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Kategorie: Dino-Park

„Gondwana – Das Praehistorium“, meine Anstellung als Wissenschaftler und künstlerischer Modell-Entwickler in einem saarländischen Dino-Park, ich biete nun meine Kompetenzen und Dienstleistungen für naturkundliche Ausstellungen aller Art an

Von 2009 bis 2011 war ich als wissenschaftlicher Berater in den Bereichen Zoologie, Biologie, Systematik und Evolutionsbiologie in dem saarländischen Dinosaurierpark Gondwana – Das Praehistorium angestellt. Eine Einrichtung, die sich bemüht, Landschaften vergangener Erdzeitalter darzustellen und mit Rekonstruktionen damaligen Lebens anzureichern. Es blökt und zischt und dampft und rauscht, für manch kindlichen Besucher womöglich eher ein Licht-gewaltiges Grusical anstelle eines Bildungserlebnisses aus künstlichen Gerüchen, Roboter-Animationen, Pappmaché und Gips sowie museal anmutenden Abschnitten.                                                                       Zuständig war ich zudem für die Einrichtung und Organisation einer wissenschaftlichen Vortragsreihe, die ich auch moderiert habe. Des Weiteren bot ich im Namen des Dino-Parks ein Unterrichtsprogramm zur Fortbildung von Schülern an saarländischen Gymnasien an. Ich war auch zuständig für zeichnerische Entwürfe für Modelle zur Veranschaulichung wichtiger evolutionsbiologischer Schritte des Tierreich. Die selbst konzipierten und gezeichneten Modellentwürfe habe ich zusammen mit einem angestellten Künstler des Unternehmens in dreidimensionale Modelle aus Gips und Kunststoffen zur Umsetzung gebracht. Darüber hinaus habe ich monatliche Fachartikel für die Webseite des Entertainment-Parks verfasst und wissenschaftliche Führungen durch die Ausstellung durchgeführt, mitunter auch auf Französisch.

Ich stand zudem für ausstellungpädagogische sowie ausstellungsästhetische Fragestellungen zur Verfügung und habe selbst Säugetierschädel zur Präsentation in Ausstellungsvitrinen präpariert.

In die Planung der inzwischen umgesetzten Erweiterung des Ausstellungskonzeptes war ich ebenfalls als konstruktiver Ideengeber involviert. Dem Unternehmen stellte ich eine Kombination aus wissenschaftlichen Expertisen und künstlerischer Kreativität zum Sonderpreis zur Verfügung. Das Nettogehalt lag deutlich unter 1300 Euro pro Monat für eine knappe Dreiviertelstelle. Mein damaliger Anwalt deutete in diesem Zusammenhang Sittenwidrigkeit an, und zwar in Anbetracht meines Ausbildungsniveaus, meiner wissenschaftlichen Leistungen und meiner vielfältigen Fähigkeiten.

Die Arbeit im sogenannten Praehistorium war für mich zunehmend nicht angenehm. Ich nahm den damaligen Leiter des Unternehmens, Herrn Kuhl, als jemanden wahr, der schnell seine Meinungen und Ideen änderte und häufig zwischen seriösen Planungen und einer Neigung zu Jahrmarkts-Entertainment schwankte. Zunächst glaubte ich daran, das sich die noch junge Einrichtung in Richtung einer sinnvollen Bildungsinstitution entwickeln könnte. Daran wollte ich teilhaben. Später glaubte ich hieran nicht mehr, spätestens, seit ich von dem geplanten vollautomatisierten Dino-Puppenspektakel erfuhr. Dennoch engagierte ich mich bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses für die Einrichtung. Das saarländische Personal im „Praehistorium“ nahm ich teilweise als nicht hinreichend qualifiziert war.

