zeit online und die New York Times. Erstere verweist in ihrem Artikel darauf, dass Tschetschenien ein Teil Russlands sei und daher all diese brutalen Geschehnisse im Nordkaukasus durch Putin selbst stillschweigend gebilligt würden.

Zwar ist Russland in der Tat kein Homo-freundliches Land. Die diesbezügliche Gesetzgebung mit dem sogenannten Propaganda-Verbot wird international auch zurecht kritisiert. Dennoch ist Homosexualität in Russland legal. Russische Besucher in Berlin berichteten mir regelmäßig von Schwulenclubs und Homobars, die in den Metropolen Moskau und St. Petersburg besucht werden können, ganz selbstverständlich, so wie in westlichen Ländern auch.

So scheint mir die geballte Menschenverachtung, die Schwule in Tschetschenien ertragen müssen, doch vorwiegend ein regionales Problem zu sein. Doch was sind die Ursachen hierfür? Schürt wirklich allein der religiöse Fanatismus Hass und Intoleranz gegen abweichende Lebensentwürfe?

Aus biologischer Sicht beruhen Hass und Vernichtungswille gegen das eigene Geschlecht zumeist auf einem ausgeprägten Konkurrenzdruck. Wenn es dabei nicht um Besitz oder Territorien geht, dann haben wir es in der Regel mit dem Aspekt der Spermienkonkurrenz zu tun, ein Phänomen, das im Tierreich häufig auftritt. Um die eigene Erbinformation möglichst häufig weitergeben zu können, werden andere Männchen bekämpft, vertrieben oder vernichtet.

Gibt es hingegen keine Konkurrenz, weder in Form von limitiertem Besitz noch einer begrenzten Anzahl an Weibchen, sind Kampf und Vernichtungswille Energieverschwendung. Rein heterosexuell ausgerichtete Männer haben daher auch kein Problem mit rein homoerotischen Geschlechtsgenossen, denn man kommt sich ja schlicht nicht in die Quere.

Doch die Situation für Männchen der Art Homo sapiens ist in Wahrheit weitaus komplexer. Denn gemäß meiner Literaturrecherche sowie meiner Gespräche mit Männern unterschiedlicher Lebensentwürfe zeigt sich, dass die Bisexualität unter Männern einen großen Stellenwert einnimmt. Nach derzeitigem Stand kann ich nicht anders, als davon auszugehen, dass Homophilie in unterschiedlich starker Ausprägung ein fester Bestandteil des männlichen Erotik-Verhaltens ist. Männer mit rein heterosexueller Veranlagung und solche mit rein homosexueller Ausrichtung stellen demzufolge offenbar lediglich Minderheiten dar.

Daher stehen bisexuelle Männer grundsätzlich in Konkurrenz mit homosexuellen Geschlechtsgenossen. Da es hierbei jedoch nicht wirklich um biologische Spermienkonkurrenz gehen kann, müssen potentielle männliche Erotik-Partner als eine Art begrenzte „Ressourcen“ angesehen werden, um die herum sich ein Wettbewerb aufbaut.

Sind nun bisexuelle Männer aufgrund religiöser Dogmen dazu verdammt, sich ihre natürliche Neigung mit Gewalt zu unterdrücken, kommt zu alledem noch der Aspekt des Neids hinzu. Denn Selbsthass und die unnatürliche Bekämpfung der eigenen biologischen (homoerotischen) Triebe führen dazu, dass Betroffene untätig mitansehen müssen, wenn wenn weniger konservative Geschlechtsgenossen „die Ressource“ eines männlichen Sexpartners zur Erfüllung ihrer erotischen Bedürfnisse ganz unkompliziert „nutzen“. Diejenigen, die aufgrund der selbst auferlegten Enthaltsamkeit nichts vom Kuchen abbekommen können, reagieren auf dieses vermeintliche Unrecht nicht selten mit blindem und zerstörerischem Hass.

Copyrights Stefan F. Wirth, April 2017

 

Eine absurde Bestrafung für den Tatbestand der Geschichtsverfälschung?

Im alltäglichen Leben muss grob zwischen zwei verschiedenen Formen von Thesen unterschieden werden: Die einen sind durch nachprüfbare Fakten begründet, die anderen durch Glauben. Die Existenz eines christlichen Gottes und der wundersame Niedergang des Heiligen Geistes über die Jünger Jesu Christi gehören dabei eindeutig zu Letzterem.

