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Kategorie: Forschung

A scarab beetle’s larva and pupa: habitats for mites and other organisms

The micro-world is complex. Its habitats intertwine themselves, some even are unusual, because they are formed by single animal individuals. An example is a holometabolic insect, here the tropical rose chafer Eudicella colmanti. The larvae of my specimens are covered with deutonymphs of an astigmatid mite (Acaridae, eventually Acarus sp.).

This makes the beetle larva to a habitat for these mites, although the mites in this case don’t feed or reproduce there. They instead are „only“ passengers on their transportation to a new „real“ habitat, where they become adult, feed and reproduce. This strategy to be carried by other organisms from one living place to another is called phoresy.

The situation in my terrarium might be artificial in the sense that mites are putatively not of tropical origin as the beetles (reared in Germany) and thus do not originally „belong“ to the beetle species. The mites might have reached into the terrarium via fruit flies or similar native organisms or via the terraria of the online shop, where they were bought. But the mite deutonymphs show a distinct affinity for adult beetles and their larvae nevertheless, which they attached in great numbers (not the pupa). The microscopic footage of the mite deutonymphs contains activities of their genital openings, located close to the sucker plates on their undersides.

They occasionally open and close and discharge secretions or water. This might be due to osmoregulation and/or in order to prove the adjacent sucking structure with moisture for a more stable hold.

The larva after some months built its pupa chamber, consisting of soil particles and larva secretions. Tese pupa chambers offer on their outer sides obviously enough nutrients for collembolans, which appeared there in greater numbers, especially on an older chambers with its pupa waiting to hatch. Mites of the Gamasida and tiny annelids could also be observed there. The video consists of macro fotage and microscopic footage, all recorded in 4K and rendered in an uncompressed quality.

 

Berlin, December 2017/November 2018, copyrights Stefan F. Wirth

Neozoen sind in Berlin längst allgegenwärtig, doch Grund zur Panik besteht nicht

Wer mit offenen und kundigen Augen über Berliner Sommerwiesen wandert, wird dort auch Tiere und Pflanzen finden, die hier nicht ursprünglich beheimatet waren. Sogenannte Neozoen oder Neophyten entstammen anderen Teilen Europas oder der Welt und sind irgendwie durch Menscheneinwirkung verschleppt und dann freigesetzt worden. Dies geschieht zumeist durch menschliche Handelsaktivitäten. Dabei geht der Transport einer Art aus ihrem ursprünglichen in einen fremden Lebensraum in der Regel ungewollt vonstatten. Der Tier- und Pflanzenhandel verbreitet Arten jedoch mitunter auch vorsätzlich. Eine dauerhafte Etablierung der Arten ist meist jedoch unbeabsichtigt.

Die Auswirkungen der Verschleppung können höchst unterschiedlich ausfallen. So sind einige Organismen bekannt, die sich aus tropischen Regionen über den internationalen Pflanzenhandel weltweit verbreitet haben, die jedoch aufgrund ihrer ökologischen Vorlieben nur in Gewächshäusern überleben können.

Derlei Neozoen können daher die heimische Fauna der Region, in die sie verschleppt wurden, und somit das dortige Ökosystem nicht schädigen. Sie sind in gewisser Hinsicht und unter bestimmten Umständen sogar nützlich. So beherbergt beispielsweise das „Tropical Islands“ südlich von Berlin, ein riesiges Freizeitbad mit tropischer Vegetation unter der Glaskuppel einer ehemaligen Produktionsstätte für Luftschiffe, neben verschiedenen Organismen, die man typischer Weise in Gewächshäusern antrifft (tropische Schaben, Hundertfüßer, Tausendfüßer, kleine Springspinnen) auch sogenannte Zwerggeißelskorpione (Schizomida, Spinnentiere). Diese findet man keineswegs in jedem beliebigen Gewächshaus, wohl weil sie (unbekannte) besondere Ansprüche an ihre Umgebung stellen. Ich durfte im Tropical Islands mehrfach zusammen mit meinen damaligen Studenten der FU Milben und Schizomiden aufsammeln. So war es mir möglich, meinen Bildungsauftrag in besonderer Weise zu erfüllen und meinen Studenten mit den gefundenen Zwerggeißelskorpionen hinsichtlich Gestalt und Biologie äußerst ungewöhnliche Spinnentiere vorzuführen. Dabei muss man berücksichtigen, dass so mancher ausgewachsene Spinnentierforscher diese Tiere noch nie lebend zu Gesicht bekam. Ich nutzte die besondere Gelegenheit auch gleich, um hochauflösende Videos zu Verhaltensaspekten dieser bizarren und grazilen Tiere zu erstellen. Diese haben mehrfach die Aufmerksamkeit von Schizomiden-Forschern erregt, die ihrer Arbeit zwar in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten der Tiere nachgehen, jedoch offenbar außerstande sind, qualitativ vergleichbares Videomaterial zu erstellen. Wie auch zoologische Gärten können Neozoen in Gewächshäusern also die Bildung bereichern.

 

alle Urheberrechte des Videos liegen bei Stefan F. Wirth, Berlin 2018

 

Im Übrigen muss betont werden, dass alle hier im Zusammenhang mit Gewächshäusern allgemein und dem „Tropical Island“ im Speziellen genannten Organismen für Menschen ungefährlich und meist mikroskopisch klein sind. Sie stellen in künstlichen „Regenwäldern“ einen für das Gedeihen der Flora notwendigen Bestandteil deren Ökosystems dar.

Generell sind aber auch Fälle von Pflanzen oder Tieren bekannt, die den Weg aus Gewächshäusern oder Aquarien in den angrenzenden, ihnen unbekannten Lebensraum fanden und dort (zumindest zeitweise) bestehen konnten. So wurde beispielsweise der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), der ursprünglich im östlichen Asien beheimatet ist, bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Gewächshauskulturen zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt, und zwar zunächst in den USA, wo er entkam und sich auch im Freien etablieren konnte. Inzwischen ist der Käfer auch im Freiland Südamerikas, Afrikas und Europas ansässig geworden und schadet unter anderem einheimischen Marienkäferarten. Denn als Konkurrent ist er nahezu unbesiegbar. So ist sein Appetit nach Blattläusen kaum zu stoppen, doch auch gegen Infektionen erweist er sich deutlich resistenter als beispielsweise deutsche Marienkäferarten. Erschwerend kommt hinzu, dass er die Sporen eines parasitischen Einzellers, sogenannte Mikrosporidien, an heimische Arten weitergeben kann, die im Gegensatz zu H. axyridis keine oder eine herabgesetzte Immunität gegen diesen Parasiten besitzen.

Der Käfer ist häufig auf Berliner Wiesen im Sommer anzutreffen, wo er mit oder ohne deutlich sichtbaren Punkten auf den Flügeldecken auftreten kann. Wie er dorthin kommt? Zunächst einmal haben Forscher mithilfe genetischer Marker herausgefunden, dass die meisten Käferpopulationen in Europa, Südamerika oder Afrika auf Tiere aus den USA zurückzuführen sind. Sie sind daher international vorwiegend durch den Menschen verbreitet worden. Darüber hinaus kann die Art, die ja effizient in der heimischen Natur bestehen kann, natürlich auch aus eigener Kraft neue, nah gelegene Lebensräume erschließen.

Gemäß den Aussagen des Leiters der NABU-FG Entomologie in Berlin, Thomas Ziska, wurde der Asiatische Marienkäfer 2004 erstmals in Berlin nachgewiesen. Zwischen 2005 und 2008 hat die genannte Fachgruppe den Käfer zudem regelmäßig im Bereich des Tegeler Fließtals angetroffen.

Das nämlich war genau der Anlass meiner Kontaktaufnahme mit dem NABU. Im Rahmen eines eigenen kleinen Forschungs- und Kunstprojektes habe ich im Sommer 2018 Beobachtungen zur Insektenvielfalt (vorwiegend Blütenbesucher) auf Berliner Sommerwiesen gemacht. Schwerpunktmäßig ging es mir dabei auch um Fotografie. So besuchte ich regelmäßig das Tempelhofer Feld, das Teufelsberg-Gebiet sowie das Areal des Nord-Berliner Köppchensees, das einen Teil des Tegeler Fließtals darstellt. Der Köppchensee sowie seine angrenzenden Ökosysteme werden naturkundlich durch die NABU Berlin betreut, die in vorbildlicher Weise dafür Sorge trägt, dass der Besucher dieses Natur-Refugiums über zoologische Besonderheiten ausführlich in Form von Informationsplakaten informiert wird.

Von besonderem Interesse für alle Naturliebhaber und Naturkenner ist das Gebiet aufgrund eines Mosaiks aus verschiedenen Feuchtgebiet-Typen sowie sandiger Areale mit entsprechender Sandlückenfauna, ergänzt durch Trockenwiesen, die zum Teil auf einer Anhöhe gelegen und mit alten Obstbaumpflanzungen versehen sind. Diese gedeihen aufgrund einer exponierten Sonnenlage ausgezeichnet und liefern vor allem verschiedene Pflaumen- und Apfelsorten.

 

Das gesamte Köppchensee-Gebiet zeichnet sich durch eine artenreiche Flora und Fauna aus. Zudem ist es ein Refugium für zahlreiche Vogelarten. So lassen sich beispielsweise auf den Obst-Trockenwiesen im frühen Sommer Neuntöter bei der Jagd und der Aufzucht der Jungtiere beobachten.

