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Kategorie: Bundeskanzlerin

Fall aus Rendsburg: Dürfen Schulen ihre Schüler zum Besuch von Kirchen nötigen?

Medienberichten zufolge hat das Amtsgericht Meldorf in Schleswig-Holstein die Eltern eines dreizehn-jährigen Jungen zu einem Bußgeld in Höhe von zwei mal 25 Euro wegen eines vorsätzlichen Verstoßes gegen das Schulgesetz verurteilt. Der verhandelte Fall ereignete sich bereits in 2016: Aufgrund der Befürchtung einer religiösen Indoktrination hatten die Eltern ihrem Sohn die Teilnahme an einer Moschee-Besichtigung, die von der organisiert wurde, untersagt.

Gemäß den Einlassungen des väterlichen Anwalts sei der Besuch der Moschee als Religionsunterricht eingestuft worden, zu dessen Teilnahme keine Verpflichtung bestehe. Die Eltern seien jedoch Atheisten und befürchteten durch den Schulausflug eine religiöse Beeinflussung ihres Sohnes. Darüber hinaus kritisiere man allgemein einen „Umbau“ der Bundesrepublik in eine „multikulturelle Wertegesellschaft“.

Das Gericht folgte diesen Einschätzungen jedoch nicht. Werbung für den Islam habe es nicht gegeben, weswegen der Moschee-Besuch dem Schüler zumutbar gewesen sei. Das Gericht ließ jedoch die Möglichkeit einer Rechtsbeschwerde zu. Es berichteten unter anderem die Kieler Nachrichten.

Die Schule selbst legte dar, dass Religionsunterricht nur dann vorliege, wenn Religionen als „wahr“ dargestellt würden, dies sei aber hier nicht der Fall gewesen.

Spiritualität und Gottesglaube haben menschliche Kulturen seit jeher erheblich beeinflusst. Viele menschliche Errungenschaften stehen im engen Bezug zur Religiosität. Man denke in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Architekturgeschichte, und das weltweit und keineswegs nur im europäischen Raum. Generell gilt: Wenn wir eine Kultur verstehen wollen, das betrifft auch längst vergangene Kulturen, ist das Verständnis des spirituellen Lebens von zentraler Bedeutung. Denn in den meisten Kulturen der Welt gibt und gab es keine Unterscheidung zwischen Weltlichkeit und Glaube.

Daher kann der Besuch auch eines aktiven Gotteshauses in unserer Zeit, welcher Religion auch immer zugehörig, eine Bereicherung sein, die das allgemeine Bildungsniveau erhöht. Ich beispielsweise besuche als religionsloser Wissenschaftler und Künstler gerne Kirchen, insbesondere alte und geschichtsträchtige Gebäude. Dabei beeindrucken mich nicht nur die Entwicklung architektonischer Errungenschaften, sondern natürlich auch die der bildenden Kunst. Zudem weisen Gotteshäuser häufig besondere akustische Eigenschaften auf, die jedes Konzert zu einem wahren Erlebnis werden lassen.

Und dennoch stellt sich die Frage, ob es Bürgern im Deutschland des 21. Jahrhunderts frei stehen sollte, ob sie eine Kirche betreten möchten oder nicht. Indoktrinieren aktive Gotteshäuser nun per se, oder tun sie das nicht? Jede aktive Kirche in moderner Zeit ist darauf aus, Gläubige an sich zu binden. Daher konfrontiert eine Kirche immer jeden Besucher mit Ansätzen der Beeinflussung, also der Indoktrination.

Anders als in fast allen vergangenen und der Mehrheit moderner Kulturen sind im modernen Deutschland Glaube und Weltlichkeit strikt voneinander getrennt, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob dies der Kanzlerin bekannt ist. Es ist daher aus meiner Sicht nicht zu vertreten, dass Menschen gegen ihren Willen zum Kirchgang verpflichtet werden. Ein Bildungsdefizit hierdurch ist heutzutage längst nicht mehr gegeben. Die digitale Revolution macht es leicht möglich, Aspekte kirchlicher Kunst oder Architektur auch virtuell in hinreichender Qualität erleben zu können. Daher ist mir die hier vorliegende gerichtliche Entscheidung zur Gänze nicht nachvollziehbar.

