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Kategorie: Doktorgrad

Biosphäre Potsdam: Schamloses Lohndumping?

Ich bin darin erfahren, wissenschaftlich beratend und kreativ unterstützend in einem naturkundlichen Museum mitzuwirken. Daher bewarb ich mich in Form einer Initiativbewerbung als wissenschaftlicher Berater und Mitgestalter sowie als Ausstellungsführer bei der Biosphäre Potsdam.

Meine Qualifikationen habe ich hierbei in Form eines fließenden Textes zusammengefasst. Die Reaktion war erstaunlich.

Zunächst wurde mir mitgeteilt, dass keine Position gemäß meiner Qualifikation zu vergeben sei. Man könne aber einen Job auf Geringfügigkeitsbasis anbieten. Ich bejahte für den Bereich „Führungen“ und via Honorar-Abrechnung.

Dann heißt es durch die Zuständige, Frau S. H.:

„Sehr geehrter Herr Wirth,

die Mitarbeit auf Honorarbasis betrifft unsere Führungen wie z. B. Biologische Vielfalt im Regenwald, Schmetterlinge der Tropen, Exotische Tier- und Pflanzenwelt und Workshops wie z.B. der Schoko-Crepe-Workshop. Nähere Einzelheiten können Sie auch unserer Homepage entnehmen.

Auch hier würde der Einsatz nach Bedarf erfolgen, abhängig von der Buchungslage und Ihren Einsatzmöglichkeiten. Wir können Ihnen ein Stundenhonorar von € 12,00 anbieten.“

Fand ich natürlich ein bisschen frech, einem promovierten Biologen, seit fast zwei Jahrzehnten in Forschung und beinahe ebenso lange in universitärer Lehre tätig, einen Stundenlohn anzubieten, den er nicht einmal als Student ohne Gewissensbisse akzeptiert hätte.

Frech ist zurückblickend eigentlich zu gelinde ausgedrückt. Es ist  aus meiner heutigen Sicht heraus gar eine schamlose Unverschämtheit und zeugt womöglich von fehlender Moral. Erst recht der gesamte weitere Umgang mit meiner Bewerbung.

Da ich jedoch eine Nebentätigkeit im biologischen Bildungssektor suche und benötige, fiel meine Antwort eher zurückhaltend aus: „Da ich … freiberuflich gemeldet bin, und zwar als Biologe, Fotograf und Videograf, ist es wichtig, dass Tätigkeiten vorwiegend in Zusammenhang mit einer dieser Berufsbezeichnung stehen. Daher bevorzuge ich Führungen zu den von Ihnen genannten biologischen Themen. Zusätzlich wären dann natürlich auch Workshop Aktivitäten denkbar, selbst dann, wenn Sie mit der Herstellung von Lebensmitteln zu tun haben. Der von Ihnen genannte Stundenlohn ist sehr weit von dem entfernt, was mir aufgrund meiner Hochqualifikationen zusteht. Aber heutzutage hat man (Anm: hinsichtlich der Gehaltsvorstellungen) keine Wahl mehr, daher mache ich es auch für 12 Euro. Mit unregelmäßigen Einsätzen habe ich keinerlei Probleme.“

Daraufhin erhielt ich keine Rückmeldung mehr. In einer Folge-Email beteuerte ich mein weiteres Interesse an dem Job, bat, die Kritik am Honorar nicht negativ zu werten und fragte, ob die Zusendung weiterer Unterlagen zum Nachweis meiner Qualifikationen erwünscht sei. In der Folge teilte mir eine gewisse Frau W. mit, Frau H. werde sich nach ihrer Rückkehr am elften Mai wieder bei mir melden. Natürlich meldete sich niemand. Hartnäckiges Nachfragen führte zunächst zu keiner Reaktion, weshalb ich schließlich um Löschung meiner Daten bat und meine Bewerbung entrüstet zurückzog. Erst dann folgten wieder zwei Antworten, man habe meine Daten wunschgemäß gelöscht, und: Der Bewerbungsprozess habe sich verschoben. Man bedanke sich für meine Geduld. Als ich daraufhin entgegnete, dass von (Anm: weitergehender) Geduld in meinem Fall (Anm: nach so langer Wartezeit) nicht die Rede sein könne, da der Grund für die fehlende Rückmeldung auf meine Anschreiben jedoch (Anm: vorgeblich) nur eine zeitliche Verzögerung sei, wolle ich meine Bewerbung nunmehr doch aufrecht erhalten. Die Antwort am darauffolgenden Werktag lautete, das Bewerbungsverfahren sei inzwischen abgeschlossen worden. So habe ich also fast einen ganzen Monat lang vergeblich auf eine von mir trotz widriger Bezahlung ausdrücklich erwünschten Nebentätigkeit, die sogar bereits explizit angeboten worden war, gewartet. Kritische Gedanken zum Lohndumping in moderner Zeit sind offenkundig im aktuellen Berufsleben unerwünscht, oder ist das nur in der Biosphäre Potsdam so?

Das Klima in Deutschland verschlechtert sich für seriöse Wissenschaftler zunehmend. Während die spirituell verblendete Kanzlerin wiederholt zur Rückbesinnung auf den christlichen Glauben aufruft, anstatt zu mehr Wissensdurst zu raten, breitet sich der Genderismus-Wahnsinn immer flächendeckender aus. Wer sich nicht dem Dogma unterwirft, beim Homo sapiens gäbe es keinen Geschlechtsdimorphismus, hat ein Problem. Denn Forschungsgelder fließen derzeit in Strömen in die sogenannte Genderforschung. Wer lieber die Biologie der Milben und Insekten untersuchen und verstehen möchte, ist out. Da muss man dann wohl auch für einen boshaften Katzenlohn arbeiten. Wenn aber nicht einmal der zustande kommt, weil man die Dreistigkeit besaß, die Unverhältnismäßigkeit der angebotenen Entlohnung kritisch am Rande zu erwähnen, dann ist etwas faul im Staate Deutschland, meiner Ansicht nach konkret übrigens auch bei der Biosphäre Potsdam.

Aus dem Grunde empfehle ich qualifizierten Naturkundlern, sich besser andernorts zu bewerben.