Im Vergleich zu den Arealen Teufelsberg und Tempelhofer Feld waren mir nicht nur asiatische Marienkäfer am Köppchensee besonders häufig aufgefallen, freilich ohne eine Statistik angefertigt zu haben. Auch ein weiteres Neozoon aus dem östlichen Asien scheint sich um den Köppchensee auffällig etabliert zu haben, nämlich der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis).

 

Der auffällige Schmetterling war mir mehrfach ausschließlich am Köppchensee, und zwar auf der Trockenwiese in Höhe der Aussichtsplattform vor die Kameralinse geflattert, nicht am Teufelsberg und nicht auf dem Tempelhofer Feld. Dies mag allerdings Zufall sein, da der Buchsbaumzünsler gemäß der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bereits seit 2017 „flächig im Stadtgebiet Berlin vertreten“ ist.

Hinzu kommt, dass erwachsene Falter zwar zur Nahrungsaufnahme verschiedene Blütenpflanzen ansteuern, die Larven jedoch strikt auf die Anwesenheit von Buchsbäumen (Buxus) angewiesen sind, die es laut Thomas Ziska von der NABU-FG Entomologie am Köppchensee direkt gar nicht gibt. So ist davon auszugehen, dass die von mir beobachteten Falter in angrenzenden privaten Gärten geschlüpft sind.

Vermutlich durch den Handel mit Zier- und Nutzbäumen konnte sich der Buchsbaumzünsler aus seiner eigentlichen Heimat in Ostasien nach Europa verbreiten, wo er sich inzwischen auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich etabliert hat. Auch aus Belgien und einigen osteuropäischen Ländern gibt es entsprechende Meldungen.

Die Schadwirkung des Schmetterlings beschränkt sich auf Buchsbaumbestände in Parkanlagen und privaten Gärten sowie wilden Exemplaren in naturbelassenen Gebieten. Die können bei Befall jedoch vollständig kahl gefressen werden. Inwiefern heimische Insekten, die an das Leben an Buchsbäumen angepasst sind, durch das Neozoon in Mitleidenschaft gezogen werden, habe ich nicht recherchiert.

Direkt am Holzzaun der Aussichtsplattform, die von einer Anhöhe aus einen beeindruckenden Überblick über den Köppchensee verschafft, habe ich ein weiteres Tier entdeckt, das offenbar ein Neozoon darstellt, nämlich die marmorierte Baumwanze Halyomorpha halys. Allerdings bin ich bis heute unsicher, ob ich als Nicht-Wanzenkundler die eigentlich auffällige Baumwanze anhand des einzigen Fotos, das mir zur Verfügung stand, korrekt bestimmt habe. Thomas Ziska bestätigt dies jedoch in seiner Email mit den Worten: „Der Nachweis von H. halys am Köppchensee ist neu.“

Auch die marmorierte Baumwanze ist ursprünglich im Osten Asiens beheimatet und fand über Transportkisten erst Anfang dieses Jahrtausends ihren Weg aus China nach Nordamerika, wo sie sich etablieren und rasant ausbreiten konnte. Nachweise aus Europa liegen erst seit 2007 vor. Es ist mir nicht bekannt, ob die Verschleppung direkt aus China erfolgte oder über den Umweg durch die USA. Seit 2016 jedenfalls verbreitet sich die Art zunehmend in Deutschland, allerdings eher in südlichen Bundesländern. Gemäß Informationen durch Th. Ziska trat die Wanze auch 2016 erstmals in Berlin auf.

H. halys tritt aufgrund ihrer biologischen Neigungen vorwiegend als Pflanzenschädling in Erscheinung. Wie üblich für Baumwanzen saugt die Art an Pflanzensäften. Hierbei verursacht sie wirtschaftlichen Schaden, indem sie verschiedene Nutzhölzer attackiert. So werden beispielsweise die Fruchtanlagen von Apfel, Birne, Pfirsisch oder Haselnuss angestochen, was die Entwicklung der Früchte stört, so dass Missbildungen die Folge sein können.

Ein weiteres Neozoon, das mir bei meinen Foto-Exkursionen häufiger aufgefallen ist, stellt die Büffelzikade Stictocephala bisonia dar. Allerdings fand ich diese gerade nicht am Köppchensee, dafür aber auf dem Tempelhofer Feld und im Schillerpark im Berliner Bezirk Wedding.

Die faszinierende kleine Buckelzikade stammt ursprünglich aus Nordamerika und scheint der Literatur zufolge über Triebe zur Veredelung von Obstbäumen nach Europa eingeführt worden zu sein, wo eine flächige Ausbreitung ab spätestens 1912 erfolgte. Waren zunächst der Mittelmeerraum, Mittelasien und Nordafrika betroffen, begann die Art seit den 1960er Jahren nordwärts gen Mitteleuropa zu wandern. Hier breitet sich die Zikade seit etwa 2000 in Deutschland aus, Nachweise aus Brandenburg liegen seit 2004 vor.

Die Pflanzensauger scheinen der Literatur zufolge hinsichtlich ihrer Wirte nicht sehr wählerisch zu sein. So werden neben Rosengewächsen, wo ich sie zumeist antraf, auch Obstbäume oder Pappeln befallen. Die wirtschaftlich relevanten Schäden entstehen weniger durch die Saugaktivitäten der erwachsenen Insekten als vielmehr durch die Eiablage. Denn die erfolgt in dichten Abständen zueinander. Da Pflanzenteile, die über den Eiern liegen, zumeist absterben, kann hierdurch ein beträchtliches Schadbild an den Wirtspflanzen entstehen. Auch in diesem Zusammenhang ist mir nicht bekannt, inwieweit das Neozoon eine ernsthafte Konkurrenz für ursprünglich einheimische Zikadenarten darstellt.

Es ist übrigens kalendarisch definiert worden, ab wann eine Pflanze oder ein Tier als Neozoon oder Neophyt zu bezeichnen ist. Als festgelegtes Datum gilt die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492. Arten, die davor mit menschlicher Hilfe verbreitet wurden, werden als Archäobiota, also Archäozoen oder Archäophyten bezeichnet. Danach wird die Vorsilbe Neo- zur Anwendung gebracht.

Ein Beispiel für ein Archäophyt ist die Wilde Karde Dipsacus fullonum, die man beispielsweise in den Trockenwiesen am Berliner Köppchensee bestaunen kann. Das dekorativ erscheinende Geißblattgewächs stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Die Pflanze gilt als eher nützlich und findet zum Beispiel in der Volksheilkunde Verwendung.

 

Andere Neozoen, die in Berlin häufig anzutreffen sind, sollen hier nicht weiter erläutert werden. Hierzu gehören beispielsweise der Waschbär Procyon lotor oder der Louisiana-Flußkrebs Procambarus clarkii. Auch die Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii und die Chinesische Wollhandkrabbe Eriocheir sinensis sind neozoische Einwanderer in Deutschland und tauchen immer wieder in Berlin auf.

Wasserlebende Neozoen, wie beispielsweise die Wollhandkrabbe, werden häufig durch den Frachtschiffverkehr über große Distanzen transportiert. Ballastwasser kann eine Quelle der Verschleppung sein. Jedoch ist der Effekt solcher unplanmäßigen Tiertransporte keineswegs immer ein Desaster. Denn manche Organismen überleben nur kurzzeitig in der hierzulande warmen Jahreszeit und können daher auch keine eigenständigen Populationen entwickeln.

 

Sind Neobiota grundsätzliche durch Menschen verursachte Naturkatastrophen?

 

Der Mensch als Vektor für die Verschleppung von Organismen, so viel muss festgehalten werden, kann seiner Umwelt Schaden zufügen, so wie viele andere seiner Aktivitäten auch.

Und doch ist ein Artensterben, beispielsweise hervorgerufen durch neu etablierte Tiere, die verwandte einheimische Arten verdrängen, ein Prozess, den es nicht erst seit der Evolution des Homo sapiens gibt.

Dass Arten aussterben und neue Arten entstehen ist das Prinzip der Evolution auf unserem Planeten. Neben tektonischen spielen hierbei auch klimatische Veränderungen eine große Rolle. Klimaerwärmungen beispielsweise ermöglichen wärmeliebenden Arten grundsätzlich, zuvor lebensfeindliche Gebiete besiedeln zu können. Dabei gibt es neben der Verschleppung durch den Menschen auch natürliche Wege der Verbreitung über große Distanzen, beispielsweise durch Zugvögel oder Treibgut auf Ozeanen.

Dennoch formt der Mensch seine Natur in einer Weise, die es vor seinem Erscheinen auf diesem Planeten nicht gegeben hat. Daher kann man sich nicht zurücklegen und sagen: Arten kommen und andere vergehen, das ist nun einmal der Lauf der Natur. Ein effizienter Naturschutz, der auch die Bekämpfung mancher Neobiota beinhaltet, ist unerlässlich.

Berlin, 12.11.2018

All Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

 

Meine Antworten zum Fragebogen der katholischen Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“

Die ökumenisch ausgerichtete und überregionale katholische Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ hat einen Fragebogen via Email versandt. Er landete in meinem Spam-Ordner und war auch nicht explizit an meine Person gerichtet. Und dennoch entschied ich mich, die Fragen zu beantworten.

