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Kategorie: kritischer Journalismus

Meine Antworten zum Fragebogen der katholischen Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“

Die ökumenisch ausgerichtete und überregionale katholische Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ hat einen Fragebogen via Email versandt. Er landete in meinem Spam-Ordner und war auch nicht explizit an meine Person gerichtet. Und dennoch entschied ich mich, die Fragen zu beantworten.

Diese Antworten sollen hier präsentiert werden:

1. Irgendetwas Höheres muss es doch geben.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Nicht auszuschließen, aber auch nicht belegt. Die Evolution erklärt alle Vorkommnisse des irdischen Lebens lückenlos.

2. Gott erfährt man eher durch Fühlen, weniger durch Denken.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Das würde den Religionsgemeinschaften so passen. Ihre Schäflein bleiben nur dann folgsam und zahlungswillig, wenn man sie dumm hält.

3. Zweifeln gehört zum Glauben.

Ja, das sehe ich so.
Gängige Glaubensdogmen muss man stets bezweifeln!

4. Wenn Gott fehlt, ist alles erlaubt.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Dort, wo ein menschengemachter dogmatischer Gott das Sagen hat, ist nicht nur jede Unmenschlichkeit erlaubt, sondern sie ist sogar integraler Bestandteil jeder Glaubensbewegung. Wo ein Menschengott herrscht, herrschen stets auch Diskriminierung, Verleumdung, Hass und Morde.

5. Die Ergebnisse der Natur- und Humanwissenschaften …

… können über Gott keine Aussage treffen.
Seriöse Wissenschaften agieren faktenbasiert. Bei fehlenden Fakten wird keine Aussage getroffen. Es gibt keine wissenschaftlich haltbaren Belege für einen christlichen, einen muslimischen oder buddhistischen Gott.

6. Der zunehmende Wohlstand hat Gott überflüssig gemacht.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Das zunehmende Bildungsniveau weltweit und die damit einhergehende zunehmende Individualisierung der Menschen, die Selbstbewusstsein durch Aufklärung erfahren, machen die genannten von Menschen erfundenen Götter überflüssig.

7. Die Kirche sollte sich mehr mit der Frage nach Gott beschäftigen.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Die Kirchen dieser Welt sollten sich mehr mit Ethik, Bildung, Toleranz und Menschlichkeit befassen.

8. »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.« (Joh 14,6). Jesus ist der einzige Weg zu Gott.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Der historische Jesus aus Nazareth war ein Lehrer für Moral und Toleranz. Anstatt ihn mit der Andichtung albernen Hokuspokus zu verhöhnen, sollte man sich mit seinen Lehren befassen, den Lehren über Moral und Toleranz.

9. Nur mit Gott hat das Leben einen Sinn.

Nein, ich bin anderer Meinung.
Biologisch besteht der Sinn in der Fortpflanzung. Philosophisch sind zahlreiche Zielwerte entwickelbar. Kein dogmatisches Gottesbild wird benötigt.

 

By Stefan F. Wirth

Berlin, Oktober 2018

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„Gondwana – Das Praehistorium“, meine Anstellung als Wissenschaftler und künstlerischer Modell-Entwickler in einem saarländischen Dino-Park, ich biete nun meine Kompetenzen und Dienstleistungen für naturkundliche Ausstellungen aller Art an