Die Welt und unser Bildungsniveau leiden derzeit unter einer ganz neuartigen Welle religiösen Wahns. Der fanatische Islamismus mag eine Ausprägung davon sein, die verschiedenen Facetten ursprünglich christlicher Schöpfungsmythen sind jedoch mit Sicherheit eine andere, und zwar eine nicht unbedingt minder bedrohliche. Vorwiegend aus den USA kommend stellen Kreationismus und Intelligent Design Wissen und Erkenntnisse aus den seriösen Wissenschaften der letzten zweihundert Jahre in Frage. Gläubigen wird so geschickt die Befähigung zur selbstständigen Hinterfragung von Sachverhalten des täglichen Lebens genommen. Das macht Menschen zwar leichter kontrollierbar, der Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung jedoch wird erheblich beeinträchtigt.

Dabei müssen spirituelle Glaubensdogmen in heutiger Zeit keineswegs deutlich sichtbar das Etikett einer Religionsgemeinschaft tragen. Ein Beispiel hierfür sind bestimmte Denkansätze des Gender-Mainstreamings, die unter anderem den genetisch und hormonell determinierten Geschlechtsdimorphismus beim Menschen bestreiten. Es handelt sich um Pseudo-Naturwissenschaften, basierend auf Glaubensentwürfen, die derzeit in Deutschland zum Nachteil der echten Naturwissenschaften mit erheblichen Forschungsgeldern ausgestattet werden.

Es ist besonders vor diesem Hintergrund hervorzuheben, dass die Aufgabe unserer Schulen vor allem darin besteht, Wissen und nicht Glauben zu vermitteln, um beispielsweise seriösen wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen. Doch diesem Bildungsauftrag kommen deutsche Schulen bereits seit Jahren nicht mehr hinreichend nach. Es hapert bei jungen Studenten mitunter ganz erheblich an jeder grundlegenden Allgemeinbildung, wovon ich mich als universitärer Dozent immer wieder überzeugen konnte.

Gerade in diesem Zusammenhang erscheint mir der hier verhandelte Fall als lächerliche Farce, die aus meiner Sicht die Seriosität deutscher Schulen an sich in Frage stellt.

Das soll allerdings nicht bedeuten, dass ich den Ausführungen der väterlichen Seite bei Gericht folgen möchte, denen zufolge Deutschland sich im Umbau hin zu einer multikulturellen Wertegesellschaft befinde. Als seien multikulturelle, also durch verschiedene Ethnien geprägte Gesellschaften etwas Besonderes. Ohne die permanente Vermischung von Populationen hätte nämlich der moderne Mensch die letzten 300 000 Jahre aufgrund der Notwendigkeit genetischer Vielfalt nicht überleben können.

Berlin, Juli 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

 

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Biosphäre Potsdam: Schamloses Lohndumping?

Ich bin darin erfahren, wissenschaftlich beratend und kreativ unterstützend in einem naturkundlichen Museum mitzuwirken. Daher bewarb ich mich in Form einer Initiativbewerbung als wissenschaftlicher Berater und Mitgestalter sowie als Ausstellungsführer bei der Biosphäre Potsdam.

Meine Qualifikationen habe ich hierbei in Form eines fließenden Textes zusammengefasst. Die Reaktion war erstaunlich.

Zunächst wurde mir mitgeteilt, dass keine Position gemäß meiner Qualifikation zu vergeben sei. Man könne aber einen Job auf Geringfügigkeitsbasis anbieten. Ich bejahte für den Bereich „Führungen“ und via Honorar-Abrechnung.

Dann heißt es durch die Zuständige, Frau S. H.:

„Sehr geehrter Herr Wirth,

die Mitarbeit auf Honorarbasis betrifft unsere Führungen wie z. B. Biologische Vielfalt im Regenwald, Schmetterlinge der Tropen, Exotische Tier- und Pflanzenwelt und Workshops wie z.B. der Schoko-Crepe-Workshop. Nähere Einzelheiten können Sie auch unserer Homepage entnehmen.

