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Kategorie: Kreationismus

Tod den Naturwissenschaften – Es lebe „Inter“? Warum das individuelle Geschlechtsempfinden zwar staatlichen Schutz verdient, jedoch nicht zum biologischen Fakt erhoben werden darf

Im letzten Jahr bereits beschließt das Bundesverfassungsgericht, dass es in Deutschland als Diskriminierung anzusehen sei, wenn von Bürgern verlangt werde, sich in offiziellen Dokumenten entweder dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen. Konsequenter Weise entschied der Bundestag nun, dass etwa im Zusammenhang mit Wahlunterlagen neben der Einordnung in männlich oder weiblich als dritte Möglichkeit „divers“ eingeräumt werden solle.

 

Geburten ohne eindeutige Geschlechterzugehörigkeit

 

Klingt absurd, ist aber nicht aus der Luft gegriffen, denn in der Tat ist es biologischer Fakt, dass statistisch bei etwa einer von tausend Geburten beide Geschlechtsmerkmale gleichzeitig ausgebildet sind. Aufgrund dieser äußerlich klar nachweisbaren Merkmalszusammensetzung ist der betroffene Mensch weder ein Mann noch eine Frau. Das bereits seit der Antike gut bekannte Phänomen wird umgangssprachlich daher auch etwa als „Zwitter“ oder „Hermaphrodit“ bezeichnet. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind jedoch beide Begriffe unzutreffend. Hermaphroditismus ist in der Pflanzen- und Tierwelt nämlich ein durchaus häufig auftretendes Phänomen. Per Definitionem wird aber vorausgesetzt, dass betroffene Individuen reproduktionsfähig sind. Dies ist bei Menschen, die mit beiderlei Geschlechtsanlagen auf die Welt kommen, hingegen nicht der Fall.

Ein echter Hermaphrodit: der Regenwurm. Copyrights Stefan F. Wirth

 

Es war bislang übliches Procedere, dass Menschen mit beiden Geschlechtsanlagen im selben Körper noch im Kleinkindalter einer sogenannten geschlechtsangleichenden Operation unterzogen wurden. Dabei wird das in Folge äußerlich auszumachende Geschlecht häufig nach rein pragmatischen Überlegungen ausgewählt, nämlich gemäß der leichteren medizinischen Praktikabilität in Bezug auf den Prozess des operativen Eingriffs. Damit geschieht den Betroffenen möglicherweise Unrecht. Dass überhaupt die Entscheidung getroffen wird, Menschen ohne eindeutige Geschlechtsanlagen auf eine männliche oder weibliche Erscheinung umzuformen, wird mit psychologischen Argumenten begründet. So könne sich ein betroffenes Kind leichter in eine Welt einleben, die durch zwei klar unterscheidbare Geschlechter dominiert werde. Obwohl mir dieser Ansatz sehr plausibel erscheint, liegt eindeutig eine Diskriminierung derjenigen vor, deren Eltern sich entweder gegen die frühzeitige geschlechtsangleichende Operation entschieden haben oder die nach Erreichen der gesetzlichen Mündigkeit die Entscheidung treffen, diese wieder rückgängig machen zu lassen.

Der Entschluss des Deutschen Bundestages ist daher richtig, wird allerdings einem Phänomen gerecht, das nur selten auftritt.

 

Einfluss sozialer und psychischer Faktoren auf die Geschlechterbestimmung?

 

Erwartungsgemäß wird die Thematik jedoch politisch instrumentalisiert. Etwa vom Lesben- und Schwulenverband LSVD, dessen Vorstand, Henny Engels, zu dem Schluss kommt „, dass sich das Geschlecht nicht allein nach körperlichen Merkmalen bestimmen lässt, sondern von sozialen und psychischen Faktoren mitbestimmt wird“. Dies ist faktisch falsch und mit den Kenntnissen der modernen Naturwissenschaften nicht in Übereinstimmung zu bringen. Zwar ist es Fakt, dass es vergleichsweise häufig vorkommt, dass Menschen an sich selbst subjektiv ein anderes als ihr biologisches Geschlecht wahrnehmen, dies hat jedoch keinen Einfluss auf das faktische biologische Geschlecht. Eine biologische Frau etwa, die sich jedoch männlich oder „inter“ fühlt, bleibt faktisch zumindest dann ganz eindeutig Frau, wenn sie weiterhin empfängnis- und gebärfähig ist. Führt diese Person beispielsweise eine geschlechtsangleichende Operation zum Mann durch, handelt es sich de facto um eine Frau, die infolge eines medizinischen Eingriffs juristisch zu einem Mann geworden ist. Das Geschlecht kann aus biologischer Sicht nicht gewechselt werden. Es handelt sich lediglich um eine körperliche Angleichung, die der psychischen Wahrnehmung der betroffenen Person gerechter wird. Dass es diese Möglichkeiten gibt, ist richtig. Dass Betroffene durch Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze geschützt werden müssen, erst recht.

menschengemischt

Verschwimmen die Geschlechtergrenzen? Copyrights Stefan F. Wirth

 

Auch ist zu strikter Biologismus zu kritisieren, zum Beispiel dann, wenn es um die Frage geht, ob es sich bei einem Menschen, der mit der körperlichen Ausstattung einer Frau geboren wurde und sich auch weiblich fühlt, jedoch aus welchen Gründen auch immer unfruchtbar ist, um eine biologisch „vollwertige“ Frau handelt. Wäre der Ansatz aus wissenschaftlicher Sicht eventuell zwar vertretbar, würde er der Lebensrealität moderner Gesellschaften allerdings nicht einmal im Ansatz gerecht werden. Allzu schnell gelangte man zu Denkweisen, die nur als unmenschlich bezeichnet werden können  und beispielsweise integraler Bestandteil des menschenverachtenden Systems des Nationalsozialismus gewesen sind.