Nun ist in der deutschen Gesetzgebung ein Paragraph verankert, der die so genannte Volksverhetzung unter Strafe stellt. Wo jedoch beginnt jene strafbare Hetze? Die Grauzone ist groß. Überschritten wird sie ganz eindeutig durch die absurde Behauptung, die über den Religionsunterricht an Kinder weitergegeben wird, eine Jungfrau irgendwo im heutigen Israel habe vor rund 2020 Jahren in Form einer Jungfernzeugung ein Kind durch Gott empfangen. Dieses Kind sei schließlich im Erwachsenenalter zum Tode durch Kreuzigung verurteilt worden, hernach jedoch von den Toten auferstanden.

Die Lehre im Zusammenhang mit dieser fantasievollen Hokuspokus-Geschichte wird auch heute noch ungehindert an deutschen Schulen, Universitäten und kirchlichen Einrichtungen gelehrt. Opfer dieser Volksverhetzung sind vor allem Kinder, die aufgrund ihrer nicht vorhandenen Lebenserfahrung besonders leicht vom Wahrheitsgehalt eines Märchens überzeugt werden können. Und doch bestraft niemand die Verantwortlichen wegen des Vergehens der Volksverhetzung .

Märchen kann jeder fantasiebegabte Mensch leicht erfinden, durch klare Fakten gestützte Hypothesen aufzustellen, das hingegen erfordert besondere Erfahrung und ein adäquates Bildungsniveau.

Jeder könnte beispielsweise die frei erfundene Hypothese verbreiten, in Berliner Wäldern gäbe es keine Eichen. Niemand würde dieser Lüge jedoch besondere Beachtung schenken, denn alle kundigen Berliner können das Gegenteil leicht beweisen, in dem sie einfach die nächst beste Eiche durch geeignete Mittel dokumentieren.

Es unterscheidet allerdings die deutsche Gesetzgebung im Unterschied zur Biologie ganz klar zwischen Pflanze, Tier und Mensch. Wenn also Ursula Haverbeck (87) eine absurde Geschichte erfindet, die der törichten Leugnung der Existenz Berliner Eichen im Grunde sehr ähnlich ist, gehen die möglichen Konsequenzen ihres Aktivismus jedoch deutlich über diejenigen aus meinem Baum-Beispiel hinaus. Denn hier sind die Opfer der Falschbehauptung nicht Pflanzen, sondern reale Menschen. Es könnte nämlich Menschen geben, die Haverbecks Geschichten Glauben schenken, ohne nach den zugrunde liegenden Fakten überhaupt nur zu fragen. Im Falle der Holocaust-Leugnung durch Frau Haverbeck könnte es also geschehen, dass leichtgläubige Zuhörer und Leser ihrer Vorträge und Publikationen die Nicht-Existenz des Holocaust als wahre Tatsache missinterpretieren und somit einer ethnischen Volksgruppe, den Juden nämlich, konkretes Unrecht zufügen. Wäre nämlich der Holocaust in Zeiten des deutschen Nationalsozialismus kein historischer Fakt, hätte man zahllose Menschen zu Unrecht für ihre Beteiligung an diesem frei erfundenen Holocaust bestraft. Eine wichtige treibende Kraft der Holocaust-Verfahren waren jüdische Kläger und jüdische Zeitzeugen. Gemäß der Haverbeck’schen Thesen wären diese dann nicht Opfer und rechtmäßige Kläger, sondern menschenverachtende Täter.

Frau Haverbeck erklärt also unschuldige Menschen zu Verbrechern gegen die Menschlichkeit, was ihre frei erfundene Holocaust-Leugnung ganz grundsätzlich zu einem sehr folgenschweren Vergehen macht. Und dennoch ist Haverbeck’sches Gedankengut durchaus gut mit meinem Beispiel der Leugnung der Berliner Eichenbestände vergleichbar. Nämlich durch die leichte Widerlegbarkeit einer fantastischen Behauptung.  Hinsichtlich seiner schwerwiegenden Konsequenzen für heute lebende Menschen ist das Gedanken-Konstrukt Haverbecks allerdings eher den christlichen Wunder-Dichtungen ähnlich. Wer tatsächlich dem spirituellen Mumpitz Glauben schenkt, mit dessen Erfindung der Vatikan in Rom seit beinahe zweitausend Jahren befasst ist, der geht auch davon aus, dass Masturbation eine Sünde und gleichgeschlechtliche Liebe wider Gottes Willen sei oder dass die Frau dem Manne Untertan sein und jeder Andersgläubige in der Hölle schmoren müsse. Der religiöse Wahn kann nicht anders, als Unwissen, Unfriede, Misstrauen und Hass in der menschlichen Gemeinschaft zu schüren. Und doch hilft dagegen nicht, die Verantwortlichen ins Gefängnis zu schicken.