Auch hier würde der Einsatz nach Bedarf erfolgen, abhängig von der Buchungslage und Ihren Einsatzmöglichkeiten. Wir können Ihnen ein Stundenhonorar von € 12,00 anbieten.“

Fand ich natürlich ein bisschen frech, einem promovierten Biologen, seit fast zwei Jahrzehnten in Forschung und beinahe ebenso lange in universitärer Lehre tätig, einen Stundenlohn anzubieten, den er nicht einmal als Student ohne Gewissensbisse akzeptiert hätte.

Frech ist zurückblickend eigentlich zu gelinde ausgedrückt. Es ist  aus meiner heutigen Sicht heraus gar eine schamlose Unverschämtheit und zeugt womöglich von fehlender Moral. Erst recht der gesamte weitere Umgang mit meiner Bewerbung.

Da ich jedoch eine Nebentätigkeit im biologischen Bildungssektor suche und benötige, fiel meine Antwort eher zurückhaltend aus: „Da ich … freiberuflich gemeldet bin, und zwar als Biologe, Fotograf und Videograf, ist es wichtig, dass Tätigkeiten vorwiegend in Zusammenhang mit einer dieser Berufsbezeichnung stehen. Daher bevorzuge ich Führungen zu den von Ihnen genannten biologischen Themen. Zusätzlich wären dann natürlich auch Workshop Aktivitäten denkbar, selbst dann, wenn Sie mit der Herstellung von Lebensmitteln zu tun haben. Der von Ihnen genannte Stundenlohn ist sehr weit von dem entfernt, was mir aufgrund meiner Hochqualifikationen zusteht. Aber heutzutage hat man (Anm: hinsichtlich der Gehaltsvorstellungen) keine Wahl mehr, daher mache ich es auch für 12 Euro. Mit unregelmäßigen Einsätzen habe ich keinerlei Probleme.“

Daraufhin erhielt ich keine Rückmeldung mehr. In einer Folge-Email beteuerte ich mein weiteres Interesse an dem Job, bat, die Kritik am Honorar nicht negativ zu werten und fragte, ob die Zusendung weiterer Unterlagen zum Nachweis meiner Qualifikationen erwünscht sei. In der Folge teilte mir eine gewisse Frau W. mit, Frau H. werde sich nach ihrer Rückkehr am elften Mai wieder bei mir melden. Natürlich meldete sich niemand. Hartnäckiges Nachfragen führte zunächst zu keiner Reaktion, weshalb ich schließlich um Löschung meiner Daten bat und meine Bewerbung entrüstet zurückzog. Erst dann folgten wieder zwei Antworten, man habe meine Daten wunschgemäß gelöscht, und: Der Bewerbungsprozess habe sich verschoben. Man bedanke sich für meine Geduld. Als ich daraufhin entgegnete, dass von (Anm: weitergehender) Geduld in meinem Fall (Anm: nach so langer Wartezeit) nicht die Rede sein könne, da der Grund für die fehlende Rückmeldung auf meine Anschreiben jedoch (Anm: vorgeblich) nur eine zeitliche Verzögerung sei, wolle ich meine Bewerbung nunmehr doch aufrecht erhalten. Die Antwort am darauffolgenden Werktag lautete, das Bewerbungsverfahren sei inzwischen abgeschlossen worden. So habe ich also fast einen ganzen Monat lang vergeblich auf eine von mir trotz widriger Bezahlung ausdrücklich erwünschten Nebentätigkeit, die sogar bereits explizit angeboten worden war, gewartet. Kritische Gedanken zum Lohndumping in moderner Zeit sind offenkundig im aktuellen Berufsleben unerwünscht, oder ist das nur in der Biosphäre Potsdam so?