Berlin, Mai 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

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„Gondwana – Das Praehistorium“, meine Anstellung als Wissenschaftler und künstlerischer Modell-Entwickler in einem saarländischen Dino-Park, ich biete nun meine Kompetenzen und Dienstleistungen für naturkundliche Ausstellungen aller Art an

Von 2010 bis 2011 war ich als wissenschaftlicher Berater in den Bereichen Zoologie, Biologie, Systematik und Evolutionsbiologie in dem saarländischen Dinosaurierpark Gondwana – Das Praehistorium angestellt. Eine Einrichtung, die sich bemüht, Landschaften vergangener Erdzeitalter darzustellen und mit Rekonstruktionen damaligen Lebens anzureichern. Es blökt und zischt und dampft und rauscht, für manch kindlichen Besucher womöglich eher ein Licht-gewaltiges Grusical anstelle eines Bildungserlebnisses aus künstlichen Gerüchen, Roboter-Animationen, Pappmaché und Gips sowie museal anmutenden Abschnitten.                                                                       Zuständig war ich zudem für die Einrichtung und Organisation einer wissenschaftlichen Vortragsreihe, die ich auch moderiert habe. Des Weiteren bot ich im Namen des Dino-Parks ein Unterrichtsprogramm zur Fortbildung von Schülern an saarländischen Gymnasien an. Ich war auch zuständig für zeichnerische Entwürfe für Modelle zur Veranschaulichung wichtiger evolutionsbiologischer Schritte des Tierreich. Die selbst konzipierten und gezeichneten Modellentwürfe habe ich zusammen mit einem angestellten Künstler des Unternehmens in dreidimensionale Modelle aus Gips und Kunststoffen zur Umsetzung gebracht. Darüber hinaus habe ich monatliche Fachartikel für die Webseite des Entertainment-Parks verfasst und wissenschaftliche Führungen durch die Ausstellung durchgeführt, mitunter auch auf Französisch.

Ich stand zudem für ausstellungpädagogische sowie ausstellungsästhetische Fragestellungen zur Verfügung und habe selbst Säugetierschädel zur Präsentation in Ausstellungsvitrinen präpariert.

In die Planung der inzwischen umgesetzten Erweiterung des Ausstellungskonzeptes war ich ebenfalls als konstruktiver Ideengeber involviert. Dem Unternehmen stellte ich eine Kombination aus wissenschaftlichen Expertisen und künstlerischer Kreativität zum Sonderpreis zur Verfügung. Das Nettogehalt lag deutlich unter 1300 Euro pro Monat für eine knappe Dreiviertelstelle. Mein damaliger Anwalt deutete in diesem Zusammenhang Sittenwidrigkeit an, und zwar in Anbetracht meines Ausbildungsniveaus, meiner wissenschaftlichen Leistungen und meiner vielfältigen Fähigkeiten.

Die Arbeit im sogenannten Praehistorium war für mich zunehmend nicht angenehm. Ich nahm den damaligen Leiter des Unternehmens, Herrn Kuhl, als jemanden wahr, der schnell seine Meinungen und Ideen änderte und häufig zwischen seriösen Planungen und einer Neigung zu Jahrmarkts-Entertainment schwankte. Zunächst glaubte ich daran, das sich die noch junge Einrichtung in Richtung einer sinnvollen Bildungsinstitution entwickeln könnte. Daran wollte ich teilhaben. Später glaubte ich hieran nicht mehr, spätestens, seit ich von dem geplanten vollautomatisierten Dino-Puppenspektakel erfuhr. Dennoch engagierte ich mich bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses für die Einrichtung. Das saarländische Personal im „Praehistorium“ nahm ich teilweise als nicht hinreichend qualifiziert war.

Zunehmende kritische Äußerungen meinerseits führten zu Unstimmigkeiten mit Herrn Kuhl und letztlich zu einer Kündigung, die das Arbeitsgericht allerdings aus gutem Grunde nicht hinnahm, sondern stattdessen einen Vergleich erwirkte. Diesem stimmte mein Anwalt in meiner Abwesenheit zunächst zu. Da ich die Vergleichsbedingungen in der beschlossenen Form jedoch als nicht angemessen empfand, widerrief ich diesen Vergleich nachträglich, und zwar aus reinem Selbstbewusstsein für meine Leistung heraus.

Das Gerichtsverfahren wurde durch meinen Anwalt auch genutzt, um ein gutes Arbeitszeugnis innerhalb der dafür vorgesehenen Frist zu beantragen. Die Beantragung eines Arbeitszeugnisses mit guter Beurteilung ist ein Grundrecht eines jeden Arbeitnehmers. Sie kann daher nicht Bestandteil einer gerichtlichen Auseinandersetzung sein und somit auch nicht mit einem vor Gericht erzielten Vergleich nachträglich widerrufen werden. Dennoch verweigert mir das Unternehmen ein entsprechendes Zeugnis bis heute.

Daher entschied ich mich, meine Leistung in Form dieses Artikels selbst darzustellen und betone hiermit meine Distanz zu jenem „Praehistorium“, das aus meiner Sicht nicht hinreichend seriös mit einem hochqualifizierten Arbeitnehmer wie mir umging und meiner fachlichen Wahrnehmung gemäß auch bis heute nicht hinreichend die vorgebliche Bildungsfunktion erfüllt.

 

Entstehung meiner Modelle

 

Das Konzept, welcherlei Modelle notwendig sind, um die Evolution der Tiere sinnvoll und verständlich darzustellen, habe ich selbstständig entwickelt, zurückgreifend auf meine Kenntnisse als Evolutionsbiologe. Die schrittweise Entstehung durch mich entworfener Modelle wird am Beispiel einer Cryptomonaden-Zelle vorgeführt, die gleich zwei biologische Fakten veranschaulicht, die Anatomie einer Eukaryotenzelle sowie das Phänomen der Endosymbiose, in diesem Falle sogar einer sekundären Endosymbiose. Das sehr große Modell wird nach Aussagen mir bekannter Personen noch immer ohne Benennung meiner Urheberschaft bei „Gondwana“ ausgestellt. Tatsächlich sind Benennungen meiner Urheberschaft während meiner Anstellung stets unterblieben. Ob das noch immer so ist, habe ich selbst nicht überprüft.

Vorgehensweise:

Zunächst fertigte ich anhand mehrerer wissenschaftlicher Darstellungen aus Facharbeiten eine zusammenfassende und selbst ästhetisierte dreidimensionale Zeichnung an. Ich verwendete stets Kugelschreiber, einfach, weil ich gerne mit Kugelschreibern zeichne.

cryptomonade

Im nächsten Schritt wurde ein durch „Gondwana“ angestellter Künstler mit Schwerpunkten in der dreidimensionalen Modellarbeit durch mich bei der Herstellung einer Gussform regelmäßig beratend und korrigierend unterstützt. Da die Leitung der Ausstellung keine anderen Mittel zur Verfügung stellte, waren sowohl die Gussform wie auch das Gussmedium Gips. Klingt ungewöhnlich, funktionierte aber.

gussform

Um ein zu starkes Verkleben von Negativ- und Positiv-Form zu verhindern, wurden unterschiedliche Gips-Härten verwendet.

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Nach Abnahme des Positivs ließen sich die gewünschen Zellstrukturen bereits gut erkennen.

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Um wichtige Zellbestandteile jedoch klarer voneinander unterscheiden zu können, wurde die Gipsoberfläche farbig ausgestaltet.

