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Kategorie: Germany

Round-leaved sundew: How a fly can die

The round-leaved sundew Drosera rotundifolia is a carnivorous plant. It digests mostly small arthropods in order to gain additional nitrogen on floor coverings with a lack of sufficiant mineral nutriment.

 

Sundew and its digestive secretions

 

Along the edges of the rounded leaves, tentacles are arranged, which produce sticky secretions, consisting of enzymes and formic acid. Attracted by a fragrant smell, small animals approach this deadly plant.

Please like my videos also on youtube, in case you like them. Copyrights Stefan F. Wirth

 

The secretions trap them finally to the leave. After some hours the tentacles move towards the leaf-inside due to growth „movements“, where digestive glands are located. Later even the whole leaf rolls that way that more glands get into a contact with the prey. The whole digestive procedure then needs several days. My video only shows the effect of sticky tentakles to a fly, which finally is unable to flee.

 

Fly on a sundew leaf, independent evolution of carnivorous plants

 

The fly specimen might have represented a too large prey, which is why it at first resisted against the slimy and sticky secretions. However later, its body is thus covered with threads of adhesive that it remains fixed to the sundew leaf. Carnivorous plants evolved several times independently within the Angiosperma. That means that pitcher plants, as for example Sarracenia or Nepenthes, systematically do not represent close relatives of the sundew or even between each other. Under comparable ecological conditions, selective pressures caused options for plants to enrich their nutrients by the ability to digest smaller animals using specific organs, usually being homologous to leaves. The way carnivorous traps develop, differs in the various groups of carnivorous plants.

 

Micro-habitats for mites or nematodes

 

Decaying remnants of partly digested arthropods can especially in Sarracenia or Nepenthes become micro-habitats, in which mites or nematodes might find suitable living conditions. Some of them can even be resistant against digestive enzymes of these plants. Whether microorganisms ,such as mites, also can occur on sundew, is unknown to me. Common inhabitants of pitchers of Sarracenia or Nepenthes are represented by mites of the Astigmata, e.g. of the family Histiostomatidae.

 

Distribution of the round-leaved sundew

 

The round-leaved sundew is native to the whole northern hemisphere in bogs and wetlands.

 

Copyrights for film and text: Stefan F. Wirth, October 2017/ November 2018

A scarab beetle’s larva and pupa: habitats for mites and other organisms

The micro-world is complex. Its habitats intertwine themselves, some even are unusual, because they are formed by single animal individuals. An example is a holometabolic insect, here the tropical rose chafer Eudicella colmanti. The larvae of my specimens are covered with deutonymphs of an astigmatid mite (Acaridae, eventually Acarus sp.).

This makes the beetle larva to a habitat for these mites, although the mites in this case don’t feed or reproduce there. They instead are „only“ passengers on their transportation to a new „real“ habitat, where they become adult, feed and reproduce. This strategy to be carried by other organisms from one living place to another is called phoresy.

The situation in my terrarium might be artificial in the sense that mites are putatively not of tropical origin as the beetles (reared in Germany) and thus do not originally „belong“ to the beetle species. The mites might have reached into the terrarium via fruit flies or similar native organisms or via the terraria of the online shop, where they were bought. But the mite deutonymphs show a distinct affinity for adult beetles and their larvae nevertheless, which they attached in great numbers (not the pupa). The microscopic footage of the mite deutonymphs contains activities of their genital openings, located close to the sucker plates on their undersides.

They occasionally open and close and discharge secretions or water. This might be due to osmoregulation and/or in order to prove the adjacent sucking structure with moisture for a more stable hold.

The larva after some months built its pupa chamber, consisting of soil particles and larva secretions. Tese pupa chambers offer on their outer sides obviously enough nutrients for collembolans, which appeared there in greater numbers, especially on an older chambers with its pupa waiting to hatch. Mites of the Gamasida and tiny annelids could also be observed there. The video consists of macro fotage and microscopic footage, all recorded in 4K and rendered in an uncompressed quality.

 

Berlin, December 2017/November 2018, copyrights Stefan F. Wirth

Neozoen sind in Berlin längst allgegenwärtig, doch Grund zur Panik besteht nicht

Wer mit offenen und kundigen Augen über Berliner Sommerwiesen wandert, wird dort auch Tiere und Pflanzen finden, die hier nicht ursprünglich beheimatet waren. Sogenannte Neozoen oder Neophyten entstammen anderen Teilen Europas oder der Welt und sind irgendwie durch Menscheneinwirkung verschleppt und dann freigesetzt worden. Dies geschieht zumeist durch menschliche Handelsaktivitäten. Dabei geht der Transport einer Art aus ihrem ursprünglichen in einen fremden Lebensraum in der Regel ungewollt vonstatten. Der Tier- und Pflanzenhandel verbreitet Arten jedoch mitunter auch vorsätzlich. Eine dauerhafte Etablierung der Arten ist meist jedoch unbeabsichtigt.

Die Auswirkungen der Verschleppung können höchst unterschiedlich ausfallen. So sind einige Organismen bekannt, die sich aus tropischen Regionen über den internationalen Pflanzenhandel weltweit verbreitet haben, die jedoch aufgrund ihrer ökologischen Vorlieben nur in Gewächshäusern überleben können.

Derlei Neozoen können daher die heimische Fauna der Region, in die sie verschleppt wurden, und somit das dortige Ökosystem nicht schädigen. Sie sind in gewisser Hinsicht und unter bestimmten Umständen sogar nützlich. So beherbergt beispielsweise das „Tropical Islands“ südlich von Berlin, ein riesiges Freizeitbad mit tropischer Vegetation unter der Glaskuppel einer ehemaligen Produktionsstätte für Luftschiffe, neben verschiedenen Organismen, die man typischer Weise in Gewächshäusern antrifft (tropische Schaben, Hundertfüßer, Tausendfüßer, kleine Springspinnen) auch sogenannte Zwerggeißelskorpione (Schizomida, Spinnentiere). Diese findet man keineswegs in jedem beliebigen Gewächshaus, wohl weil sie (unbekannte) besondere Ansprüche an ihre Umgebung stellen. Ich durfte im Tropical Islands mehrfach zusammen mit meinen damaligen Studenten der FU Milben und Schizomiden aufsammeln. So war es mir möglich, meinen Bildungsauftrag in besonderer Weise zu erfüllen und meinen Studenten mit den gefundenen Zwerggeißelskorpionen hinsichtlich Gestalt und Biologie äußerst ungewöhnliche Spinnentiere vorzuführen. Dabei muss man berücksichtigen, dass so mancher ausgewachsene Spinnentierforscher diese Tiere noch nie lebend zu Gesicht bekam. Ich nutzte die besondere Gelegenheit auch gleich, um hochauflösende Videos zu Verhaltensaspekten dieser bizarren und grazilen Tiere zu erstellen. Diese haben mehrfach die Aufmerksamkeit von Schizomiden-Forschern erregt, die ihrer Arbeit zwar in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten der Tiere nachgehen, jedoch offenbar außerstande sind, qualitativ vergleichbares Videomaterial zu erstellen. Wie auch zoologische Gärten können Neozoen in Gewächshäusern also die Bildung bereichern.

 

alle Urheberrechte des Videos liegen bei Stefan F. Wirth, Berlin 2018

 

Im Übrigen muss betont werden, dass alle hier im Zusammenhang mit Gewächshäusern allgemein und dem „Tropical Island“ im Speziellen genannten Organismen für Menschen ungefährlich und meist mikroskopisch klein sind. Sie stellen in künstlichen „Regenwäldern“ einen für das Gedeihen der Flora notwendigen Bestandteil deren Ökosystems dar.

Generell sind aber auch Fälle von Pflanzen oder Tieren bekannt, die den Weg aus Gewächshäusern oder Aquarien in den angrenzenden, ihnen unbekannten Lebensraum fanden und dort (zumindest zeitweise) bestehen konnten. So wurde beispielsweise der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), der ursprünglich im östlichen Asien beheimatet ist, bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Gewächshauskulturen zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt, und zwar zunächst in den USA, wo er entkam und sich auch im Freien etablieren konnte. Inzwischen ist der Käfer auch im Freiland Südamerikas, Afrikas und Europas ansässig geworden und schadet unter anderem einheimischen Marienkäferarten. Denn als Konkurrent ist er nahezu unbesiegbar. So ist sein Appetit nach Blattläusen kaum zu stoppen, doch auch gegen Infektionen erweist er sich deutlich resistenter als beispielsweise deutsche Marienkäferarten. Erschwerend kommt hinzu, dass er die Sporen eines parasitischen Einzellers, sogenannte Mikrosporidien, an heimische Arten weitergeben kann, die im Gegensatz zu H. axyridis keine oder eine herabgesetzte Immunität gegen diesen Parasiten besitzen.

Der Käfer ist häufig auf Berliner Wiesen im Sommer anzutreffen, wo er mit oder ohne deutlich sichtbaren Punkten auf den Flügeldecken auftreten kann. Wie er dorthin kommt? Zunächst einmal haben Forscher mithilfe genetischer Marker herausgefunden, dass die meisten Käferpopulationen in Europa, Südamerika oder Afrika auf Tiere aus den USA zurückzuführen sind. Sie sind daher international vorwiegend durch den Menschen verbreitet worden. Darüber hinaus kann die Art, die ja effizient in der heimischen Natur bestehen kann, natürlich auch aus eigener Kraft neue, nah gelegene Lebensräume erschließen.

Gemäß den Aussagen des Leiters der NABU-FG Entomologie in Berlin, Thomas Ziska, wurde der Asiatische Marienkäfer 2004 erstmals in Berlin nachgewiesen. Zwischen 2005 und 2008 hat die genannte Fachgruppe den Käfer zudem regelmäßig im Bereich des Tegeler Fließtals angetroffen.

Das nämlich war genau der Anlass meiner Kontaktaufnahme mit dem NABU. Im Rahmen eines eigenen kleinen Forschungs- und Kunstprojektes habe ich im Sommer 2018 Beobachtungen zur Insektenvielfalt (vorwiegend Blütenbesucher) auf Berliner Sommerwiesen gemacht. Schwerpunktmäßig ging es mir dabei auch um Fotografie. So besuchte ich regelmäßig das Tempelhofer Feld, das Teufelsberg-Gebiet sowie das Areal des Nord-Berliner Köppchensees, das einen Teil des Tegeler Fließtals darstellt. Der Köppchensee sowie seine angrenzenden Ökosysteme werden naturkundlich durch die NABU Berlin betreut, die in vorbildlicher Weise dafür Sorge trägt, dass der Besucher dieses Natur-Refugiums über zoologische Besonderheiten ausführlich in Form von Informationsplakaten informiert wird.

Von besonderem Interesse für alle Naturliebhaber und Naturkenner ist das Gebiet aufgrund eines Mosaiks aus verschiedenen Feuchtgebiet-Typen sowie sandiger Areale mit entsprechender Sandlückenfauna, ergänzt durch Trockenwiesen, die zum Teil auf einer Anhöhe gelegen und mit alten Obstbaumpflanzungen versehen sind. Diese gedeihen aufgrund einer exponierten Sonnenlage ausgezeichnet und liefern vor allem verschiedene Pflaumen- und Apfelsorten.

 

Das gesamte Köppchensee-Gebiet zeichnet sich durch eine artenreiche Flora und Fauna aus. Zudem ist es ein Refugium für zahlreiche Vogelarten. So lassen sich beispielsweise auf den Obst-Trockenwiesen im frühen Sommer Neuntöter bei der Jagd und der Aufzucht der Jungtiere beobachten.