Diese Antworten sollen hier präsentiert werden:

1. Irgendetwas Höheres muss es doch geben.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Nicht auszuschließen, aber auch nicht belegt. Die Evolution erklärt alle Vorkommnisse des irdischen Lebens lückenlos.

2. Gott erfährt man eher durch Fühlen, weniger durch Denken.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Das würde den Religionsgemeinschaften so passen. Ihre Schäflein bleiben nur dann folgsam und zahlungswillig, wenn man sie dumm hält.

3. Zweifeln gehört zum Glauben.

Ja, das sehe ich so.
Gängige Glaubensdogmen muss man stets bezweifeln!

4. Wenn Gott fehlt, ist alles erlaubt.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Dort, wo ein menschengemachter dogmatischer Gott das Sagen hat, ist nicht nur jede Unmenschlichkeit erlaubt, sondern sie ist sogar integraler Bestandteil jeder Glaubensbewegung. Wo ein Menschengott herrscht, herrschen stets auch Diskriminierung, Verleumdung, Hass und Morde.

5. Die Ergebnisse der Natur- und Humanwissenschaften …

… können über Gott keine Aussage treffen.
Seriöse Wissenschaften agieren faktenbasiert. Bei fehlenden Fakten wird keine Aussage getroffen. Es gibt keine wissenschaftlich haltbaren Belege für einen christlichen, einen muslimischen oder buddhistischen Gott.

6. Der zunehmende Wohlstand hat Gott überflüssig gemacht.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Das zunehmende Bildungsniveau weltweit und die damit einhergehende zunehmende Individualisierung der Menschen, die Selbstbewusstsein durch Aufklärung erfahren, machen die genannten von Menschen erfundenen Götter überflüssig.

7. Die Kirche sollte sich mehr mit der Frage nach Gott beschäftigen.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Die Kirchen dieser Welt sollten sich mehr mit Ethik, Bildung, Toleranz und Menschlichkeit befassen.

8. »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.« (Joh 14,6). Jesus ist der einzige Weg zu Gott.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Der historische Jesus aus Nazareth war ein Lehrer für Moral und Toleranz. Anstatt ihn mit der Andichtung albernen Hokuspokus zu verhöhnen, sollte man sich mit seinen Lehren befassen, den Lehren über Moral und Toleranz.

9. Nur mit Gott hat das Leben einen Sinn.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Biologisch besteht der Sinn in der Fortpflanzung. Philosophisch sind zahlreiche Zielwerte entwickelbar. Kein dogmatisches Gottesbild wird benötigt.

 

By Stefan F. Wirth

Berlin, Oktober 2018

Drohnen sammeln Proben aus dem Luftausstoß von Walen

Drohnen werden in der Zukunft weit größere Einsatzbereiche finden, als nur Spielzeug oder fliegende Film- und Fotokameras zu sein. Schon heute werden sie im Kontext der Personenrettung und der Landschaftsvermessung eingesetzt. Inzwischen haben Forscher der Ocean Alliance-Gruppe ein weiteres Tätigkeitsfeld eingeführt.

Um DNA-Proben, Informationen über Viren- und Bakterienlast sowie die hormonelle Situation eines Wals zu sammeln, ohne sich diesem persönlich nähern zu müssen, wird eine entsprechend aufgerüstete DJI Inspire-Drohne in den Luftausstoß der Tiere geflogen, kurz nachdem sie aus der Tiefe an der Wasseroberfläche angelangt sind.

 

Ocean Alliance veröffentlicht Video über den Drohnen-Einsatz an Walen

Die Organisation Oceans Alliance mit Sitz in Gloucester, Massachusetts (USA), ist 1971 durch den Biologen Roger Payne gegründet worden. Sie hat in Zusammenarbeit mit dem Olin College of Engineering ein komplexes technisches System erschaffen, das neben der genannten Drohne auch Formen der künstlichen Intelligenz zur Erforschung von Walen einsetzt. Das Ergebnis wird als Parley-SnotBot-Projekt bezeichnet.

Was es damit auf sich hat und wie weit seine Möglichkeiten bis heute gediehen sind, zeigt ein aktuelles Video von Mitte August 2018, das Ocean Alliance an seine Partner verschickte und auf dem YouTube – Kanal von „DroneDJ“ veröffentlicht wurde.

Da Ocean Alliance das Ziel verfolgt, zum Schutz und dem Erhalt der Wale beizutragen, soll Mithilfe des SnotBot-Projektes gewährleistet werden, biologisch verwertbare Daten von Wal – Individuen zu erhalten, ohne die Meeressäuger zu verletzen oder in Stress zu versetzen. Und nicht zuletzt geht es darum, die Forscher selbst zu schützen, da jede Annäherung an einen Wal lebensgefährlich sein kann.

 

Video publiziert bei DroneDJ

 

Das SnotBot-System beprobt Wale beim Ausatmen und liefert zusätzliche Informationen in Echtzeit

So entwickelten die Forscher die Idee, den sogenannten Blas (Engl. Snod) der Wale aus der Distanz mittels Drohne zu beproben, ohne den Tieren dabei zu nahe zu kommen. Der Vorteil, die ausgeblasene Luft eines Wals zu verwenden, liegt darin, dass dort neben der verbrauchten Atemluft auch Sekrete aus Lunge und Nasengang enthalten sind. Sie erlauben nicht nur genetische Analysen, sondern ermöglichen zudem hinsichtlich verschiedener Parameter Rückschlüsse auf den gesamten Gesundheitszustand des betreffenden Tieres.

Doch das technisch aufwändige SnotBot-System kann noch mehr als das. Es ist nämlich unter anderem dazu in der Lage, das Auftauchen eines Wals vorauszusehen und diesen anhand der Form seiner Schwanzflosse in Echtzeit individuell zu identifizieren.

 

Umgebauter DJI Inspire: Beschaffenheit der Drohne und künstliche Intelligenz von Intel

Der verwendete Quadrokopter ist ein modifizierter DJI Inspire. Die Profi-Drohne eignet sich für diesen Einsatz deshalb gut, weil sie trotz professioneller Hightech-Ausstattung einen Aspekt aus dem Amateursegment übernommen hat. Es handelt sich nämlich um eine sogenannte Ready-to-Fly-Drohne, die nicht vor jedem Flug neu aufgebaut werden muss. Der Kopter kann somit nicht nur schnell gestartet werden, sondern ist aufgrund seiner Bauart auch besonders wendig und robust. Diese Schnelligkeit wird durch Propeller in einem Z-Blade-Design, das besonders stromlinienförmig ist, sogar noch erhöht. Dass diese aus Kohlefasern bestehen, verleiht ihnen zudem eine höhere Stabilität.

Um den Luftausstoß des Wals beproben zu können, wird das Fluggerät mit mehreren Petri-Schalen als Sammelbehältnisse ausgestattet. Ausserdem kommen zeitgleich die künstlich intelligenten Systeme der Intel Movidius- und Xenon-Technologien zum Einsatz. Sie dienen dazu, anhand der Aufnahmen des Quadrokopters einzelne Walindividuen nach digitalen Bild-Karteien zu identifizieren und ausserdem einen gesamt ökologischen Kontext zu ermitteln. Eine Schwierigkeit besteht jedoch darin, all dies zu bewerkstelligen, bevor sich der Akku der Drohne leert, ein Wettlauf mit der Zeit. Denn der erste Ausstoß eines Tieres nach dem Auftauchen enthält besonders viel biologisches Material. Es ist daher wichtig, dass der Kopter zielstrebig und ohne Energieverlust dieses kurze Zeitfenster anfliegt.

 

Langfristiger Artenschutz mittels Drohnen-Technologie

Ocean Alliance hat somit in Zusammenwirkung mit seinen Kooperationspartnern ein intelligentes System entwickelt, in dessen Mittelpunkt eine Drohne steht. Diese Innovationen  erlauben es, die Lebenssituation der Walpopulationen und ihres Ökosystems zu analysieren, eine wichtige Voraussetzung, um tierschonenden und langfristigen Artenschutz zu betreiben

 

Copyrights für diesen Text: Stefan F. Wirth, September 2018

Ich unterstütze das Adoptionsrecht für alle

Es geschieht häufig genug, dass Frauen unerwünscht schwanger werden, oft in einem so jungen Alter, dass weder Außenstehende noch sie selbst sich eine Mutterrolle vorstellen können. Um einem solchen Kind dennoch eine Zukunft zu ermöglichen, kann die Freigabe zur Adoption eine Lösung sein. Wird das Kind direkt nach der Geburt Adoptiveltern zugeführt, erlebt es möglicherweise trotz eines widrigen Starts ins Leben eine glückliche und behütete Kindheit.

Doch das Adoptionsrecht in Deutschland ist kompliziert. Nicht jedes interessierte Paar erfüllt die Bedingungen, um ein Kind adoptieren zu dürfen. Die Jugendämter willigen häufig nicht in die Vermittlung an Ersatzeltern ein. Stattdessen gibt es wenig Skrupel, das elternlose Kind in ein Kinderheim zu überstellen. Dort herrschen Schichtdienst und Massenabfertigung. Es fehlt eine dauerhafte Bezugsperson, betroffene Heranwachsende flüchten sich in der Folge nicht selten in die Drogenabhängigkeit oder gar die Welt der Kriminalität.