Es ist daher allgemein grundsätzlich richtig, nicht nur im Alltag, sondern auch per Gesetz der individuellen Selbstwahrnehmung und Selbstbestimmung ein Stück weit Rechnung zu tragen. Es ist dabei allerdings äußerste Vorsicht geboten. Grenzen müssen eingehalten werden. Ließe sich die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht künftig durch ein Individuum willkürlich festlegen, käme das dem Niedergang der Naturwissenschaften und somit dem inzwischen Jahrhunderte alten Geist der Aufklärung gleich.

 

Zukunft der Naturwissenschaften

 

Was sollte denn dann der Biologie-Lehrer seinen Schülern, was der Biologie-Professor seinen Studenten vermitteln? Dass die Geschlechterdeterminierung im Tierreich allgemein Folge naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten sei, es sich beim Menschen jedoch um eine Glaubensangelegenheit handele? So weit dürfen wir nicht kommen! Daher ist es aus meiner Sicht bereits ein falscher Weg, dass die geplanten Reformen der großen Koalition vorsehen, dass in bestimmten Ausnahmefällen kein ärztliches Attest, sondern eine eidesstattliche Versicherung des Betroffenen ausreichen solle.

 

Das naturwissenschaftliche Verständnis der AfD

 

Das Thema erhitzt die Gemüter. Und so fühlen sich nicht nur eher linke Verbände zu kritischen Äußerungen genötigt. Auch das rechte Lager wittert umgehend ein Podium, um politisch konservatives Gedankengut zu verteidigen. So äußert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD: „Die Geschlechtszugehörigkeit ist seit Bestehen der Menschheit ein objektives Faktum – so wie Alter und Körpergröße auch.“ Ein objektives Faktum ist vielmehr, wie sachlich unzutreffend diese Äußerung ist. Die Stellungnahme der Frau von Storch verwundert allerdings auch nicht weiter, hat sie doch bereits an anderen Stellen ihr fragwürdiges naturwissenschaftliches Verständnis vorgeführt, etwa, als sie in einem Interview forderte, es müsse erst einmal bewiesen werden, dass der Mensch Einfluss auf die zunehmende Klimaerwärmung ausübe.

Copyrights Stefan F. Wirth, Berlin Dezember 2018

 

 

Fall aus Rendsburg: Dürfen Schulen ihre Schüler zum Besuch von Kirchen nötigen?

Medienberichten zufolge hat das Amtsgericht Meldorf in Schleswig-Holstein die Eltern eines dreizehn-jährigen Jungen zu einem Bußgeld in Höhe von zwei mal 25 Euro wegen eines vorsätzlichen Verstoßes gegen das Schulgesetz verurteilt. Der verhandelte Fall ereignete sich bereits in 2016: Aufgrund der Befürchtung einer religiösen Indoktrination hatten die Eltern ihrem Sohn die Teilnahme an einer Moschee-Besichtigung, die von der organisiert wurde, untersagt.

Gemäß den Einlassungen des väterlichen Anwalts sei der Besuch der Moschee als Religionsunterricht eingestuft worden, zu dessen Teilnahme keine Verpflichtung bestehe. Die Eltern seien jedoch Atheisten und befürchteten durch den Schulausflug eine religiöse Beeinflussung ihres Sohnes. Darüber hinaus kritisiere man allgemein einen „Umbau“ der Bundesrepublik in eine „multikulturelle Wertegesellschaft“.

Das Gericht folgte diesen Einschätzungen jedoch nicht. Werbung für den Islam habe es nicht gegeben, weswegen der Moschee-Besuch dem Schüler zumutbar gewesen sei. Das Gericht ließ jedoch die Möglichkeit einer Rechtsbeschwerde zu. Es berichteten unter anderem die Kieler Nachrichten.

Die Schule selbst legte dar, dass Religionsunterricht nur dann vorliege, wenn Religionen als „wahr“ dargestellt würden, dies sei aber hier nicht der Fall gewesen.

Spiritualität und Gottesglaube haben menschliche Kulturen seit jeher erheblich beeinflusst. Viele menschliche Errungenschaften stehen im engen Bezug zur Religiosität. Man denke in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Architekturgeschichte, und das weltweit und keineswegs nur im europäischen Raum. Generell gilt: Wenn wir eine Kultur verstehen wollen, das betrifft auch längst vergangene Kulturen, ist das Verständnis des spirituellen Lebens von zentraler Bedeutung. Denn in den meisten Kulturen der Welt gibt und gab es keine Unterscheidung zwischen Weltlichkeit und Glaube.

Daher kann der Besuch auch eines aktiven Gotteshauses in unserer Zeit, welcher Religion auch immer zugehörig, eine Bereicherung sein, die das allgemeine Bildungsniveau erhöht. Ich beispielsweise besuche als religionsloser Wissenschaftler und Künstler gerne Kirchen, insbesondere alte und geschichtsträchtige Gebäude. Dabei beeindrucken mich nicht nur die Entwicklung architektonischer Errungenschaften, sondern natürlich auch die der bildenden Kunst. Zudem weisen Gotteshäuser häufig besondere akustische Eigenschaften auf, die jedes Konzert zu einem wahren Erlebnis werden lassen.

Und dennoch stellt sich die Frage, ob es Bürgern im Deutschland des 21. Jahrhunderts frei stehen sollte, ob sie eine Kirche betreten möchten oder nicht. Indoktrinieren aktive Gotteshäuser nun per se, oder tun sie das nicht? Jede aktive Kirche in moderner Zeit ist darauf aus, Gläubige an sich zu binden. Daher konfrontiert eine Kirche immer jeden Besucher mit Ansätzen der Beeinflussung, also der Indoktrination.