Im Vergleich zu den Arealen Teufelsberg und Tempelhofer Feld waren mir nicht nur asiatische Marienkäfer am Köppchensee besonders häufig aufgefallen, freilich ohne eine Statistik angefertigt zu haben. Auch ein weiteres Neozoon aus dem östlichen Asien scheint sich um den Köppchensee auffällig etabliert zu haben, nämlich der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis).

 

Der auffällige Schmetterling war mir mehrfach ausschließlich am Köppchensee, und zwar auf der Trockenwiese in Höhe der Aussichtsplattform vor die Kameralinse geflattert, nicht am Teufelsberg und nicht auf dem Tempelhofer Feld. Dies mag allerdings Zufall sein, da der Buchsbaumzünsler gemäß der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bereits seit 2017 „flächig im Stadtgebiet Berlin vertreten“ ist.

Hinzu kommt, dass erwachsene Falter zwar zur Nahrungsaufnahme verschiedene Blütenpflanzen ansteuern, die Larven jedoch strikt auf die Anwesenheit von Buchsbäumen (Buxus) angewiesen sind, die es laut Thomas Ziska von der NABU-FG Entomologie am Köppchensee direkt gar nicht gibt. So ist davon auszugehen, dass die von mir beobachteten Falter in angrenzenden privaten Gärten geschlüpft sind.

Vermutlich durch den Handel mit Zier- und Nutzbäumen konnte sich der Buchsbaumzünsler aus seiner eigentlichen Heimat in Ostasien nach Europa verbreiten, wo er sich inzwischen auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich etabliert hat. Auch aus Belgien und einigen osteuropäischen Ländern gibt es entsprechende Meldungen.

Die Schadwirkung des Schmetterlings beschränkt sich auf Buchsbaumbestände in Parkanlagen und privaten Gärten sowie wilden Exemplaren in naturbelassenen Gebieten. Die können bei Befall jedoch vollständig kahl gefressen werden. Inwiefern heimische Insekten, die an das Leben an Buchsbäumen angepasst sind, durch das Neozoon in Mitleidenschaft gezogen werden, habe ich nicht recherchiert.

Direkt am Holzzaun der Aussichtsplattform, die von einer Anhöhe aus einen beeindruckenden Überblick über den Köppchensee verschafft, habe ich ein weiteres Tier entdeckt, das offenbar ein Neozoon darstellt, nämlich die marmorierte Baumwanze Halyomorpha halys. Allerdings bin ich bis heute unsicher, ob ich als Nicht-Wanzenkundler die eigentlich auffällige Baumwanze anhand des einzigen Fotos, das mir zur Verfügung stand, korrekt bestimmt habe. Thomas Ziska bestätigt dies jedoch in seiner Email mit den Worten: „Der Nachweis von H. halys am Köppchensee ist neu.“

Auch die marmorierte Baumwanze ist ursprünglich im Osten Asiens beheimatet und fand über Transportkisten erst Anfang dieses Jahrtausends ihren Weg aus China nach Nordamerika, wo sie sich etablieren und rasant ausbreiten konnte. Nachweise aus Europa liegen erst seit 2007 vor. Es ist mir nicht bekannt, ob die Verschleppung direkt aus China erfolgte oder über den Umweg durch die USA. Seit 2016 jedenfalls verbreitet sich die Art zunehmend in Deutschland, allerdings eher in südlichen Bundesländern. Gemäß Informationen durch Th. Ziska trat die Wanze auch 2016 erstmals in Berlin auf.

H. halys tritt aufgrund ihrer biologischen Neigungen vorwiegend als Pflanzenschädling in Erscheinung. Wie üblich für Baumwanzen saugt die Art an Pflanzensäften. Hierbei verursacht sie wirtschaftlichen Schaden, indem sie verschiedene Nutzhölzer attackiert. So werden beispielsweise die Fruchtanlagen von Apfel, Birne, Pfirsisch oder Haselnuss angestochen, was die Entwicklung der Früchte stört, so dass Missbildungen die Folge sein können.

Ein weiteres Neozoon, das mir bei meinen Foto-Exkursionen häufiger aufgefallen ist, stellt die Büffelzikade Stictocephala bisonia dar. Allerdings fand ich diese gerade nicht am Köppchensee, dafür aber auf dem Tempelhofer Feld und im Schillerpark im Berliner Bezirk Wedding.

Die faszinierende kleine Buckelzikade stammt ursprünglich aus Nordamerika und scheint der Literatur zufolge über Triebe zur Veredelung von Obstbäumen nach Europa eingeführt worden zu sein, wo eine flächige Ausbreitung ab spätestens 1912 erfolgte. Waren zunächst der Mittelmeerraum, Mittelasien und Nordafrika betroffen, begann die Art seit den 1960er Jahren nordwärts gen Mitteleuropa zu wandern. Hier breitet sich die Zikade seit etwa 2000 in Deutschland aus, Nachweise aus Brandenburg liegen seit 2004 vor.

Die Pflanzensauger scheinen der Literatur zufolge hinsichtlich ihrer Wirte nicht sehr wählerisch zu sein. So werden neben Rosengewächsen, wo ich sie zumeist antraf, auch Obstbäume oder Pappeln befallen. Die wirtschaftlich relevanten Schäden entstehen weniger durch die Saugaktivitäten der erwachsenen Insekten als vielmehr durch die Eiablage. Denn die erfolgt in dichten Abständen zueinander. Da Pflanzenteile, die über den Eiern liegen, zumeist absterben, kann hierdurch ein beträchtliches Schadbild an den Wirtspflanzen entstehen. Auch in diesem Zusammenhang ist mir nicht bekannt, inwieweit das Neozoon eine ernsthafte Konkurrenz für ursprünglich einheimische Zikadenarten darstellt.

Es ist übrigens kalendarisch definiert worden, ab wann eine Pflanze oder ein Tier als Neozoon oder Neophyt zu bezeichnen ist. Als festgelegtes Datum gilt die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492. Arten, die davor mit menschlicher Hilfe verbreitet wurden, werden als Archäobiota, also Archäozoen oder Archäophyten bezeichnet. Danach wird die Vorsilbe Neo- zur Anwendung gebracht.

Ein Beispiel für ein Archäophyt ist die Wilde Karde Dipsacus fullonum, die man beispielsweise in den Trockenwiesen am Berliner Köppchensee bestaunen kann. Das dekorativ erscheinende Geißblattgewächs stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Die Pflanze gilt als eher nützlich und findet zum Beispiel in der Volksheilkunde Verwendung.

 

Andere Neozoen, die in Berlin häufig anzutreffen sind, sollen hier nicht weiter erläutert werden. Hierzu gehören beispielsweise der Waschbär Procyon lotor oder der Louisiana-Flußkrebs Procambarus clarkii. Auch die Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii und die Chinesische Wollhandkrabbe Eriocheir sinensis sind neozoische Einwanderer in Deutschland und tauchen immer wieder in Berlin auf.

Wasserlebende Neozoen, wie beispielsweise die Wollhandkrabbe, werden häufig durch den Frachtschiffverkehr über große Distanzen transportiert. Ballastwasser kann eine Quelle der Verschleppung sein. Jedoch ist der Effekt solcher unplanmäßigen Tiertransporte keineswegs immer ein Desaster. Denn manche Organismen überleben nur kurzzeitig in der hierzulande warmen Jahreszeit und können daher auch keine eigenständigen Populationen entwickeln.

 

Sind Neobiota grundsätzliche durch Menschen verursachte Naturkatastrophen?

 

Der Mensch als Vektor für die Verschleppung von Organismen, so viel muss festgehalten werden, kann seiner Umwelt Schaden zufügen, so wie viele andere seiner Aktivitäten auch.

Und doch ist ein Artensterben, beispielsweise hervorgerufen durch neu etablierte Tiere, die verwandte einheimische Arten verdrängen, ein Prozess, den es nicht erst seit der Evolution des Homo sapiens gibt.

Dass Arten aussterben und neue Arten entstehen ist das Prinzip der Evolution auf unserem Planeten. Neben tektonischen spielen hierbei auch klimatische Veränderungen eine große Rolle. Klimaerwärmungen beispielsweise ermöglichen wärmeliebenden Arten grundsätzlich, zuvor lebensfeindliche Gebiete besiedeln zu können. Dabei gibt es neben der Verschleppung durch den Menschen auch natürliche Wege der Verbreitung über große Distanzen, beispielsweise durch Zugvögel oder Treibgut auf Ozeanen.

Dennoch formt der Mensch seine Natur in einer Weise, die es vor seinem Erscheinen auf diesem Planeten nicht gegeben hat. Daher kann man sich nicht zurücklegen und sagen: Arten kommen und andere vergehen, das ist nun einmal der Lauf der Natur. Ein effizienter Naturschutz, der auch die Bekämpfung mancher Neobiota beinhaltet, ist unerlässlich.

Berlin, 12.11.2018

All Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

 

Biosphäre Potsdam: Schamloses Lohndumping?

Ich bin darin erfahren, wissenschaftlich beratend und kreativ unterstützend in einem naturkundlichen Museum mitzuwirken. Daher bewarb ich mich in Form einer Initiativbewerbung als wissenschaftlicher Berater und Mitgestalter sowie als Ausstellungsführer bei der Biosphäre Potsdam.

Meine Qualifikationen habe ich hierbei in Form eines fließenden Textes zusammengefasst. Die Reaktion war erstaunlich.

Zunächst wurde mir mitgeteilt, dass keine Position gemäß meiner Qualifikation zu vergeben sei. Man könne aber einen Job auf Geringfügigkeitsbasis anbieten. Ich bejahte für den Bereich „Führungen“ und via Honorar-Abrechnung.

Dann heißt es durch die Zuständige, Frau S. H.:

„Sehr geehrter Herr Wirth,

die Mitarbeit auf Honorarbasis betrifft unsere Führungen wie z. B. Biologische Vielfalt im Regenwald, Schmetterlinge der Tropen, Exotische Tier- und Pflanzenwelt und Workshops wie z.B. der Schoko-Crepe-Workshop. Nähere Einzelheiten können Sie auch unserer Homepage entnehmen.

Auch hier würde der Einsatz nach Bedarf erfolgen, abhängig von der Buchungslage und Ihren Einsatzmöglichkeiten. Wir können Ihnen ein Stundenhonorar von € 12,00 anbieten.“

Fand ich natürlich ein bisschen frech, einem promovierten Biologen, seit fast zwei Jahrzehnten in Forschung und beinahe ebenso lange in universitärer Lehre tätig, einen Stundenlohn anzubieten, den er nicht einmal als Student ohne Gewissensbisse akzeptiert hätte.

Frech ist zurückblickend eigentlich zu gelinde ausgedrückt. Es ist  aus meiner heutigen Sicht heraus gar eine schamlose Unverschämtheit und zeugt womöglich von fehlender Moral. Erst recht der gesamte weitere Umgang mit meiner Bewerbung.