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In weiteren Schritten war es notwendig, die Farbgebung mehrfach zu verändern, um ein zur Ausstellung passendes anschauliches Modell zustande zu bekommen.

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Eine Glastafel erlaubte schließlich die ästhetisch überzeugende Beschriftung der einzelnen Zellstrukturen. Beratend wirkte bei der Prozedur nebenbei im Übrigen zudem der Nicht-Biologe Dr. Andreas Braun mit. Das Prinzip der primären Endosymbiose wird im Fotoübrigens anhand dreier separater kleinerer Modelle vorgeführt, die ich ebenfalls entworfen und gestalterisch mit betreut habe.

Zahlreiche Modellentwürfe habe ich entworfen und gezeichnet. Zum Teil befand sich deren dreidimensionale Ausgestaltung im Prozess, als ich die Arbeitsstelle für immer verließ.

Entworfen habe ich beispielsweise das Modell einer Kragengeißelzelle, die in der Evolution des echten tierischen Gewebes eine wichtige Rolle spielte. Zunächst entwarf ich eine solitäre Einzelzelle, dann einen urtümlichen Zellverband

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Umgesetzt wurden diese Entwürfe durch den Modellbau-Künstler unter meiner ständigen Mitsprache zunächst mithilfe einer Modelliermasse im Kleinformat. Die Fertigstellung als Ausstellungsstücke fand nicht mehr während meiner Anstellung statt, doch vermutlich danach. Heutzutage lassen sich Miniaturmodelle hervorragend als Vorlage für einen 3D-Scan nutzen. Der 3D-Druck erlaubt bei der Ausgestaltung des fertigen Modells eine größere Bandbreite hinsichtlich des verwendeten Materials. Auch verschiedene Kunststoffe sind hierdurch kombinierbar. Im Gegensatz zur Gips-Modellierung in Relief-Gestalt ist so auch ein stärkerer 3D-Effekt darstellbar, und zwar natürlich bis hin zu einer vollständig freistehenden Struktur.

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Komplexere gewebeartige Zellverbände finden sich in Schwämmen.

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Echtes Tiergewebe finden wir im Tierreich erst im Taxon der Nesseltiere (Cnidaria), daher entwarf ich einen Cnidaria-Polypen,…

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Namengeben für diese Tiergruppe ist die Nesselzelle. Auch hierfür habe ich einen Entwurf gemacht, an den Beginn einer dreidimensionalen Umsetzung erinnere ich mich jedoch nicht.

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Die „höher entwickelten“ bilateralsymmetrischen Tiere setzen sich zusammen aus den beiden Gruppen Protostomia und Deuterostomia, die Schwestergruppen bilden.

Der „Urbilateria“ ist fossil nicht erhalten und kann lediglich anhand rezenter Tiergruppen nach den Prizipien der phylogenetischen Systematik rekonstruiert werden. Zur dreidimensionalen Ausgestaltung dieses Stammartvertreters der Bilateria muss auch Fantasie eingesetzt werden. Auch hierzu wurde nach meiner Zeichnung, von der keine Kopie erhalten ist, ein Modellentwurf modelliert.

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Ein wichtiges Merkmal in der Stammart der Arthropoda, die zu den Proterostomia gehören, ist das Komplexauge. Eine Umsetzung liegt mir nicht vor.

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urtümliche Vertreter der Ahnenlinie der Arthropoda oder der Ahnenlinie der Arachnida sind die nur fossil erhaltenen Trilobiten.

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In der 3D- Umsetzung wurde zunächst mit der leichter zu gestaltenden Oberseite der Tiere begonnen, die am häufigsten fossil erhalten ist.

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Selbstverständlich gingen meine Entwürfe auch über Einzelprojekte hinaus. Nämlich im Zusammenhang mit der Frage, wie eine mögliche Raumausgestaltung mithilfe verschiedener Modelle aussehen kann.

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Ich biete mich hiermit seriösen naturkundlichen Ausstellungen europaweit als wissenschaftlicher Berater, künstlerischer Entwickler neuer Ausstellungskonzepte und Ausgestalter für dabei skizzierte Modelle an, die wissenschaftliche Zusammenhänge veranschaulichen sollen. Auch als Organisator für Vortragsreihen mit wissenschaftlichen Schwerpunkten und für Führungen mit wissenschaftlichem Hintergrund in Englisch und Deutsch bin ich aufgrund meiner Erfahrungen gut geeignet. Bitte melden Sie sich bei Interesse über das Kontaktformular dieser Seite. Für Kontaktaufnahmen kann auch gerne mein Facebook-Auftritt genutzt werden.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, März 2018

 

Wird die Biodiversitätsforschung zunehmend in Zweit- und Drittweltländer verlagert und verliert dort durch Massenpublikationen mäßig vorgebildeter Forscher an Wert?

 

Es erscheint zunächst plausibel: Ein sinnvoller Naturschutz muss zwingend an genaue Kenntnisse unserer Natur anknüpfen. Da unsere natürliche Umwelt zu erheblichen Teilen biologisch belebt ist, ist die Artenkenntnis eine wichtige Grundlage, um unsere irdischen Ökosysteme und damit auch uns selbst zu erhalten.

Forscher gehen von insgesamt über acht Millionen Arten weltweit aus. Hierbei zeigen vor allem die Tiere eine hohe Artenvielfalt auf. Ein erheblicher Prozentsatz der Biodiversität, so der Fachterminus für Artenvielfalt, ist jedoch noch immer unbekannt.

Jeder vernünftige Mensch würde doch an dieser Stelle schlussfolgern, dass Biologen und insbesondere Zoologen händeringend benötigt würden, um zu dem Mammutprojekt „Biodiversitätsforschung“ Beiträge leisten zu können. Doch weit gefehlt! Deutsche Stellenangebote suchen in der Regel nach Pharma-Mitarbeitern oder versuchen stellenlose Wissenschaftler unter ihrem Leistungsniveau in Großlaboratorien der medizinischen Forschung unterzubringen. Der Rest bleibt ohne Anstellung und muss mitunter als Hatz-IV-Bezieher ein klägliches Dasein fristen.

Und die Biodiversitätsforschung? Die ist längst nicht mehr in Deutschland zuhause. Nur wenige Grüppchen sind bundesweit verteilt übrig geblieben, und die investieren mehr Zeit damit, ihre Ellbogen zu stärken, um ihre Fördermittel gegen Konkurrenten zu verteidigen, als in gute Forschung.

Machtregierungen denken an nichts anderes als an ihren Machterhalt, kurzsichtiges Agieren, denn was nach ihnen passiert, ist ihnen völlig gleichgültig. Steuergelder wandern in die Geldbörsen gieriger Politiker, und das in rauen Mengen, und nicht dahin, wo sie hingehören: in die langfristige Sicherung der Zukunft.