Anders als in fast allen vergangenen und der Mehrheit moderner Kulturen sind im modernen Deutschland Glaube und Weltlichkeit strikt voneinander getrennt, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob dies der Kanzlerin bekannt ist. Es ist daher aus meiner Sicht nicht zu vertreten, dass Menschen gegen ihren Willen zum Kirchgang verpflichtet werden. Ein Bildungsdefizit hierdurch ist heutzutage längst nicht mehr gegeben. Die digitale Revolution macht es leicht möglich, Aspekte kirchlicher Kunst oder Architektur auch virtuell in hinreichender Qualität erleben zu können. Daher ist mir die hier vorliegende gerichtliche Entscheidung zur Gänze nicht nachvollziehbar.

Die Welt und unser Bildungsniveau leiden derzeit unter einer ganz neuartigen Welle religiösen Wahns. Der fanatische Islamismus mag eine Ausprägung davon sein, die verschiedenen Facetten ursprünglich christlicher Schöpfungsmythen sind jedoch mit Sicherheit eine andere, und zwar eine nicht unbedingt minder bedrohliche. Vorwiegend aus den USA kommend stellen Kreationismus und Intelligent Design Wissen und Erkenntnisse aus den seriösen Wissenschaften der letzten zweihundert Jahre in Frage. Gläubigen wird so geschickt die Befähigung zur selbstständigen Hinterfragung von Sachverhalten des täglichen Lebens genommen. Das macht Menschen zwar leichter kontrollierbar, der Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung jedoch wird erheblich beeinträchtigt.

Dabei müssen spirituelle Glaubensdogmen in heutiger Zeit keineswegs deutlich sichtbar das Etikett einer Religionsgemeinschaft tragen. Ein Beispiel hierfür sind bestimmte Denkansätze des Gender-Mainstreamings, die unter anderem den genetisch und hormonell determinierten Geschlechtsdimorphismus beim Menschen bestreiten. Es handelt sich um Pseudo-Naturwissenschaften, basierend auf Glaubensentwürfen, die derzeit in Deutschland zum Nachteil der echten Naturwissenschaften mit erheblichen Forschungsgeldern ausgestattet werden.

Es ist besonders vor diesem Hintergrund hervorzuheben, dass die Aufgabe unserer Schulen vor allem darin besteht, Wissen und nicht Glauben zu vermitteln, um beispielsweise seriösen wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen. Doch diesem Bildungsauftrag kommen deutsche Schulen bereits seit Jahren nicht mehr hinreichend nach. Es hapert bei jungen Studenten mitunter ganz erheblich an jeder grundlegenden Allgemeinbildung, wovon ich mich als universitärer Dozent immer wieder überzeugen konnte.

Gerade in diesem Zusammenhang erscheint mir der hier verhandelte Fall als lächerliche Farce, die aus meiner Sicht die Seriosität deutscher Schulen an sich in Frage stellt.

Das soll allerdings nicht bedeuten, dass ich den Ausführungen der väterlichen Seite bei Gericht folgen möchte, denen zufolge Deutschland sich im Umbau hin zu einer multikulturellen Wertegesellschaft befinde. Als seien multikulturelle, also durch verschiedene Ethnien geprägte Gesellschaften etwas Besonderes. Ohne die permanente Vermischung von Populationen hätte nämlich der moderne Mensch die letzten 300 000 Jahre aufgrund der Notwendigkeit genetischer Vielfalt nicht überleben können.

Berlin, Juli 2018

Copyrights Stefan F. Wirth

 

 

 

The mite Histiostoma blomquisti and creationism in Louisiana/ USA

New Orleans is a dynamic and a very lively city, a city full of freedom and tolerance, a city of life style and of a unique cuisine. A mix-up of ethic groups and cultures, New Orleans, the modern city, a world metropolis.

But this is not Louisiana, it is an island, an exception, New Orleans is not even the capital of this Southern Federal State. The rest of Louisiana is landscape, swamps, wetlands, pine woods, red sand, even a Red River, harmless snakes and a touch of music, not any kind of music, Louisiana is the birthplace of Jazz.

LA is unfortunately also home land of a strict two class society, with the white race in a top position and the native Americans and the blacks on a level much further below. The latter inhabit usually the so called „no go-areas“. That’s where poverty lives, where a permanent existential emergency dominates the daily routine, and yes, where based on all this distress also criminality finds a new home again and again.

It’s a land, where racism is still alive, where colored people take over the minor jobs, while the whites reign over in high positions. A land of injustice, of inconsistency, a land of religious fanaticism.

Nevertheless, beauty can be found everywhere. When the setting sun illuminates the colorful water of the Red river or shines on lying around rusty metal scrap, then a  spectacle of glowing colors blinds the eyes of the audience. When I walked across the fields and forests, then I found an inspiring silence, a flood of harmonic nature impressions, giant millipedes of Polydesmida hiding under freely lying stone chunks, butterflies colonizing rotting fruits and fluttering with a gentle noise in the air, colorful water turtles taking their sun baths around ponds, and under suitable weather conditions I witnessed wedding celebrations of a very special kind: winged ants rose in the air to mate for their first and only time.

The most common ant species is the Red Imported fire Ant, Solenopsis invicta, a fascinating social insect, but far away from being native to Louisiana. It is a so called invasive species, which was transferred to the Southern US via ballast substrate of ships coming from Southern America. The high frequency of ant colonies in Louisiana makes that species to a worthwhile research object, and even especially being an unwelcome invader, which needs to be better understood to successfully be fought.

