Biosphäre Potsdam: Schamloses Lohndumping?

Ich bin darin erfahren, wissenschaftlich beratend und kreativ unterstützend in einem naturkundlichen Museum mitzuwirken. Daher bewarb ich mich in Form einer Initiativbewerbung als wissenschaftlicher Berater und Mitgestalter sowie als Ausstellungsführer bei der Biosphäre Potsdam.

Meine Qualifikationen habe ich hierbei in Form eines fließenden Textes zusammengefasst. Die Reaktion war erstaunlich.

Zunächst wurde mir mitgeteilt, dass keine Position gemäß meiner Qualifikation zu vergeben sei. Man könne aber einen Job auf Geringfügigkeitsbasis anbieten. Ich bejahte für den Bereich „Führungen“ und via Honorar-Abrechnung.

Dann heißt es durch die Zuständige, Frau S. H.:

„Sehr geehrter Herr Wirth,

die Mitarbeit auf Honorarbasis betrifft unsere Führungen wie z. B. Biologische Vielfalt im Regenwald, Schmetterlinge der Tropen, Exotische Tier- und Pflanzenwelt und Workshops wie z.B. der Schoko-Crepe-Workshop. Nähere Einzelheiten können Sie auch unserer Homepage entnehmen.

Auch hier würde der Einsatz nach Bedarf erfolgen, abhängig von der Buchungslage und Ihren Einsatzmöglichkeiten. Wir können Ihnen ein Stundenhonorar von € 12,00 anbieten.“

Fand ich natürlich ein bisschen frech, einem promovierten Biologen, seit fast zwei Jahrzehnten in Forschung und beinahe ebenso lange in universitärer Lehre tätig, einen Stundenlohn anzubieten, den er nicht einmal als Student ohne Gewissensbisse akzeptiert hätte.

Frech ist zurückblickend eigentlich zu gelinde ausgedrückt. Es ist  aus meiner heutigen Sicht heraus gar eine schamlose Unverschämtheit und zeugt womöglich von fehlender Moral. Erst recht der gesamte weitere Umgang mit meiner Bewerbung.

Da ich jedoch eine Nebentätigkeit im biologischen Bildungssektor suche und benötige, fiel meine Antwort eher zurückhaltend aus: „Da ich … freiberuflich gemeldet bin, und zwar als Biologe, Fotograf und Videograf, ist es wichtig, dass Tätigkeiten vorwiegend in Zusammenhang mit einer dieser Berufsbezeichnung stehen. Daher bevorzuge ich Führungen zu den von Ihnen genannten biologischen Themen. Zusätzlich wären dann natürlich auch Workshop Aktivitäten denkbar, selbst dann, wenn Sie mit der Herstellung von Lebensmitteln zu tun haben. Der von Ihnen genannte Stundenlohn ist sehr weit von dem entfernt, was mir aufgrund meiner Hochqualifikationen zusteht. Aber heutzutage hat man (Anm: hinsichtlich der Gehaltsvorstellungen) keine Wahl mehr, daher mache ich es auch für 12 Euro. Mit unregelmäßigen Einsätzen habe ich keinerlei Probleme.“

Daraufhin erhielt ich keine Rückmeldung mehr. In einer Folge-Email beteuerte ich mein weiteres Interesse an dem Job, bat, die Kritik am Honorar nicht negativ zu werten und fragte, ob die Zusendung weiterer Unterlagen zum Nachweis meiner Qualifikationen erwünscht sei. In der Folge teilte mir eine gewisse Frau W. mit, Frau H. werde sich nach ihrer Rückkehr am elften Mai wieder bei mir melden. Natürlich meldete sich niemand. Hartnäckiges Nachfragen führte zunächst zu keiner Reaktion, weshalb ich schließlich um Löschung meiner Daten bat und meine Bewerbung entrüstet zurückzog. Erst dann folgten wieder zwei Antworten, man habe meine Daten wunschgemäß gelöscht, und: Der Bewerbungsprozess habe sich verschoben. Man bedanke sich für meine Geduld. Als ich daraufhin entgegnete, dass von (Anm: weitergehender) Geduld in meinem Fall (Anm: nach so langer Wartezeit) nicht die Rede sein könne, da der Grund für die fehlende Rückmeldung auf meine Anschreiben jedoch (Anm: vorgeblich) nur eine zeitliche Verzögerung sei, wolle ich meine Bewerbung nunmehr doch aufrecht erhalten. Die Antwort am darauffolgenden Werktag lautete, das Bewerbungsverfahren sei inzwischen abgeschlossen worden. So habe ich also fast einen ganzen Monat lang vergeblich auf eine von mir trotz widriger Bezahlung ausdrücklich erwünschten Nebentätigkeit, die sogar bereits explizit angeboten worden war, gewartet. Kritische Gedanken zum Lohndumping in moderner Zeit sind offenkundig im aktuellen Berufsleben unerwünscht, oder ist das nur in der Biosphäre Potsdam so?

Das Klima in Deutschland verschlechtert sich für seriöse Wissenschaftler zunehmend. Während die spirituell verblendete Kanzlerin wiederholt zur Rückbesinnung auf den christlichen Glauben aufruft, anstatt zu mehr Wissensdurst zu raten, breitet sich der Genderismus-Wahnsinn immer flächendeckender aus. Wer sich nicht dem Dogma unterwirft, beim Homo sapiens gäbe es keinen Geschlechtsdimorphismus, hat ein Problem. Denn Forschungsgelder fließen derzeit in Strömen in die sogenannte Genderforschung. Wer lieber die Biologie der Milben und Insekten untersuchen und verstehen möchte, ist out. Da muss man dann wohl auch für einen boshaften Katzenlohn arbeiten. Wenn aber nicht einmal der zustande kommt, weil man die Dreistigkeit besaß, die Unverhältnismäßigkeit der angebotenen Entlohnung kritisch am Rande zu erwähnen, dann ist etwas faul im Staate Deutschland, meiner Ansicht nach konkret übrigens auch bei der Biosphäre Potsdam.

Aus dem Grunde empfehle ich qualifizierten Naturkundlern, sich besser andernorts zu bewerben.

Berlin, Mai 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

Werbeanzeigen