In der Zwischenzeit sterben Arten zu Hunderten aus, noch bevor sie überhaupt entdeckt und beschrieben werden können, und mit ihnen vergehen mitunter ganze Ökosysteme.

Dabei verfügte Deutschland über eine seit Jahrhunderten gewachsene Tradition in qualitativ hochwertiger Forschung in den Naturwissenschaften. Gerade in der Biologie waren deutsche Wissenschaftler weltweit bekannt für präzise Gedanken und sorgfältige Terminologien sowie gründlich durchdachte Hypothesen.

Inzwischen sind deutsche Spezialisten im Umfeld der Biologie entweder auf Dauer arbeitslos oder zu Überlebenskünstlern geworden. Die USA haben das Feld übernommen, sie investieren immense Forschungsgelder in die Grundlagenforschung. Und das doch mit für das Land typischen Einschränkungen. Wer sich einen US-Wahlkampf anschaut, wer Hollywood-Action-Filme konsumiert, der weiß, dass subtiles Gedankengut oft nicht Sache der US-Amerikaner ist. So auch allzu häufig nicht in den Naturwissenschaften.

Terminologien, die wir sorgsam voneinander abgrenzen, werden gerne lax pauschalisiert verwendet. Feinheiten des Artbegriffes? Für manche Systematiker völlig uninteressant! Die USA sequenziert vorwiegend, das ist zeitgemäß und erfasst die Artenvielfalt objektiv und genau, so jedenfalls glaubt man. Einwände werden nicht selten als unmodern verworfen. Aber welches Gen kodiert denn nun für die Artgrenze? Blöde Frage, kein bekanntes natürlich,  die Grenzen, die legen wir einfach willkürlich fest. Aber wer um alles in der Welt wählt denn dann das Material nach sinnvollen Kriterien aus, das überhaupt zur Sequenzierung gelangt? Gute Frage, so die Antwort, hier werden nach wie vor Spezialisten benötigt, aber bitte, günstig müssen sie sein und produktiv im Akkord. Ich berichte hier aus meinen eigenen Erfahrungen im Bereich der systematischen Milbenforschung.

Der Einwand „Qualität gibt es nicht günstig“ wird kaltlächelnd in den Wind geschlagen. Geld spart man, indem man diese Forschungsleistung in Zweit- und Drittweltländer verlagert. Ich habe selbst miterlebt, dass einflussreiche US-amerikanische Forscher die Arbeit nicht hinreichend vorgebildeter russischer Kollegen explizit motivieren und gutheißen, denn diese Sorte Forscher macht häufig, was ihr gesagt wird, ohne kritische Rückfragen, ohne eigene Einfälle und innovative Ansätze. Wer in Zweit- und Drittweltländern forscht (das gilt auch für die russischen Milbenforscher, die ich kennenlernte) wird aus landeseigenen Kassen verhältnismäßig fürstlich entlohnt. Umfassende Kompetenz ist oft nur eingeschränkt wichtig. Vor allem nämlich gilt es, dem jeweiligen politischen System freundlich gesonnen zu sein, denn ansonsten kommt es erst gar nicht zum Studium.

Auf entsprechendem Niveau befindet sich die Forschung nicht nur im fernen Sibirien, sondern auch in Ägypten oder etwa dem Iran. Ich mache wohl Witze? Nein, nein, ich habe das alles selbst gesehen. Zeckenforschung in Kairo: Mir verschlug es den Atem, schon alleine, weil der Begriff der Tierethik dort völlig unbekannt zu sein schien. In Russland war ich angestellt. Ja zumindest kann man sich im westsibirischen Tjumen vernünftige und hochwertige Mikroskope leisten, auch wenn es mitunter an der Fähigkeit, diese adäquat zu bedienen, hapert. Ergänzende sinnvolle Arbeitsmaterialien hat man hingegen oft nicht und kennt man auch nicht. Manches Zeiss- oder Leica-Mikroskop, einst neuwertig erstanden, sieht nun aus, als entstamme es einem Second-Hand-Markt. Auf Nachfrage heißt es dann, man habe mit der Zange diese und jene Schraube gelöst und diese anschließend nicht mehr dran bekommen. Mikroskop-Kameras sind vorhanden, es kann sie aber keiner bedienen, weder für qualitative hochauflösende Fotografie noch für ebensolche Videografie.

Während also russische Forscher der Stadt Tjumen in maroden Räumlichkeiten aus Zeiten des Kalten Krieges unter undichten Decken ihrer Arbeit nachgehen, diese regelmäßig unterbrechen müssen, um die Eimer unter dem tropfenden Dach auszutauschen, freut sich der US-amerikanische Protecteur. Denn der glaubt allen Ernstes, dass die enorme Herausforderung, neue Arten zu entdecken und zu beschreiben, am besten von denen erfüllt werden kann, die über kein weitreichendes biologisches Grundwissen verfügen, die keine kritischen Fragen stellen, die niemals eigene Ansätze entwickeln und sich die Bohne scheren um läppische uninteressante Phänomene wie kryptische Artengruppen oder Zwillingsarten. Stattdessen wird hohe Quantität geboten. Pro Forscher fünfzehn bis zu dreißig Artbeschreibungen im Jahr sind Ehrensache. Was noch vor zehn Jahren in Deutschland für harsche Kritik gesorgt hätte, macht den Milbenforscher aus Tjumen zum „Leading Scientist“. Eine durchaus angenehme Position, denn ein „Leading-Scientist“ muss sich um wenig sorgen. Sogar die private Wohnung wird ihm mit öffentlichen Mitteln finanziert.

Da ist es nicht verwunderlich, dass der Russe, der sich in derart existenzieller Wohlbehütung weiß, kaum Gründe sieht, irgendetwas an seiner Arbeitsweise zu ändern. Im Gegenteil soll alles wie gehabt bleiben. Deswegen werden die Texte einer Artbeschreibung für jede neue Art auch nur geringfügig abgewandelt. Ich habe das nicht nur selbst gesehen, sondern mir wurden diese Arbeiten auch regelmäßig zur sprachlichen Bearbeitung vorgelegt. Denn, auch Ehrensache, Russen beherrschen die englische Sprache in der Regel nicht, obwohl es sich dabei um die internationale Wissenschaftssprache handelt. Wen wundert’s, dass meine Korrekturen immer dieselben waren, es existierte nicht einmal die Flexibilität, um schon mehrfach kritisierte Mängel in der Folge zu beherzigen.