Zunehmende kritische Äußerungen meinerseits führten zu Unstimmigkeiten mit Herrn Kuhl und letztlich zu einer Kündigung, die das Arbeitsgericht allerdings aus gutem Grunde nicht hinnahm, sondern stattdessen einen Vergleich erwirkte. Diesem stimmte mein Anwalt in meiner Abwesenheit zunächst zu. Da ich die Vergleichsbedingungen in der beschlossenen Form jedoch als nicht angemessen empfand, widerrief ich diesen Vergleich nachträglich, und zwar aus reinem Selbstbewusstsein für meine Leistung heraus.

Das Gerichtsverfahren wurde durch meinen Anwalt auch genutzt, um ein gutes Arbeitszeugnis innerhalb der dafür vorgesehenen Frist zu beantragen. Die Beantragung eines Arbeitszeugnisses mit guter Beurteilung ist ein Grundrecht eines jeden Arbeitnehmers. Sie kann daher nicht Bestandteil einer gerichtlichen Auseinandersetzung sein und somit auch nicht mit einem vor Gericht erzielten Vergleich nachträglich widerrufen werden. Dennoch verweigert mir das Unternehmen ein entsprechendes Zeugnis bis heute.

Daher entschied ich mich, meine Leistung in Form dieses Artikels selbst darzustellen und betone hiermit meine Distanz zu jenem „Praehistorium“, das aus meiner Sicht nicht hinreichend seriös mit einem hochqualifizierten Arbeitnehmer wie mir umging und meiner fachlichen Wahrnehmung gemäß auch bis heute nicht hinreichend die vorgebliche Bildungsfunktion erfüllt.

 

Entstehung meiner Modelle

 

Das Konzept, welcherlei Modelle notwendig sind, um die Evolution der Tiere sinnvoll und verständlich darzustellen, habe ich selbstständig entwickelt, zurückgreifend auf meine Kenntnisse als Evolutionsbiologe. Die schrittweise Entstehung durch mich entworfener Modelle wird am Beispiel einer Cryptomonaden-Zelle vorgeführt, die gleich zwei biologische Fakten veranschaulicht, die Anatomie einer Eukaryotenzelle sowie das Phänomen der Endosymbiose, in diesem Falle sogar einer sekundären Endosymbiose. Das sehr große Modell wird nach Aussagen mir bekannter Personen noch immer ohne Benennung meiner Urheberschaft bei „Gondwana“ ausgestellt. Tatsächlich sind Benennungen meiner Urheberschaft während meiner Anstellung stets unterblieben. Ob das noch immer so ist, habe ich selbst nicht überprüft.

Vorgehensweise:

Zunächst fertigte ich anhand mehrerer wissenschaftlicher Darstellungen aus Facharbeiten eine zusammenfassende und selbst ästhetisierte dreidimensionale Zeichnung an. Ich verwendete stets Kugelschreiber, einfach, weil ich gerne mit Kugelschreibern zeichne.

cryptomonade

Im nächsten Schritt wurde ein durch „Gondwana“ angestellter Künstler mit Schwerpunkten in der dreidimensionalen Modellarbeit durch mich bei der Herstellung einer Gussform regelmäßig beratend und korrigierend unterstützt. Da die Leitung der Ausstellung keine anderen Mittel zur Verfügung stellte, waren sowohl die Gussform wie auch das Gussmedium Gips. Klingt ungewöhnlich, funktionierte aber.

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Um ein zu starkes Verkleben von Negativ- und Positiv-Form zu verhindern, wurden unterschiedliche Gips-Härten verwendet.

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Nach Abnahme des Positivs ließen sich die gewünschen Zellstrukturen bereits gut erkennen.

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Um wichtige Zellbestandteile jedoch klarer voneinander unterscheiden zu können, wurde die Gipsoberfläche farbig ausgestaltet.

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In weiteren Schritten war es notwendig, die Farbgebung mehrfach zu verändern, um ein zur Ausstellung passendes anschauliches Modell zustande zu bekommen.

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Eine Glastafel erlaubte schließlich die ästhetisch überzeugende Beschriftung der einzelnen Zellstrukturen. Beratend wirkte bei der Prozedur nebenbei im Übrigen zudem der Nicht-Biologe Dr. Andreas Braun mit. Das Prinzip der primären Endosymbiose wird im Fotoübrigens anhand dreier separater kleinerer Modelle vorgeführt, die ich ebenfalls entworfen und gestalterisch mit betreut habe.