As most known ant species, also S. invicta is characterized by hosting a remarkable number of non-ant-inhabitants in their nests, for example mites. One mite species attracted a special attention due to its habit to appear in great numbers on winged ant females and rarely also on their males. Nobody was competent to describe it taxonomically, but I was, that’s why I travelled in 2009 to the Southern Research Station of the USDA Forest Service in Pineville, funded by the German DFG (German Research Foundation). I was very friendly and courteously hosted by the 80 years old colleague John C. Moser, who supported my research by providing access to a microscope and preparation equipment. Although he did not participate directly in my taxonomic work, I honored his contributions of ideas and his interest in my work by offering him a co-authorship.

After the species description was already almost finished and the discussion was about the species‘ name, he unexpectedly insisted in the epitheton „blomquisti“, to honor his assistant Stacy Blomquist. Although he surely was depending on her young dynamic power, I was certainly not amused about this choice. Mrs. Blomquist appeared me being too much involved into the kind of spiritual devoutness, which seemed me to be typical for the whole land. But there was no way out, the species was finally named Histiostoma blomquisti Wirth & Moser, 2010. As a consequence, my name would be forever  connected with hers, an immutable fact. But I still have the freedom to emphasize that I until today think that a biological assistant without a high and internationally well known scientific reputation never deserves a species being named after her. I additionally insist in the fact that I unsolicited would never honor somebody I consider a religious activist with my scientific work. Thus I announce herwith my strict distance to Mrs. Blomquist, who accidentally became namesake of my species.

As all Southern US-States, Louisiana is a land dominated by the creationism, being part of the so called bible belt. I was told that the separation between blacks and whites even goes thus far that there exist black and white churches, but I experienced for sure that Chinese inhabitants are priviledged to be considered white, thus visiting the white churches.

Once I was invited to a private video evening. It was organized by a Chinese assistant of the research institute and a white colleague of him, a hobby marathon runner. They presented the 2003 US/ German/ British co-production „Luther“ with Joseph Fiennes in the main role. Directed by the British Eric Till, this very average movie with a Martin Luther, attractive, slim, completely unlike the historical original, fat with a strong penchant for alcohol, was a strange choice for me as a cineaste, but I expected an entertaining popcorn evening with discussions about good and bad movies. But what I then witnessed was very unexpected.

It was so silent that I could hear the air breath, the flies buzzing around, a mysterious expectation filled the room, while my two hosts stared to the screen, awaiting the first appearance of „Martin Luther“ with religious reverence and deistic adoration. I landed in a private divine service, and when Joseph Fiennes appeared for the first time, both raised their arms ecstatically into the air, praising Luther as the great only one. It kept going on like this, no popcorn for me, but very frequent cigarette breaks instead, I fled outside as often as I could.

It is a well known phenomenon that in areas of unjustice worldwide natives tend to protect their own conscience with an unfounded belief to stand under a special supervision by a god. Only a god of immorality and misanthropy claimes to have created the planet and all life on it within six days, only such a god supports the inequality of races and the discrimination of minorities.

Berlin, November 2017

Histiostoma blomquisti on fire ant queens

Copyrights Stefan F. Wirth

 

Die Dreistigkeit der Mormonen-Sekte, das Brüssel-Attentat zu instrumentalisieren

Die Attentate in Brüssel des 22. März 2016 erschüttern erneut die westliche Welt. Allerdings hält sie das offenbar keineswegs davon ab, weiterhin in Form von Waffenlieferungen die instabile Situation in muslimischen Krisengebieten zu fördern.

Doch meine besondere Aufmerksamkeit erregt die Dreistigkeit von Vertretern der Mormonen-Sekte, ihren 19-jährigen Missionar Mason Wells, der zusammen mit weiteren Mormonen-Predigern während der Explosionen im Brüsseler Hauptbahnhof minder schwer verletzt wurde, in die Medien-Berichterstattung zu katapultieren.

Der Vater des jungen Radikalisten instrumentalisierte im Namen seiner Religion das schreckliche Geschehen, das auf den Islamischen Staat zurückzuführen ist. Es sei ein Wunder geschehen, Gott habe seinen Sohn beschützt. Und damit nicht genug, auch die Anschläge auf den Boston-Marathon sowie die Angriffe auf Paris, bei denen er jeweils nicht weit entfernt der Detonationen gewesen sei, habe Mason Wells überlebt. Selbstverständlich dank der Hilfe Gottes, dank der Hilfe des RICHTIGEN Gottes.

Wenn ich in diesem Zusammenhang das spirituelle Selbstverständnis der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ berücksichtige, komme ich zu dem Schluss, dass hier nichts anderes gesagt wird als: Dieser junge Mann hat gleich drei mal aufgrund seiner richtigen Religionszugehörigkeit und seines züchtigen Lebenswandels dort überlebt, wo andere aufgrund des Fehlens dieser Tugenden NICHT überlebt haben.

Ich nehme die Berichterstattung, die ein überlebendes Opfer besonders hervorhebt, daher als Verhöhnung all derjenigen wahr, die während der genannten Attentate ums Leben gekommen sind. Denn ihnen fehlte es schlicht am rechten Glauben. Daher hat welcher Gott auch immer sie eben nicht beschützt. Gott errettet, wer gemäß der Mormonen-Religion homophob und fremdenfeindlich ist, wer Andersartigkeit und Individualismus verdammt und die eigenen erotischen Bedürfnisse einschließlich der Masturbation als schwere Sünde betrachtet (und daher heimlich und verstohlen verrichten muss).

Ich bin entsetzt über die zahlreichen internationalen Medien, die diese Instrumentalisierung der Brüssel-Anschläge samt der über 30 Todesopfer durch die Mormonen-Sekte als Marketing-Maßnahme zur Verbreitung ihres bizarren spirituellen Gedankengutes unterstützen.

Im Übrigen hat sich wohl kaum irgendein Journalist die Mühe gemacht, die Anwesenheit Wells‘ in Boston oder Paris zu überprüfen.