Artbeschreibungen ohne die geringste Kenntnis zur Biologie und Ökologie der betroffenen Spezies sind im Grunde ohne Aussage und daher kein Beitrag zu einer sinnvollen Biodiversitätsforschung. Biologische Untersuchungen wurden in meinem sibirischen Forschungsinstitut vorsätzlich, oft mit dem Argument der Undurchführbarkeit, verweigert, in Wahrheit, weil der Zeitaufwand zu groß wäre. Schließlich sollen pro Jahr akkordweise Publikationen veröffentlicht werden, ansonsten wäre man schließlich kein „Leading-Scientist“ mehr. Meine Nachfragen zur Arbeitsweise wurden oft erstaunlich beantwortet. Warum man die lebend zur Verfügung stehende Art nicht gleich auch in Kultur bringe, oder wenigstens zur Lebendbeobachtung erhalte, wollte ich wissen. Die Antwort: „Womit soll ich die Milben denn füttern?“. Auf meinen Hinweis, dass man auch mithilfe des normalen Lichtmikroskops hochqualitative Videos lebender Tiere aufzeichnen kann, wurde schroff entgegnet: „mit dem Lichtmikroskop? Das geht nicht!“.

Ich habe während meines Aufenthaltes in Russland „nur“ drei Publikationen veröffentlicht, mich an einer weiteren zudem maßgeblich beteiligt, dann aber aufgrund der schlechten Qualität des Endwerkes meine Benennung als Coautor explizit untersagt. Im Gegensatz zu den russischen Kollegen habe ich alle Milbenarten, an denen ich forschte, immer auch gezüchtet und biologisch untersucht, und hierzu jeweils gigabyte-weise Videomaterial erstellt. Aus russischer Sicht eine lachhafte Zeitverschwendung, die man sich im Nachhinein aber durchaus zunutze gemacht hat. So wurden meine Beobachtungen zum Verhalten der Deutonymphen der von mir beschriebenen Art Bonomoia sibirica in einem russischen Stipendien-Zwischenbericht frech und schamlos als Ergebnisse russischer Forschungsarbeit ausgegeben, ohne Nennung meiner Urheberschaft. Dass es sich um Beobachtungen handelt, die im Rahmen meiner Artbeschreibung publiziert wurden, in der ich alleiniger Autor war, schien hierbei unerheblich zu sein.

 

Die Biodiversitätsforschung kann nicht eben mal schnell und am Fließband durch weitgehend unkundige Forscher erledigt werden, die nie eine hochqualifizierende Ausbildung in den Bereichen Artbegriff und Ökologie erfahren haben. Ich appelliere an die deutsche Regierung, zu erkennen, dass hierzulande im Gegensatz zur unbekümmerten Arbeitsweise anderswo– noch – qualifizierte Wissenschaftler vorhanden sind. Diese gilt es nicht auszuhungern und dadurch auszumerzen, sondern zu fördern. Denn was gibt es Wichtigeres als ein Verständnis unserer Umwelt, um diese durch sinnvolle Maßnahmen erhalten zu können. Diese Menschen können hierzu wichtige Beiträge liefern!

Es ist kurzsichtig, stattdessen ausschließlich in die Entwicklung moderner Technologien zu investieren. Kürzlich lese ich, dass man sich derzeit lieber Fragen widmet wie: Wie können wir uns die Goldvorkommen der Weltmeere nutzbar machen, Stichwort Tiefseeuntertagebau. Gier anstelle wissenschaftlicher Verantwortung!

Einflussreiche US-Forscher denken allerdings weitaus pragmatischer als ich. Warum neben Russland nicht auch Drittweltländer in die Biodiversitätsforschung einbeziehen? So wurde ich vor etwa einem halben Jahr durch einen jungen iranischen Forscher angeschrieben, der seine Kontaktaufnahme mit der Empfehlung eines einflussreichen US-amerikanischen Kollegen begründete. Ich sollte ihn ehrenamtlich dabei unterstützen, eine Publikation in einem internationalen Peer-Review-Journal unterzubringen. Im Grunde nicht die schlechteste Idee, wenn man berücksichtigt, dass man hierdurch Zugriff auf Artenmaterial erhält, das aus Krisenregionen stammt, in die westliche Forscher nur ungern einen Fuß setzen würden. Der Kollege hat dann auch gleich mit Milben aufwarten können, die in Kriegsgebieten des Irak gesammelt wurden. Da will man dann auch großzügig sein und fragt lieber nicht nach, warum nur ein Entwicklungsstadium zur Verfügung steht und warum nicht der Versuch unternommen wurde, die Art lebend in Kultur zu bringen. Tatsächlich habe ich mich über mehrere Monate hinweg ehrenamtlich auf den jungen Forscher aus dem Iran eingelassen, um dann aber festzustellen, dass dort scheinbar alle mir wichtigen akademischen Grundvoraussetzungen fehlten. Eine mit aller Kraft gerade so durchgeboxte internationale Publikation hätte folgende Konsequenzen gehabt: Für mich keine, ihm hingegen wäre dafür vermutlich umgehend eine Professur verliehen worden. Ich habe meine Kooperationsbereitschaft daher inzwischen eingestellt.

Copyrights Stefan F. Wirth, September/ Oktober 2017

 

 

Der Fall Petra Hinz (SPD) – eine erneute Attacke gegen die akademische Bildung in Deutschland

Die Medien überschlagen sich mit Berichten über eine Politikerin, die bis dahin kaum bekannt war. Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz (SPD) ist im Zuge von Mobbingvorwürfen, die durch Mitarbeiter gegen die Politikerin erhoben wurden, der Lüge im Lebenslauf überführt worden. Demnach sind erhebliche Angaben im offiziell zugänglichen, jedoch inzwischen abgeänderten Lebenslauf durch Hinz frei erfunden worden.

Von „flunkern“ ist in manchen Presseberichten in diesem Zusammenhang gutwillig zu lesen. Frau Hinz brüstet sich mit einem Abitur, über das sie nicht verfügt. Damit jedoch nicht genug. Da ein Abitur zum Hochschulstudium berechtigt, hat sie ein solches gleich mit erfunden. Zwei juristische Staatsexamina will sie zudem absolviert haben. „Flunkern“ ist etwas anderes!

Wer akademische Ausbildungen, die den seriösen Hochschul-Studenten viel Lebenskraft, Fleiß und Disziplin abverlangen, für so geringwertig einschätzt, dass er/ sie glaubt, die Arbeitsleistung einfach überspringen zu können und dennoch mit denselben Qualifikationen aufzutreten zu dürfen, der tritt das deutsche Bildungssystem mit Füßen. Hier ist nicht „geflunkert“, sondern ein Verbrechen verübt worden. Die Dame schlägt jedem lachend ins Gesicht, der jahrelang büffelt und schweißgebadet ganze Nächte durchgepaukt hat. Die Politikerin der SPD vergeht sich nicht nur an der akademischen Welt, sie hat sich vermutlich auch juristisch strafbar gemacht. Zu Unrecht behauptete Schul- und Universitätsabschlüsse sind eventuell Urkundenfälschungen, auch dann, wenn die schriftliche Fälschung von Zeugnissen nicht erfolgt ist.