Zahlreiche Modellentwürfe habe ich entworfen und gezeichnet. Zum Teil befand sich deren dreidimensionale Ausgestaltung im Prozess, als ich die Arbeitsstelle für immer verließ.

Entworfen habe ich beispielsweise das Modell einer Kragengeißelzelle, die in der Evolution des echten tierischen Gewebes eine wichtige Rolle spielte. Zunächst entwarf ich eine solitäre Einzelzelle, dann einen urtümlichen Zellverband

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Umgesetzt wurden diese Entwürfe durch den Modellbau-Künstler unter meiner ständigen Mitsprache zunächst mithilfe einer Modelliermasse im Kleinformat. Die Fertigstellung als Ausstellungsstücke fand nicht mehr während meiner Anstellung statt, doch vermutlich danach. Heutzutage lassen sich Miniaturmodelle hervorragend als Vorlage für einen 3D-Scan nutzen. Der 3D-Druck erlaubt bei der Ausgestaltung des fertigen Modells eine größere Bandbreite hinsichtlich des verwendeten Materials. Auch verschiedene Kunststoffe sind hierdurch kombinierbar. Im Gegensatz zur Gips-Modellierung in Relief-Gestalt ist so auch ein stärkerer 3D-Effekt darstellbar, und zwar natürlich bis hin zu einer vollständig freistehenden Struktur.

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Komplexere gewebeartige Zellverbände finden sich in Schwämmen.

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Echtes Tiergewebe finden wir im Tierreich erst im Taxon der Nesseltiere (Cnidaria), daher entwarf ich einen Cnidaria-Polypen,…

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Namengeben für diese Tiergruppe ist die Nesselzelle. Auch hierfür habe ich einen Entwurf gemacht, an den Beginn einer dreidimensionalen Umsetzung erinnere ich mich jedoch nicht.

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Die „höher entwickelten“ bilateralsymmetrischen Tiere setzen sich zusammen aus den beiden Gruppen Protostomia und Deuterostomia, die Schwestergruppen bilden.

Der „Urbilateria“ ist fossil nicht erhalten und kann lediglich anhand rezenter Tiergruppen nach den Prizipien der phylogenetischen Systematik rekonstruiert werden. Zur dreidimensionalen Ausgestaltung dieses Stammartvertreters der Bilateria muss auch Fantasie eingesetzt werden. Auch hierzu wurde nach meiner Zeichnung, von der keine Kopie erhalten ist, ein Modellentwurf modelliert.

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Ein wichtiges Merkmal in der Stammart der Arthropoda, die zu den Proterostomia gehören, ist das Komplexauge. Eine Umsetzung liegt mir nicht vor.

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urtümliche Vertreter der Ahnenlinie der Arthropoda oder der Ahnenlinie der Arachnida sind die nur fossil erhaltenen Trilobiten.

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In der 3D- Umsetzung wurde zunächst mit der leichter zu gestaltenden Oberseite der Tiere begonnen, die am häufigsten fossil erhalten ist.

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Selbstverständlich gingen meine Entwürfe auch über Einzelprojekte hinaus. Nämlich im Zusammenhang mit der Frage, wie eine mögliche Raumausgestaltung mithilfe verschiedener Modelle aussehen kann.