Das Klima in Deutschland verschlechtert sich für seriöse Wissenschaftler zunehmend. Während die spirituell verblendete Kanzlerin wiederholt zur Rückbesinnung auf den christlichen Glauben aufruft, anstatt zu mehr Wissensdurst zu raten, breitet sich der Genderismus-Wahnsinn immer flächendeckender aus. Wer sich nicht dem Dogma unterwirft, beim Homo sapiens gäbe es keinen Geschlechtsdimorphismus, hat ein Problem. Denn Forschungsgelder fließen derzeit in Strömen in die sogenannte Genderforschung. Wer lieber die Biologie der Milben und Insekten untersuchen und verstehen möchte, ist out. Da muss man dann wohl auch für einen boshaften Katzenlohn arbeiten. Wenn aber nicht einmal der zustande kommt, weil man die Dreistigkeit besaß, die Unverhältnismäßigkeit der angebotenen Entlohnung kritisch am Rande zu erwähnen, dann ist etwas faul im Staate Deutschland, meiner Ansicht nach konkret übrigens auch bei der Biosphäre Potsdam.

Aus dem Grunde empfehle ich qualifizierten Naturkundlern, sich besser andernorts zu bewerben.

Berlin, Mai 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

Die Berliner Rigaer Straße und schwere Krawalle im Juli 2016

Früher war Berlin für seine autonome Szene bekannt und geschätzt. Kreuzberg war zu Zeiten eines geteilten Landes als Refugium für Aussteiger weltberühmt. Etwa so wie die Ostseeinsel Hiddensee auf der Seite der DDR.  Links-alternative Lebensweisen sind den Regierungen in der Nach-Wendezeit jedoch zunehmend ein Dorn im Auge geworden.

Martialische Eingriffe durch gnadenlose Polizeigewalt haben daher in den vergangenen zwanzig Jahren schrittweise aufgeräumt mit einer Subkultur, die sich so schwer durch die Staatsmacht steuern und kontrollieren ließ. Besetzte Häuser, alternative Wohnprojekte, Wagenburgen, Paradiese für Selbstdenker, Idealisten, Künstler und Gesellschaftskritiker wurden gewaltsam aufgelöst, weil Freiheit und unabhängiger Geist nicht zu einem Deutschland im neuen Jahrtausend passen!

Als Relikt vergangener Zeiten ist lediglich der Kiez um die Rigaer Straße übrig geblieben, einem Viertel mit hauptsächlich alter und eher maroder Bausubstanz in Friedrichshain, in dem innovative Bars, Volksküche an wechselnden Orten und originelle Individualisten ein anderes und aus ihrer Sicht wohl auch besseres Leben führen.

Viele Kiezbewohner verfügen nicht über ein regelmäßiges Einkommen, materieller Reichtum fehlt daher, und doch sind die Menschen der Rigaer Straße reicher als manche besser bezahlte Bürokraft aus Mitte oder Charlottenburg. Unabhängigkeit und Freiheit sind nämlich nicht käuflich, sondern erfordern eine ideelle Lebenseinstellung mit Bereitschaft zum Verzicht.

Anders als gewöhnliche Wenig-Verdiener in gehobeneren Berliner Bezirken haben die Bewohner der Rigaer Straße einen meist erstaunlich strukturierten und erfüllten Alltag. Denn sie übernehmen oft zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten, schließlich kann die kostenfreie Verköstigung anderer Kiezbewohner („Volksküche“) nur funktionieren, wenn eine ausgeklügelte Logistik eingehalten wird. Nicht mehr verkäufliche, jedoch noch brauchbare Lebensmittel müssen beschafft werden, jemand muss das Kochen übernehmen und die Gäste bedienen. Das alles funktioniert gut und fast immer auf ehrenamtlicher Basis. Auch die vielseitige Gastronomie ist häufig auf Hobby-Barpersonal angewiesen. Der Vorteil liegt dabei in der sozialen und antikapitalistischen Idee, von der auch Außenstehende profitieren können. Wer in der Rigaer Straße ein gepflegtes Bier trinken möchte, benötigt nicht viel Geld in der Tasche, um seinen Abend in außergewöhnlicher Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Wie also kommt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer auf den bösartigen Gedanken, Menschen, die selbstlos ihre sozialen Ideale leben, als „Staatsfeinde“ zu bezeichnen, die mit Härte zu behandeln seien? Kai Wegner, CDU-Generalsekretär von Berlin, kritisiert den Regierenden Bürgermeister mit den Worten: „Wer Straftäter zu Verhandlungspartnern ausruft, gibt diesen Chaoten das Gefühl, dass sie sich gegen den Staat durchsetzen könnten.“