Da ich jedoch eine Nebentätigkeit im biologischen Bildungssektor suche und benötige, fiel meine Antwort eher zurückhaltend aus: „Da ich … freiberuflich gemeldet bin, und zwar als Biologe, Fotograf und Videograf, ist es wichtig, dass Tätigkeiten vorwiegend in Zusammenhang mit einer dieser Berufsbezeichnung stehen. Daher bevorzuge ich Führungen zu den von Ihnen genannten biologischen Themen. Zusätzlich wären dann natürlich auch Workshop Aktivitäten denkbar, selbst dann, wenn Sie mit der Herstellung von Lebensmitteln zu tun haben. Der von Ihnen genannte Stundenlohn ist sehr weit von dem entfernt, was mir aufgrund meiner Hochqualifikationen zusteht. Aber heutzutage hat man (Anm: hinsichtlich der Gehaltsvorstellungen) keine Wahl mehr, daher mache ich es auch für 12 Euro. Mit unregelmäßigen Einsätzen habe ich keinerlei Probleme.“

Daraufhin erhielt ich keine Rückmeldung mehr. In einer Folge-Email beteuerte ich mein weiteres Interesse an dem Job, bat, die Kritik am Honorar nicht negativ zu werten und fragte, ob die Zusendung weiterer Unterlagen zum Nachweis meiner Qualifikationen erwünscht sei. In der Folge teilte mir eine gewisse Frau W. mit, Frau H. werde sich nach ihrer Rückkehr am elften Mai wieder bei mir melden. Natürlich meldete sich niemand. Hartnäckiges Nachfragen führte zunächst zu keiner Reaktion, weshalb ich schließlich um Löschung meiner Daten bat und meine Bewerbung entrüstet zurückzog. Erst dann folgten wieder zwei Antworten, man habe meine Daten wunschgemäß gelöscht, und: Der Bewerbungsprozess habe sich verschoben. Man bedanke sich für meine Geduld. Als ich daraufhin entgegnete, dass von (Anm: weitergehender) Geduld in meinem Fall (Anm: nach so langer Wartezeit) nicht die Rede sein könne, da der Grund für die fehlende Rückmeldung auf meine Anschreiben jedoch (Anm: vorgeblich) nur eine zeitliche Verzögerung sei, wolle ich meine Bewerbung nunmehr doch aufrecht erhalten. Die Antwort am darauffolgenden Werktag lautete, das Bewerbungsverfahren sei inzwischen abgeschlossen worden. So habe ich also fast einen ganzen Monat lang vergeblich auf eine von mir trotz widriger Bezahlung ausdrücklich erwünschten Nebentätigkeit, die sogar bereits explizit angeboten worden war, gewartet. Kritische Gedanken zum Lohndumping in moderner Zeit sind offenkundig im aktuellen Berufsleben unerwünscht, oder ist das nur in der Biosphäre Potsdam so?

Das Klima in Deutschland verschlechtert sich für seriöse Wissenschaftler zunehmend. Während die spirituell verblendete Kanzlerin wiederholt zur Rückbesinnung auf den christlichen Glauben aufruft, anstatt zu mehr Wissensdurst zu raten, breitet sich der Genderismus-Wahnsinn immer flächendeckender aus. Wer sich nicht dem Dogma unterwirft, beim Homo sapiens gäbe es keinen Geschlechtsdimorphismus, hat ein Problem. Denn Forschungsgelder fließen derzeit in Strömen in die sogenannte Genderforschung. Wer lieber die Biologie der Milben und Insekten untersuchen und verstehen möchte, ist out. Da muss man dann wohl auch für einen boshaften Katzenlohn arbeiten. Wenn aber nicht einmal der zustande kommt, weil man die Dreistigkeit besaß, die Unverhältnismäßigkeit der angebotenen Entlohnung kritisch am Rande zu erwähnen, dann ist etwas faul im Staate Deutschland, meiner Ansicht nach konkret übrigens auch bei der Biosphäre Potsdam.

Aus dem Grunde empfehle ich qualifizierten Naturkundlern, sich besser andernorts zu bewerben.

Berlin, Mai 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

Wird die Biodiversitätsforschung zunehmend in Zweit- und Drittweltländer verlagert und verliert dort durch Massenpublikationen mäßig vorgebildeter Forscher an Wert?

 

Es erscheint zunächst plausibel: Ein sinnvoller Naturschutz muss zwingend an genaue Kenntnisse unserer Natur anknüpfen. Da unsere natürliche Umwelt zu erheblichen Teilen biologisch belebt ist, ist die Artenkenntnis eine wichtige Grundlage, um unsere irdischen Ökosysteme und damit auch uns selbst zu erhalten.

Forscher gehen von insgesamt über acht Millionen Arten weltweit aus. Hierbei zeigen vor allem die Tiere eine hohe Artenvielfalt auf. Ein erheblicher Prozentsatz der Biodiversität, so der Fachterminus für Artenvielfalt, ist jedoch noch immer unbekannt.

Jeder vernünftige Mensch würde doch an dieser Stelle schlussfolgern, dass Biologen und insbesondere Zoologen händeringend benötigt würden, um zu dem Mammutprojekt „Biodiversitätsforschung“ Beiträge leisten zu können. Doch weit gefehlt! Deutsche Stellenangebote suchen in der Regel nach Pharma-Mitarbeitern oder versuchen stellenlose Wissenschaftler unter ihrem Leistungsniveau in Großlaboratorien der medizinischen Forschung unterzubringen. Der Rest bleibt ohne Anstellung und muss mitunter als Hatz-IV-Bezieher ein klägliches Dasein fristen.

Und die Biodiversitätsforschung? Die ist längst nicht mehr in Deutschland zuhause. Nur wenige Grüppchen sind bundesweit verteilt übrig geblieben, und die investieren mehr Zeit damit, ihre Ellbogen zu stärken, um ihre Fördermittel gegen Konkurrenten zu verteidigen, als in gute Forschung.

Machtregierungen denken an nichts anderes als an ihren Machterhalt, kurzsichtiges Agieren, denn was nach ihnen passiert, ist ihnen völlig gleichgültig. Steuergelder wandern in die Geldbörsen gieriger Politiker, und das in rauen Mengen, und nicht dahin, wo sie hingehören: in die langfristige Sicherung der Zukunft.

In der Zwischenzeit sterben Arten zu Hunderten aus, noch bevor sie überhaupt entdeckt und beschrieben werden können, und mit ihnen vergehen mitunter ganze Ökosysteme.

Dabei verfügte Deutschland über eine seit Jahrhunderten gewachsene Tradition in qualitativ hochwertiger Forschung in den Naturwissenschaften. Gerade in der Biologie waren deutsche Wissenschaftler weltweit bekannt für präzise Gedanken und sorgfältige Terminologien sowie gründlich durchdachte Hypothesen.

Inzwischen sind deutsche Spezialisten im Umfeld der Biologie entweder auf Dauer arbeitslos oder zu Überlebenskünstlern geworden. Die USA haben das Feld übernommen, sie investieren immense Forschungsgelder in die Grundlagenforschung. Und das doch mit für das Land typischen Einschränkungen. Wer sich einen US-Wahlkampf anschaut, wer Hollywood-Action-Filme konsumiert, der weiß, dass subtiles Gedankengut oft nicht Sache der US-Amerikaner ist. So auch allzu häufig nicht in den Naturwissenschaften.

Terminologien, die wir sorgsam voneinander abgrenzen, werden gerne lax pauschalisiert verwendet. Feinheiten des Artbegriffes? Für manche Systematiker völlig uninteressant! Die USA sequenziert vorwiegend, das ist zeitgemäß und erfasst die Artenvielfalt objektiv und genau, so jedenfalls glaubt man. Einwände werden nicht selten als unmodern verworfen. Aber welches Gen kodiert denn nun für die Artgrenze? Blöde Frage, kein bekanntes natürlich,  die Grenzen, die legen wir einfach willkürlich fest. Aber wer um alles in der Welt wählt denn dann das Material nach sinnvollen Kriterien aus, das überhaupt zur Sequenzierung gelangt? Gute Frage, so die Antwort, hier werden nach wie vor Spezialisten benötigt, aber bitte, günstig müssen sie sein und produktiv im Akkord. Ich berichte hier aus meinen eigenen Erfahrungen im Bereich der systematischen Milbenforschung.

Der Einwand „Qualität gibt es nicht günstig“ wird kaltlächelnd in den Wind geschlagen. Geld spart man, indem man diese Forschungsleistung in Zweit- und Drittweltländer verlagert. Ich habe selbst miterlebt, dass einflussreiche US-amerikanische Forscher die Arbeit nicht hinreichend vorgebildeter russischer Kollegen explizit motivieren und gutheißen, denn diese Sorte Forscher macht häufig, was ihr gesagt wird, ohne kritische Rückfragen, ohne eigene Einfälle und innovative Ansätze. Wer in Zweit- und Drittweltländern forscht (das gilt auch für die russischen Milbenforscher, die ich kennenlernte) wird aus landeseigenen Kassen verhältnismäßig fürstlich entlohnt. Umfassende Kompetenz ist oft nur eingeschränkt wichtig. Vor allem nämlich gilt es, dem jeweiligen politischen System freundlich gesonnen zu sein, denn ansonsten kommt es erst gar nicht zum Studium.

Auf entsprechendem Niveau befindet sich die Forschung nicht nur im fernen Sibirien, sondern auch in Ägypten oder etwa dem Iran. Ich mache wohl Witze? Nein, nein, ich habe das alles selbst gesehen. Zeckenforschung in Kairo: Mir verschlug es den Atem, schon alleine, weil der Begriff der Tierethik dort völlig unbekannt zu sein schien. In Russland war ich angestellt. Ja zumindest kann man sich im westsibirischen Tjumen vernünftige und hochwertige Mikroskope leisten, auch wenn es mitunter an der Fähigkeit, diese adäquat zu bedienen, hapert. Ergänzende sinnvolle Arbeitsmaterialien hat man hingegen oft nicht und kennt man auch nicht. Manches Zeiss- oder Leica-Mikroskop, einst neuwertig erstanden, sieht nun aus, als entstamme es einem Second-Hand-Markt. Auf Nachfrage heißt es dann, man habe mit der Zange diese und jene Schraube gelöst und diese anschließend nicht mehr dran bekommen. Mikroskop-Kameras sind vorhanden, es kann sie aber keiner bedienen, weder für qualitative hochauflösende Fotografie noch für ebensolche Videografie.

Während also russische Forscher der Stadt Tjumen in maroden Räumlichkeiten aus Zeiten des Kalten Krieges unter undichten Decken ihrer Arbeit nachgehen, diese regelmäßig unterbrechen müssen, um die Eimer unter dem tropfenden Dach auszutauschen, freut sich der US-amerikanische Protecteur. Denn der glaubt allen Ernstes, dass die enorme Herausforderung, neue Arten zu entdecken und zu beschreiben, am besten von denen erfüllt werden kann, die über kein weitreichendes biologisches Grundwissen verfügen, die keine kritischen Fragen stellen, die niemals eigene Ansätze entwickeln und sich die Bohne scheren um läppische uninteressante Phänomene wie kryptische Artengruppen oder Zwillingsarten. Stattdessen wird hohe Quantität geboten. Pro Forscher fünfzehn bis zu dreißig Artbeschreibungen im Jahr sind Ehrensache. Was noch vor zehn Jahren in Deutschland für harsche Kritik gesorgt hätte, macht den Milbenforscher aus Tjumen zum „Leading Scientist“. Eine durchaus angenehme Position, denn ein „Leading-Scientist“ muss sich um wenig sorgen. Sogar die private Wohnung wird ihm mit öffentlichen Mitteln finanziert.

Da ist es nicht verwunderlich, dass der Russe, der sich in derart existenzieller Wohlbehütung weiß, kaum Gründe sieht, irgendetwas an seiner Arbeitsweise zu ändern. Im Gegenteil soll alles wie gehabt bleiben. Deswegen werden die Texte einer Artbeschreibung für jede neue Art auch nur geringfügig abgewandelt. Ich habe das nicht nur selbst gesehen, sondern mir wurden diese Arbeiten auch regelmäßig zur sprachlichen Bearbeitung vorgelegt. Denn, auch Ehrensache, Russen beherrschen die englische Sprache in der Regel nicht, obwohl es sich dabei um die internationale Wissenschaftssprache handelt. Wen wundert’s, dass meine Korrekturen immer dieselben waren, es existierte nicht einmal die Flexibilität, um schon mehrfach kritisierte Mängel in der Folge zu beherzigen.