Es ist den bisherigen Arbeitgebern von Frau Hinz zu unterstellen, dass bezüglich der vorgeblichen Hinz’schen Vita rigoros und vorsätzlich weg geschaut wurde. Vielleicht, weil sie in den Reihen der Abgeordneten schlicht einen Normalfall darstellt? Fehlende akademische Bildung kann man nicht übersehen. Wie soll zudem glaubhaft gemacht werden, dass der Betrügerin offenbar niemals die Vorlage von Zeugnissen auferlegt worden ist?

Die Medien berichten, dass Hinz aber dennoch ihre politische Arbeit unauffällig und tadellos verrichtet habe. Dies entspricht ja wohl offenkundig nicht der Wahrheit. Die Mobbingvorwürfe der Mitarbeiter belegen dies.

Frau Hinz wusste, wie man Karriere macht und im selben Schachzug noch gegen männliche Mitbewerber im Vorteil bleibt. Ein Hochschulstudium dauert 5-6 Jahre. Da Hinz über 50 ist, waren Männer in einer Zeit, in der die SPD-Politikerin theoretisch Studentin hätte sein können,  dem Militär- oder Zivildienst verpflichtet. Ein obligater Zivildienst als Militärdienst-Ersatz in den 1980-er und 90-er Jahren konnte bis zu 15 Monate lang dauern. Bis ein männlicher Mitbewerber von Frau Hinz dann sein Studium absolvierte und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stand, war er etwa 28 Jahre alt. Frau Hinz als Fälscherin und Betrügerin war bei angeblich vergleichbarer Qualifikation natürlich aufgrund des Geschlechts schon jünger, aufgrund des in Wahrheit fehlenden Studiums sogar deutlich jünger, jünger als jede echte Studentin, als sie sich dem Karriereweg stellte. Kein Militär- oder Zivildienst, keine sechs Jahre Büffeln. Hier hat die Faulheit gesiegt! Auch ihr weibliches Geschlecht hat ihr womöglich in Zeiten des damals schon aufkeimenden Ultra-Feminismus starke Vorteile gegen männliche Konkurrenz eingebracht und der Dame so eine stattliche Karriere geebnet. Nun ist die Lügnerin allerdings auf die Schnauze gefallen, wie wir Berliner gerne sagen. Hoffentlich erwartet Hinz für ihren anmaßenden Betrug ein Strafverfahren.

Doch das ist eventuell eher nicht zu erwarten. Denn die Fälschung von akademischen Werdegängen hat in den derzeitigen Regierungsparteien Tradition und gilt als Kavaliersdelikt. CDU, CSU und SPD, die sich heutzutage nicht mehr voneinander unterscheiden, schaffen systematisch die seriöse Bildung ab. Förderungen für Grundlagenforschung in diversen Fachrichtungen wurden in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt, die entsprechenden Wissenschaftszweige sind daher nun vorwiegend im Ausland beheimatet. Doch bereits die Schulbildung, einst in Deutschland von hohem Niveau, kann gemäß PISA im internationalen Vergleich nicht mehr mithalten.

Die deutsche Regierung ist an Schamlosigkeit und Unverschämtheit nicht zu überbieten. Kein Wunder, verfolgt sie doch ausschließlich Machtinteressen. Zahlreiche gefälschte Doktortitel durch Politiker der Regierungsparteien belegen auf imposante Weise, welchen Stellenwert die deutsche Regierung seriösen Akademikern, womöglich noch mit redlich erworbener Promotion (weitere 2-5 Jahre), zugesteht. Keinen! Die genannten Parteien verhöhnen inzwischen ganz allgemein jede Seriosität im Lande auf unglaubliche Weise. Wann wird dem endlich Einhalt geboten?

Warum das Fälschen einer Doktorarbeit kein Kavaliersdelikt ist

Der Regisseur Robert Zemeckis hat uns das Jahr 2015 in seiner Zukunftsvision „Zurück in die Zukunft“ aus dem Jahre 1989 als ein Zeitalter der fliegenden Autos präsentiert. Blanke Fantasie, die sich so schnell nicht erfüllen wird. Und doch beweist der Filmemacher in seiner Komödie intelligente Weitsicht und sieht den Flachbildschirmfernseher im Kinoleinwandformat ebenso zutreffend voraus wie das 3D-Kino, Computerspiele ohne Konsole oder die Multimedia-Brille, wie sie beispielsweise Google entwickelt hat. Doch eines konnte man sich offenbar damals nicht vorstellen: die Möglichkeiten des Internets!

Die Hollywood-Produktion ging stattdessen davon aus, dass Fax-Geräte an Bedeutung zunehmen würden. Und so sieht man in einer Szene, wie via Fax solche Kurzmitteilungen ankommen, wie wir sie heute via Facebook oder Whatsapp versenden würden.

Die Möglichkeiten und auch Gefahren großer öffentlich zugänglicher Internet-Datenbanken im 21. Jahrhundert konnte sich mancher in den 1980er Jahren noch nicht vorstellen.

So ganz offensichtlich auch nicht die späteren Politiker Annette Schavan (CDU) und Margarita Mathiopoulos (FDP). Sie hatten in jener Zeit noch allen Grund zu der Annahme, dass ihre gefälschten Doktorarbeiten schnell und unauffällig in einem schwarzen Loch ewigen Vergessens verschwinden würden. Übrig bleiben sollte nur eines: der Doktortitel mit all seinen positiven Eigenschaften, die er der Trägerin unterstellt.

Auf ein deutlich glatteres Eis hingegen wagten sich jene Fälscher aus den Reihen prominenter Politiker, die nach 2000 noch hofften, ihre späteren Ämter würden ihr damaliges gesetzeswidriges Gemauschel so sehr überschatten, dass ihnen keine Gefahr drohe. Schließlich haben sich die künftigen Möglichkeiten des Internets in jenen Zeiten bereits deutlich erahnen lassen.

Die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden, war jedoch eine Fehleinschätzung! Denn seit 2011 gibt es das „VroniPlag“ und ähnliche Internetseiten, die sich auf die Entlarvung gefälschter wissenschaftlicher Arbeiten in Deutschland spezialisiert haben. Ein besonderes Augenmerk gilt und galt dabei natürlich jenen Promovierten, die in hohen Ämtern und Würden eine besondere Vorbildfunktion darzustellen haben. Dank VroniPlag und Co. mussten inzwischen schon einige bekannte Persönlichkeiten der deutschen Politik die Aberkennung ihrer Doktorgrade hinnehmen, meist einhergehend mit einer beachtlichen Medienaufmerksamkeit und dem Verlust ihrer politischen Ämter.