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Ich biete mich hiermit seriösen naturkundlichen Ausstellungen europaweit als wissenschaftlicher Berater, künstlerischer Entwickler neuer Ausstellungskonzepte und Ausgestalter für dabei skizzierte Modelle an, die wissenschaftliche Zusammenhänge veranschaulichen sollen. Auch als Organisator für Vortragsreihen mit wissenschaftlichen Schwerpunkten und für Führungen mit wissenschaftlichem Hintergrund in Englisch und Deutsch bin ich aufgrund meiner Erfahrungen gut geeignet. Bitte melden Sie sich bei Interesse über das Kontaktformular dieser Seite. Für Kontaktaufnahmen kann auch gerne mein Facebook-Auftritt genutzt werden.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, März 2018

 

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Die künftige historische Bedeutung der modernen Flüchtlingsströme nach Europa

Seit über einem Jahr berichten die Medien über ein scheinbar ganz neues und ungewöhnlich bedrohliches Phänomen: Flüchtlinge aus dem mittleren Osten, zumeist politisch Verfolgte, überschreiten in Scharen Europas Grenzen. Als illegale Einwanderer bitten sie um Asyl, ersuchen um Hilfe in der Not. Denn in ihren Herkunftsländern herrschen schwerwiegende Bürgerkriege. Terror und Tod sind an der Tagesordnung.

Also haben sich die Menschen auf die Reise in Gebiete begeben, in denen sie sich ein besseres Leben erhoffen.

 

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multikulturelles Leben in Berlin (Copyrights Stefan F. Wirth)

 

Ausländerfeindlichkeit in Deutschland

 

Deutschland war und ist ein besonders bevorzugtes Ziel dieser Flüchtlinge, denn zu Unrecht erhält sich in ihrer Heimat standhaft das Gerücht, dass Deutschland reich sei und dort daher niemand mehr Not leiden müsse. Ein Irrtum, wie zahlreiche Asylanten längst festgestellt haben. Dennoch zeigen sich viele Deutsche hilfsbereit und bemühen sich aus Kräften, die Neuankömmlinge zu unterstützen.

Ein Großteil der deutschen Bevölkerung jedoch reagiert ablehnend und feindselig. Und das ist zunächst keineswegs ein Grund für falsche Scham. Ich bin viel gereist und weiß daher, dass die meisten Länder dieser Welt nicht einmal annähernd so freundlich mit Ausländern umgehen wie es in Deutschland seit Dekaden üblich ist.

Und doch muss diese deutsche Fremdenfeindlichkeit konstruktiv hinterfragt und dann auch scharf kritisiert werden. Denn es geziemt sich für ein modernes und aufgeklärtes Land nicht, in unkontrolliertes und grundloses Wutbürgertum zu verfallen.

Für den Berichtsmonat Februar 2016 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind 66,127 Asyl-Erstanträge vermerkt, vorwiegend handelt es sich dabei um Flüchtlinge der oben benannten Gruppen. Selbstverständlich gibt es Dunkelziffern, manch einer reist mit gefälschten Papieren ein und stellt gleich mehrere Anträge, während andere das formelle Procedere umgehen und einfach untertauchen. Im Oktober 2015 befanden sich nach Schätzungen der FAZ insgesamt etwa 800 000 Flüchtlinge in Deutschland. Die Zahl ist bis heute natürlich drastisch gestiegen und überschreitet sicher eine Million.

Dennoch möchte ich diese hier nur vage erfasste Zahl anwesender Flüchtlinge der Einwohnerzahl Deutschlands gegenüber stellen. Ende 2015 waren nämlich immerhin 81,2 Millionen Menschen als Bundesbürger registriert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Bundesbürger unter aktuellen Bedingungen niemals einen Flüchtling überhaupt nur zu sehen bekommen, ist daher ausgesprochen groß.

Doch warum dann diese unbestimmte Angst, die so schnell in unbändige Wut umschlagen kann? Das deutsche Finanz- und Steuerwesen wird nicht unter den Neuankömmlingen zu leiden haben. Auch ist die Unterstellung krimineller Vorsätze durch Asylanten nicht mit vernünftigen Argumenten oder klaren Indizien zu begründen.

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eingeschränkte Wahrnehmung (copyrights Stefan F. Wirth)

Es bleibt als Erklärungsansatz lediglich eine Abscheu vor Andersartigkeit, die Befürchtung, irgendetwas am althergebrachten Alltag könne sich verändern. Leider haben wir es also vorwiegend mit diffusen Emotionen zu tun, die zu Ablehnung, Brandstiftung und unsäglichen Diffamierungen führen.