Ich bin daher der Ansicht, dass Adoptionsgesetze zu lockern sind. Grundsätzlich sollten alleinstehende Männer oder Frauen ebenso adoptionsberechtigt sein wie gleichgeschlechtliche Paare. Ein liebevoller Adoptivvater, eine liebevolle Adoptivmutter und liebevolle schwule oder lesbische Paare können für ein Kind, das sonst im Heim landet, nur die bessere Option sein.  Jede Form der verantwortungsbewussten Elternschaft ist besser als ein Kinderheim oder gar wechselnde Pflegefamilien.

Und dennoch regt sich auch von wissenschaftlicher Seite her Widerstand, insbesondere gegen die Möglichkeit einer Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Vertreten wird zum Beispiel die These aus biologischer Sicht, dass Kinder insbesondere unter schwulen Adoptiveltern zu leiden hätten. Aufgrund des fehlenden Mutterinstinktes neigten Männer zu mangelnder Geduld und Gewaltbereitschaft. Es wurde sogar geäußert, die Neigung zu pädophilen Annäherungen an die eigenen Adoptivsöhne stelle eine nicht selten zu erwartende und für das Kindeswohl bedrohliche Gefahr dar.

Eine mir vorliegende grundlegende wissenschaftliche Publikation, die obige Thesen in der Tat untermauert, erscheint mir jedoch auf sehr wackeligem Fundament gebaut. Eine weitere ist mir nicht bekannt. Es handelt sich bei dem Fachartikel um eine reine Literaturrecherche, die in ihrem Diskussions-Teil selbst darauf hinweist, dass die Methoden der zugrunde liegenden Einzelarbeiten mitunter dubios sind. Das Paper eignet sich somit aus meiner Sicht nicht als Referenz für Behauptungen, die schwule Paare in den Generalverdacht der pädophilen Neigung stellen. Vielmehr ist die Publikation dazu prädestiniert, Homophobie zu schüren. Denn in der Tat ist die Unterstellung der pädophilen Neigung schwuler Männer nicht neu. Die rechtsextreme und kriminelle russische Gruppierung „Occupy Pedophilia“ lockt beispielsweise junge Homosexuelle mit Hilfe gefälschter Profile in einschlägigen Online-Netzwerken in die Falle, um sie dort zu erniedrigen und zu quälen. Ziel soll eine Umerziehung hin zur Hetero-„Normativität“ sein, da Homosexualität und Pädophilie dieselbe Personengruppe betreffe. So etwas möchte doch in Deutschland hoffentlich niemand haben!

Ich warne daher davor, unbegründete Hypothesen zu verbreiten, die Gewalt und Abneigung gegen Andersartigkeit fördern können. Tatsächlich ist mir keine einzige seriöse wissenschaftliche Arbeit bekannt, aus der sich ableiten ließe, dass Homo-Männer ihren eigenen Adoptivsöhnen erotisch nicht widerstehen könnten. Ich gehe zudem davon aus, dass Männer sehr wohl dazu befähigt sind, einen Schutzinstinkt gegenüber ihren Kindern aufzubauen. Erfolgreich allein erziehende Väter belegen dies aus meiner Sicht.

Es ist meiner Ansicht nach völlig inakzeptabel, unvorsichtige und nicht hinreichend begründbare Thesen zu formulieren, die Homo-Männer der Gefahr ausliefern, noch mehr diskriminiert zu werden als ohnehin schon.

Copyrights Stefan F. Wirth, Berlin/ Saarland November 2017

Wird die Biodiversitätsforschung zunehmend in Zweit- und Drittweltländer verlagert und verliert dort durch Massenpublikationen mäßig vorgebildeter Forscher an Wert?

 

Es erscheint zunächst plausibel: Ein sinnvoller Naturschutz muss zwingend an genaue Kenntnisse unserer Natur anknüpfen. Da unsere natürliche Umwelt zu erheblichen Teilen biologisch belebt ist, ist die Artenkenntnis eine wichtige Grundlage, um unsere irdischen Ökosysteme und damit auch uns selbst zu erhalten.

Forscher gehen von insgesamt über acht Millionen Arten weltweit aus. Hierbei zeigen vor allem die Tiere eine hohe Artenvielfalt auf. Ein erheblicher Prozentsatz der Biodiversität, so der Fachterminus für Artenvielfalt, ist jedoch noch immer unbekannt.

Jeder vernünftige Mensch würde doch an dieser Stelle schlussfolgern, dass Biologen und insbesondere Zoologen händeringend benötigt würden, um zu dem Mammutprojekt „Biodiversitätsforschung“ Beiträge leisten zu können. Doch weit gefehlt! Deutsche Stellenangebote suchen in der Regel nach Pharma-Mitarbeitern oder versuchen stellenlose Wissenschaftler unter ihrem Leistungsniveau in Großlaboratorien der medizinischen Forschung unterzubringen. Der Rest bleibt ohne Anstellung und muss mitunter als Hatz-IV-Bezieher ein klägliches Dasein fristen.

Und die Biodiversitätsforschung? Die ist längst nicht mehr in Deutschland zuhause. Nur wenige Grüppchen sind bundesweit verteilt übrig geblieben, und die investieren mehr Zeit damit, ihre Ellbogen zu stärken, um ihre Fördermittel gegen Konkurrenten zu verteidigen, als in gute Forschung.

Machtregierungen denken an nichts anderes als an ihren Machterhalt, kurzsichtiges Agieren, denn was nach ihnen passiert, ist ihnen völlig gleichgültig. Steuergelder wandern in die Geldbörsen gieriger Politiker, und das in rauen Mengen, und nicht dahin, wo sie hingehören: in die langfristige Sicherung der Zukunft.

In der Zwischenzeit sterben Arten zu Hunderten aus, noch bevor sie überhaupt entdeckt und beschrieben werden können, und mit ihnen vergehen mitunter ganze Ökosysteme.

Dabei verfügte Deutschland über eine seit Jahrhunderten gewachsene Tradition in qualitativ hochwertiger Forschung in den Naturwissenschaften. Gerade in der Biologie waren deutsche Wissenschaftler weltweit bekannt für präzise Gedanken und sorgfältige Terminologien sowie gründlich durchdachte Hypothesen.

Inzwischen sind deutsche Spezialisten im Umfeld der Biologie entweder auf Dauer arbeitslos oder zu Überlebenskünstlern geworden. Die USA haben das Feld übernommen, sie investieren immense Forschungsgelder in die Grundlagenforschung. Und das doch mit für das Land typischen Einschränkungen. Wer sich einen US-Wahlkampf anschaut, wer Hollywood-Action-Filme konsumiert, der weiß, dass subtiles Gedankengut oft nicht Sache der US-Amerikaner ist. So auch allzu häufig nicht in den Naturwissenschaften.

Terminologien, die wir sorgsam voneinander abgrenzen, werden gerne lax pauschalisiert verwendet. Feinheiten des Artbegriffes? Für manche Systematiker völlig uninteressant! Die USA sequenziert vorwiegend, das ist zeitgemäß und erfasst die Artenvielfalt objektiv und genau, so jedenfalls glaubt man. Einwände werden nicht selten als unmodern verworfen. Aber welches Gen kodiert denn nun für die Artgrenze? Blöde Frage, kein bekanntes natürlich,  die Grenzen, die legen wir einfach willkürlich fest. Aber wer um alles in der Welt wählt denn dann das Material nach sinnvollen Kriterien aus, das überhaupt zur Sequenzierung gelangt? Gute Frage, so die Antwort, hier werden nach wie vor Spezialisten benötigt, aber bitte, günstig müssen sie sein und produktiv im Akkord. Ich berichte hier aus meinen eigenen Erfahrungen im Bereich der systematischen Milbenforschung.

Der Einwand „Qualität gibt es nicht günstig“ wird kaltlächelnd in den Wind geschlagen. Geld spart man, indem man diese Forschungsleistung in Zweit- und Drittweltländer verlagert. Ich habe selbst miterlebt, dass einflussreiche US-amerikanische Forscher die Arbeit nicht hinreichend vorgebildeter russischer Kollegen explizit motivieren und gutheißen, denn diese Sorte Forscher macht häufig, was ihr gesagt wird, ohne kritische Rückfragen, ohne eigene Einfälle und innovative Ansätze. Wer in Zweit- und Drittweltländern forscht (das gilt auch für die russischen Milbenforscher, die ich kennenlernte) wird aus landeseigenen Kassen verhältnismäßig fürstlich entlohnt. Umfassende Kompetenz ist oft nur eingeschränkt wichtig. Vor allem nämlich gilt es, dem jeweiligen politischen System freundlich gesonnen zu sein, denn ansonsten kommt es erst gar nicht zum Studium.

Auf entsprechendem Niveau befindet sich die Forschung nicht nur im fernen Sibirien, sondern auch in Ägypten oder etwa dem Iran. Ich mache wohl Witze? Nein, nein, ich habe das alles selbst gesehen. Zeckenforschung in Kairo: Mir verschlug es den Atem, schon alleine, weil der Begriff der Tierethik dort völlig unbekannt zu sein schien. In Russland war ich angestellt. Ja zumindest kann man sich im westsibirischen Tjumen vernünftige und hochwertige Mikroskope leisten, auch wenn es mitunter an der Fähigkeit, diese adäquat zu bedienen, hapert. Ergänzende sinnvolle Arbeitsmaterialien hat man hingegen oft nicht und kennt man auch nicht. Manches Zeiss- oder Leica-Mikroskop, einst neuwertig erstanden, sieht nun aus, als entstamme es einem Second-Hand-Markt. Auf Nachfrage heißt es dann, man habe mit der Zange diese und jene Schraube gelöst und diese anschließend nicht mehr dran bekommen. Mikroskop-Kameras sind vorhanden, es kann sie aber keiner bedienen, weder für qualitative hochauflösende Fotografie noch für ebensolche Videografie.