Es gibt genügend Beispiele dafür, dass alle Menschen unabhängig von ihrer spirituellen Gesinnung gleichermaßen Katastrophen aller Art zum Opfer fallen können. Insbesondere radikale und intolerante Religionen schützen nicht, sie tragen vielmehr dazu bei, jedes gesellschaftliche Miteinander zu vergiften!

 

 

Gleichgeschlechtliche erotische Handlungen unter Männern in der Evolutionsgeschichte des Homo sapiens

In einem aktuellen Radiointerview äußerte sich der renommierte Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera zu den Themen Kreationismus und Gender-Mainstreaming (Genderismus). Ich unterstütze mit all meinen Kräften den Einsatz Kutscheras und anderer international bekannter Evolutionsbiologen gegen spirituell motivierte, alternative Erklärungsversuche zur Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Kirchliche Einrichtungen, Lobby-Verbände und sektenartige Zusammenschlüsse aller Art verfolgen mit der Verbreitung kreationistischen Gedankengutes die Bekämpfung der Aufklärung und Bildung in modernen Gesellschaften. Ziel ist es, das Niveau des Wissens und des Verstehens durch frei erfundene Wundergeschichten vorsätzlich herabzusetzen, um dadurch die Bereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen, nicht mehr nach klaren Argumenten zu fragen, sondern unkritisch zu glauben. In der Regel verfolgt der Kreationismus daher Macht- und Wirtschaftsinteressen.

Im genannten Radiointerview äußerte sich Herr Kutschera allerdings auch zu seinem Verständnis zum Thema „Homosexualität“ (Anführungszeichen, weil der Begriff „Sexualität“ zurecht und auch gemäß Kutschera in diesem Zusammenhang biologisch inkorrekte Verwendung findet) bei Männern, und zwar aus der Sicht des Evolutionsbiologen. Von diesen Äußerungen muss ich mich jedoch distanzieren. Dies erscheint mir auch in dieser Schriftform notwendig zu sein, da Herr Kutschera und ich zusammen einen Artikel zum Thema Kreationismus veröffentlicht haben. Ich möchte nicht, dass Außenstehende daraus automatisch schlussfolgern, dass ich auch in anderen Äußerungen mit dem Fachkollegen übereinstimme.

Im Interview wird der Eindruck vermittelt, gleichgeschlechtliche erotische Neigungen („Homosexualität“) bei Männern seien ein äußerst seltenes Phänomen, das als eine Art zufälliger Fehlkonstruktion zu interpretieren sei. Aus den Erläuterungen geht ferner hervor, homophil veranlagte Männer seien grundsätzlich nicht befähigt zum sexuellen Akt mit einer Frau. Konsequenterweise seien sie also grundsätzlich nicht in der Lage, sich fortzupflanzen. Ein biologischer Nutzen homophiler Männer in menschlichen Gesellschaften wird daher bestritten. Als Beispiel wird die Biographie Tschaikowskis angeführt. Dieser habe zeitlebens vergeblich versucht, sich die Homosexualität abzugewöhnen. Obgleich er verheiratet gewesen sei mit einer deutlich jüngeren und vorgeblich attraktiven Frau, sei es ihm nicht gelungen, über seinen homophilen Schatten zu springen und die Gattin sexuell begehren zu können. Es wird der Eindruck vermittelt, diese Tragik veranschauliche das Dilemma aller homophil veranlagten Männer.

Alle diese Äußerungen weise ich vollständig als falsch zurück. Sowohl die Literatur, die Geschichtsbücher wie auch die alltägliche Wahrnehmung zeichnen nämlich ein völlig anderes Bild. So scheint mir der homoerotische Drang integraler Bestandteil männlichen Erotikverhaltens zu sein. Ich gehe davon aus, dass „Bisexualität“ den Normalzustand menschlicher Männer charakterisiert. Das Merkmal scheint dabei einer genetischen Variabilität zu unterliegen, an deren Randbereichen es selten auch zu vollständig „hetero-“ orientierten und vollständig „homo-“ orientierten Individuen kommt. Diese sind daher beide als Minderheiten zu interpretieren.

Der homophile Anteil im normalen männlichen Erotikverhalten ist durch Evolution entstanden. Merkmale, die durch Evolution hervorgebracht wurden, konnten sich nur deswegen in einer Population derselben Art etablieren, weil ein Selektionsdruck sie dauerhaft erhalten hat. Ein Merkmal erhält sich also, weil es einer Art in der Umgebung, in der sie lebt, Vorteile verschafft. Auch verhaltensbiologische Merkmale, denen erotische Handlungen zuzuordnen sind, unterliegen diesem Prinzip. Daher muss auch homoerotisches Verhalten unter Männern für frühe Hominiden-Gesellschaften vorteilhaft gewesen sein, sofern man nicht im Kutschera’schen Sinne von Missbildungen ausgeht. Welche Vorteile das gewesen sein mögen, ist noch zu erforschen.

Eine mögliche Hypothese könnte sein, dass erotische Handlungen unter Männern Spannungen in männlichen Gemeinschaften auf friedliche Weise abbauen konnten. Denn auch den Lehren Kutscheras zufolge ist davon auszugehen, dass in frühen Hominiden-Gesellschaften Männer- und Frauengruppen häufig voneinander getrennt waren.

Da durch Aggression in den Männergruppen hervorgerufene Gewaltakte mit Verletzungen und womöglich sogar dem Tod mancher Individuen einhergegangen wären, hätte dies die Fitness dieser Gruppe und somit auch der gesamten Population gefährdet. Friedliche Aggressionsbewältigung erhielt hingegen diese Fitness. Daher könnte in diesem Zusammenhang die Erklärung für die Entstehung homorerotischer Aktivität unter Männern zu finden sein. Zumindest ist dieser Zusammenhang aus der Forschung an Menschenaffen bekannt, und zwar genauer: Das Phänomen ist bei Bonobos in diesem Sinne interpretiert worden, betrifft dort allerdings Akte unter Weibchen und ist daher eventuell eher als ein analoges Szenario zu betrachten denn als besonderes Verwandtschaftsargument.