Artbeschreibungen ohne die geringste Kenntnis zur Biologie und Ökologie der betroffenen Spezies sind im Grunde ohne Aussage und daher kein Beitrag zu einer sinnvollen Biodiversitätsforschung. Biologische Untersuchungen wurden in meinem sibirischen Forschungsinstitut vorsätzlich, oft mit dem Argument der Undurchführbarkeit, verweigert, in Wahrheit, weil der Zeitaufwand zu groß wäre. Schließlich sollen pro Jahr akkordweise Publikationen veröffentlicht werden, ansonsten wäre man schließlich kein „Leading-Scientist“ mehr. Meine Nachfragen zur Arbeitsweise wurden oft erstaunlich beantwortet. Warum man die lebend zur Verfügung stehende Art nicht gleich auch in Kultur bringe, oder wenigstens zur Lebendbeobachtung erhalte, wollte ich wissen. Die Antwort: „Womit soll ich die Milben denn füttern?“. Auf meinen Hinweis, dass man auch mithilfe des normalen Lichtmikroskops hochqualitative Videos lebender Tiere aufzeichnen kann, wurde schroff entgegnet: „mit dem Lichtmikroskop? Das geht nicht!“.

Ich habe während meines Aufenthaltes in Russland „nur“ drei Publikationen veröffentlicht, mich an einer weiteren zudem maßgeblich beteiligt, dann aber aufgrund der schlechten Qualität des Endwerkes meine Benennung als Coautor explizit untersagt. Im Gegensatz zu den russischen Kollegen habe ich alle Milbenarten, an denen ich forschte, immer auch gezüchtet und biologisch untersucht, und hierzu jeweils gigabyte-weise Videomaterial erstellt. Aus russischer Sicht eine lachhafte Zeitverschwendung, die man sich im Nachhinein aber durchaus zunutze gemacht hat. So wurden meine Beobachtungen zum Verhalten der Deutonymphen der von mir beschriebenen Art Bonomoia sibirica in einem russischen Stipendien-Zwischenbericht frech und schamlos als Ergebnisse russischer Forschungsarbeit ausgegeben, ohne Nennung meiner Urheberschaft. Dass es sich um Beobachtungen handelt, die im Rahmen meiner Artbeschreibung publiziert wurden, in der ich alleiniger Autor war, schien hierbei unerheblich zu sein.

 

Die Biodiversitätsforschung kann nicht eben mal schnell und am Fließband durch weitgehend unkundige Forscher erledigt werden, die nie eine hochqualifizierende Ausbildung in den Bereichen Artbegriff und Ökologie erfahren haben. Ich appelliere an die deutsche Regierung, zu erkennen, dass hierzulande im Gegensatz zur unbekümmerten Arbeitsweise anderswo– noch – qualifizierte Wissenschaftler vorhanden sind. Diese gilt es nicht auszuhungern und dadurch auszumerzen, sondern zu fördern. Denn was gibt es Wichtigeres als ein Verständnis unserer Umwelt, um diese durch sinnvolle Maßnahmen erhalten zu können. Diese Menschen können hierzu wichtige Beiträge liefern!

Es ist kurzsichtig, stattdessen ausschließlich in die Entwicklung moderner Technologien zu investieren. Kürzlich lese ich, dass man sich derzeit lieber Fragen widmet wie: Wie können wir uns die Goldvorkommen der Weltmeere nutzbar machen, Stichwort Tiefseeuntertagebau. Gier anstelle wissenschaftlicher Verantwortung!

Einflussreiche US-Forscher denken allerdings weitaus pragmatischer als ich. Warum neben Russland nicht auch Drittweltländer in die Biodiversitätsforschung einbeziehen? So wurde ich vor etwa einem halben Jahr durch einen jungen iranischen Forscher angeschrieben, der seine Kontaktaufnahme mit der Empfehlung eines einflussreichen US-amerikanischen Kollegen begründete. Ich sollte ihn ehrenamtlich dabei unterstützen, eine Publikation in einem internationalen Peer-Review-Journal unterzubringen. Im Grunde nicht die schlechteste Idee, wenn man berücksichtigt, dass man hierdurch Zugriff auf Artenmaterial erhält, das aus Krisenregionen stammt, in die westliche Forscher nur ungern einen Fuß setzen würden. Der Kollege hat dann auch gleich mit Milben aufwarten können, die in Kriegsgebieten des Irak gesammelt wurden. Da will man dann auch großzügig sein und fragt lieber nicht nach, warum nur ein Entwicklungsstadium zur Verfügung steht und warum nicht der Versuch unternommen wurde, die Art lebend in Kultur zu bringen. Tatsächlich habe ich mich über mehrere Monate hinweg ehrenamtlich auf den jungen Forscher aus dem Iran eingelassen, um dann aber festzustellen, dass dort scheinbar alle mir wichtigen akademischen Grundvoraussetzungen fehlten. Eine mit aller Kraft gerade so durchgeboxte internationale Publikation hätte folgende Konsequenzen gehabt: Für mich keine, ihm hingegen wäre dafür vermutlich umgehend eine Professur verliehen worden. Ich habe meine Kooperationsbereitschaft daher inzwischen eingestellt.

Copyrights Stefan F. Wirth, September/ Oktober 2017

 

 

Abgeordnete von CDU und CSU mit hohen nicht transparenten Nebeneinkünften, wenigstens schickt die OSZE Wahlbeobachter nach Deutschland

Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren in vielen Bereichen negativ verändert. Das macht sich im allgemeinen Bildungssektor und den Wissenschaften schon länger bemerkbar. Doch auch das Sozialsystem hinkt.

Hochqualifizierte Naturwissenschaftler, insbesondere aus der Grundlagenforschung, wie zum Beispiel Zoologen, flüchten ins Ausland, weil Deutschland großflächig diverse Forschungsdisziplinen nicht mehr finanziert. Das tun inzwischen andere, die USA, auch südamerikanische Länder oder Russland. In den biologischen Disziplinen Systematik, Taxonomie und Phylogenie war Deutschland einst weltweit führend. Heute führen andere.

Doch die CDU dominierte Regierung scheint wenig Interesse an einem hohen Bildungsstandart in Deutschland zu haben. Zu viele Menschen mit intellektuellen Fähigkeiten würden schließlich die Wahlerfolge der Erzkonservativen gefährden.  Denn das haben wir doch schon immer aus den Erfahrungen mit Ländern, die durch Macht-Regierungen kontrolliert wurden, gelernt: Die effizienteste Diktatur lässt sich am besten dort errichten, wo die Bevölkerung am wenigsten weiß.

Hierzulande wissen immer weniger angehende Akademiker, ihre eigene Sprache fehlerfrei zu Papier zu bringen. Wie soll solch eine Bevölkerung noch wissen, wen sie da eigentlich seit über einem Jahrzehnt brav an die Macht wählt?

Bereits die Regierung Adenauer hat Täter des Nationalsozialismus mit politischen Ämtern versehen, andere aus den Gefängnissen in die Freiheit entlassen. So wurden beispielsweise Täter des Konzentrationslagers Buchenwald Mitte der 1950-er Jahre kurzerhand und unbeschwert in die Gemeinschaft zurückgeführt: SS-Obersturmführer Philip Grimm, der unter anderem für den Abtransport behinderter Häftlinge sorgte, SS-Hauptsturmführer Herman Hackman, ließ 8000 Gefangene der Roten Armee durch Genickschuss töten, SS-Hauptscharführer Gustav Heigel, hat über 350 Hinrichtungen durchführen lassen und Wolfgang Otto, SS-Scharführer, in Buchenwald Protokollführer des Exekutionskommandos, hernach bis 1962 Religionslehrer an einer katholischen Volksschule.

In der Ära Kohl war der CDU-Bundeskanzler selbst in einen Korruptionsskandal um vermeintliche Spendengelder verwickelt. Und auch in der Merkel-Regierung ist der Schein zum Machterhalt wichtiger als eine gute und verantwortungsvolle Innenpolitik. Von Politikern gefälschte Doktortitel gelten offenkundig als Kavaliersdelikt. Soziale Not in der Bevölkerung wird durch beschönigende Statistiken vertuscht. Deutschland kann zudem dauerhaft in der international vergleichenden Pisa-Studie keinen hohen Platz mehr belegen.

Doch frei nach dem Slogan Macht allein macht immer noch nicht glücklich sind den Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU die beachtlichen monatlichen Diäten in Höhe von fast zehntausend Euro nicht genug. Gemäß einer Studie der Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de erscheinen Abgeordnete dieser Parteien in einem Ranking zur Höhe von Nebeneinkünften deutscher Bundestagsabgeordneter auf neun der ersten zehn Plätze. Die höchsten Nebeneinkünfte werden dabei Philipp Graf von und zu Lerchenfeld zugeordnet.

Alles legal, und doch beanstandet die Organisation aus meiner Sicht zurecht, dass die genaue Herkunft von Summen in Millionenhöhe nicht vollständig angegeben werden muss.

Für die Betroffenen natürlich sehr angenehm. Und solange die politischen Machtverhältnisse bleiben, wie sie heute sind, muss auch in Zukunft niemand ernsthaft befürchten, dass ihm genauer auf die Finger geschaut wird. Dazu muss allerdings die Bundestagswahl auch tatsächlich gewonnen werden. Kein Problem, wenn man ernstzunehmende Wahlprognosen zugrunde legt. Eine Regierung von CDU und FDP wird erwartet.

Wenn es nun aber, selbstverständlich völlig unerwartet, nun doch brenzlig werden sollte, würde man sich dann so ohne Weiteres geschlagen geben? Die OSZE ist davon offensichtlich nicht so ganz überzeugt, weswegen gemäß der Zeit Online drei bis fünf Experten als Wahlbeobachter nach Deutschland entsandt werden sollen.

Eine Geste immerhin, die jedoch auch bei den Wahlen in 2009 den Verlauf nicht in Frage stellte. Das wäre womöglich für ein solch übersichtliches Expertenteam auch schwer in die Wege zu leiten. In anderen Ländern werden ungleich größere Wahlbeobachtungsmissionen durchgeführt. Das Zugeständnis ist dem Artikel zufolge im Übrigen dem Engagement der AfD geschuldet, woraufhin ich nur sehr ungern hinweise. Denn nichts, das sich rechts von CDU/ CSU positioniert, kann Deutschland aus meiner Sicht zugute kommen.

Doch es hat natürlich seine Gründe, dass Teile der Bevölkerung ihr Vertrauen dem rechten Populismus schenken. Denn einfache Antworten und Schuldzuweisungen simulieren häufig greifbare Hoffnung auf Verbesserung, wo in Wahrheit noch ein langer steiniger Weg zu meistern ist.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland groß geworden. Wer am Existenzminimum und darunter lebt, fühlt sich immer häufiger unverstanden. Wie kann ein Politiker, der monatlich über Einnahmen von mehr als zehntausend Euro verfügt, Verständnis für die Nöte derjenigen aufbringen, die sich bei Einkünften von unter 400 Euro ihr Brot nicht leisten können.

Links bietet stets die besseren politischen Konzepte, doch sind sie meist nicht so leicht verständlich wie rechtsradikale Polemik. Umso mehr müssten sich die linken Parteien Linkspartei, Grüne und SPD um ihre Wählerschaft bemühen. Doch es hapert am politischen Engagement. Gerade die kleineren Linksparteien gefallen sich leider zu sehr in ihren Rollen als Opposition.