Während also russische Forscher der Stadt Tjumen in maroden Räumlichkeiten aus Zeiten des Kalten Krieges unter undichten Decken ihrer Arbeit nachgehen, diese regelmäßig unterbrechen müssen, um die Eimer unter dem tropfenden Dach auszutauschen, freut sich der US-amerikanische Protecteur. Denn der glaubt allen Ernstes, dass die enorme Herausforderung, neue Arten zu entdecken und zu beschreiben, am besten von denen erfüllt werden kann, die über kein weitreichendes biologisches Grundwissen verfügen, die keine kritischen Fragen stellen, die niemals eigene Ansätze entwickeln und sich die Bohne scheren um läppische uninteressante Phänomene wie kryptische Artengruppen oder Zwillingsarten. Stattdessen wird hohe Quantität geboten. Pro Forscher fünfzehn bis zu dreißig Artbeschreibungen im Jahr sind Ehrensache. Was noch vor zehn Jahren in Deutschland für harsche Kritik gesorgt hätte, macht den Milbenforscher aus Tjumen zum „Leading Scientist“. Eine durchaus angenehme Position, denn ein „Leading-Scientist“ muss sich um wenig sorgen. Sogar die private Wohnung wird ihm mit öffentlichen Mitteln finanziert.

Da ist es nicht verwunderlich, dass der Russe, der sich in derart existenzieller Wohlbehütung weiß, kaum Gründe sieht, irgendetwas an seiner Arbeitsweise zu ändern. Im Gegenteil soll alles wie gehabt bleiben. Deswegen werden die Texte einer Artbeschreibung für jede neue Art auch nur geringfügig abgewandelt. Ich habe das nicht nur selbst gesehen, sondern mir wurden diese Arbeiten auch regelmäßig zur sprachlichen Bearbeitung vorgelegt. Denn, auch Ehrensache, Russen beherrschen die englische Sprache in der Regel nicht, obwohl es sich dabei um die internationale Wissenschaftssprache handelt. Wen wundert’s, dass meine Korrekturen immer dieselben waren, es existierte nicht einmal die Flexibilität, um schon mehrfach kritisierte Mängel in der Folge zu beherzigen.

Artbeschreibungen ohne die geringste Kenntnis zur Biologie und Ökologie der betroffenen Spezies sind im Grunde ohne Aussage und daher kein Beitrag zu einer sinnvollen Biodiversitätsforschung. Biologische Untersuchungen wurden in meinem sibirischen Forschungsinstitut vorsätzlich, oft mit dem Argument der Undurchführbarkeit, verweigert, in Wahrheit, weil der Zeitaufwand zu groß wäre. Schließlich sollen pro Jahr akkordweise Publikationen veröffentlicht werden, ansonsten wäre man schließlich kein „Leading-Scientist“ mehr. Meine Nachfragen zur Arbeitsweise wurden oft erstaunlich beantwortet. Warum man die lebend zur Verfügung stehende Art nicht gleich auch in Kultur bringe, oder wenigstens zur Lebendbeobachtung erhalte, wollte ich wissen. Die Antwort: „Womit soll ich die Milben denn füttern?“. Auf meinen Hinweis, dass man auch mithilfe des normalen Lichtmikroskops hochqualitative Videos lebender Tiere aufzeichnen kann, wurde schroff entgegnet: „mit dem Lichtmikroskop? Das geht nicht!“.

Ich habe während meines Aufenthaltes in Russland „nur“ drei Publikationen veröffentlicht, mich an einer weiteren zudem maßgeblich beteiligt, dann aber aufgrund der schlechten Qualität des Endwerkes meine Benennung als Coautor explizit untersagt. Im Gegensatz zu den russischen Kollegen habe ich alle Milbenarten, an denen ich forschte, immer auch gezüchtet und biologisch untersucht, und hierzu jeweils gigabyte-weise Videomaterial erstellt. Aus russischer Sicht eine lachhafte Zeitverschwendung, die man sich im Nachhinein aber durchaus zunutze gemacht hat. So wurden meine Beobachtungen zum Verhalten der Deutonymphen der von mir beschriebenen Art Bonomoia sibirica in einem russischen Stipendien-Zwischenbericht frech und schamlos als Ergebnisse russischer Forschungsarbeit ausgegeben, ohne Nennung meiner Urheberschaft. Dass es sich um Beobachtungen handelt, die im Rahmen meiner Artbeschreibung publiziert wurden, in der ich alleiniger Autor war, schien hierbei unerheblich zu sein.

 

Die Biodiversitätsforschung kann nicht eben mal schnell und am Fließband durch weitgehend unkundige Forscher erledigt werden, die nie eine hochqualifizierende Ausbildung in den Bereichen Artbegriff und Ökologie erfahren haben. Ich appelliere an die deutsche Regierung, zu erkennen, dass hierzulande im Gegensatz zur unbekümmerten Arbeitsweise anderswo– noch – qualifizierte Wissenschaftler vorhanden sind. Diese gilt es nicht auszuhungern und dadurch auszumerzen, sondern zu fördern. Denn was gibt es Wichtigeres als ein Verständnis unserer Umwelt, um diese durch sinnvolle Maßnahmen erhalten zu können. Diese Menschen können hierzu wichtige Beiträge liefern!

Es ist kurzsichtig, stattdessen ausschließlich in die Entwicklung moderner Technologien zu investieren. Kürzlich lese ich, dass man sich derzeit lieber Fragen widmet wie: Wie können wir uns die Goldvorkommen der Weltmeere nutzbar machen, Stichwort Tiefseeuntertagebau. Gier anstelle wissenschaftlicher Verantwortung!

Einflussreiche US-Forscher denken allerdings weitaus pragmatischer als ich. Warum neben Russland nicht auch Drittweltländer in die Biodiversitätsforschung einbeziehen? So wurde ich vor etwa einem halben Jahr durch einen jungen iranischen Forscher angeschrieben, der seine Kontaktaufnahme mit der Empfehlung eines einflussreichen US-amerikanischen Kollegen begründete. Ich sollte ihn ehrenamtlich dabei unterstützen, eine Publikation in einem internationalen Peer-Review-Journal unterzubringen. Im Grunde nicht die schlechteste Idee, wenn man berücksichtigt, dass man hierdurch Zugriff auf Artenmaterial erhält, das aus Krisenregionen stammt, in die westliche Forscher nur ungern einen Fuß setzen würden. Der Kollege hat dann auch gleich mit Milben aufwarten können, die in Kriegsgebieten des Irak gesammelt wurden. Da will man dann auch großzügig sein und fragt lieber nicht nach, warum nur ein Entwicklungsstadium zur Verfügung steht und warum nicht der Versuch unternommen wurde, die Art lebend in Kultur zu bringen. Tatsächlich habe ich mich über mehrere Monate hinweg ehrenamtlich auf den jungen Forscher aus dem Iran eingelassen, um dann aber festzustellen, dass dort scheinbar alle mir wichtigen akademischen Grundvoraussetzungen fehlten. Eine mit aller Kraft gerade so durchgeboxte internationale Publikation hätte folgende Konsequenzen gehabt: Für mich keine, ihm hingegen wäre dafür vermutlich umgehend eine Professur verliehen worden. Ich habe meine Kooperationsbereitschaft daher inzwischen eingestellt.

Copyrights Stefan F. Wirth, September/ Oktober 2017

 

 

Google und die Knowledge Panel-Karte

Es soll ein praktisches kleines Helferlein sein, die „Knowledge Panel-Karte“, jene Informationsbox, die oben rechts neben den Google-Suchergebnissen erscheint. Praktisch insofern, als hier die passende Wikipedia-Seite knapp zusammengefasst wird. Handelt es sich um eine Personensuche und existiert zu dieser Person eine Wikipedia-Seite, wird auch ein Foto dieser Person gezeigt. Meist eine zuverlässige Hilfe, die gleich auch den Link zur Wikipedia-Seite enthält.

Offenbar ist die Panel-Karte jedoch auch sehr anfällig für Fehler, insbesondere, wenn es um die Karte zu meiner Person geht. Dort werden entweder Fotos fremder Personen angezeigt oder sonstige Unwahrheiten hinzugefügt. Man kann das via Klick reklamieren, doch darauf reagiert Google eher nicht oder Monate später.

Derzeit sieht die Karte wie folgt aus:

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Ich habe niemals in meinem leben Bücher über Heizungs- und Trinkwasseranlagen verfasst. Unter „auch oft gesucht“ müssten andere Biologen auftauchen, die stattdessen aufgeführten Personen haben mit mir und meiner Arbeit nichts zu tun. Ich bin gespannt, wie lange diese Fehlinfo noch auffindbar bleibt. Ich werde mich bei Fortbestehen dieser Darstellung beraten lassen, wie ich mich effizient juristisch zur Wehr setzen kann.