Stattdessen muss die Glaubensbereitschaft in der deutschen Gesellschaft durch eine bessere Bildung verringert werden. Bildung ist dabei zu definieren als durch Fakten begründete Erkenntnis. Es ist eine moderne Geisteshaltung in der Bevölkerung erforderlich, die nicht nach Glauben, sondern nach Wissen fragt. Seriöses Wissen kann sich immer nur auf nachprüfbare Argumente stützen.

Warum also Frau Haverbeck ins Gefängnis schicken, wo doch ihre Holocaust-Leugnung so leicht zu widerlegen ist wie die Existenz der Berliner Eichen aus meinem Beispiel für eine nicht belegbare und daher unseriöse Hypothese?

Statt mit fundierter Aufklärung auf ihre willkürlichen Thesen zu reagieren, verurteilt man Haverbeck aufgrund eines dogmatischen Gesetzes. Der Holocaust ist aber kein Dogma, sondern eine belegbare historische Tatsache. Dies der Bevölkerung immer wieder im Detail vorzuführen ist doch wesentlich hilfreicher, als ein mittelalterlicher Hexenprozess in moderner Zeit.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, September 2016

Der Aufstand der Sioux

Der Begriff der Menschlichkeit wird oft falsch verwendet oder beschönigt. Sich um Mitmenschen zu sorgen und ihnen Gutes zuzufügen gilt ja ja üblicher Weise als „menschliches Handeln“. Doch aus biologischer Sicht scheint auch das Gegenteil menschlich, also typisch für unsere Art, zu sein, nämlich Schwächere zu unterdrücken und auszubeuten oder selbst unterdrückt und ausgebeutet zu werden. Macht durch Menschen über andere Menschen ist eine instinktive Leit-Motivation des Homo sapiens. Es handelt sich dabei um vorwiegend genetisch fixierte Verhaltensstrategien, die daher offenbar nicht weitgehend beeinflussbar sind durch Aspekte wie die Bewegung der Aufklärung, die Globalisierung oder die zunehmende Technisierung. Der Mensch kann von diesem Verhaltensdrang auch in der Moderne und dem vergleichsweise weltweit hohen Bildungsniveau nicht ablassen.

Die Scheußlichkeiten der Geschichte wiederholen sich immer wieder aufs Neue, weil der Mensch seinen Erfahrungen und Errungenschaften zum Trotz in wesentlichen Zügen ein Savannenbewohner mit urtümlichen Gesellschaftsstrategien geblieben ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn man kein Anhänger der reinen Savannen-Theorie ist, sondern davon ausgeht, dass die Evolution früher Hominiden in sehr enger Beziehung zu afrikanischen Gewässern vonstatten gegangen sein muss. Es galt damals wie heute, in der Nachbarsippe einen Konkurrenten zu sehen und zum eigenen Vorteil nach dessen Besitz zu trachten. Das prähistorische Prinzip hat sich auch in der Neuzeit nicht verändert. Und wenn doch, dann sogar ins Nachteilige, denn die Bevölkerungsdichte ist weltweit explodiert, so dass nun der Neid um die Ressourcen des Nachbarn gravierendere Dimensionen erreichen konnte. Die technischen Errungenschaften für effizientere Kriegsführungen erlaubten es dabei schon vor Jahrhunderten, nicht mehr nur einzelne Sippschaften, sondern gleich ganze Völker gezielt auszurotten, um so an gewichtigere Ressourcen zu gelangen.

Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Überfall durch europäische Kolonialmächte auf den amerikanischen Kontinent. Dabei traf es die indianischen Völker auf dem Nordkontinent besonders hart. Man wollte, anders als in Südamerika, keine Sklaven, die unter Zwang und zugunsten der Eroberer ihr eigenes Land bewirtschaften mussten. Nein, nicht die Früchte, die das Land abwerfen konnte, stellten das Ziel der Begehrlichkeiten dar, sondern das Land selbst. Und dies ließ sich nur durch die umfassende Vernichtung der Ureinwohner erreichen.