Deutschland hat jedoch keine Zeit für oppositionelle Genügsamkeit. Denn auf Berlins Straßen ist die Obdachlosigkeit nun allerorts nicht mehr zu übersehen.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, 02. August 2017

 

 

Die Berliner Rigaer Straße und schwere Krawalle im Juli 2016

Früher war Berlin für seine autonome Szene bekannt und geschätzt. Kreuzberg war zu Zeiten eines geteilten Landes als Refugium für Aussteiger weltberühmt. Etwa so wie die Ostseeinsel Hiddensee auf der Seite der DDR.  Links-alternative Lebensweisen sind den Regierungen in der Nach-Wendezeit jedoch zunehmend ein Dorn im Auge geworden.

Martialische Eingriffe durch gnadenlose Polizeigewalt haben daher in den vergangenen zwanzig Jahren schrittweise aufgeräumt mit einer Subkultur, die sich so schwer durch die Staatsmacht steuern und kontrollieren ließ. Besetzte Häuser, alternative Wohnprojekte, Wagenburgen, Paradiese für Selbstdenker, Idealisten, Künstler und Gesellschaftskritiker wurden gewaltsam aufgelöst, weil Freiheit und unabhängiger Geist nicht zu einem Deutschland im neuen Jahrtausend passen!

Als Relikt vergangener Zeiten ist lediglich der Kiez um die Rigaer Straße übrig geblieben, einem Viertel mit hauptsächlich alter und eher maroder Bausubstanz in Friedrichshain, in dem innovative Bars, Volksküche an wechselnden Orten und originelle Individualisten ein anderes und aus ihrer Sicht wohl auch besseres Leben führen.

Viele Kiezbewohner verfügen nicht über ein regelmäßiges Einkommen, materieller Reichtum fehlt daher, und doch sind die Menschen der Rigaer Straße reicher als manche besser bezahlte Bürokraft aus Mitte oder Charlottenburg. Unabhängigkeit und Freiheit sind nämlich nicht käuflich, sondern erfordern eine ideelle Lebenseinstellung mit Bereitschaft zum Verzicht.

Anders als gewöhnliche Wenig-Verdiener in gehobeneren Berliner Bezirken haben die Bewohner der Rigaer Straße einen meist erstaunlich strukturierten und erfüllten Alltag. Denn sie übernehmen oft zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten, schließlich kann die kostenfreie Verköstigung anderer Kiezbewohner („Volksküche“) nur funktionieren, wenn eine ausgeklügelte Logistik eingehalten wird. Nicht mehr verkäufliche, jedoch noch brauchbare Lebensmittel müssen beschafft werden, jemand muss das Kochen übernehmen und die Gäste bedienen. Das alles funktioniert gut und fast immer auf ehrenamtlicher Basis. Auch die vielseitige Gastronomie ist häufig auf Hobby-Barpersonal angewiesen. Der Vorteil liegt dabei in der sozialen und antikapitalistischen Idee, von der auch Außenstehende profitieren können. Wer in der Rigaer Straße ein gepflegtes Bier trinken möchte, benötigt nicht viel Geld in der Tasche, um seinen Abend in außergewöhnlicher Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Wie also kommt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer auf den bösartigen Gedanken, Menschen, die selbstlos ihre sozialen Ideale leben, als „Staatsfeinde“ zu bezeichnen, die mit Härte zu behandeln seien? Kai Wegner, CDU-Generalsekretär von Berlin, kritisiert den Regierenden Bürgermeister mit den Worten: „Wer Straftäter zu Verhandlungspartnern ausruft, gibt diesen Chaoten das Gefühl, dass sie sich gegen den Staat durchsetzen könnten.“

Lassen wir die Krawalle doch erst einmal außer Acht und fragen wir uns: Wie ist eigentlich die generelle Konfliktbereitschaft seitens der Berliner Polizei und seitens der Politik gegen das alternative Viertel in Berlin zu erklären? Wann immer ich mich in den vergangenen zwanzig Jahren dort aufgehalten habe, erlebte ich eine beeindruckende Idylle. Staatsfeinde? Straftäter? Der Kiez ist, was kriminelle Handlungen anbelangt, eher unauffällig. Die Menschen haben nicht viel, aber sie brauchen auch nicht viel. Selbstversorgung ist angesagt, und ja, manche betäuben sich sicher auch gerne mal mit Drogen oder Alkohol. Doch das ist nun wirklich in allen Berliner Kiezen nichts Ungewöhnliches.

Die wirklich kriminellen Hotspots der Stadt liegen, wie jeder Berliner weiß, eher an anderen Orten der Stadt. Man will hier also durch Verteuflung der kleinen Fische von den wirklich großen der Metropole ablenken. Interessanter Weise sucht die Staatsordnung dort, wo die harte Drogenszene zuhause ist, nämlich eher niemals den Konflikt.

Warum eigentlich nicht? Weil sich die derzeitige korrupte deutsche Regierung nicht die Bohne dafür interessiert, echte Kriminalität zu bekämpfen. Die Regierung will nicht Straftäter ausschalten und die Bürger vor der Abhängigkeit von harten Drogen wie Crystal Meth schützen, sondern ist ausschließlich an ihrem Machterhalt interessiert. Straftaten darf ungehindert begehen, wer ein Mitglied einer relevanten Wählergruppe ist. Da die Berliner Polizei meist notorisch unterbesetzt ist, darf auch –  zumindest im kleineren Rahmen – Straftaten begehen, wer eine gebrochene arme Sau ist.

Wer jedoch aufgrund seiner links-alternativen Lebenseinstellung trotz Armut aufrecht und selbstbewusst bleibt, den erhebt man schnell zum Staatsfeind Nummer Eins. Denn diejenigen, die notfalls auch mit zwei bis drei Euro am Tag zurecht kommen, trotzdem glücklich sind und kraftvoll kritisch auftreten können, sind eine Bedrohung für die regierenden Parteien. Sie könnten nämlich das Sakrileg begehen, zu Wahlen anzutreten und dort ihr Kreuz an unerwünschter Stelle zu machen.

Es handelt sich um ein Klientel, das sich erfolgreich der staatlichen Selektions-Maschinerie entzieht. Denn angestrebt wird ja eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, mit einer intellektuellen Mittel-Schicht an oberer Position und einem Bodensatz, der aus all denjenigen besteht, deren Stimme man lieber nicht vernehmen möchte. Dafür wurde Hartz-IV erfunden. Die Idee ist, unerwünschte Menschen dauerhaft am Boden festzuketten, sie zu zermürben und psychisch zu destabilisieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die zahlreichen Jobcenter! Hartz-IV-ler resignieren häufig, fallen dem Alkohol anheim und verlieren jedes politische Engagement. Sie wählen meist nicht.

Die Oberschicht wählt dafür umso eifriger. Denn sie besteht hauptsächlich aus Emporkömmlingen eher niedriger Bildung. Ein Loblied auf den Staat in Form eines Wähler-Kreuzes an erwünschter Stelle ist dann zu erwarten, wenn Menschen weit über ihre Qualifikationen hinaus bezahlt werden. Da denkt sich mancher Bänker, tja, für mich hat es sich gelohnt, es beim Realschulabschluss zu belassen, manche Supermarkt-Verkäuferin verdient so viel Geld, dass sie sich nicht dafür schämen muss, eventuell den eigenen Namen nicht richtig buchstabieren zu können. Ärzte und Juristen frohlocken, denn sie gehören zu den Topverdienern bei häufig sehr bescheidenem Bildungsniveau.

Wem ist all dies unverdiente Glück zu verdanken? Natürlich der liebevollen deutschen Regierung, die ihre Schäfchen mit Geld davon abhält, zu viel kritischen Geist in ihrem Oberstübchen zu beherbergen.

Nun besitzen diese Assis aus der Rigaer doch tatsächlich die Frechheit, sich nicht in das System aus oben und unten einordnen zu wollen.

Querulanten wurden schon immer aufs Schafott gebracht. Weil sie oft andere Lebensideale verfolgen? Nein, weil sie schlicht keine kalkulierbaren Stützen des herrschenden Machtapparates sind.

Aber ich wollte ja eigentlich auf die aktuellen Ereignisse ausführlicher eingehen,  über ein spezielles Hausprojekt und Demonstrationen sprechen, dann die Krawalle verurteilen und weitere Erklärungsversuche ausbreiten. Doch ich bemerke gerade, wie lange mein Artikel schon wieder geworden ist. Im Grunde ist ja auch alles gesagt, mehr ein andermal.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, 2016

Margot Honecker – Der Tod eines Monsters?

Die DDR war ohne jeden Zweifel ein Unrechtsstaat. Die Unfreiheit der Bürger war nicht nur durch eine weithin sichtbare Mauer gekennzeichnet. Unsichtbare Mauern gab es auch innerhalb des weitgehend abgeschotteten kleinen Staates. Menschen unterlagen einer permanenten Kontrolle. Und dies schon von Kindesbeinen an.

Sozialistische Erziehung war nichts anderes als eine staatlich bis zur Perfektion durchorganisierte Gehirnwäsche mit dem Ziel, gleichzuschalten, jede Individualität zu unterdrücken. Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung sollte es nicht geben, frei denkende Bürger galten als unsozialistisch. Man hat sie weggesperrt oder ihnen das Leben sonst wie zur Hölle gemacht.

Die DDR war eines von mehreren Ländern, die den Versuch unternahmen, eine neue Gesellschaftsform zu etablieren, eine gerechtere Gesellschaft, eine Gesellschaft, die jedem einzelnen alle Möglichkeiten eröffnen sollte. Keine soziale Unterdrückung mehr, keine Regentschaft von Eliten. Alle waren gleich. All were equal, but some were more equal than others. Leider scheiterten all diese Systeme an der gleichen Problematik: der Biologie des Homo sapiens, der instinktiv nach Hierarchien verlangt.

Besteht die Bevölkerung nun aus willenlosen Schäfchen, werden die regierenden Institutionen sogleich zu umfassenden Machtapparaten. Es entsteht eine Diktatur.

Womöglich liegt der immer wieder repetierte Fehler darin, die Begriffe Individualismus und Egoismus miteinander zu verwechseln. Dem Egoismus muss in einem fortschrittlichen Gesellschaftssystem Einhalt geboten werden, nicht der individuellen Entfaltung. Menschen sind niemals gleich, sie sind verschieden, und nur dadurch kann unsere Art überleben. Ein Prinzip, das überall im Tierreich gilt.

Die DDR ist zerfallen, weil sie verarmt war, und das nicht nur wirtschaftlich. Es fehlten die Innovationen, der technische Fortschritt stagnierte, man hinkte dem Westen hinterher. Anstatt kreative Geister aus den eigenen Reihen zu fördern, verließ man sich auf Spionage. Die DDR war in der Folge international nicht mehr wettbewerbsfähig.

Doch wen trifft die Schuld an diesem Staat, der von Anfang an eine Totgeburt gewesen ist? Um Unrecht verarbeiten zu können, wird stets eine Symbolfigur benötigt, auf die sich alles Schlechte abschieben lässt. Es ist nämlich leichter, an das einzelne Monstrum zu glauben, als die perfide Funktionsweise eines ganzen Machtapparates zu beleuchten, das aus vielen Menschen bestand. Und Menschen zeichnen sich nun einmal durch menschliche Eigenschaften aus. Im ungünstigen Falle treten dabei besonders hervor: blinder Gehorsam, bürokratische Mentalität, unangemessener Eifer und Hilflosigkeit.