Von 2010 bis 2011 war ich als wissenschaftlicher Berater in den Bereichen Zoologie, Biologie, Systematik und Evolutionsbiologie in dem saarländischen Dinosaurierpark Gondwana – Das Praehistorium angestellt. Eine Einrichtung, die sich bemüht, Landschaften vergangener Erdzeitalter darzustellen und mit Rekonstruktionen damaligen Lebens anzureichern. Es blökt und zischt und dampft und rauscht, für manch kindlichen Besucher womöglich eher ein Licht-gewaltiges Grusical anstelle eines Bildungserlebnisses aus künstlichen Gerüchen, Roboter-Animationen, Pappmaché und Gips sowie museal anmutenden Abschnitten.                                                                       Zuständig war ich zudem für die Einrichtung und Organisation einer wissenschaftlichen Vortragsreihe, die ich auch moderiert habe. Des Weiteren bot ich im Namen des Dino-Parks ein Unterrichtsprogramm zur Fortbildung von Schülern an saarländischen Gymnasien an. Ich war auch zuständig für zeichnerische Entwürfe für Modelle zur Veranschaulichung wichtiger evolutionsbiologischer Schritte des Tierreich. Die selbst konzipierten und gezeichneten Modellentwürfe habe ich zusammen mit einem angestellten Künstler des Unternehmens in dreidimensionale Modelle aus Gips und Kunststoffen zur Umsetzung gebracht. Darüber hinaus habe ich monatliche Fachartikel für die Webseite des Entertainment-Parks verfasst und wissenschaftliche Führungen durch die Ausstellung durchgeführt, mitunter auch auf Französisch.

Ich stand zudem für ausstellungpädagogische sowie ausstellungsästhetische Fragestellungen zur Verfügung und habe selbst Säugetierschädel zur Präsentation in Ausstellungsvitrinen präpariert.

In die Planung der inzwischen umgesetzten Erweiterung des Ausstellungskonzeptes war ich ebenfalls als konstruktiver Ideengeber involviert. Dem Unternehmen stellte ich eine Kombination aus wissenschaftlichen Expertisen und künstlerischer Kreativität zum Sonderpreis zur Verfügung. Das Nettogehalt lag deutlich unter 1300 Euro pro Monat für eine knappe Dreiviertelstelle. Mein damaliger Anwalt deutete in diesem Zusammenhang Sittenwidrigkeit an, und zwar in Anbetracht meines Ausbildungsniveaus, meiner wissenschaftlichen Leistungen und meiner vielfältigen Fähigkeiten.

Die Arbeit im sogenannten Praehistorium war für mich zunehmend nicht angenehm. Ich nahm den damaligen Leiter des Unternehmens, Herrn Kuhl, als jemanden wahr, der schnell seine Meinungen und Ideen änderte und häufig zwischen seriösen Planungen und einer Neigung zu Jahrmarkts-Entertainment schwankte. Zunächst glaubte ich daran, das sich die noch junge Einrichtung in Richtung einer sinnvollen Bildungsinstitution entwickeln könnte. Daran wollte ich teilhaben. Später glaubte ich hieran nicht mehr, spätestens, seit ich von dem geplanten vollautomatisierten Dino-Puppenspektakel erfuhr. Dennoch engagierte ich mich bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses für die Einrichtung. Das saarländische Personal im „Praehistorium“ nahm ich teilweise als nicht hinreichend qualifiziert war.

Zunehmende kritische Äußerungen meinerseits führten zu Unstimmigkeiten mit Herrn Kuhl und letztlich zu einer Kündigung, die das Arbeitsgericht allerdings aus gutem Grunde nicht hinnahm, sondern stattdessen einen Vergleich erwirkte. Diesem stimmte mein Anwalt in meiner Abwesenheit zunächst zu. Da ich die Vergleichsbedingungen in der beschlossenen Form jedoch als nicht angemessen empfand, widerrief ich diesen Vergleich nachträglich, und zwar aus reinem Selbstbewusstsein für meine Leistung heraus.

Das Gerichtsverfahren wurde durch meinen Anwalt auch genutzt, um ein gutes Arbeitszeugnis innerhalb der dafür vorgesehenen Frist zu beantragen. Die Beantragung eines Arbeitszeugnisses mit guter Beurteilung ist ein Grundrecht eines jeden Arbeitnehmers. Sie kann daher nicht Bestandteil einer gerichtlichen Auseinandersetzung sein und somit auch nicht mit einem vor Gericht erzielten Vergleich nachträglich widerrufen werden. Dennoch verweigert mir das Unternehmen ein entsprechendes Zeugnis bis heute.