Doch nicht alle Indianerstämme Nordamerikas konnten restlos ausgelöscht werden. Daher wurden überlebende Sippen in Reservationen gezwungen, wodurch sich naturgemäß immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den weißen Eroberern und den in umzäunten Ländereien eingepferchten Ureinwohnern ergaben. Ort der Austragung empfindlicher Kampfhandlungen im Verlaufe des 19. Jahrhunderts waren die Bundesstaaten South-Dakota und Montana im Nordwesten der USA. So mussten die Sioux 1890 ein blutiges Massaker nahe der Ortschaft Wounded Knee im Areal der heutigen Pine Ridge Reservation über sich ergehen lassen. Das Gemetzel gilt als letzter Höhepunkt der so genannten Indianerkriege, die den langen Zeitraum zwischen 1620 und 1890 überschatteten. Maßgeblich verantwortlich für die Bluttat am Wounded Knee zeichnete sich der US-Colonel James William Forsyth (1834-1906), der den Auftrag der US-Regierung verfolgte, Sioux-Indianer um die bekannten Häuptlinge Spotted Elk und Sitting Bull in ein Militärlager in Nebraska zu eskortieren.

Die US-Regierung fürchtete nämlich zunehmend den indianischen Widerstand, der bereits 1876 eskaliert war und in der Schlacht am Little Bighorn hunderte Soldaten des 7. Kavallerie-Regiments unter George Armstrong Custer (1839-1876) das Leben kostete. Zwar lag dies bei den Geschehnissen am Wounded Knee schon lange zurück, doch inzwischen war eine neue spirituelle Strömung in den Indianer-Lagern aufgekommen, die starke Ängste seitens der US-Regierung schürte. Der Geistertanz des Wovoka, eines bedeutenden Propheten der Paviotso-Paiute-Indianer, war nichts anderes als eine Bemühung, indianisches Kulturgut mit der christlichen Religion des weißen Mannes in Harmonie zu bringen, um dadurch ein friedlicheres Miteinander zu ermöglichen. Doch die zunehmende Verbreitung des Friedens-Tanzes wurde durch die US-Regierung als Drohung missverstanden.

Die daher angeordnete Überführung der vermeintlich Aufsässigen nach Nebraska kam jedoch nicht mehr zustande. Leibesvisitationen an den zu Unrecht Verdächtigten führten zu einem Unglücksfall. Als nämlich der wehrhafte Medizinmann Yellowbird einen Geistertanz andeutete und Black Coyote die Herausgabe seiner Winchester verweigerte, kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sich ein Schuss löste. In der Folge erschoss das anwesende US-Militär gnadenlos über 300 Männer, Frauen und Kinder.

Dies alles liegt nun fast 120 Jahre zurück. Und die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Begriffe wie Moral und Menschenrechte nehmen zumindest formell einen hohen Stellenwert in modernen westlichen Gesellschaften ein. Und doch gehören die heutigen Nachfahren Sitting Bulls keineswegs zu den Begünstigten moderner Wertevorstellungen. Damit ergeht es ihnen zumindest nicht anders als der schwarzen US-Bevölkerung, die den Bemühungen Martin Luther Kings (1929-1968) zum Trotz noch immer Opfer von Rassismus und Polizeigewalt wird.

Derzeit versammeln sich entlang des Cannonball River in einem der größten Indianer-Reservate innerhalb der USA zunehmend zahlreiche Sympathisanten des Sioux-Häuptlings Dave Archambault II, um mit ihm gegen Pläne des Bundesstaates North-Dakota und des United States army Corps of Engineers zu protestieren. Stein des Anstoßes ist eine Ölpipeline, die sich über eine Strecke von fast 2000 Kilometern aus dem westlichen North-Dakota kommend bis in den Bundesstaat Illinois im mittleren Westen erstrecken soll. Die geplante Konstruktion sieht vor, dass täglich beeindruckende 470000 Barrel Öl verschickt werden können. Ein in wirtschaftlicher Hinsicht ohne Zweifel lukratives Unternehmen, gäbe es nicht gleich zwei Leidtragende, nämlich die indianische Bevölkerung und die intakte Natur. Wie schon vor zweihundert Jahren gelten die Ureinwohner des Landes offenbar auch heute nicht allzu viel.