Lassen wir die Krawalle doch erst einmal außer Acht und fragen wir uns: Wie ist eigentlich die generelle Konfliktbereitschaft seitens der Berliner Polizei und seitens der Politik gegen das alternative Viertel in Berlin zu erklären? Wann immer ich mich in den vergangenen zwanzig Jahren dort aufgehalten habe, erlebte ich eine beeindruckende Idylle. Staatsfeinde? Straftäter? Der Kiez ist, was kriminelle Handlungen anbelangt, eher unauffällig. Die Menschen haben nicht viel, aber sie brauchen auch nicht viel. Selbstversorgung ist angesagt, und ja, manche betäuben sich sicher auch gerne mal mit Drogen oder Alkohol. Doch das ist nun wirklich in allen Berliner Kiezen nichts Ungewöhnliches.

Die wirklich kriminellen Hotspots der Stadt liegen, wie jeder Berliner weiß, eher an anderen Orten der Stadt. Man will hier also durch Verteuflung der kleinen Fische von den wirklich großen der Metropole ablenken. Interessanter Weise sucht die Staatsordnung dort, wo die harte Drogenszene zuhause ist, nämlich eher niemals den Konflikt.

Warum eigentlich nicht? Weil sich die derzeitige korrupte deutsche Regierung nicht die Bohne dafür interessiert, echte Kriminalität zu bekämpfen. Die Regierung will nicht Straftäter ausschalten und die Bürger vor der Abhängigkeit von harten Drogen wie Crystal Meth schützen, sondern ist ausschließlich an ihrem Machterhalt interessiert. Straftaten darf ungehindert begehen, wer ein Mitglied einer relevanten Wählergruppe ist. Da die Berliner Polizei meist notorisch unterbesetzt ist, darf auch –  zumindest im kleineren Rahmen – Straftaten begehen, wer eine gebrochene arme Sau ist.

Wer jedoch aufgrund seiner links-alternativen Lebenseinstellung trotz Armut aufrecht und selbstbewusst bleibt, den erhebt man schnell zum Staatsfeind Nummer Eins. Denn diejenigen, die notfalls auch mit zwei bis drei Euro am Tag zurecht kommen, trotzdem glücklich sind und kraftvoll kritisch auftreten können, sind eine Bedrohung für die regierenden Parteien. Sie könnten nämlich das Sakrileg begehen, zu Wahlen anzutreten und dort ihr Kreuz an unerwünschter Stelle zu machen.

Es handelt sich um ein Klientel, das sich erfolgreich der staatlichen Selektions-Maschinerie entzieht. Denn angestrebt wird ja eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, mit einer intellektuellen Mittel-Schicht an oberer Position und einem Bodensatz, der aus all denjenigen besteht, deren Stimme man lieber nicht vernehmen möchte. Dafür wurde Hartz-IV erfunden. Die Idee ist, unerwünschte Menschen dauerhaft am Boden festzuketten, sie zu zermürben und psychisch zu destabilisieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die zahlreichen Jobcenter! Hartz-IV-ler resignieren häufig, fallen dem Alkohol anheim und verlieren jedes politische Engagement. Sie wählen meist nicht.

Die Oberschicht wählt dafür umso eifriger. Denn sie besteht hauptsächlich aus Emporkömmlingen eher niedriger Bildung. Ein Loblied auf den Staat in Form eines Wähler-Kreuzes an erwünschter Stelle ist dann zu erwarten, wenn Menschen weit über ihre Qualifikationen hinaus bezahlt werden. Da denkt sich mancher Bänker, tja, für mich hat es sich gelohnt, es beim Realschulabschluss zu belassen, manche Supermarkt-Verkäuferin verdient so viel Geld, dass sie sich nicht dafür schämen muss, eventuell den eigenen Namen nicht richtig buchstabieren zu können. Ärzte und Juristen frohlocken, denn sie gehören zu den Topverdienern bei häufig sehr bescheidenem Bildungsniveau.