In der Evolutionsbiologie muss man sich übrigens gleich zwei Fragen stellen, wenn es um Erklärungsansätze für die Entstehung von Merkmalen gehen soll: Unter welchen Bedingungen konnte sich das Merkmal etablieren? Und warum hat es sich auch bei veränderten Bedingungen weiterhin erhalten? Diese zweite Frage lässt sich speziell für die Evolutionsgeschichte des Menschen oft nur schwer beantworten. Dies betrifft aber zahlreiche menschliche Eigenschaften (= Merkmale), so zum Beispiel den aufrechten Gang.

Doch zurück zu meiner These der Ausprägung eines Merkmals, hier der Homoerotik unter Männern, in Form einer sogenannten genetischen Variabilität. Laien mag dieser Ausdruck ebenso befremdlich erscheinen wie die Kutschera-These einer Missbildung oder eines Konstruktionsfehlers. In der Tat jedoch sind beide Erklärungsansätze in der Evolutionsbiologie völlig legitim. Denn Zwei- oder Vielgestaltigkeit eines Merkmals in derselben Population einer Art kann über das gesamte Tierreich hinweg grob nur auf drei Weisen erklärt werden. Zwei davon wurden schon genannt. Tritt ein Merkmal in vielfältigen Ausprägungen auf, die sich graduell in allen Zwischenformen voneinander unterscheiden, spricht man von genetischer Variabilität. Erscheint ein Merkmal hingegen in zwei oder mehreren Ausprägungen, die sich distinkt, also ohne Zwischenstufen, voneinander unterscheiden, bezeichnet der Evolutionsbiologe das Phänomen als Dimorphismus oder Polymorphismus. Ist eine bestimmte Ausprägung eines Merkmals, es können auch mehrere Erscheinungsformen dieses Merkmals sein, signifikant deutlich seltener als eine andere Ausprägung auf, die dann den Standard repräsentiert, birgt sie zudem offensichtliche Fitness-Nachteile für die betroffenen Individuen, muss die begründete Vermutung einer Missbildung (oder mehrerer Missbildungen = Konstruktionsfehler)) überprüft werden.

Meiner Hypothese zufolge ist das Beispiel der Tschaikowsky-Biographie alles andere als eindeutig. Da Tschaikowsky offenbar an dem Versuch scheiterte, eine bestimmte Frau sexuell begehren zu können, darf nicht ausgeschlossen werden, dass ihm Selbiges mit einer anderen Frau womöglich gelungen wäre. Er kann aber auch zu jener Minderheit gehört haben, die tatsächlich ausschließlich zur homophilen Erotik befähigt ist.

Der von mir verwendete Begriff der Variabilität darf nicht missverstanden werden. Es handelt sich nämlich um einen Fachterminus, den ich hier ausschließlich gemäß der oben benannten Definition verwende. Mit Variabilität ist ausdrücklich nicht gemeint, dass dasselbe Individuum beliebig variieren kann, welche erotischen Neigungen es pflegt. Dies entspräche lediglich dem Wunschgedanken der Genderismus-Anhänger, für den es jedoch keine Belege gibt und den ich daher negieren muss. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich dem Individuum Lern- und Erfahrungsprozesse absprechen möchte, die dazu führen können, seine erotischen Praktiken im Rahmen seiner genetisch festgelegten Veranlagung im Verlaufe eines Lebens ausreifen zu lassen.

Auch in anderem Zusammenhang kollidiert eine wissenschaftliche Herangehensweise übrigens mit den Thesen der Genderismus-Bewegung: Da es als mit höchster Wahrscheinlichkeit erwiesen gilt, dass frühe Hominiden-Gesellschaften aus häufig oder sogar weitgehend voneinander getrennten Männer- und Frauengruppen bestanden haben, müssen auch die Phänomene weibliche Homoerotik und männliche Homoerotik voneinander unterschieden werden. Es handelt sich um zwei verschiedene Phänomene, die in unterschiedlichen Kontexten entstanden sind. Hierin stimme ich mit den Thesen Kutscheras wieder überein.

Political Correctness und wissenschaftlich fundierte Thesen lassen sich nun einmal oft nicht miteinander vereinbaren. Dies beinhaltet jedoch keine moralische Bewertung der Vielfalt von Verhaltensformen in menschlichen Gesellschaften, die ich selbstverständlich alle gleichermaßen toleriere und respektiere.

Zahlreiche Hinweise aus unterschiedlichen Kulturkreisen heutiger Zeit unterstützen im Übrigen meine These, dass „Bisexualität“ den Normalzustand männlichen Erotikverhaltens darstellt. Auf nur einen davon möchte ich jedoch hiermit näher eingehen.  In zahlreichen modernen Kulturen ist männliche Homoerotik, meist nicht weibliche Homoerotik, unter drakonische Strafen gestellt. Es wird offenbar befürchtet, dass erotische Spiele unter Männern so stark ausufern können, dass diese nicht mehr die Zeit finden, ihren gesellschaftlichen und biologischen Aufgaben nachzugehen. Solche Befürchtungen wären jedoch redundant, ginge man in diesen Kulturkreisen davon aus, dass von jener Form der erotischen Versuchung lediglich eine vernachlässigbar kleine Minderheit betroffen sei.

Solche gesetzlichen Kontrollen männlicher Homoerotik lassen sogar sich bis in die Antike verfolgen. So argwöhnte Kaiser Augustus in Zeiten seiner späteren Regentschaft – sicherlich zu Unrecht – , dass die bis dahin erstaunlich frei und offen gelebte erotische Vielfalt römischer Bürger deren biologischen Fortbestand gefährden könnte. Daher führte er eine Heiratspflicht für Männer über 25 ein und verordnete zudem, dass jede Ehe drei Kinder zustande bringen musste.