Sind die, die auf der sozialen Leiter ganz oben stehen, notwendiger Weise immer die verantwortlichen Täter, wenn es um das Aufrechnen von Schuld geht?

Und von großer Schuld muss man im Zusammenhang mit der DDR in der Tat sprechen. Es geht um nichts geringeres als Mord, vielfachen Mord. Mord auch an Kindern und Heranwachsenden.

Lutz Seiler beschreibt in seinem sehr literarischen Roman „Kruso“, gedeckt durch die künstlerische Freiheit, ausführlich das Resultat des mörderischen Wahnsinns. Denn Mauern bestanden in der DDR nicht nur aus Stein, sondern auch aus Wasser. Seiler vergleicht die Überreste der Unglücklichen, die vergeblich die Flucht von Hiddensee aus versuchten und dabei elend ertranken, mit einer Maschine. Nichts erinnert nämlich mehr an eine menschliche Gestalt, wenn der Körper tage- oder wochenlang den Kräften des Meeres ausgesetzt war.

Systeme, die auf Angst und Kontrolle setzen, sind meist effizient, zumindest so lange, wie sie bestehen. Nur Wenige wagen den Widerstand, viele von ihnen finden den Tod. Für Menschlichkeit bleibt offenbar kein Platz in einer Gesellschaft, die besser sein möchte, sich selbst gar als revolutionär betrachtet.

„Die brauchten ja nicht über die Mauer zu klettern, um diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen,“ sagt Margot Honecker noch 2012 in einem vielbeachteten Fernsehinterview. Sie ist weit mehr als nur die Ehefrau des Generalsekretärs des ZK der SED Erich Honecker. Sie stand als Ministerin für Volksbildung von 1963-89 selbst in einer vermeintlichen Machtposition und gilt als persönlich verantwortlich für Unmenschlichkeiten wie den militärischen Drill an Schulen sowie die Zwangsadoption von Kindern, deren Eltern durch Flucht dem Einflussbereich der Staatssicherheit entkommen sind. Auch die ideologische Umerziehung „schwieriger“ Heranwachsender in sogenannten Jugendwerkhöfen soll auf ihr Konto gehen.

Die ARD-Fernsehdokumentation „Der Sturz – Honeckers Ende“ zeigt eine sture, verbitterte und leicht wirre alte Frau. Doch war sie tatsächlich einmal eine der Hauptverantwortlichen, die die DDR mit gnadenloser Härte rigoros kontrollierten? Frau Honecker hat die Schrecken des zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft miterlebt. Bereits als sehr junge Frau hat sie sich für ein System engagiert, das ein klarer Gegenentwurf zum Nationalsozialismus sein sollte. Wer sich mit ihrer Vita befasst, kommt nicht umhin, ihr zuzugestehen, dass sie stets von sozialistischem Idealismus beseelt war, dass sie tatsächlich aus vollem Herzen daran glaubte, eine bessere Gesellschaft mitzugestalten. An Boshaftigkeit glaube ich nicht, dann doch eher an ein Unvermögen, die Entwicklungen im Lande vielschichtig überblicken zu können. Das sagt man übrigens auch dem Generalsekretär selbst nach. Der kürzlich verstorbene Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt brachte in derselben Fernseh-Dokumentation seine Einschätzung hierzu unmissverständlich auf den Punkt. Nicht besonders intelligent sei er gewesen. Im Übrigen messe Schmidt ihm so wenig historische Bedeutung bei, dass künftige Generationen mit der Nennung seines Namens nichts mehr anzufangen wüssten.

Margot Honecker war bis ins hohe Alter eine eifrige Verfechterin des sozialistischen Gedankens. Und das kann man ihr grundsätzlich auch nicht verübeln. Mehr Sozialismus würde auch heutigen Gesellschaften gut tun. Doch im Hinblick auf die historische Vergangenheit war Honecker blind und taub. Weil Verbrecher nun einmal dazu neigen, ihre Verbrechen nicht einzugestehen? Ich vermute, dass eher intellektuelle Unpässlichkeiten zugrunde lagen. Ein Monster ist sie nicht gewesen, auch nicht die Inkarnation des Bösen. Das Böse nämlich gehört in die Welt der Fabeln und Märchen. Hexen und Dämonen gibt es nicht. Die Schuld an den Unmenschlichkeiten in der DDR tragen viele. Hierbei fungierte das Ehepaar Honecker vermutlich als Marionetten-Ensemble, das weniger wusste als man glaubt.

Im Interview konfrontiert mit den staatlich verordneten Morden durch die DDR reagiert sie störrig. Doch ein „ich bekenne mich persönlich schuldig“ hätte sicher auch nicht geholfen. Zumindest sagt sie in dem Interview auch einen Satz, der von den meisten Medien-Berichterstattern der letzten Tage gerne überhört wird.  Immerhin gesteht sie folgendes ein: „Es wurden Fehler in der Geschichte gemacht, die muss man bedauern, die kann man nicht nur bedauern, die muss man bedauern…“.

 

Die PISA-Studie und Deutschlands Bildungsarmut

Sie ist blond und selbstbewusst. Sie verfügt über eine beachtliche Oberweite und ist es gewohnt zu bekommen, was sie gerne möchte (Haarfarbe verfremdet, um keine individuelle Person durch diesen Artikel erkennbar werden zu lassen). Und sie ist verärgert, redet sich geradezu in Range. Doch was war geschehen?

Wir befinden uns in meinem Kurs „Ökologie und Evolution“ für Lehramtsstudenten im Masterstudiengang an der FU Berlin vor ungefähr drei Jahren. Eigentlich beginnt der Kurstag mit einer Vorlesung und geht dann in ein mehrstündiges Praktikum über.

Doch am ersten Tag der Lehrveranstaltung verschiebt sich üblicher Weise alles erheblich nach hinten, an ein konzentriertes Arbeiten während des praktischen Teils ist daher meist kaum zu denken. Denn auf den ersten Kurstag pflegten sich die Studenten stets so außergewöhnlich gut vorzubereiten, dass die damit verbundenen Diskussionen leicht Stunden in Anspruch nehmen konnten. Die Anlässe des Gesprächsbedarfs waren immer ähnlich und ließen sich unter einem gemeinsamen Nennern zusammenfassen: Lehramtsstudenten, insbesondere im fortgeschrittenen Studium, sind gerne faul. Sie möchten die zu erbringende Leistung schon von Beginn an erheblich verringert wissen. Denn vorgeblich sind sie durch die Anforderungen ihres Studiums bereits so sehr beansprucht, dass ihnen wahrlich nicht noch viel mehr aufgebürdet werden könne. In Wahrheit üben sie bereits für die nicht mehr ferne praktische Arbeit an deutschen Schulen. Und die sieht mehrheitlich bekanntermaßen so aus: hohe Gehälter, luxuriöse Urlaubsreisen in den Ferienzeiten der Schüler, kein Engagement und kein Interesse an der Lehre, häufige Krankschreibungen und Unkündbarkeit aufgrund des Beamtenstatus. Was für ein Leben!

An jenem Tage also ließ mich Sabine Schwund (Name geändert) gar nicht erst zu Wort kommen. Noch bevor ich meinen ersten Gruß an die neuen Studenten entrichten konnte, sprudelte es aus ihr heraus: Sie habe die im Vorlesungsverzeichnis offiziell angekündigte Gesamtstundenzahl, die für den Kurs veranschlagt worden war, überprüft und sei zu dem Ergebnis gelangt, dass der Kurs in seiner Gesamtdauer einige Stunden zu lang sei. Gut, natürlich hätte sie auch schweigen und sich darüber freuen können, mehr Lehre als normaler Weise vorgesehen erfahren zu dürfen. Doch das entspricht nun gar nicht der Neigung von Frau Schwund, auch nicht der Neigung der Mehrzahl ihrer Kommilitonen. Der Kurs sollte, so die unerbittliche Forderung, auf das rechte Maß hinunter gekürzt werden. Ich war beeindruckt und kündigte an, dies durch die zuständige Sachbearbeiterin der Universität überprüfen zulassen. Im Ergebnis war der Kurs dann in der Tat entsprechend zu verringern.

Doch das genügte Frau Schwund nicht, die diesen Erfolg sicherlich bereits vor Beginn der ersten Vorlesung absehen konnte. Denn auch an der täglichen Dauer der Kurstage störte sie sich empfindlich, und damit war sie unter ihren Kommilitonen nicht allein. Einen solch langen täglichen Praktikums-Teil wollte sich Frau Schwund nicht vorstellen müssen. Allerdings musste sie in diesem Anliegen trotz ihrer eisigen fordernden Blicke als Bittstellerin auftreten, denn die tägliche Stundenzahl entsprach exakt derjenigen, die von der Lehrveranstaltung erwartet wurde. Da ich zunächst entsprechend abweisend reagierte, sah sich Frau Schwund schnell gezwungen, andere Seiten aufzuziehen. Auf ein Zeichen von ihr hin fiel ein Großteil der Studenten in ihr Gezeter ein, so dass ich mich bedrängt fühlte und im Namen eines harmonischen Ablaufes zustimmte, den Praktikumsteil etwas zu verkürzen. Wahrhaft unglaublich, mag sich der Leser an dieser Stelle wohl denken. Doch dann kennt der Leser moderne Lehramtsstudenten noch nicht und insbesondere nicht Sabine Schwund. Denn noch vor Beginn meiner ersten Vorlesung kündigte ich an, über die Zeitdauer des gesamten Kurses hinweg gleich mehrere Exkursionen durchführen zu wollen.

Natürlich wusste ich längst, dass Lehramtsstudenten, vor allem, wenn sie bereits das Master-Niveau erreicht haben, für Inhalte ihres eigenen Lehrfachs eher nicht zu begeistern sind. Diese also durch anstrengende und unspektakuläre Exkursionen vertiefen zu wollen, kann nur zum Scheitern verurteilt sein. Also bot ich stets besonders attraktive Ziele an, um die Studenten zu ermutigen, sich in exklusivem Ambiente der Vertiefung ihrer Kenntnisse zur Ökologie und Evolutionsbiologie widmen zu können. So fanden in meinen Lehrveranstaltungen regelmäßige Sammelexkursionen ins „Tropical Islands“ statt, einer riesigen Wasser-Wellness-Freizeitanlage, die auch tropische Pflanzen in großer Zahl beinhaltet. Bekanntermaßen sind in der Einrichtung interessante kleine Organismen anzutreffen, die tropischen Ursprungs sind und über den internationalen Pflanzen-Versand verbreitet werden. Diese Organismen schaden niemandem, können auch nur innerhalb von Gewächshäusern überleben, sind aber aus biologischer Sicht oft sehr spannend. Als Beispiel hierfür sind die Zwerggeißelskorpione aufzuführen, die in der Einrichtung regelmäßig angetroffen werden können. Selbstverständlich war der Eintritt für Studenten frei. Außerdem war es erlaubt, nach Beendigung der offiziellen Exkursion privat im Tropical Islands zu verbleiben. Eine weitere Exkursion führte hinter die Kulissen des Berliner Naturkundemuseums oder in die Gewächshäuser des Botanischen Gartens, die ebenfalls eine tierische Artengemeinschaft tropischen Ursprungs zu verzeichnen haben. Im Sommer stand zudem eine Sammelexkursion in den Berliner Grunewald auf dem Programm. Hier galt es, sich dem komplexen Ökosystem eines Areals aus ehemaligen Kiesgruben zu widmen. Wer noch nie eine Ringelnatter, eine Blindschleiche und diverse Amphibien „in echt“ gesehen hatte, kam hier stets auf seine Kosten.