Eine Zukunft, in der künstliche Intelligenz menschliche Arbeitskräfte ablösen wird

 

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Symbolbild, Copyrights Stefan F. Wirth

 

Wir befinden uns in der fernen Zukunft, etwa im Jahre 2150. Eine ökologische Katastrophe, hervorgerufen durch mangelndes Umweltbewusstsein des Menschen, hat die vollständige Schmelzung der Polkappen herbeigeführt und einen weltweiten Klimawandel ausgelöst. Manhattan liegt unter Wasser, nur die obersten Etagen einstmaliger Wolkenkratzer ragen noch über die Fluten hinaus. Auch der Alltag der Menschheit hat sich drastisch verändert. So genannte Mechas sind eine ernsthafte Konkurrenz für Menschen aus Fleisch und Blut geworden. Die Roboter-Technologie ist so weit voran geschritten, dass Roboter der Zukunft nicht nur menschenartig aussehen, sondern auch selbstständig denken können. Sie sind zu Individuen geworden, die individuelle Ziele verfolgen können und auch hinsichtlich ihrer physischen Leistungsfähigkeit dem Menschen ebenbürtig sind.

Der Prototyp eines Unternehmens namens Cybertronics ist ein kleiner Junge, David, der dazu erschaffen wurde, kinderlosen Ehepaaren als Kind-Ersatz zu dienen (https://www.youtube.com/watch?v=2WlcL_6sa9M). David unterscheidet sich dabei optisch nicht von einem biologischen Menschenkind im Alter von etwa elf Jahren. Steven Spielberg erzählt in seinem visionären filmischen Meisterwerk aus dem Jahre 2001 im Grunde eine alte Geschichte. Carlo Collodis Pinocchio-Erzählung aus dem Jahre 1881 hat lediglich ein neues Gewand erhalten (https://www.youtube.com/watch?v=_19pRsZRiz4). In Spielbergs Zukunftsvision ist es nun nicht mehr eine Holzpuppe mit Bewusstsein, getrieben von der tiefen Sehnsucht, einmal ein richtiger Mensch aus Fleisch und Blut zu werden, sondern ein Mensch-gleicher Roboter, der sich auf die Suche nach der blauen Fee begibt, um von ihr in ein echtes Kind verwandelt zu werden. Obgleich sich das Bemühen um echte Menschlichkeit durch eine Hightech-Puppe im Film nur teilweise erfüllt, dem Zuschauer also vor Augen geführt wird, dass Sehnsucht oft Selbstzweck ist, aber auch dass  alle noch so ausgefeilte Hochtechnologie niemals imstande sein wird, einen biologischen Organismus zu erschaffen, bleibt doch die Frage nach der möglichen Wahrhaftigkeit einer solchen Zukunftsvision mit Robotern und echten Menschen im Konkurrenzkampf um einen Platz inmitten menschlicher Gemeinschaften bestehen.

Die Roboter-Technologie ist bereits in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts erstaunlich weit entwickelt. Folgerichtig wird zunehmend durch allerlei Medien die Frage aufgeworfen, inwieweit der Mensch seine eigenen Geschöpfe in Zukunft einmal als Konkurrenten fürchten muss. Philosophische Zukunftsmusik?

Keineswegs. So hat ein internationales Forschungsprojekt in Kooperation mit der Shadow Robot Company in London bereits 2013 der Weltöffentlichkeit die reelle Version eines „One Million Dollar Man“ präsentiert, namentlich eine Reminiszenz an die Fernsehserie „Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann“ aus den 1970-er Jahren. In der bekannten TV-Serie wird ein Astronaut durch einen Flugzeugabsturz so schwer verletzt, dass nur das Anbringen bionischer Körperteile (Beine, ein Arm, ein Auge) das Überleben ermöglichen kann.

Rex (Kurzform für „robotic exoskeletons“), der eine Million Dollar (?) schwere Roboter, ist weiter fortgeschritten, als man sich in den 1979-ern nur vorstellen konnte. Er verfügt über eine Gliedmaßen-Anatomie, die bis ins Detail der des realen Menschen nachempfunden ist. Laufen allerdings kann er aufgrund seiner fragilen Konstruktion nur mittels einer mechanischen Stütz-Apparatur (https://www.youtube.com/watch?v=V9scEFSIlwI&index=11&list=PLmC1FR_SSuY8zPeLJ3x3K6BgP61kuwJB5). Doch damit nicht genug. Er ist zudem dazu in der Lage, visuelle Reize in elektronische Impulse zu verwandeln und imitiert somit die Funktionsweise eines tierischen Nervensystems.

Auch ein funktionierendes Herz-Kreislauf-System nennt die Hightech-Kreatur ihr Eigen (https://www.youtube.com/watch?v=2B7Iu15NPDM&index=9&list=PLmC1FR_SSuY8zPeLJ3x3K6BgP61kuwJB5). An der Herstellung weiterer künstlicher Organsysteme, wie Harnblase, Bauchspeicheldrüse oder Lunge wird derzeit hingegen noch geforscht.

Wohin sollen diese Innovationen führen, wirklich alles nur teure Spielerei? Nein, denn die bionische Forschung verfolgt natürlich sehr konkrete und angewandte Ziele. Es geht um die Herstellung möglichst lebensechter Prothesen. Obwohl die Transplantation eines bionischen Gesichts noch blanke Science Fiction ist, arbeiten zahlreiche Unternehmen weltweit an der Entwicklung künstlicher Gesichtszüge, die menschliche Mimik imitieren sollen. Zugegeben, die aktuellen Ergebnisse lassen nur schwer erahnen, dass in ferner Zukunft vielleicht tatsächlich ein vollkommen menschlich aussehender David  erzeugt werden kann. Dennoch beeindruckt die Vielfalt künstlicher Persönlichkeiten mit humanoidem Antlitz schon heute.

Seit Jahren ist Japan in diesem Forschungssegment ein internationaler Vorreiter. Die Hiroshi Ishiguro Laboratories betreiben mehrere Forschungsgruppen, die sich mit verschiedenen Aspekten der Mensch-Robotor-Interaktion befassen. Neben einer möglichst menschenähnlichen Erscheinung der Androiden gehört hierzu natürlich auch die Fähigkeit, Sprache zu verstehen und passend dazu eine realistische mimische Reaktion zu erzeugen. Generell sollte ein intelligenter künstlicher Gesprächspartner darüber hinaus natürlich auch dazu in der Lage sein, verschiedene Geräusche im dreidimensionalen Raum voneinander trennen und richtig interpretieren zu können, eine Forschungsrichtung, mit der sich die sogenannte SI-group (sound environment intelligence) unter der Leitung von Carlos T. Ishi auseinandersetzt.

Wer aus Metall, Kunststoffen und Mikrochips die Imitation eines menschlichen Gesprächspartners erschaffen will, tut gut daran, sich an einem konkreten Vorbild zu orientieren, um tatsächlich zu individuellen Gesichtszügen des Roboters zu gelangen. So ist beispielsweise der Geminoid HI-2 der Forschergruppe aus Japan eine Nachbildung der realen Person des Teamleiters der Geminoid Research Group, Hiroshi Ishiguro (https://www.youtube.com/watch?v=WijMCSfX0RA).

Bisher wurde jedoch nur ein Aspekt der Spielberg’schen Vision aus dem Jahre 2001 hinsichtlich der Umsetzbarkeit bis heute beleuchtet, nämlich die äußere Erscheinung eines Androiden mit möglichst menschlichen Gesichtszügen und der Fähigkeit, die menschliche Fortbewegungsweise zu imitieren. Doch Roboter benötigen keineswegs eine Menschengestalt, um effizient und flexible Arbeit intelligent koordinieren und verrichten zu können. Je nach Aufgabenbereich, in dem die künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen soll, kann sogar auf die Fähigkeit zu laufen ganz verzichtet werden. Soll die Maschine hingegen menschlichen Fähigkeiten von vornherein hoch überlegen sein, so empfiehlt sich eine neuartige Fortbewegungsart, die umsetzen kann, wozu kein Mensch in der Lage ist. So sind die Roboter Case and Tars aus dem Spielfilm Interstellar aus dem Jahr 2014 wahre Formwandler, eine Fiktion, die der Erforschung extraterrestrischer Lebensräume sicher sehr förderlich wäre, die im Zuge der Verfilmung jedoch damit auskommen musste, durch Puppenspieler in Gang gebracht zu werden (http://www.moviepilot.de/news/interstellar-roboter-wurden-von-puppenspieler-gesteuert-146906).

Auf innovative Fortbewegungs-Technologien von selbstständig agierenden Robotern setzt das US-Unternehmen Boston Dynamics. Beeindruckende Videoaufnahmen zeigen beispielsweise Roboter der Atlas-Reihe beim Spaziergang im Wald (https://www.youtube.com/watch?v=rVlhMGQgDkY) oder Cheetah, den Roboter, der weltweit am schnellsten auf vier Beinen laufen kann (https://www.youtube.com/watch?v=chPanW0QWhA). Nicht Mensch und nicht Gepard waren hier alleinige Vorbilder, und doch sind die Bewegungsabläufe dieser Modelle eindeutig der tierischen Natur entlehnt. Anders der beeindruckende „Sandfloh“, der auf vier Rädern rollt, jedoch durch eine besondere Sprungmechanik unbeschadet ein Hausdach erreichen kann, um dort seinen Weg fortzusetzen (https://www.youtube.com/watch?v=6b4ZZQkcNEo).