Dabei könnten gebildete Asylanten-Gegner durchaus versuchen, ihren Unmut und etwaige existentielle Befürchtungen historisch zu begründen. Doch dies gibt das derzeit in Deutschland vorherrschende Bildungsniveau schlichtweg nicht her. Historische Kenntnisse reichen allenfalls bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Damals hat sich Deutschland sehr effizient gegen alles Andersartige zur Wehr gesetzt. Wie stark und durchsetzungsfähig das Land damals gewesen ist, damit befasst man sich zunehmend sehr gerne. Schon allein deswegen, weil in jenen Zeiten alles so einfach war. Ausländer und politisch Andersdenkende wurden ohne großes Wenn und Aber eliminiert, man schätzte lange Diskussionen nicht. Jeder radikalisierte Hauptschüler, der im Unterricht nie folgen konnte, darf sich heute wieder schamlos öffentlich mit dem Ideengut seiner Urgroßeltern identifizieren. Und doch werden weder die Flut der Flüchtlinge selbst noch der Hass der Deutschen auf diese Einwanderer jemals von historischer Bedeutung sein.

Die Zukunft nämlich stellt ganz andere Herausforderungen an die Menschheit. Und für eine strenge Trennung der Nationalitäten, für ethnische Diffamierungen und Gewalt bleiben dabei kein Ressourcen übrig. Religionen als Haupttriebkräfte für rohe Gewalt unter Ethnien können weltweit im öffentlichen Leben keine Toleranz mehr erfahren. Der Klimawandel, die zunehmende Knappheit an Energierohstoffen, steigende Lebenserwartungen und Umweltkatastrophen dominieren die nächsten Jahrhunderte und verlangen von künftigen Gesellschaften Vernunft, Innovation und Zusammenhalt.

 

Invasion der Goten ins Römische Reich

 

Die Einwanderung der Terwingen

 

Dass Ströme aus Migranten innerhalb Europas und Vorderasiens letztmalig bestehendes Kulturgut seiner dauerhaften Vernichtung zuführten, liegt wahrlich lange zurück.

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römische Stadt (Pompeji, copyrights Stefan F. Wirth)

In einem Sommer des Jahres 376 wird es unruhig entlang der Donau, jener natürlichen Barriere, die das zweigeteilte römische Imperium vom Land der germanischen Barbaren trennt.

Die Hunnen, eine Völkerschar aus Zentralasien, suchen Osteuropa heim. Sie überfallen Dörfer und Städte in den Ländern der Ost- und Westgoten, die sich damals entlang der nördlichen Regionen des schwarzen Meeres erstreckten. Das Reitervolk plündert, was ihm in den Weg gelangt. Und es stößt dabei auf wenig ernst zunehmende Gegenwehr seitens der betroffenen Germanen-Völker, die schlicht überrumpelt werden, wohl auch, weil ihnen eine zentrale Organisation fehlt.

Die Motivation der Hunnen, Landstriche zu überfallen, die so fern ihrer ursprünglichen Heimat liegen, ist durch die Geschichtsforschung noch nicht gut verstanden. Womöglich, so heißt es, seien die Nahrungsmittel in den asiatischen Territorien einfach knapp geworden.

Zigtausende Menschen, die verschiedenen gotischen Stämmen angehören, verlassen fluchtartig ihre Dörfer und Städte und wenden sich der Donau zu. Ziel ist es, Zuflucht innerhalb der Grenzen des mächtigen Römischen Reiches zu finden.

Das Imperium Romanum wird zu jener Zeit durch zwei Herrscher regiert: Flavius Valens (328-378) in Ostrom und Gratian (359-383) im Westen.

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Kaiser Valens

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Kaiser Gratian

Während nun das gotische Volk der Terwingen unter den beiden Herrschern Fritigern und Alaviv an der Grenze zum römischen Herrschaftsgebiet lagert, fast 100 000 Menschen, Kinder, Alte, das eigene Hab und Gut nur notdürftig verpackt, bereitet Valens gerade einen Krieg gegen die Perser an der östlichen Grenze des Reiches vor.