Wem ist all dies unverdiente Glück zu verdanken? Natürlich der liebevollen deutschen Regierung, die ihre Schäfchen mit Geld davon abhält, zu viel kritischen Geist in ihrem Oberstübchen zu beherbergen.

Nun besitzen diese Assis aus der Rigaer doch tatsächlich die Frechheit, sich nicht in das System aus oben und unten einordnen zu wollen.

Querulanten wurden schon immer aufs Schafott gebracht. Weil sie oft andere Lebensideale verfolgen? Nein, weil sie schlicht keine kalkulierbaren Stützen des herrschenden Machtapparates sind.

Aber ich wollte ja eigentlich auf die aktuellen Ereignisse ausführlicher eingehen,  über ein spezielles Hausprojekt und Demonstrationen sprechen, dann die Krawalle verurteilen und weitere Erklärungsversuche ausbreiten. Doch ich bemerke gerade, wie lange mein Artikel schon wieder geworden ist. Im Grunde ist ja auch alles gesagt, mehr ein andermal.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, 2016

Kanzlerin Dr. Angela Merkel fordert vom deutschen Volk eine Rückbesinnung zu mehr religiöser Spiritualität

Es ist zugegebenermaßen eine Zumutung, die die offenbar schon leicht ermüdete Kanzlerin über sich ergehen lassen muss. So ist sie am 3. September 2015 extra nach Bern gereist, um den Ehrendoktertitel durch die dortige Universität entgegenzunehmen, hat sich die Laudatio des Direktors Martin Täuber angehört, um dann anschließend selbst eine Dankesrede zu halten.

Zum Abschluss gibt es noch einige Fragen durch das Publikum an die Kanzlerin. Schließlich passiert das Unvermutete, eine einfache populistische Frage lässt sie ganz offenbar vollständig die Contenance verlieren. Es scheint, als sei ihr jeder intellektuelle Kontrollmechanismus abhanden gekommen, wodurch sie vor laufenden Kameras ein ungefiltertes Bild über das Selbstverständnis der deutschen Regierungspartei offenbart. Frau Dr. Merkel wirkt noch unbeholfener als sonst. Die Haare sitzen wie eine schlecht auftoupierte Perücke, die Augen wirken klein und eingefallen, die Mundwinkel-Falten ziehen sich tief gefurcht bis unter das Kinn herab. Und Frau Dr. Merkel redet sich um Kopf und Kragen, ihre Ausführungen wirken so krude und unüberlegt, dass die konservativen Medien im Ausland voller Schadenfreude triumphieren.

Was genau ist eigentlich geschehen? Eine Frau mittleren Alters, Blümchenbluse, blonde Schulmädchen-Frisur und übergroße eckige Plastikbrille, möchte wissen, was im Grunde jeder ausländerfeindliche Populist in Deutschland gerne fragen würde. Es gehe doch darum, das Volk auch zu schützen, schließlich „…kommen ja noch mehr Leute mit einem islamischen Hintergrund zu uns. Und ich glaube, was der Herr vorhin angesprochen hat, beinhaltet ja auch eine große Angst hier in Europa zu dieser Islamisierung, die immer mehr stattfindet. Wie wollen Sie Europa in dieser Hinsicht und unsere Kultur schützen?“.