Denn die Pipeline soll nicht irgendwo verlaufen, sondern durch indianisches Gebiet. Die Bauarbeiten würden das geschichtsträchtige Land der Sioux verschandeln, denen man ohnehin wahrlich nicht viel aus ihrer Vergangenheit übrig gelassen hat. Noch schlimmer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Indianer in keiner Weise in die Entscheidungsfindung mit einbezogen worden sind. Das durch die Landesregierung im Schnellverfahren gebilligte Projekt soll auf dem Rücken der eigentlichen Landbesitzer, nämlich der Sioux, ausgetragen werden, die sich hiergegen entschieden zur Wehr setzen, durch Demonstrationen und in Form offizieller Genehmigungsverfahren.

Denn es geht keineswegs „nur“ um den Erhalt der ehrwürdigen Gräber und Kultstätten. Auch ihre Gesundheit sehen die Ureinwohner Dakotas durch den Bau der Ölleitung in Gefahr. Da die Pipeline in der Tiefe unterhalb der Flüsse verlaufen soll, wird eine Verschmutzung des natürlichen Trinkwassers befürchtet. Mindestens genauso schwerwiegend sind jedoch die Folgen für das Gleichgewicht der Natur. Artensterben könnten die Folge sein und die Sioux ihrer traditionellen Nahrungsgrundlage berauben.

Doch wo der Dollar regiert, bleiben Gewissen und Vernunft nur allzu häufig auf der Strecke. Archambault II bemüht in Interviews daher zurecht Vergleiche mit der Zeit der Indianerkriege. Jack Dalrymple, der Gouverneuer von North-Dakota ist und als ein Berater des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gilt, vergleicht er gar mit einem General Custer der Moderne.

Doch wie reagiert die Regierung North-Dakotas auf die Bemühungen der Sioux? Mit Gesprächsbereitschaft und einem offenen Ohr, einem schlechten Gewissen womöglich sogar? Weit gefehlt, stattdessen mit blanker Polizeigewalt, denn unter dem Vorwand, womöglich Rohrbomben herstellen zu wollen, ist der couragierte Häuptling mitsamt über zwanzig Mitstreitern kurzerhand verhaftet worden. Die vorgeblichen Bomben waren in Wahrheit nichts anderes als Indianerpfeifen, die rituellen Zwecken dienten. Die Gefangenen sind daher offenbar wieder auf freiem Fuß, und somit dazu imstande, den Kampf um das Erbe ihrer Vorfahren und um ihre längst überfällige gesellschaftliche Akzeptanz fortzuführen.

In einer westlichen Welt, in der Political Correctness als Zeichen guter Erziehung gilt, in der jedes Unternehmen mindestens zehn Frauenbeauftragte beschäftigt und in der diskutiert wird, ob jeder Mensch sein Geschlecht willkürlich festlegen kann oder nicht, in einer Welt, in der die christliche Kirche Nächstenliebe predigt, damit aber die Diskriminierung anderer Kulturkreise meint, in einer Welt, in der Hollywood zuhause ist, die aber ihre indianische Urbevölkerung wie vor zweihundert Jahren ausgrenzt und übergeht, in einer solchen Welt stimmt etwas nicht!

 

Copyrights Stefan F. Wirth,

Berlin 29.08.2016

Der Fall Petra Hinz (SPD) – eine erneute Attacke gegen die akademische Bildung in Deutschland

Die Medien überschlagen sich mit Berichten über eine Politikerin, die bis dahin kaum bekannt war. Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz (SPD) ist im Zuge von Mobbingvorwürfen, die durch Mitarbeiter gegen die Politikerin erhoben wurden, der Lüge im Lebenslauf überführt worden. Demnach sind erhebliche Angaben im offiziell zugänglichen, jedoch inzwischen abgeänderten Lebenslauf durch Hinz frei erfunden worden.

Von „flunkern“ ist in manchen Presseberichten in diesem Zusammenhang gutwillig zu lesen. Frau Hinz brüstet sich mit einem Abitur, über das sie nicht verfügt. Damit jedoch nicht genug. Da ein Abitur zum Hochschulstudium berechtigt, hat sie ein solches gleich mit erfunden. Zwei juristische Staatsexamina will sie zudem absolviert haben. „Flunkern“ ist etwas anderes!