Die Einsatzmöglichkeiten dieser intelligenten Maschinen sind vielfältig. Sie reichen von militärischen Aufgaben über die Erkundung schwer zugänglicher Lebensräume (wie beispielsweise der Tiefsee) bis hin zur Assistenz bei medizinischen Operationen am Menschen. Doch auch in der Vermittlung von Werbe-Informationen sollen Roboter künftig Einsatz finden, sind sie doch weit geduldiger und ausdauernder als menschliche Promoter. Spezialisiert hierauf hat sich das russische Unternehmen Promobot aus Perm in Russland, das besondere mediale Aufmerksamkeit erreichte, als eines seiner elektronischen Kreationen im Juni 2016 unerlaubt das Firmengelände verließ und auf der Straße einen Verkehrsstau erzeugte, weil dem neugierigen kleinen Kerl, der auszog, um die Welt zu erkunden, ausgerechnet dort der Strom ausgegangen war (https://www.youtube.com/watch?v=zmzG7kv8DGA).

Deutlich ernster zu nehmen ist natürlich die reale Aussicht, dass Roboter aller Art schon in naher Zukunft Tätigkeiten übernehmen werden, die heute noch Arbeitsplätze für menschliche Kräfte sind. Befasst hat sich mit dieser für manche Leser sicherlich düsteren Thematik beispielsweise die Zeitschrift Der Spiegel in ihrer Ausgabe vom 3.9.2016. Neben Beispielen für Roboter-Einsätze, die schon jetzt vormals menschliche Arbeitskräfte ersetzen, vermittelt die Zeitschrift einen Eindruck davon, welche Berufe in Zukunft ganz besonders von einer maschinellen Automatisierung in Gestalt Computer betriebener Arbeiter betroffen sein können. Als Quelle diente dabei eine Statistik der international agierenden US-Unternehmensberatung A. T. Kearney, derzufolge vor allem in klassischen Arbeiterberufen eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass Menschen durch leistungsfähigere und zugleich billigere Roboter ersetzt werden. In den drei oberen Positionen im Ranking um die meist gefährdeten Tätigkeitsbereiche stehen demnach Büro- und Sekretariatskräfte, gefolgt von Verkäufern und dem Gasronomieservice. Ungleich resistenter gegen eine Verdrängung durch elektronische Arbeitskräfte sind jene Berufe, die eine besondere Komplexität an Handlungsweisen verlangen. Dazu gehören beispielsweise Kinderbetreuung, Kfz-Technik, Sozialarbeit, Altenpflege und Hochschullehre, bzw. -forschung.

Aus meiner Sicht kann solchen Prognosen gerade in Deutschland nur entgegengewirkt werden, indem Regierung und Bildungsministerien das Bildungssystem drastisch umstrukturieren. Mehr Bildung ist erforderlich einhergehend mit nicht immer kürzeren, sondern deutlich längeren Schulzeiten. Bislang geht die Rechnung in Deutschland gut auf, nach dem erweiterten Hauptschulabschluss eine handfeste Arbeiterlehre zu absolvieren, um hernach als Sekretär, Postzusteller, Restaurant-Servicekraft oder Buchhalter ein gutes Auskommen zu finden, das nicht selten zu Gehältern führt, von denen manch ein akademischer Forscher nur träumen kann. Oft wird sogar bestraft, wer nach 13 Jahren Abitur ein naturwissenschaftliches Hochschulstudium absolviert, anschließend promoviert und danach als Forscher mit gelegentlichen Stipendien, Lehraufträgen und befristeten Anstellungen als Überlebenskünstler sein Dasein fristen muss. Der schnellste Weg zum eigenen Gehalt ist in vielen Augen auch heute noch der beste Weg. Und das muss sich dringend ändern. Denn kein Sozialsystem der Welt wird imstande sein, große Teile der Bevölkerung, die in Folge voranschreitender Automatisierungsprozesse im mittleren Alter aus ihren Berufen scheiden, effizient zu unterstützen und zu reintegrieren.

Copyrights für Text und Titelfoto: Stefan F. Wirth November 2016

 

 

 

Eine absurde Bestrafung für den Tatbestand der Geschichtsverfälschung?

Im alltäglichen Leben muss grob zwischen zwei verschiedenen Formen von Thesen unterschieden werden: Die einen sind durch nachprüfbare Fakten begründet, die anderen durch Glauben. Die Existenz eines christlichen Gottes und der wundersame Niedergang des Heiligen Geistes über die Jünger Jesu Christi gehören dabei eindeutig zu Letzterem.

Nun ist in der deutschen Gesetzgebung ein Paragraph verankert, der die so genannte Volksverhetzung unter Strafe stellt. Wo jedoch beginnt jene strafbare Hetze? Die Grauzone ist groß. Überschritten wird sie ganz eindeutig durch die absurde Behauptung, die über den Religionsunterricht an Kinder weitergegeben wird, eine Jungfrau irgendwo im heutigen Israel habe vor rund 2020 Jahren in Form einer Jungfernzeugung ein Kind durch Gott empfangen. Dieses Kind sei schließlich im Erwachsenenalter zum Tode durch Kreuzigung verurteilt worden, hernach jedoch von den Toten auferstanden.

Die Lehre im Zusammenhang mit dieser fantasievollen Hokuspokus-Geschichte wird auch heute noch ungehindert an deutschen Schulen, Universitäten und kirchlichen Einrichtungen gelehrt. Opfer dieser Volksverhetzung sind vor allem Kinder, die aufgrund ihrer nicht vorhandenen Lebenserfahrung besonders leicht vom Wahrheitsgehalt eines Märchens überzeugt werden können. Und doch bestraft niemand die Verantwortlichen wegen des Vergehens der Volksverhetzung .

Märchen kann jeder fantasiebegabte Mensch leicht erfinden, durch klare Fakten gestützte Hypothesen aufzustellen, das hingegen erfordert besondere Erfahrung und ein adäquates Bildungsniveau.

Jeder könnte beispielsweise die frei erfundene Hypothese verbreiten, in Berliner Wäldern gäbe es keine Eichen. Niemand würde dieser Lüge jedoch besondere Beachtung schenken, denn alle kundigen Berliner können das Gegenteil leicht beweisen, in dem sie einfach die nächst beste Eiche durch geeignete Mittel dokumentieren.

Es unterscheidet allerdings die deutsche Gesetzgebung im Unterschied zur Biologie ganz klar zwischen Pflanze, Tier und Mensch. Wenn also Ursula Haverbeck (87) eine absurde Geschichte erfindet, die der törichten Leugnung der Existenz Berliner Eichen im Grunde sehr ähnlich ist, gehen die möglichen Konsequenzen ihres Aktivismus jedoch deutlich über diejenigen aus meinem Baum-Beispiel hinaus. Denn hier sind die Opfer der Falschbehauptung nicht Pflanzen, sondern reale Menschen. Es könnte nämlich Menschen geben, die Haverbecks Geschichten Glauben schenken, ohne nach den zugrunde liegenden Fakten überhaupt nur zu fragen. Im Falle der Holocaust-Leugnung durch Frau Haverbeck könnte es also geschehen, dass leichtgläubige Zuhörer und Leser ihrer Vorträge und Publikationen die Nicht-Existenz des Holocaust als wahre Tatsache missinterpretieren und somit einer ethnischen Volksgruppe, den Juden nämlich, konkretes Unrecht zufügen. Wäre nämlich der Holocaust in Zeiten des deutschen Nationalsozialismus kein historischer Fakt, hätte man zahllose Menschen zu Unrecht für ihre Beteiligung an diesem frei erfundenen Holocaust bestraft. Eine wichtige treibende Kraft der Holocaust-Verfahren waren jüdische Kläger und jüdische Zeitzeugen. Gemäß der Haverbeck’schen Thesen wären diese dann nicht Opfer und rechtmäßige Kläger, sondern menschenverachtende Täter.

Frau Haverbeck erklärt also unschuldige Menschen zu Verbrechern gegen die Menschlichkeit, was ihre frei erfundene Holocaust-Leugnung ganz grundsätzlich zu einem sehr folgenschweren Vergehen macht. Und dennoch ist Haverbeck’sches Gedankengut durchaus gut mit meinem Beispiel der Leugnung der Berliner Eichenbestände vergleichbar. Nämlich durch die leichte Widerlegbarkeit einer fantastischen Behauptung.  Hinsichtlich seiner schwerwiegenden Konsequenzen für heute lebende Menschen ist das Gedanken-Konstrukt Haverbecks allerdings eher den christlichen Wunder-Dichtungen ähnlich. Wer tatsächlich dem spirituellen Mumpitz Glauben schenkt, mit dessen Erfindung der Vatikan in Rom seit beinahe zweitausend Jahren befasst ist, der geht auch davon aus, dass Masturbation eine Sünde und gleichgeschlechtliche Liebe wider Gottes Willen sei oder dass die Frau dem Manne Untertan sein und jeder Andersgläubige in der Hölle schmoren müsse. Der religiöse Wahn kann nicht anders, als Unwissen, Unfriede, Misstrauen und Hass in der menschlichen Gemeinschaft zu schüren. Und doch hilft dagegen nicht, die Verantwortlichen ins Gefängnis zu schicken.