Daher entschied ich mich, meine Leistung in Form dieses Artikels selbst darzustellen und betone hiermit meine Distanz zu jenem „Praehistorium“, das aus meiner Sicht nicht hinreichend seriös mit einem hochqualifizierten Arbeitnehmer wie mir umging und meiner fachlichen Wahrnehmung gemäß auch bis heute nicht hinreichend die vorgebliche Bildungsfunktion erfüllt.

 

Entstehung meiner Modelle

 

Das Konzept, welcherlei Modelle notwendig sind, um die Evolution der Tiere sinnvoll und verständlich darzustellen, habe ich selbstständig entwickelt, zurückgreifend auf meine Kenntnisse als Evolutionsbiologe. Die schrittweise Entstehung durch mich entworfener Modelle wird am Beispiel einer Cryptomonaden-Zelle vorgeführt, die gleich zwei biologische Fakten veranschaulicht, die Anatomie einer Eukaryotenzelle sowie das Phänomen der Endosymbiose, in diesem Falle sogar einer sekundären Endosymbiose. Das sehr große Modell wird nach Aussagen mir bekannter Personen noch immer ohne Benennung meiner Urheberschaft bei „Gondwana“ ausgestellt. Tatsächlich sind Benennungen meiner Urheberschaft während meiner Anstellung stets unterblieben. Ob das noch immer so ist, habe ich selbst nicht überprüft.

Vorgehensweise:

Zunächst fertigte ich anhand mehrerer wissenschaftlicher Darstellungen aus Facharbeiten eine zusammenfassende und selbst ästhetisierte dreidimensionale Zeichnung an. Ich verwendete stets Kugelschreiber, einfach, weil ich gerne mit Kugelschreibern zeichne.

cryptomonade

Im nächsten Schritt wurde ein durch „Gondwana“ angestellter Künstler mit Schwerpunkten in der dreidimensionalen Modellarbeit durch mich bei der Herstellung einer Gussform regelmäßig beratend und korrigierend unterstützt. Da die Leitung der Ausstellung keine anderen Mittel zur Verfügung stellte, waren sowohl die Gussform wie auch das Gussmedium Gips. Klingt ungewöhnlich, funktionierte aber.

gussform

Um ein zu starkes Verkleben von Negativ- und Positiv-Form zu verhindern, wurden unterschiedliche Gips-Härten verwendet.

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Nach Abnahme des Positivs ließen sich die gewünschen Zellstrukturen bereits gut erkennen.

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Um wichtige Zellbestandteile jedoch klarer voneinander unterscheiden zu können, wurde die Gipsoberfläche farbig ausgestaltet.

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In weiteren Schritten war es notwendig, die Farbgebung mehrfach zu verändern, um ein zur Ausstellung passendes anschauliches Modell zustande zu bekommen.

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Eine Glastafel erlaubte schließlich die ästhetisch überzeugende Beschriftung der einzelnen Zellstrukturen. Beratend wirkte bei der Prozedur nebenbei im Übrigen zudem der Nicht-Biologe Dr. Andreas Braun mit. Das Prinzip der primären Endosymbiose wird im Fotoübrigens anhand dreier separater kleinerer Modelle vorgeführt, die ich ebenfalls entworfen und gestalterisch mit betreut habe.

Zahlreiche Modellentwürfe habe ich entworfen und gezeichnet. Zum Teil befand sich deren dreidimensionale Ausgestaltung im Prozess, als ich die Arbeitsstelle für immer verließ.