Abschließend ist mir in diesem Artikel nur noch wichtig zu betonen, dass biologisches Vokabular im richtigen Zusammenhang verwendet werden muss. Das Gender-Mainstreaming, das vorgibt, ein eigener Wissenschaftszweig zu sein, verfügt nicht über das Recht, klar festgelegte Fachbegriffe aus den Naturwissenschaften umzudefinieren.

Die Bedeutung des Begriffes der Sexualität definiert und erläutert Herr Kutschera sehr ausführlich. Zwar bin ich der Ansicht, dass die Umgangssprache schon immer dazu neigte, Begrifflichkeiten zu lockern und zu vereinfachen. Jedoch halte ich es für wichtig, in der offiziellen Sprache ein korrektes Vokabular zu verwenden. Hierin stimme ich mit Herrn Kutschera und anderen Biologen völlig überein.

Schulbücher aus dem Dunstkreis des Genderismus, die Schüler lehren, das Geschlecht sowie erotische Neigungen seien nicht Ergebnis biologischer, sondern ausschliesslich gesellschaftlicher Phänomene, lehne ich genauso wie andere Kollegen ausdrücklich ab. diese tückische Form eines modernen Kreationismus darf nicht Einzug in unser Bildungssystem halten!

Gottesglaube und Wissenschaft? Neue Formen des Kreationismus bedrohen die Bildung in Deutschland!

Welcher Zoologe hat sich jemals mit der wichtigen Frage auseinandergesetzt, ob Tiere ebenso wie der verstorbene Mensch Zugang zum ewigen Himmelreich erhalten können? Keiner? Ein Versäumnis! Obwohl man als Naturwissenschaftler natürlich gute Argumente vorbringen kann, die den nicht gedachten Gedanken plausibel erklären: Denn der aufgeklärte Biologe tut sich auch mit dem göttlichen Paradies für verstorbene Menschenseelen schwer. Wissenschaftler sind es nämlich gewohnt, zu verstehen, zu argumentieren und begründete Thesen auszuformulieren. Eine begründete These zur Existenz eines himmlischen Paradieses lässt sich jedoch nicht aufstellen. Es existieren nämlich nicht die geringsten Indizien für die Wahrhaftigkeit einer Seele, geschweige denn für die Realität eines göttlichen Ortes, der durch Seelen bevölkert wird.

Also ist es ausgemachter Humbug, sich als Zoologe wissenschaftlich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob Hundeseelen in den Himmel kommen. Oder nicht?

Nun, als ich im vorletzten Jahrzehnt mein Biologie-Studium in Berlin aufnahm, ging ich fest davon aus, mich in eine Welt des Wissens und der Beweise zu begeben. Das war damals auch der tatsächliche Stand der Dinge. Wundergläubige Zoologen, die öffentlich Gottes Schöpfung lehren, hätten uns Studenten demonstrierend auf die Straßen getrieben. Denn wir alle folgten dem Gedanken der Aufklärung. Scharlatanerie, das Verbreiten frei erfundener Wundergeschichten unter dem Deckmantel der Naturwissenschaften, das hätte uns alle in höchstem Maße empört.

Heute sieht das in weiten Kreisen der Biologie anders aus. Ein privates Institut, das sich selbst als Forschungsinstitut bezeichnet, und von einem katholischen Priester geleitet wird, der einst zusätzlich in Zoologie promoviert hat, kann heutzutage nahezu ungebremst über das Himmelreich für Hunde und den 5. Schöpfungstag in namhaften Printmedien fabulieren.

Eine Zeit, in der die organismische Biologie in Deutschland zurückgedrängt wird, in der niemand mehr Forschungsgelder in morphologische Artbeschreibungen, Verhaltensstudien und die Erforschung ökologischer Zusammenhänge investiert, in der vorwiegend Studien auf molekularem Niveau förderwürdig erscheinen,  ist der klare Gedanke auch in den Köpfen vieler Biologen verloren gegangen. Man argumentiert mit DNA-Sequenzen, einer Aneinanderreihung von Buchstaben also, ist häufig so einseitig gebildet, dass man einen Käfer nicht mehr von einer Schabe unterscheiden kann. Systematik ist zu einer Blackbox verkommen, in der einem Organismus keine anderen Aspekte mehr abgewonnen werden können als die, die das Genom bereithält. Für viele jüngere Biologen von heute sind Organismen amorphe Säcke, die alle gleich aussehen, jedoch unterschiedliche Buchstabenabfolgen beinhalten.

Moderne Biologen in Deutschland verfügen über keine Artenkenntnisse mehr, wissen nichts über die Lebensweise ihrer Organismen, interessieren sich auch nicht dafür. Phylogenetische Stammbäume sind verkommen zu bloßen statistischen Verzweigungsmustern, die Verwandtschaftsverhältnisse aufzeigen. Warum das Verzweigungsmuster dichotom ist, was die jeweiligen Linien bedeuten, was eine Ahnenlinie und was eine Stammlinie ist, welche Bedeutung die Stammart hat und was Apomorphien und Plesiomorphien sind, das weiß man nicht mehr, es scheint auch nicht mehr von Interesse zu sein. Dass phylogenetische Stammbäume in den 1950er Jahren eingeführt wurden, um die Evolution der Organismen nachvollziehbar werden zu lassen, hat man längst vergessen. Vorträge, die die Entwicklung der Vögel aus den Dinosauriern heraus an einem begründeten Kladogramm vorführen, findet man nicht mehr, der Ansatz gilt als gestrig.