Zwar berichtete auch die populäre Presse ausführlich und zumeist aus kritischer Perspektive heraus. Doch immer wieder wurden Stimmen laut, die in einer gefälschten Doktorarbeit ein Kavaliersdelikt wahrnehmen, das kaum der Rede wert sei. Viele Nicht-Akademiker sind offenbar der Ansicht, dass manchen Persönlichkeiten die Dekoration mit einem Doktortitel per se zustehe, anderen eben nicht. Dass dieser akademische Grad Ausdruck einer erheblichen Lebensleistung ist, scheint vielen deutschen Normalbürgern nicht klar zu sein.

Doch selbst manch ein promovierter Akademiker hält den Medien-Hype um Plagiate in Dissertationen einschließlich der beruflichen Konsequenzen für die Entlarvten für übertrieben. Denn immer wieder werden gerade aus diesen Reihen Meinungen geäußert, die darauf beharren, dass man trennen müsse zwischen damaligem akademischem Fehlverhalten und den Leistungen im heutigen beruflichen Umfeld. Ein wohlwollender und oft auch akademisch differenziert daherkommender Ansatz, der mir dennoch überhaupt gar nicht einleuchten kann.

Zunächst muss einmal klar gestellt werden, was eine Dissertation oder Doktorarbeit überhaupt ist. Was unterscheidet ein solches Werk von einer gewöhnlichen Semesterarbeit oder gar einer Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit?

Erst die Dissertation ist eine vollwertige wissenschaftliche Leistung. Denn neben der korrekten wissenschaftlichen Arbeitsweise ist auch die Veröffentlichung der Doktorarbeit Pflicht und somit integraler Bestandteil des Promotionsverfahrens. Nur solche wissenschaftlichen Ergebnisse sind dabei  auch von wissenschaftlicher Relevanz, die publiziert und so einem Fachpublikum zugänglich gemacht worden sind.

Zwar besteht natürlich jedem ehrgeizigen Akademiker auch die Möglichkeit, schon frühere Leistungen wie eine Bachelor- oder Masterarbeit zu publizieren, das geschieht dann jedoch auf rein freiwilliger Basis.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass beispielsweise eine Bachelorarbeit eine kleine wissenschaftliche Abhandlung sein kann, die den Rang der Publikationswürdigkeit jedoch noch nicht erreicht haben muss. Viele solcher Arbeiten liefern eher erste Grundlagenkenntnisse, um dann darauf aufbauend ein umfassenderes wissenschaftliches Projekt, zum Beispiel eine Dissertation, zu beginnen.

Anders verhält es sich eben mit der Promotionsarbeit, die so umfassend und tief gehend zu sein hat, dass sie sich einer Publikation als würdig erweist.  Ernst zu nehmende wissenschaftliche Beiträge schüttelt jedoch niemand mal eben so im Vorbeigehen aus dem Ärmel. Stattdessen erfordert wissenschaftliches Arbeiten bestimmte Fähigkeiten, die im Vorfeld zu erwerben sind. Manch einer gelangt jedoch niemals zur Qualifikation, um eine Doktorarbeit oder ähnliche Leistungen abschließen zu können. Diejenigen sind natürlich dann daher auch nicht in der Lage, die entsprechenden Lorbeeren zu ernten.

Wer hingegen eine Dissertation erfolgreich beenden konnte, erhält hierfür als Auszeichnung zurecht einen akademischen Titel. Es ist in Deutschland der einzige akademische Titel, der als Namenszusatz im Personalausweis oder Reisepass aufgeführt werden darf.

Hat jedoch jemand eine Doktorarbeit auf unlautere Art und Weise beendet, obwohl er über die dafür notwendigen akademischen Fähigkeiten gar nicht verfügt, trägt er den Titel natürlich zu Unrecht. Abgesehen von kriminellen Aktivitäten, wie beispielsweise dem Verstoß gegen Urheberrechte und allgemein betrügerischem Vorgehen, muss in diesen Fällen zudem die Titel-Anmaßung gerügt werden. Und das unabhängig davon, ob der Betroffene im Anschluss an seine Dissertation eine weitere wissenschaftliche Karriere geplant hatte oder nicht.

Welche Fähigkeiten benötigt der Doktorand denn überhaupt? Er muss Ausdauer beweisen, zielstrebig arbeiten, in der Lage sein, etwas nicht nur zu beginnen, sondern auch zu Ende zu bringen. Er muss mit Begeisterung aus eigenem Antrieb arbeiten können und darf nicht strikt nach definierten Arbeitszeiten fragen. Der Doktorand arbeitet am Tage und in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen, wenn dies für sein Projekt gerade erforderlich ist. Er ist befähigt zur Kooperation mit Wissenschaftlern oder anderen Doktoranden, weiß, wie man recherchiert, zitiert und wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert. Ein künftiger Promovierter hat dazu imstande zu sein, die Eigenschaften Fleiß, Talent, Disziplin, Zielstrebigkeit und Kompetenz miteinander zu vereinen.

Wer diese Eigenschaften jedoch nicht aufbringen kann, verwirkt somit auch das Recht, jemals einen Doktortitel zu tragen. Das sollte doch auch jedem Nicht-Akademiker einleuchten können. Oder etwa nicht?

Doch warum wünscht nun jemand, der zur Promotion nicht taugt, den Titel dennoch zu ergattern? Die Antwort liegt auf der Hand: der Doktortitel kann unter bestimmten Umständen ein ausgesprochener Türöffner sein. Kann insbesondere den Zugang zu allgemein nicht notwendiger Weise akademischen Berufsfeldern erheblich erleichtern. Das scheint insbesondere in der Politik regelmäßige Anwendung zu finden. Wer ein hohes Amt möchte, muss beweisen, mehr zu können als die Mitbewerber. Was eignet sich denn hierzu besser als ein Doktortitel. Ist der doch ein klarer Beleg dafür, dass sein Träger über die weiter oben ausgeführten Fähigkeiten nachweislich verfügt.

Fälscher beschaffen sich also zudem einen Vorteil in Bewerbungsverfahren, einen unberechtigten Vorteil. Dies stellt aus meiner Sicht bereits hinreichend die Verbindung zwischen akademischem Fehlverhalten und der neuen Tätigkeit im Anschluss an den akademischen Werdegang her.

Doch damit nicht genug. Gerne bemühe ich auch die Kriminalstatistik. Diese sagt uns etwas aus über die Wahrscheinlichkeit einer Rückfälligkeit von Verbrechern. So haben Wissenschaftler aus Göttingen im Jahre 2014 analysiert, dass insgesamt 34 Prozent aller untersuchten Straftäter wieder rückfällig geworden sind. Im Falle von Raubdelikten ist die Prognose sogar noch schlechter, denn von der analysierten Personengruppe haben 50 % das rekapituliert, wofür sie einst bestraft worden sind. Im Grunde sind Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten mit Raubdelikten durchaus vergleichbar, so meine Einschätzung. Daher ist aus meiner Sicht unbedingt davon auszugehen, dass die Fälscher von Doktorarbeiten auch in ihren Tätigkeiten danach nicht von unmoralischem Handeln und gesetzeswidrigem Vorgehen lassen können.