Daher entscheiden sich Fritigern und Alaviv zu einem Schritt, der in damaliger Zeit keineswegs als ungewöhnlich gilt. Sie entsenden einen Boten, der Valens ein Asylgesuch überbringen soll. Da das römische Asylverfahren stets eine lukrative Gegenleistung voraussetzt, ist es durchaus ein geschickter Schachzug der Terwingen, dem römischen Kaiser zugleich Soldaten zur Unterstützung seines Vorhabens gegen die Perser anzubieten. Das Unterfangen ist dann auch tatsächlich von Erfolg gekrönt. Valens gestattet die Einreise der Terwingen, die daraufhin unter der strengen Kontrolle römischer Soldaten unter geordneten Bedingungen und dennoch in Scharen über die Donau setzen.

Der Kaiser, der die Situation nördlich der Donau nicht richtig einzuschätzen vermag, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er gerade selbst seine Mörder ins Land eingelassen hat.

Obwohl Rom Jahrhunderte lange Erfahrungen im Umgang mit legalen Einwanderern besitzt, ist man plötzlich unvorsichtig geworden und begeht bei der Abfertigung der nun im römischen Territorium befindlichen Terwingen zahlreiche schwere Fehler. Zunächst erfolgt die Entwaffnung der Männer nur unzureichend, die Bedingungen in den Auffanglagern sind schlecht, die Menschen hungern und begehren zunehmend auf.

So ist der zuständige römische Statthalter zum schnellen Handeln gezwungen. Er muss den Einwanderern irgendwie ein Signal setzen, dass die verhassten Notunterkünfte nur ein vorübergehendes Provisorium sind. Also schickt er überstürzt einen Flüchtlingstreck auf den Weg nach Marcianopolis. Hier soll allerdings nur ein großer Teil der Terwingen ankommen, denn ein wichtiger Aspekt des römischen Asylverfahrens besteht in der Dezentralisierung der Ankömmlinge. Dennoch werden zur Sicherung des langen Trosses um die gotischen Flüchtlinge Richtung Marcianopolis, das im heutigen Bulgarien liegt, ausgerechnet jene Legionen abgezogen, deren ursprüngliche Aufgabe die Bewachung der Donau war.

In der Folge eskaliert die Situation an verschiedenen Orten mehr oder weniger gleichzeitig. Der Treck mit den beiden Herrschern Fritigern und Alaviv steht schon kurz vor Marcianopolis als sich der römische Statthalter dazu entschließt,  die beiden Goten-Führer unkompliziert beseitigen zu lassen. Der Meuchelmord an fremdländischen Autoritätspersonen  wird in Rom als probates Mittel angesehen, um die Fähigkeit von Einwanderern zur Selbstbestimmung zu verringern. Doch das Attentat wird unprofessionell ausgeführt und Fritigern überlebt, im Gegensatz zu Alaviv.

Es verwundert daher nicht, dass Fritigern sein Volk nun in einen bewaffneten Aufstand gegen die römischen Unterdrücker führt, während zur selben Zeit die Greutungen, auch ein gotisches Volk, das nie um Asyl gebeten hat, ungehindert die Donau überqueren. Und sie sind dabei keineswegs allein. Einige alanische und hunnische Truppen haben sich ihnen angeschlossen.

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Schildbuckel der Greutungen

Die Terwingen unter Fritigerns Kommando befreien sich indes erfolgreich aus ihren Lagern und schlagen die römische Armee erfolgreich, die sich ihnen in den Weg stellt. Von nun an ziehen sie marodierend über den gesamten südöstlichen Balkan. Dabei kommt ihnen zugute, dass Valens zur Vorbereitung seines Kriegszuges gegen die Perser weit entfernt in Antiochia weilt. Es ist daher keine Legion mehr verfügbar, die sich den entfesselten Terwingen noch in den Weg stellen kann.