Moderne Evolutionsbiologen argumentieren nicht mehr mit Stammbäumen als gut begründeten  Hypothesen für die schrittweise Evolution von Merkmalen, die geeignet sind, die Evolutionsgeschichte anhand konkreter Organismengruppen nachzuweisen. Sie konzentrieren sich stattdessen vorwiegend auf das Vortragen der evolutionsbiologischen Grundphänomene. In Vorträgen heißt es dann: So funktioniert die Evolution grundsätzlich. Und weil sie so funktioniert, müssen wir schlussfolgern, dass alle Organismen nach diesem Prinzip evolviert sind. Alles klar?

Äh, nein. Nichts ist klar. Wie sind die Vögel aus Dinosauriern evolviert? Sind sie überhaupt aus den Dinosauriern heraus entstanden? Diese Fragen bleiben offen. Der Nachweis für die Evolutionsgeschichte der Organismen bleibt offen. Und wer die Evolutionsgeschichte nicht klar vertreten kann, nicht vor anderen und nicht vor sich selbst, der öffnet dem Kreationismus die Tore!

Die Evolutionsbiologie ist zu einer Wissenschaft verkommen, die ausschließlich für Insider halbwegs nachvollziehbar ist. Eine Nischen-Wissenschaft, voller wirrer Gedanken, in denen die Abfolge eintöniger Basenpaarungen, durch Buchstabenkombinationen dargestellt, alles und nichts erklären kann. Evolutionsbiologen, die ihre eigene Forschung nur im Rahmen einer Blackbox mit abstraktem Vokabular verstehen können, vermögen niemanden mehr vom ursprünglich klaren, argumentativen Gedanken der Evolutionsbiologie zu überzeugen. Nicht andere und auch nicht sich selbst.

Sie sind daher die Schwachstelle, die der moderne Kreationismus sich zunutze macht. Wenn Systematiker und sogar Evolutionsbiologen nicht mehr klar denken können, warum dann nicht gleich die Spiritualität wieder einführen? Gensequenzen hin oder her. Widersprechen sie denn klar nachvollziehbar der biblischen Schöpfungsgeschichte? Vielleicht ja nicht? Welcher der modernen Fachidioten, die sich heutzutage in Deutschland als Biologen bezeichnen dürfen, vermag das schon zu sagen?

Darum stört sich auch keiner an jener perfiden Innovation aus Münster, schleichend und zunächst unauffällig eingeführt durch die katholische Kirche, mit dem Ziel, die kirchliche Lehre wieder als vollwertige Alternative zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen anzubieten. Und wer ist dafür besser geeignet als der Theologe Dr. Rainer Hagencord, der nicht nur katholischer Priester, sondern zudem auch promovierter Zoologe ist? Ein knallharter Naturwissenschaftler also, der zudem das Wort Gottes predigt? Nun, ob die Dissertation mit dem Titel „Das Tier: Eine Herausforderung für die christliche Anthropologie. Theologische und verhaltensbiologische Argumente für einen Perspektivenwechsel“  als knallharte wissenschaftliche Leistung gewertet werden kann, halte ich für mehr als fraglich. Die meisten kompetenten Betreuer der älteren Schule hätten die Annahme einer spirituellen Fragestellung in einer naturwissenschaftlichen Disziplin schlicht verweigert. Und doch fand Herr Hagencord einen Betreuer, weswegen er sich völlig legal als promovierten Naturwissenschaftler bezeichnen darf.

Wenn ein promovierter Naturwissenschaftler über die Schöpfung spricht und die Dackel und Schäferhunde dieser Nation von einem friedlichen Hundehimmel träumen lässt, muss doch da was dran sein, an diesen Wundergeschichten. Schließlich werden sie immerhin durch einen Wissenschaftler vorgetragen.

Zwar spricht nach wie vor kein klares Argument für die Existenz eines biblischen Gottes, auch nicht für eine himmlische Erlösung oder einen Schöpfungsakt in wenigen Tagen.  Doch da moderne Systematiker und Evolutionsbiologen vor lauter Fachidiotie ebenfalls keine klaren Argumente mehr vorzubringen wissen, also argumentativ nichts  gegen ein angebliches göttliches Wirken einwenden können, begegnet man sich also heutzutage auf Augenhöhe mit den Verkündern spiritueller Zauberwelten.

Daher wird der Kreationismus in Deutschland zunehmend an Einfluss gewinnen, ein Phänomen, das ich mir noch vor 10 Jahren niemals hätte vorstellen können. Nur noch Wenige haben das Potential und die Kraft, sich zur Wehr zu setzen. Denjenigen gilt mein Aufruf: Lasst es im Namen der Aufklärung und unserer wertvollen Bildung nicht zu!

Lasst Euch nicht täuschen durch den Tarnmantel des Tierschutzes. Dies ist nicht, was das Institut für Theologische Zoologie in Münster tatsächlich antreibt. Lasst Euch auch nicht durch den prominenten Namen der Schirmherrin in die Irre führen. Noch vor Jahren schimpfte Jane Goodall in einem Fernsehinterview über ihre verstorbene Kollegin Dian Fossey. Zum Berggorilla sei sie mutiert und habe während einer Vortragsveranstaltung hinter den Kulissen einen Wutanfall erlitten und dabei gebrüllt wie ein gestandener Silberrücken.

Schaut Euch das Video an, das die Rede Jane Goodalls zur Eröffnung der Theologischen Zoologie in Münster zeigt. Da blökt sie plötzlich aus heiterem Himmel die Zuhörer an, denn sie glaubt allen Ernstes, im Verlaufe ihrer Arbeit die Sprache der Schimpansen erlernt zu haben. Wer sich als vermeintlicher Primatenforscher auf das intellektuelle Niveau von Schimpansen begibt, ist in der Konsequenz selbstverständlich für allen spirituellen Quatsch zu haben.