Und doch wurde mein Engagement, den Studenten mehr als üblich nahebringen zu wollen, keineswegs positiv gewürdigt. Schon erst recht nicht durch Frau Schwund, die sofort, nachdem die geplanten Exkursionen Erwähnung fanden, wusste, dass dies eine Überforderung von Lehramtsstudenten im Masterstudiengang darstellte. Also erkämpfte sich die wackere Sabine zusammen mit den ihr zur Seite stehenden Kommilitonen eine Exkursion weniger.

Doch bereits im Vorfeld hatte nicht nur Frau Schwund ein gutes Argument parat, um letztlich auch eine der noch verbliebenen Exkursionen schamlos schwänzen zu können. Denn irriger Weise gingen die Studenten dieser Kursreihe fast immer davon aus, ihnen stünde eine bestimmte Anzahl an Fehltagen per se zu. So nahmen also in jenem Semester nur 50 Prozent der Kursteilnehmer (also etwa 12 Studenten) an der Exkursion ins Tropical Islands teil.

Der Kurs wurde dann bei Ablauf des Semesters durch eine Klausur beendet. Und die unterschied sich stets deutlich von Klausuren anderer Lehrveranstalter im Institut. Denn das Multiple-Choice-Prinzip ist für mich indiskutabel, verhindert es doch, den Studenten zum Denken in klaren Zusammenhängen zu nötigen. Stattdessen war, sehr zum Missfallen von Sabine Schwund, neben Aufzählungen und Beschriftungen wissenschaftlicher Skizzen auch ein anderer Lösungsweg zu begehen: Fragen sollten in Form eines zusammenhängenden schriftlichen Textes beantwortet werden.

Die haarsträubenden Konsequenzen unseres desaströs schlechten Bildungssystems kamen hier nicht selten deutlich zum Ausdruck: Rechtschreibeschwäche, grammatikalische Unkenntnis der eigenen Sprache sowie die Unfähigkeit, in logischen Zusammenhängen zu formulieren, ließen meine Korrektur-Arbeiten häufig zu einem traurigen Erlebnis werden.

Heute sind Frau Schwund und ihre Kommilitonen von damals längst in deutschen Schulen unterwegs. Doch was können sie dort tatsächlich leisten, was sind sie imstande, unserem Nachwuchs zu vermitteln, mit auf den Weg zu geben?

Die inzwischen unter Lehrern verhassten Pisa-Studien zeigen im internationalen Vergleich eindeutig immer und immer wieder auf, dass nur wenig an die Schüler vermittelt wird. Die fehlende Allgemeinbildung der Erstsemester-Studenten an den Universitäten belegt dies zusätzlich, wie mir Kollegen immer wieder bestätigten.

Man darf von Lehrern, die einmal solche Studenten gewesen sind, wie ich sie oben beschreibe, auch nicht allzu viel erwarten. Im Grunde darf man von ihnen sogar nichts, absolut überhaupt nichts erwarten.

Da nutzt es gar nichts, dass wir derzeit so viele unterschiedliche Schulsysteme aufweisen können wie niemals zuvor. Denn auch bei herabgesetztem Autoritätsverhältnis zwischen Schülern und Lehrern kann nur dann der Lehrer dem Schüler ein rundes Wissen vermitteln, wenn er selbst auch über ein solches verfügt. Das ist aber oft nicht der Fall. Und die aktuelle Regierung scheint weit davon entfernt zu sein, diesen Zustand ändern zu wollen. Was durchaus nachvollziehbar erscheint, wenn man bedenkt, dass das Bildungsniveau selbst in den höchsten politischen Kadern derzeit eher nicht sehr hoch angesiedelt zu sein scheint.

Ein weitreichendes Bildungssystem, wie es Deutschland einmal besessen hat, würde wohl kaum Wähler hervorbringen, die ihr Kreuz für die aktuellen Regierungsparteien setzen würden.

Aber auch einer Regierung aus Bräsköpfen muss doch klar sein, dass Unbildung einer breiten Bevölkerung letztlich zu ökonomisch unvorteilhaften Konsequenzen führen muss.

Ich sehe das Problem an unseren Schulen nicht bei den Schülern und auch nicht in deren familiärem Umfeld. Die schlechte Schulbildung in Deutschland ist ganz alleine auf inkompetentes und unmotiviertes Lehrpersonal zurückzuführen. Dies wird zudem durch eine kontraproduktive und hilflose Politik gefördert.

Es besteht daher dringender Handlungsbedarf. Es müssen die richtigen Charaktere motiviert werden, sich für das Lehramt zu entscheiden. Nicht die Faulen und Hirnentleerten sollten auf unseren Nachwuchs losgelassen werden. Nur die richtigen Arbeitsvoraussetzungen werden dazu führen, bereits im studentischen Vorfeld die Spreu vom Weizen zu trennen.

Lehrer müssen bei Fehlverhalten, nachweislicher Inkompetenz und ungewöhnlicher Urlaubsfreudigkeit unkompliziert kündbar sein, so wie in anderen Berufen auch. Daher muss der Beamtenstand für Lehrer deutschlandweit vollständig abgeschafft werden!

Zwar haben sich bereits einzelne Bundesländer, wie zum Beispiel Berlin, dazu entschieden, entsprechende Schritte einzuleiten, doch dies bleibt ohne Erfolg, solange der Umweg über andere Bundesländer ins Beamtentum noch möglich ist. Üblich ist es beispielsweise, den fehlenden Beamtenstatus in Berlin zu umgehen, in dem man sich über Hamburg anstellen und dann nach Berlin versetzen lässt.

Doch nicht nur unkündbares Lehrpersonal belastet unseren Nachwuchs. Auch ausgeprägte Renitenzen bezüglich der Verweigerung, an regelmäßigen Fortbildungen teilzunehmen, verschlimmern die fehlende Wissensvermittlung durch Lehrer an ihre Schüler. Daher sind solche Lehrer, die die Ferienzeiten ihrer Schüler als eigene Urlaubszeiten betrachten, umgehend fristlos zu entlassen.

Leider sind für viele Lehramtsstudenten die guten Verdienstmöglichkeiten im Zusammenhang mit häufigen Urlaubszeiten ein großer Ansporn, diesen Berufsweg überhaupt einschlagen zu wollen. Dies ist unter anderem auch dadurch zu verhindern,  Lehrergehälter auf ein vernünftiges Maß zu kürzen.

Im Beamten-Stand verdient ein Gymnasiallehrer (abhängig von der konkreten Besoldungsstufe) netto mindestens um die 2800-3000 Euro. In Ländern wie Sachsen oder Berlin, in denen Lehrer nicht mehr verbeamtet werden können, liegt das Gehalt deutlich niedriger. Ein Einstiegsgehalt von netto um 1900 Euro ist für Lehrer weiterführender Schulen offenbar nicht ungewöhnlich.

Ich sage: Wer Reichtum anstelle fleißigen Engagements anstrebt, ist im Lehrberuf Fehl am Platze. Derjenige sollte lieber mit Aktien spekulieren oder eine Manager-Laufbahn in einer Bank absolvieren.

Der Blick auf einschlägige Internet-Foren zeigt klar, wofür sich angehende Lehrer interessieren: die Höhe der Gehälter in den verschiedenen Bundesländern, die Anzahl an Schulferien-Tagen sowie die Möglichkeit der Verbeamtung. All diese Anwärter auf das Lehramt müssen bei ihren Recherchen bereits im Vorfeld so sehr enttäuscht werden, dass sie sich für Tätigkeiten in anderen Berufsfeldern entscheiden. Nur hochmotivierte Idealisten können ein Bildungssystem voran bringen!

Wenn es dann auch noch gelingt, die zahlreichen Pädagogik-Veranstaltungen, die angehende Lehrer während ihres Studiums zu absolvieren haben, stark zu reduzieren, und zwar zugunsten der fachlichen Ausbildung, wird man feststellen, dass sich ganz andere Persönlichkeiten berufen fühlen, ihr Leben dem Lehramt zu widmen. Bessere Leute werden dies sein, die Freude an der Vermittlung von Wissen haben und eben nicht nach luxuriöser Faulheit streben. Wer aus Überzeugung und Begeisterung für das eigene Fach Wissen an Heranwachsende vermitteln möchte, wird automatisch nach etwas Übung dabei auch pädagogisch überzeugen. Überbordende Schwerpunkte der Lehramtsstudenten im Bereich der theoretischen Pädagogik sind redundant.

Auch die neueste Pisa-Studie fällt ernüchternd für Deutschland aus, und das, obwohl leichte Fortschritte hervorgehoben werden. Die Förderung leistungsschwacher Schüler habe sich nämlich immerhin verbessert. Dies ändert jedoch offenbar nichts daran, dass Schüler allgemein auch einfachste Aufgaben nicht zu lösen imstande sind (Quellen: z. B. Berichte der „Tagesschau“).

Ein Regierungswechsel (nach links, nach deutlich links!) scheint mir deutlich angeraten, um Deutschland nicht in einer breitgefächerten Bildungsarmut versumpfen sehen zu müssen.

Copyrights Stefan F. Wirth, 2016

Warum Flüchtlinge in Deutschland ein Recht auf freundliche Behandlung verdienen und durch Wirtschaftsflüchtlinge dem deutschen Steuerzahler keine dauerhafte Gefahr droht

Ich reise viel, meist aus beruflichen Gründen. Daher weiß ich, wie es sich anfühlt, Gast in einem fremden Land zu sein. Oft bin ich dauerhaft auf die Gastfreundlichkeit in anderen Kulturkreisen angewiesen und mache die Erfahrung, dass mir diese auch stets freundlich entgegen gebracht wird.

Selbstverständlich kann dies nur erwarten, wer die Bereitschaft besitzt, sich den Gegebenheiten anzupassen. Dies jedoch wird den Flüchtlingen, die Deutschland derzeit in großer Zahl erreichen, von vielen pauschal abgesprochen. Es gibt zwar keine Fakten, die diese Vorurteile fremdenfeindlicher deutscher Bürger zu begründeten Anschuldigungen machen. Doch das scheint wenig von Belang für all diejenigen zu sein, die schon immer mit sich selbst unzufrieden waren und nun nach schwächeren Sündenböcken für das eigene verpfuschte Leben suchen.

Nur sehr selektiv interessiert sich der kleingeistige deutsche Wutbürger für die Verwendung seiner Steuergelder. Häufig fürchten sogar insbesondere diejenigen Steuerzahler eine Veruntreuung ihrer Abgaben, deren Steuerleistung aufgrund eines dauerhaften Arbeitslosengeld-II-Bezuges kaum der Rede wert ist.

Vieles geschieht mit Steuergeldern in diesem Land, das kritikwürdig ist, aber kaum je Kritik erfährt. Dies liegt in der tumben Bräsigkeit vieler Bürger begründet, die sich nur dann den Mund zerreißen, wenn ihnen die Medien entsprechende mundgerechte Häppchen vor die Nasen setzen.

Die sozialen Netzwerke schäumen über vor unreflektiertem Unfug. Äußerungen wie „bevor Du Gäste in Dein privates Zuhause einlädst, überlegst du Dir doch auch, ob Du Dir das überhaupt leisten kannst“ oder „die können sich doch alle Handys leisten, was wollen die also hier?“ lassen mir vor Entsetzen und Fremdscham regelmäßig die Nachkenhaare aufrecht stehen.