Politiker mit nachweislich vorsätzlich erschummelten Doktortiteln sind meiner Ansicht nach in der Konsequenz umgehend von ihren Ämtern zu entbinden. Denn Deutschland benötigt in seiner Regierung weder Verbrecher noch potentielle Verbrecher.

Nun sieht man den Mitgliedern der aktuellen Regierung nicht auf den ersten Blick an, dass aus ihren Reihen die meisten Doktorarbeit-Vergehen zu verzeichnen sind. Doch wer auch als Politiker fälscht, tut dies ja gerade im Geheimen, will natürlich mit allen Mitteln nicht publikumswirksam durch seine Zweifelhaftigkeit in Erscheinung treten. Daher kann die Öffentlichkeit nur vermuten, inwieweit die einstigen Täter auch in ihren neuen Ämtern den rechten Weg verlassen haben oder nicht. Ich als Wissenschaftler denke stets nach dem Prinzip der sparsamsten Erklärung. Der zufolge ist zu erwarten, dass die Fälscher von Dissertationen auch als Politiker mehrheitlich keine Skrupel kennen, zum eigenen Vorteil vom rechten Weg abzuweichen.

Zumindest darf hinzugefügt werden, dass noch keiner (modernen) Regierung zuvor so explizit Manipulationen der Arbeitslosenstatistiken nachgewiesen wurden. Auch die politische Kontrolle der vorgeblich freien Medien wird zunehmend aufgedeckt. Namhafte Nachrichtensendungen werden dabei erwischt, bewusst falsches Bildmaterial in aktuellen Zusammenhängen zu präsentieren.

Für wie verdorben darf man die aktuelle Regierung in Deutschland denn überhaupt halten? Diese komplexe Frage will ich hier nicht pauschal beantworten.

Zumindest steht fest, dass seit 2011 acht führenden Politikern zurecht die Doktorwürde aberkannt wurde. Ein weiterer Politiker, Andreas Scheuer, wurde dabei ertappt, sich mit einem Schmalspur-Doktortitel aus dem Ausland zu profilieren, der in Deutschland nur in den Bundesländern Berlin und Bayern geführt werden darf.

Von diesen 9 Politikern, die sich des Missbrauchs eines Doktortitels schuldig gemacht haben, sind drei der CSU, einer der CDU, vier der FDP und einer der SPD zugehörig. Ein aktuelles Verfahren zur Aberkennung des akademischen Grades läuft zudem gerade gegen Ursula Gertrud von der Leyen (CDU).

Man kommt also nicht umhin herauszustellen, dass Politiker linker Parteien ihre Doktortitel offenbar zurecht erworben haben, während in den Zwillingsparteien CDU und CSU sowie in deren Lieblings-Koalitionspartner FDP der durch Betrug erschlichene Doktorgrad offenbar Methode hat.

Das ist nicht nur aus bereits genannten Gründen Anlass für berechtigte höchste Kritik an den entsprechenden Personen. Auffällig ist zudem, dass häufig in Disziplinen promoviert wurde, die vergleichsweise niedrige Ansprüche an eine ordentliche Doktorarbeit stellen. Hierzu gehören die Fächer Jura, Medizin und Sozialwissenschaften.

Diese verteilen sich wie folgt auf die Politiker, deren Doktortitel bereits aberkannt wurden, bzw. deren Aberkennungsverfahren noch läuft: zwei mal Jura, zwei mal Sozialwissenschaften und einmal Medizin.

Nun hat man also in Deutschland extra Schmalspur-Doktorgrade aus dem Boden gestampft, um es Karrieristen zu ermöglichen, ihren Titel mit minimalem Aufwand legal erlangen zu können. Und trotzdem wussten sich die betroffenen späteren führenden Politiker nicht anders zu helfen, als auch unter niedrigen Anforderungen Plagiate anstelle eigener Leistung einzureichen und zu veröffentlichen. Dies wiegt aus meiner Sicht besonders schwer, beweist es doch nicht nur die fehlende moralische Integrität der betreffenden Persönlichkeiten, sondern auch ihre offensichtliche Unfähigkeit zum selbstständigen Denken und seriösen Arbeiten.

Was Deutschland braucht, sind souveräne Politiker, gerne ohne je eine Doktorarbeit verfasst zu haben. Oder solche, die zusätzlich zur allgemeinen Souveränität auch noch einen fleißig verdienten Doktorgrad vorweisen können. Und die können offenkundig nur im linken politischen Segment angetroffen werden.

Manchmal gibt es sogar eine Diskrepanz zwischen juristischer Korrektheit und moralischer Verwerflichkeit. So hat Frau von der Leyen ihren Lebenslauf nebst Doktortitel auch dadurch beschönigt, Stationen an der kalifornischen Elite-Universität Stanford absolviert zu haben.

Die zunächst hierüber entrüstete Elite-Einrichtung, die ihren Namen missbraucht wähnte, musste inzwischen aus juristischen Gründen einlenken. Schließlich seien unter bestimmten Gründen universitäre Aufenthalte denkbar, die im Nachhinein nicht mehr überprüft werden können.

Doch nicht nur aus moralischer, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sachlage eindeutig: Wer weder einen Schein noch die Teilhaberschaft an einer wissenschaftlichen Publikation (Co-Autorenschaft oder Benennung in den Danksagungen) vorzeigen kann, die durch Mitglieder dieser Einrichtung veröffentlicht wurde, schmückt sich zu Unrecht mit seinem Aufenthalt an einer ehrenwerten Universität. Wenn Frau von der Leyen nichts dergleichen geleistet hat, ist es aus akademischer Sicht als verwerflich zu beurteilen, Stationen in Stanford im Lebenslauf aufzuführen.

Namhafte Politiker der aktuellen Regierungsparteien haben sich im Sinne dieses Artikels schuldig gemacht, schuldig auch denjenigen gegenüber, die ihre Doktorarbeiten durch Fleiß, Kompetenz und Disziplin, sogar meist mit Begeisterung für das Thema, beendet haben.

Schuldig gemacht haben sie sich aber auch denjenigen gegenüber, die sich keiner Prominenz erfreuen, aber dennoch ihre Arbeiten gefälscht haben. Denn die werden zusätzlich häufig strafrechtlich belangt, was ich hiermit auch für nachweislich schuldige Spitzenpolitiker fordere.

Quellen: u.a. http://de.vroniplag.wikia.com

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