In seiner Verzweiflung bittet Valens seinen Mitregenten, den weströmischen Kaiser Gratian, um Verstärkung gegen die brandschatzenden Terwingen. Und tatsächlich gelingt es mit Hilfe weströmischer Legionen, die revoltierenden Eindringlinge zur Donau zurückzudrängen, zumindest vorübergehend. Unerwartet für Rom kommt dies den Terwingen jedoch zugute. Erneut schlagen sich  Römer und revoltierende Goten in einer Schlacht, die zwar dieses mal unentschieden endet,  jedoch die Terwingen geradewegs den noch immer nahe der Donau lagernden Greutungen zuführt. Es gelingt Fritigern nun, die beiden gotischen Stämme zu einem Bündnis zu vereinen, dem sich auch einige abtrünnig gewordene Hunnen-Trupps sowie Alanen-Verbände anschließen. Das Ergebnis ist eine große wehrhafte Armee, der Rom zunächst nichts mehr entgegensetzen kann.

 

Die Schlacht bei Adrianopel 378

 

Nun sehen die beiden Machthaber des Imperiums keine andere Möglichkeit mehr, als den den Eindringlingen selbst entgegen zu marschieren. Während Gratian sich mit seinen Armeen über das Balkangebirge nähert, zieht Valens Richtung Adrianopel in der heutigen Türkei.

Hier begeht der oströmische Kaiser nun einen äußerst verhängnisvollen Fehler als er sich dazu entschließt, das nahe gelegene und übermächtige Heer der Goten ganz im Alleingang anzugreifen, ohne zuvor die Ankunft Gratians abzuwarten. In der Folge werden Valens‘ Truppen vernichtend geschlagen. Die Erde auf dem Schlachtfeld färbt sich rot vor Blut, und die Römer erleben eine Niederlage, wie es sie seit der Varusschlacht nicht mehr gegeben hat. Valens selbst stirbt vermutlich noch auf dem Schlachtfeld.

Dennoch findet das Geschehen in der Folge zu einem vergleichsweise guten Ende, im Herbst 382 nämlich gelingt es, mit Gratian einen Friedensvertrag zu schließen, der den Goten eine Aufenthaltsgenehmigung sowie Ländereien zusichert. Es ist dies ein durch die gotischen Einwanderer erzwungener Kompromiss, etwas, das es in Rom seit Jahrhunderten so nicht mehr gegeben hat.

Das Römische Reich ist angreifbar geworden. Es folgen weitere Invasionen, in deren Verlauf sogar das Herz des Imperiums, Rom, schon im ersten vorchristlichen Jahrhundert durch Tibullus als Ewige Stadt bezeichnet, mehrfach eingenommen wird. Die so genannten Völkerwanderungen haben eingesetzt. Sie sind es,  die das einst so machtvolle große Imperium in den Untergang führen werden.

Das Weströmische Reich hört bereits irgendwann im 5. Jahrhundert auf zu existieren. Ostrom besteht hingegen noch bis ins 15. Jahrhundert fort, eine Zeit, die Historiker als spätbyzantinische Epoche bezeichnen werden.

Die nicht mehr unter römischer Herrschaft stehenden Gebiete werden ab dem 5. Jahrhundert zwischen Vandalen, Westgoten (den früheren Terwingen) und Franken aufgeteilt.

 

Untergang des Reiches und mittelalterliche Finsternis

 

Obwohl der Untergang des römischen Reiches schrittweise erfolgte und nicht alleine auf die Angriffe benachbarter Völkergruppen zurückgeführt werden kann, hat die missglückte Integration von Flüchtlingen Ereignisse eingeleitet oder zumindest beschleunigt, die das zuvor unbesiegbare Rom von innen und von außen her zersetzten.