Stattdessen muss die Glaubensbereitschaft in der deutschen Gesellschaft durch eine bessere Bildung verringert werden. Bildung ist dabei zu definieren als durch Fakten begründete Erkenntnis. Es ist eine moderne Geisteshaltung in der Bevölkerung erforderlich, die nicht nach Glauben, sondern nach Wissen fragt. Seriöses Wissen kann sich immer nur auf nachprüfbare Argumente stützen.

Warum also Frau Haverbeck ins Gefängnis schicken, wo doch ihre Holocaust-Leugnung so leicht zu widerlegen ist wie die Existenz der Berliner Eichen aus meinem Beispiel für eine nicht belegbare und daher unseriöse Hypothese?

Statt mit fundierter Aufklärung auf ihre willkürlichen Thesen zu reagieren, verurteilt man Haverbeck aufgrund eines dogmatischen Gesetzes. Der Holocaust ist aber kein Dogma, sondern eine belegbare historische Tatsache. Dies der Bevölkerung immer wieder im Detail vorzuführen ist doch wesentlich hilfreicher, als ein mittelalterlicher Hexenprozess in moderner Zeit.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, September 2016

Invasion der Gammaeule beim EM-Finale im Stade de France

 

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  Gammaeule (Autographa gamma), Bildquelle Wikipedia, nicht im Stade de France aufgenommen.

 

Im Grunde gibt es doch nichts Langweiligeres als ein Fußballspiel, das im Fernsehen übertragen wird. Doch Fußball gilt als wichtig, insbesondere dann, wenn große Meisterschaften anstehen, wie beispielsweise eine EM. Selbst die edelsten Restaurants stellen plötzlich Fernseher auf und scheren sich einen feuchten Kehricht darum, ob der Gast Fußball schauen möchte oder nicht.

Es wissen aber die Gastronomie-Betriebe auch sehr wohl, dass ohnehin nur eine Minderheit der Anwesenden ihre Abneigung gegen den Anblick grün übersättigter Fernsehbilder mit darin durchgeknallt umherzuckenden Kamikaze-Farbklecksen offen zugeben würde. Wie wild geworden hüpfen grell leuchtende T-Shirts einem Ball hinterher und entblößen dabei immer wieder mit dem Gehabe eines wütenden Orang-Utans auf GHB ihre nackten Oberkörper. So soll wenigstens auf erotische Weise die Aufmerksamkeit der Zuschauer erfolgreich zum Geschehen auf dem Rasen zurückgeführt werden. Schlägereien und Beschimpfungen unter Gästen in den Zuschauer-Tribünen werden ja regelmäßig zu Selbstzwecken und lassen das eigentliche Spiel im Hintergrund verblassen.

Schließlich sind die meisten Zuschauer auch ohnehin viel zu betrunken, um sich ernsthaft auf die sportlichen Taktik-Manöver der athletischen Elf konzentrieren zu können. Anspruchsvolle Strategien lassen sich im Alkoholrausch nun einmal prinzipiell nicht angemessen würdigen. Väterchen Alkohol blockiert stets zuverlässig alle Nervenleitungen, die für einen konstruktiven Intellekt verantwortlich sind. In der Folge dringen nur noch niedere Gefühlsregungen nach draußen, die für mich oft klingen wie ein trostlos-aggressives „Muuuh“ und „Määäh“.

Zum Glück erfordert blöder Nationalismus keine nennenswert differenzierten Abwägungen. Gelingt der richtigen Nationalfahne ein Tor, schreit man einfach „muuh“. Geht stattdessen der gegnerischen Mannschaft ein Ball ins Netz, stöhnt man hingegen missmutig „määäh“ oder schlägt wahlweise dem Nachbarn, der eine andere Fahne wedelt, aufs Maul.

Und so geht das wochenlang, Spiel für Spiel, Abend für Abend, immer wieder lautes Gekreische, paranoides Grunzen und stakkatoartig gelallte Ratschläge an die Fußballspieler, die diese nie befolgen.

Doch dann geschieht es: Beim EM-Finale am Sonntag, dem 10.07.2016, landet ein waschechtes UFO direkt vom Heimat-Planeten der Klingonen auf dem grünen Fussel-Parkett, und kleine grüne Männchen befallen das gesamte Spielfeld und tanzen auf den Köpfen der Fußball-Milliardäre einen argentinischen Tango.

Die Medien nehmen das Ganze jedoch sehr gefasst auf. Lapidar heißt es da nur: „Merkwürdige kleine grüne Dinger haben den Spielverlauf gestört. Techniker konnten sie am Ende dann doch noch erfolgreich mit einem Besen entfernen“.

Gut, ich gestehe, es ist kein UFO im Stade de France gelandet. Auch die Ausbreitung kleiner grüner Männchen war eine glatte Lüge.

Und doch ist eigentlich etwas sehr Ähnliches geschehen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel stellt nämlich kurzerhand das alberne finale Ballgehopse in den Schatten. „Mottenplage im Stade de France“, verkündet sportschau.de, „Ekel-Alarm beim EM-Finale: Motten im Stade de France“, weiß express.de. Doch auch Spiegel Online nimmt nichts als kleine geflügelte Lästlinge zur Kenntnis und meldet: „EM-Finale in Paris: Motten stören im Stade de France“.

Schande über die dümmlich piefige Ignoranz unserer Medien. Denn der Schmetterling Autographa gamma (Noctuidae, Lepidoptera), auf Deutsch „Gammaeule“ genannt, bietet weit mehr Spektakel als etwas, das hastig mit dem Besen weggeputzt werden muss.

Die Gammaeule ist ein Wanderfalter, der aus Südeuropa kommend in nördlichere Regionen über Mitteleuropa bis nach Skandinavien ausfliegt, um dort weitere Generationen hervorzubringen. Im Herbst treten dann Teile dieser Nachkommen wieder den Rückflug an. Nur gelegentlich wird ein Massenauftreten der Falter dokumentiert, wie nun offenbar im Stade de France zu sehen. Ich vermute, dass der Falter sich noch im Süden massenhaft vermehrt hat und die daraus hervorgegangenen erwachsenen Tiere nun zeitgleich auf der Durchreise waren. Es könnte sich jedoch auch bereits um eine Folgegeneration handeln, die kürzlich im Umfeld von Paris besonders zahlreich geschlüpft ist.

Die Gammaeule gehört zu den häufigsten Faltern, die hierzulande angetroffen werden können. Dies liegt unter anderem an der flexiblen Lebensweise der Art. Denn der Schmetterling ist tag- und nachtaktiv und daher auch bei Sonnenschein regelmäßig Nektar sammelnd im Schwebeflug über Blüten zu beobachten. Bei Nacht fliegen die Tiere häufig Lichtquellen an, wie zum Beispiel im Stade de France am gestrigen Abend.

Denn Berichten zufolge war das Stadion aus Sicherheitsgründen angesichts einer möglichen Terrorgefahr auch vor dem Finalspiel schon Tag und Nacht beleuchtet worden.

Aber warum um alles in der Welt fliegen diese Schmetterlinge, bei denen es sich wirklich nicht im Mindesten um „Motten“ handelt, überhaupt bei Nacht ins Licht?

Weil sie Opfer einer Verwechslung geworden sind, lautet eine wissenschaftlich gut begründete Hypothese. Ein heller Lichtschein in der Nacht ist für ein im Dunkeln aktives Insekt nämlich immer der Mond, der einen wichtigen Beitrag zur Orientierung dieser Hexapoden leistet. Indem das Tier einen bestimmten Winkel zu dem weit entfernten und aus seiner Sicht daher unbewegten Gestirn einhält, gelingt es ihm auch bei Dunkelheit, zuverlässig geradeaus zu fliegen. Erstrahlt eine künstliche Lichtquelle heller als der Mond, wird diese vom Insekt, hier dem Falter, mit dem leuchtenden Erdtrabanten verwechselt. Es bemüht sich nun instinktiv, den üblichen Flug-Winkel zum vermeintlichen Gestirn einzunehmen, das sich allerdings unerwartet nicht im All, sondern in unmittelbarer Nähe befindet. In der Folge umkreist das Tier eine Lampe, bis es an ihr verbrennt oder nicht weit entfernt erschöpft zu Boden geht, offenkundig so geschehen im Stade de France.

Die hier vorgestellte sogenannte Navigationstheorie ist allerdings nur eine von mehreren Theorien, um den zuverlässigen Flug  nachtaktiver Insekten zu künstlichen Lichtquellen zu erklären. Sie gilt jedoch als besonders plausibel.

Biologen machen sich die Eigenart des Lichtfluges vieler Insektenarten übrigens oft gezielt zunutze, wenn es darum geht, bestimmte Arten aus Forschungsgründen einzufangen. Leuchtstoffe, die Zoologen aus wissenschaftlicher Motivation mit dem Ziel aufstellen, Insekten anzulocken, werden als „Lichtfallen“ bezeichnet.

Selbst aktiv Fußball zu spielen macht Spaß, möchte ich noch hinzufügen. Doch anderen bei der sportlichen Betätigung zuzuschauen, ist für mich eine ganz besonders perfide Folter mit dem grausamen Werkzeug der hoffnungslos grenzenlosen Langeweile. Da muss erst ein solches Naturspektakel aufkommen, um mein Interesse an den Geschehnissen der Europameisterschaft zu erwecken.

 

Copyrights für den Text: Stefan F. Wirth, 2016.