Deutschland ist seit jeher ein Land, dessen Bevölkerung sich aus verschiedenen Kulturen zusammensetzt, die meist miteinander harmonieren konnten. Wer will denn heute  noch ernsthaft die Nachkommen all derjenigen Gastarbeiter, die in den 1960-er und 70-er Jahren in Deutschland dringend benötigt wurden, verunglimpfen? Das wäre doch absurd, zahlen doch viele von ihnen heute längst mehr Steuern als mancher Deutsche. Auch Muslime tragen mindestens seit jenen Zeiten mit dazu bei, dass unsere Gesellschaft reichhaltiger geworden ist.

Und dennoch muss leider manchmal auch davon berichtet werden, dass gewisse muslimische Mitbürger die Aufklärung, die Freiheit und die hart erkämpften Menschenrechte in Deutschland mit Füßen treten, und dadurch sogar nicht selten schlicht gegen das deutsche Grundgesetz verstoßen. Dies darf natürlich nicht hingenommen werden, ganz im Gegenteil muss unsere freie und demokratische Gesellschaft rigoros seine modernen Werte verteidigen. Das steht immer außer Frage.

Dennoch ist es inakzeptabel, unter verschiedenen Deckmänteln der Ausländerfeindlichkeit zu frönen, zu verallgemeinern, zu pauschalisieren und zu diffamieren.

Unwillkürlich gelangt man in solchen Diskussionen zur Thematik der Religionen. Ich halte alle Religionen für gleichermaßen gefährlich, denn ihr Feind ist die Bildung, ihr Feind ist auch die Kritikfähigkeit. Religionen funktionieren dann am besten, wenn den Gläubigen ihre Mündigkeit vorenthalten werden kann. Religionen sind Machtinstrumente, die sich mit allem, nur nicht dem Jenseits befassen.

Doch zu kritisieren ist in diesem Zusammenhang nicht allein der Islam. Zwei Jahrtausende lang war man beispielsweiser als männlicher Homosexueller, der seine erotische Neigung frei ausleben wollte, ohne Diskriminierungen und eingeschränkte Karrierewege befürchten zu wollen, bestens damit beraten, in einen katholischen Orden einzutreten. Das sogenannte „Zölibat“ war in Wirklichkeit stets ein Deckmantel für ein homoerotisches Leben, das in der Öffentlichkeit zu Unrecht als sittenwidrig galt, als nicht gottgefällig diskriminiert wurde. Es waren die katholischen Mönchsorden schon immer elitäre Geheimbünde, exzentrische Erotikgemeinschaften im Namen eines Gottes, die über schier unmenschliche Reichtümer verfügten. Daran haben auch die Orden, die vorgeblich die Armut predigten, nichts geändert. Religionen sind immer rein weltlicher Natur.

Und doch sind die Religionen nur als Institutionen scharf zu kritisieren. Vorbehalte gegen ihre Anhänger dürfen niemals als Scheinargument für tatsächlichen Menschenhass dienen. Diejenigen nämlich, die andere mit blinder Wut übersäen, hassen in Wahrheit sich selbst für ihre Inkompetenz, ihre Talentlosigkeit, ihren beschränkten Intellekt und ihre allgemeine Hilflosigkeit, im eigenen Leben einen Sinn zu finden.

Eben jene Eigenschaften, Frustration, Depression, Selbsthass, das Empfinden eines unerfüllten Lebens, sind aber oft die Ursachen für ablehnende Reaktionen, die Flüchtlinge in Deutschland erdulden müssen. Wahre Flüchtlingsströme scheinen nämlich derzeit das Land zu überfluten. Und doch droht hierdurch keine Gefahr. Allerdings ist die kritische Frage nach den Ursachen, die ausgerechnet Deutschland zum beliebtesten aller Flüchtlingsziele gemacht haben, durchaus mehr als legitim.

Flüchtlinge nehmen alle denkbaren Strapazen auf sich, um auf unerhörten Umwegen letztlich nach Deutschland gelangen zu können. Warum nur, wenn nicht, weil Deutschland schlicht die falschen Signale setzt, sich mit einer erlogenen Fassade der Welt präsentiert, die im Ausland den Eindruck erweckt, als sei dies ein Land, in dem Milch und Honig fließen.

Die Wahrheit ist: Deutschland ist reich, und doch hat die breite Bevölkerung kein Geld. Die Lebenshaltung ist in vielen Bereichen geradezu unverschämt teuer. Das wird einen Großteil jener Flüchtlinge, die durch vorwiegend wirtschaftliche Interessen beflügelt wurden, sehr rasch enttäuschen, ja vermutlich geradezu bestürzen. Insbesondere solche Gäste müssen wir daher besonders freundlich und hilfsbereit empfangen. Denn sie sind keine potentiellen Täter, sondern vielmehr Opfer deutscher Großkotzigkeit. Selbstverliebtes Auftreten nach außen, internationale Machtdemonstrationen und skrupellose Vertuschung der eigenen stetig zunehmenden sozialen Verelendung werden nicht dauerhaft über die wahren Zustände im Land hinweg täuschen können.

Sklavenarbeit war hier bis Anfang 2015 noch völlig legal. Erst danach wurde der sogenannte Mindestlohn eingeführt. Noch heute müssen Praktikanten häufig hinnehmen, schwere Arbeit ganz ohne finanzielle Vergütung zu verrichten.

Flüchtlinge dürfen in Deutschland maximal mit Einkünften in Höhe des Regelsatzes nach ALG II rechnen. Dieser beträgt derzeit 399 Euro und soll zum 01.01.2016 auf 404 Euro erhöht werden. Insbesondere Alleinstehende erwarten trotz dieses geringen Aufschlages auch weiterhin starke Einbußen in der Lebensqualität, mit denen sie gerade in Deutschland sicher nicht gerechnet hätten.

Zwar werden vom Staat auch die Kosten für eine Unterkunft übernommen. Aber der ALG II Regelsatz erlaubt es Alleinlebenden nur schwerlich, einen Monat gut zu überstehen.

Ein gutes und frisches Brot kostet in Deutschland zwischen 6,20 € und mehr als 10 €. Hiervon benötigt eine einzelne Person, die sich gesund ernähren möchte, zwei Leiber pro Woche. Gehen wir vom genannten Höchstpreis aus, verschlingt der monatliche Bedarf allein an Brot um die 80 Euro. Ein passender Belag ist darin jedoch noch nicht enthalten. Käse, beispielsweise ein „Gouda jung am Stück“, kostet ab 5, ein Rinderhüftsteak (375 g) sogar mindestens 6 Euro. Ein namhafter Dresdner Christmas Stollen schlägt mit um die 30 Euro ins Leder. Für ein Kabeljau-Filet sind luxuriöse 17 Euro zu berappen. Eine Biosalami kann in Deutschland schon einmal 35 Euro wert sein. Ein Postpaid-Handyvertrag kostet einschließlich notwendiger Flatrates mindestens 30 Euro monatlich, ein Festnetz-Internetzugang noch einmal dasselbe.

Auch der Besuch einer deutschen Apotheke kann einen unkundigen neuen Staatsbürger in Angst und Schrecken versetzen. Stolze 10 Euro blättert man für ein kombiniertes Arzeimittel gegen grippale Infekte hin. Nicht deutlich günstiger ist eine Standard-Packung des Schmerzmittels Ibuprofen 400. Wer gar ein Antibiotikum benötigt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Im Land des überbordenden Kapitalismus ist das Leben für die Mehrheit der Bevölkerung kein Zuckerschlecken mehr. Ein „Billigflug“ von Berlin nach Saarbrücken kostet einfach um die 350 Euro. Für denselben Preis gelangt man von Berlin nach Sibirien und gleich auch noch einmal zurück. Der Extremkapitalismus hebelt sich in Deutschland zunehmend selbst vom Sockel.

Während die deutsche Kanzlerin monatlich brutto fast 16000 Euro einstreicht (und sich offenbar trotzdem keinen Rhetoriklehrer leisten kann), verdient ein Friseur netto 800 bis 1000 Euro bei Vollzeitanstellung. Das Einstiegsgehalt einer Bäckereifachverkäuferin beträgt in etwa dasselbe. Ihr Ausbildungsgehalt beläuft sich allerdings im ersten Ausbildungsjahr auf nur etwa 600 Euro (ich fürchte brutto). Der Mauerer erreicht dagegen immerhin ein Einstiegsgehalt von etwa 1200 Euro netto, muss dafür aber im ersten Ausbildungsjahr hungern, und zwar mit etwa 700 Euro monatlich.

Ein Assistenzarzt im ersten Jahr verdient in einem Krankenhaus an die 3000 Euro netto. Ein deutscher Jurist gehört ebenfalls zu den wenigen Gewinnern des modernen Superkapitalismus. Ein Bruttogehalt als Rechtsberater eines Unternehmens kann schon einmal bei 7000 Euro brutto angesiedelt sein.

Deutschland ist eine Zweiklassengesellschaft, in der die Armen nichts zu lachen haben. Und zu denen werden sich auch die neuen Bürger hinzugesellen müssen.

Die schrecklichen Gewaltorgien durch muslimische Radikalisten, die die Welt seit Oktober 2015 erneut in Atem halten (23. 10. Anschlag auf eine Moschee in Nigeria mit 28 Toten, 31.10 Bombenexplosion in einem russischen Passagierflugzeug mit 224 Toten, 13.11. Angriffe im Zentrum der französischen Hauptstadt Paris mit 130 Toten, 20.11. Geiselnahme in Malis Hauptstadt Bamako mit 22 Toten) werden nun, wen wundert es, zunehmend instrumentalisiert, um zusätzliche Stimmung gegen Flüchtlinge zu entfachen.

Doch diese Hilfe-Suchenden verdienen nicht nur deswegen das gesamte Repertoire unserer Gastfreundschaft, weil wir schlicht ein freundliches Land sein wollen. Wir haben als westlicher Bündnispartner sogar die Pflicht, mit unserer Hilfsbereitschaft für diejenigen Schäden aufzukommen, die die Westmächte, allen voran die USA,  im nahen Osten vorsätzlich verursacht haben.

Wer westliche Interventionen in arabischen Ländern, insbesondere dem Irak, neutral, aber konsequent beurteilen möchte, kann beispielsweise nicht umhin, eindeutige Angriffskriege durch die USA gegen den Irak einzuräumen. Der Hass, der sich daraufhin in Teilen der geschädigten Regionen ausgebildet hat, sollte daher nicht allzu sehr verwundern.

Nun ist es zwar leicht gesagt, dass der islamische Terrorismus in Teilen eine Schöpfung des Westens ist, andererseits muss dennoch die Frage erlaubt sein, wie gegen diese immer weiter um sich greifende Gewaltbereitschaft aus Gruppierungen des Nahen Ostens vorgegangen werden sollte. Kriege alleine können meiner Ansicht nach den Terror nicht besiegen. Die Unterstützung der Terrorgruppen in den dortigen Bevölkerungen ist schlicht zu groß. Neue Extremisten-Verbände würden schnell aus dem Boden spießen, da die Ursachen für die tief sitzenden Missstimmungen nicht durch immer weitere Gewaltakte seitens westlicher Großmächte ausgeräumt werden können.

Die USA und ihre Bündnispartner müssen endlich damit aufhören, nach antikem Vorbild weltweite Expansionen anzustreben.

Drastischere Worte hierzu fand der emeritierte Professor für Linguistik und Intellektuelle Noam Chomsky, der in einem Fernsehinterview nicht im IS die international bedeutsamste Terrororganisation sieht, sondern stattdessen vor allem Die USA beschuldigt, die Welt unentwegt mit globalen Terrorakten zu traktieren (Interview euronews: https://www.youtube.com/watch?v=Jm3fiiBMZ9w).