Was für Konsequenzen hat so etwas nun für ein Land?  Neue Herrscher, eine ethnische Vermischung und andere Gesetze sind natürlich Folgen, die den Lebensalltag der einheimischen Bevölkerung stark erschüttern. Doch gravierende Umstrukturierungen hat es in der Geschichte der Menschheit immer wieder gegeben. Es zeichnet den Menschen sogar seit jeher besonders aus, sich Veränderungen erfolgreich anpassen zu können. Letztlich evolvierte der Homo sapiens sogar nur dadurch zu seinem heutigen Erscheinungsbild, dass sich die Umwelt, in der frühzeitliche Hominiden lebten, ständig abwandelte.

Auch Rückschritte hinsichtlich kultureller Kompetenzen hat der Mensch immer wieder durchleben müssen. Nun eben auch in der Folge der Einfälle germanischer Völkerscharen ins Römische Imperium. Und obwohl die Existenz neuer Herrscher sowie die genetische Vermischung der Ethnien die Bevölkerung auf keinen Fall ernsthaft überfordert haben kann, katapultiert der zunehmende Verlust römischen Wissens und römischer Technologien Europa und den nahen Osten in den folgenden Jahrhunderten in ein andauerndes Zeitalter der Düsternis.

Bahnbrechende römische Errungenschaften geraten spätestens ab dem Mittelalter weitgehend in Vergessenheit. Das Straßensystem veraltet. Die Kanalisation, jenes ausgeklügelte System aus Rohren und Leitungen, das jedes römische Haus versorgt und damit hygienische Bedingungen ermöglicht hat, geht in seiner fortschrittlichen Form verloren. Das hochentwickelte Bildungssystem, das die gesamte Bevölkerung Roms quer durch alle sozialen Schichten systematisch mit Wissen versorgt hat, wird abgeschafft und durch spirituelle Dogmen ersetzt. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden vernichtet, und nicht zuletzt hat man den freien Geist und die Lebensfreude zerstört und zu Gott ungefälligen Sünden erklärt.

Erst Aufklärung und moderne Technisierung, einhergehend mit der Industrialisierung, haben wieder einen hochentwickelten Standard erschaffen, ein Niveau, das zum Teil in Grundlagen bereits den antiken Römern bekannt war.

 

Moderne Zukunftsperspektiven

 

Lässt sich also mein Beispiel einer eskalierten Flüchtlingsinvasion der Spätantike als Mahnmal dafür anführen, dass die freundliche Aufnahme von Immigranten aus anderen Kulturkreisen auch heute noch zur ernsten Bedrohung unserer modernen Zivilisation heranreifen kann?

Ich muss sagen, dass es mir im Grunde vollständig gleichgültig ist, ob sich deutsche Bürger der Zukunft durch eine vorwiegend dunkle Hautfarbe mit schwarzen Haaren auszeichnen oder nicht. Wichtig ist doch, dass wir nicht befürchten müssen, durch bedrohliche Migrationsbewegungen erneut in einen dunklen Abgrund des Unwissens und einer Diktatur der Religionen zurückversetzt zu werden. Das kann niemals mehr geschehen, denn zu sehr sind wir auf unsere intellektuellen Fähigkeiten, die Grundlage allen technologischen Fortschritts, angewiesen.

Wir würden sonst die letzten Ressourcen sinnlos verschwenden und aussterben.

Unsere Zukunft wird uns mit ganz anderen Dingen konfrontieren, die alle Völker gemeinsam unter Ausschluss des religiösen Wahns erleben werden. Der Mars wird besiedelt werden, Dinosaurier entstehen durch genetische Manipulation aus Vögeln heraus neu, und Mammuts besiedeln die Steppen Sibiriens. Humanoide Roboter werden zum Alltag gehören und Reisen ins All einen neuen Tourismus-Zweig eröffnen.

Blood Moon signiert

Reisen ins All (copyrights Stefan F. Wirth)

 

 

(Historische Quellen: divers, darunter „Geo Epoche“ Nr. 76: „Die Völkerwanderung, Germanen gegen Rom“)

 

Copyrights, März 2016: Gesamter Artikel Stefan F. Wirth, ausgenommen Fotos, die nicht explizit mit meinen Copyrights versehen sind.