Wer akademische Ausbildungen, die den seriösen Hochschul-Studenten viel Lebenskraft, Fleiß und Disziplin abverlangen, für so geringwertig einschätzt, dass er/ sie glaubt, die Arbeitsleistung einfach überspringen zu können und dennoch mit denselben Qualifikationen aufzutreten zu dürfen, der tritt das deutsche Bildungssystem mit Füßen. Hier ist nicht „geflunkert“, sondern ein Verbrechen verübt worden. Die Dame schlägt jedem lachend ins Gesicht, der jahrelang büffelt und schweißgebadet ganze Nächte durchgepaukt hat. Die Politikerin der SPD vergeht sich nicht nur an der akademischen Welt, sie hat sich vermutlich auch juristisch strafbar gemacht. Zu Unrecht behauptete Schul- und Universitätsabschlüsse sind eventuell Urkundenfälschungen, auch dann, wenn die schriftliche Fälschung von Zeugnissen nicht erfolgt ist.

Es ist den bisherigen Arbeitgebern von Frau Hinz zu unterstellen, dass bezüglich der vorgeblichen Hinz’schen Vita rigoros und vorsätzlich weg geschaut wurde. Vielleicht, weil sie in den Reihen der Abgeordneten schlicht einen Normalfall darstellt? Fehlende akademische Bildung kann man nicht übersehen. Wie soll zudem glaubhaft gemacht werden, dass der Betrügerin offenbar niemals die Vorlage von Zeugnissen auferlegt worden ist?

Die Medien berichten, dass Hinz aber dennoch ihre politische Arbeit unauffällig und tadellos verrichtet habe. Dies entspricht ja wohl offenkundig nicht der Wahrheit. Die Mobbingvorwürfe der Mitarbeiter belegen dies.

Frau Hinz wusste, wie man Karriere macht und im selben Schachzug noch gegen männliche Mitbewerber im Vorteil bleibt. Ein Hochschulstudium dauert 5-6 Jahre. Da Hinz über 50 ist, waren Männer in einer Zeit, in der die SPD-Politikerin theoretisch Studentin hätte sein können,  dem Militär- oder Zivildienst verpflichtet. Ein obligater Zivildienst als Militärdienst-Ersatz in den 1980-er und 90-er Jahren konnte bis zu 15 Monate lang dauern. Bis ein männlicher Mitbewerber von Frau Hinz dann sein Studium absolvierte und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stand, war er etwa 28 Jahre alt. Frau Hinz als Fälscherin und Betrügerin war bei angeblich vergleichbarer Qualifikation natürlich aufgrund des Geschlechts schon jünger, aufgrund des in Wahrheit fehlenden Studiums sogar deutlich jünger, jünger als jede echte Studentin, als sie sich dem Karriereweg stellte. Kein Militär- oder Zivildienst, keine sechs Jahre Büffeln. Hier hat die Faulheit gesiegt! Auch ihr weibliches Geschlecht hat ihr womöglich in Zeiten des damals schon aufkeimenden Ultra-Feminismus starke Vorteile gegen männliche Konkurrenz eingebracht und der Dame so eine stattliche Karriere geebnet. Nun ist die Lügnerin allerdings auf die Schnauze gefallen, wie wir Berliner gerne sagen. Hoffentlich erwartet Hinz für ihren anmaßenden Betrug ein Strafverfahren.

Doch das ist eventuell eher nicht zu erwarten. Denn die Fälschung von akademischen Werdegängen hat in den derzeitigen Regierungsparteien Tradition und gilt als Kavaliersdelikt. CDU, CSU und SPD, die sich heutzutage nicht mehr voneinander unterscheiden, schaffen systematisch die seriöse Bildung ab. Förderungen für Grundlagenforschung in diversen Fachrichtungen wurden in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt, die entsprechenden Wissenschaftszweige sind daher nun vorwiegend im Ausland beheimatet. Doch bereits die Schulbildung, einst in Deutschland von hohem Niveau, kann gemäß PISA im internationalen Vergleich nicht mehr mithalten.

Die deutsche Regierung ist an Schamlosigkeit und Unverschämtheit nicht zu überbieten. Kein Wunder, verfolgt sie doch ausschließlich Machtinteressen. Zahlreiche gefälschte Doktortitel durch Politiker der Regierungsparteien belegen auf imposante Weise, welchen Stellenwert die deutsche Regierung seriösen Akademikern, womöglich noch mit redlich erworbener Promotion (weitere 2-5 Jahre), zugesteht. Keinen! Die genannten Parteien verhöhnen inzwischen ganz allgemein jede Seriosität im Lande auf unglaubliche Weise. Wann wird dem endlich Einhalt geboten?