Die Frage birgt nichts Neues, man könnte sie leicht souverän beantworten. Schließlich gibt es keinerlei Hinweise auf eine Bedrohung durch Flüchtlinge. Auch die freche Unterstellung, Deutschland islamisieren zu wollen, lässt jedes argumentative Fundament vermissen. Der Deutsche an sich neigt nun einmal zur Fremdenfeindlichkeit und schreckt daher auch nicht davor zurück, sogar den Diebstahl von Steuergeldern zu unterstellen. Der brave Bürger kann sich offenbar nicht vorstellen, dass hilfebedürftige Ausländer weder per se gefährlich sind noch die Staatskasse aus Steuergeldern über Gebühr belasten. Ganz davon zu schweigen, dass eine große Zahl deutscher Steuerzahler selbst ausländische Wurzeln hat und dass Steuersünder, die ihre Schwarzgeld- Bankkonten im Ausland anlegen, dem deutschen Volk weitaus größeren Schaden zufügen als jeder einzelne Flüchtling jemals vermag.

Doch Frau Merkel argumentiert anders. Ihr Mund verkleinert sich, und verkniffen presst sie die Lippen aufeinander. Die Augen sind zwei schmale dunkle Spalten, und es scheint, als rutsche ihr gleich das Toupet vom Kopf. Der islamistische Terror befinde sich in Syrien, Lybien und dem Norden des Irak, zu dem die Europäische Union leider jedoch eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen habe. Überhaupt sei Angst nie ein guter Ratgeber gewesen, weder im persönlichen noch im gesellschaftlichen Leben.

So weit, so mit gutem Willen noch akzeptabel. Zwar tut sich mir die Frage auf, ob eine Schuldanerkenntnis des Westens an der eskalierenden Gewalt im nahen Osten tatsächlich mit Verweis auf immerhin in Deutschland aufgewachsene Terroristen erfolgen sollte. Das benachbarte Ausland jedenfalls spöttelt über diesen eher hilflos wirkenden Argumentationsstrang. Vielmehr hat doch der Westen, insbesondere USA und Großbritannien, aus wirtschaftlichem Kalkül heraus militärische Interventionen in den betreffenden Ländern durchgeführt und damit Hassreaktionen der Bevölkerung hervorgerufen. Das verschweigt die Kanzlerin hier. Und dafür habe ich Verständnis, schließlich beabsichtigt sie ganz offensichtlich, sich aus dieser universitären Veranstaltung herauszuwinden, ohne im Publikum polarisierende Wirkungen zu erzeugen.

Doch da hat die Kanzlerin nicht nachhaltig gedacht. Denn eine Bemühung um kurzfristige Unauffälligkeit kann langfristig schadhaft sein. Frau Dr. Merkel muss sogar damit rechnen, dass die Aufzeichnung dieser Peinlichkeit lebenslang von den Medien hervor gekramt werden wird, immer dann, wenn vom Image der Ex-Kanzlerin und ihrer historischen Bedeutung die Rede sein soll.

Doch warum eigentlich peinlich? Bisher wurde doch lediglich mangelnde rhetorische Eleganz bemängelt, eine Eigenschaft, für die die Kanzlerin bereits seit ihrer Amtsübernahme bekannt ist. Nichts Neues also, könnte man meinen.

Doch, oh Schreck, ihre Einlassungen zur Beantwortung der Frage aus dem Publikum sind noch nicht abgeschlossen. Was nun kommt, ließ mir aus Fremdscham die Nackenhaare zu Berge stehen.

Zunächst führt sie noch aus, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Eine eigenartige Formulierungsweise, wie ich finde, sollte es doch eigentlich besser heißen: Muslimische Menschen gehören zu Deutschland. Doch erbost und verständnislos nehme ich erst die folgenden Ausführungen der Kanzlerin zur Kenntnis:

„Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Und wenn ich was vermisse, dann ist das nicht, dass ich irgendjemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut, zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Haben wir…(Stotterer, Anm. Autor)…dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal n‘ Bild in der Kirche noch erklären zu können, und, wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würd ich mal sagen, isses mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das find ich irgendwie komisch. Und vielleicht kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und n‘ bisschen mehr Kenntnis darüber haben. Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv. Gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen. …“

Im Anschluss weist Frau Merkel noch darauf hin, dass wir als Deutsche aufgrund unserer historischen Vergangenheit nun wahrlich kein Anrecht auf  „Hochmut“ besäßen. Vielleicht hat sie damit recht. Doch befassen möchte ich mich mit den epischen Ausführungen, die hier in wörtlicher Rede widergegeben sind.

Was genau soll hier vermittelt werden? Unterstellt Frau Dr. Merkel Neid als Ursache für Vorbehalte gegen muslimische Einwanderer, Neid auf eine kulturell-religiöse Identität, die jene Einwanderer besitzen, den zunehmend atheistisch werdenden Deutschen aber fehlt? Oder hat sie sich schlicht im Fach des Zynismus versucht, frei nach dem Motto: Wenn Ihr die komplexe Problematik der Flüchtlingsströme nach Deutschland auf religiöse Vorbehalte reduziert, befasst Euch doch erst einmal mit Eurer eigenen Religion?

Aus Gründen meiner Einschätzung ihres allgemeinen Intellekts traue ich Frau Dr. Merkel dies jedoch nicht zu. Als Vorsitzende einer Partei, die die christliche Religion im Parteilogo trägt, meint sie tatsächlich, was sie sagt, vermisst sie in der Tat die Kenntnis der jüngeren Generation darüber, was Pfingsten eigentlich sei.

Was ist Pfingsten? Natürlich weiß ich das nicht mehr, habe es absichtlich vergessen, aber für diesen Artikel extra einmal nachrecherchiert. Und das, obwohl ich aus reiner Bequemlichkeit der Evangelischen Kirche NOCH nicht ausgetreten bin und obwohl ich (als evangelische Minderheit) eine katholische Privatschule besucht habe.

Pfingsten feiert die „Ausgießung“ des heiligen Geistes. Jener, so die biblische Überlieferung, kam nämlich auf die Jünger und Apostel herab, während sie sich zur Begehung des jüdischen Festes Schawuot zusammenfanden. Die Bibel schildert das Ereignis ausführlich, beispielsweise in der Apostelgeschichte des Lukas (Apg2, 1-4, EU): „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“.

Frau Dr. Merkel: Deutschland braucht keinen Glauben an nicht belegbare Wundergeschichten. Deutschland braucht Bildung. Deutschland war weltweit führend, beispielsweise im Bereich der Naturwissenschaften. Das haben Sie abgeschafft! Hochqualifizierte Forscher flüchten längst ins Ausland, denn sie haben in Deutschland kaum noch Aussichten auf eine Anstellung. Und das, weil Sie, Frau Kanzlerin (bzw. Ihre Regierung), fleißig Forschungsstellen gestrichen haben!

Warum Sie das getan haben (bzw. Ihre Regierung)? Um Kritiker wie mich mundtot zu machen, Kritiker, denen vor Entsetzen schwindelig wird, wenn sie sich Ihre öffentlichen Auftritte anschauen müssen. Kritiker, die zwar voller Mitleid mit Ihnen fühlen, wenn man Sie unvorbereitet mit Fragen konfrontiert, die Ihnen dann aber beim besten Willen nur ein „ausreichend minus“ bescheinigen können, und zwar dafür, dass Sie überhaupt zum Interview erschienen sind.

So auch beim Interview, das Sie, Frau Dr. Merkel, am 7.10.2010 in der ARD bei Anne Will zu bewältigen hatten. Wie Sie sich geschlagen haben, wollen Sie von mir wissen, Frau Merkel? Wie üblich, ist meine Antwort, gerade so bestanden mit einem ausreichend minus, der Anwesenheit wegen!

Deutschland braucht keine Kanzlerin, die für wirre Äußerungen wie die folgende in die Geschichte eingehen wird: „…Dann ist doch die Aufgabe, dass man so heran geht, dass man es schafft, und dann kann man das auch schaffen. Und ich hab überhaupt keinen Zweifel, und stellen Sie sich mal vor, wir würden alle miteinander erklären, wir schaffens nicht. Und dann? Das geht doch nicht!“ (Zitat: ARD, „Anne Will“, 07.10.2015, 21:45).

Nein, Frau Dr. Merkel, da haben Sie recht, das geht so doch nicht! Sie und Ihre Partei sowie Ihre Regierung gehen nicht, und zwar so gar nicht!