Entworfen habe ich beispielsweise das Modell einer Kragengeißelzelle, die in der Evolution des echten tierischen Gewebes eine wichtige Rolle spielte. Zunächst entwarf ich eine solitäre Einzelzelle, dann einen urtümlichen Zellverband

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Umgesetzt wurden diese Entwürfe durch den Modellbau-Künstler unter meiner ständigen Mitsprache zunächst mithilfe einer Modelliermasse im Kleinformat. Die Fertigstellung als Ausstellungsstücke fand nicht mehr während meiner Anstellung statt, doch vermutlich danach. Heutzutage lassen sich Miniaturmodelle hervorragend als Vorlage für einen 3D-Scan nutzen. Der 3D-Druck erlaubt bei der Ausgestaltung des fertigen Modells eine größere Bandbreite hinsichtlich des verwendeten Materials. Auch verschiedene Kunststoffe sind hierdurch kombinierbar. Im Gegensatz zur Gips-Modellierung in Relief-Gestalt ist so auch ein stärkerer 3D-Effekt darstellbar, und zwar natürlich bis hin zu einer vollständig freistehenden Struktur.

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Komplexere gewebeartige Zellverbände finden sich in Schwämmen.

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Echtes Tiergewebe finden wir im Tierreich erst im Taxon der Nesseltiere (Cnidaria), daher entwarf ich einen Cnidaria-Polypen,…

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Namengeben für diese Tiergruppe ist die Nesselzelle. Auch hierfür habe ich einen Entwurf gemacht, an den Beginn einer dreidimensionalen Umsetzung erinnere ich mich jedoch nicht.

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Die „höher entwickelten“ bilateralsymmetrischen Tiere setzen sich zusammen aus den beiden Gruppen Protostomia und Deuterostomia, die Schwestergruppen bilden.

Der „Urbilateria“ ist fossil nicht erhalten und kann lediglich anhand rezenter Tiergruppen nach den Prizipien der phylogenetischen Systematik rekonstruiert werden. Zur dreidimensionalen Ausgestaltung dieses Stammartvertreters der Bilateria muss auch Fantasie eingesetzt werden. Auch hierzu wurde nach meiner Zeichnung, von der keine Kopie erhalten ist, ein Modellentwurf modelliert.

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Ein wichtiges Merkmal in der Stammart der Arthropoda, die zu den Proterostomia gehören, ist das Komplexauge. Eine Umsetzung liegt mir nicht vor.

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urtümliche Vertreter der Ahnenlinie der Arthropoda oder der Ahnenlinie der Arachnida sind die nur fossil erhaltenen Trilobiten.

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In der 3D- Umsetzung wurde zunächst mit der leichter zu gestaltenden Oberseite der Tiere begonnen, die am häufigsten fossil erhalten ist.

trilobit

Selbstverständlich gingen meine Entwürfe auch über Einzelprojekte hinaus. Nämlich im Zusammenhang mit der Frage, wie eine mögliche Raumausgestaltung mithilfe verschiedener Modelle aussehen kann.

raumausgestaltung

 

Ich biete mich hiermit seriösen naturkundlichen Ausstellungen europaweit als wissenschaftlicher Berater, künstlerischer Entwickler neuer Ausstellungskonzepte und Ausgestalter für dabei skizzierte Modelle an, die wissenschaftliche Zusammenhänge veranschaulichen sollen. Auch als Organisator für Vortragsreihen mit wissenschaftlichen Schwerpunkten und für Führungen mit wissenschaftlichem Hintergrund in Englisch und Deutsch bin ich aufgrund meiner Erfahrungen gut geeignet. Bitte melden Sie sich bei Interesse über das Kontaktformular dieser Seite. Für Kontaktaufnahmen kann auch gerne mein Facebook-Auftritt genutzt werden.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, März 2018

 

The mite Histiostoma blomquisti and creationism in Louisiana/ USA

New Orleans is a dynamic and a very lively city, a city full of freedom and tolerance, a city of life style and of a unique cuisine. A mix-up of ethic groups and cultures, New Orleans, the modern city, a world metropolis.

But this is not Louisiana, it is an island, an exception, New Orleans is not even the capital of this Southern Federal State. The rest of Louisiana is landscape, swamps, wetlands, pine woods, red sand, even a Red River, harmless snakes and a touch of music, not any kind of music, Louisiana is the birthplace of Jazz.

LA is unfortunately also home land of a strict two class society, with the white race in a top position and the native Americans and the blacks on a level much further below. The latter inhabit usually the so called „no go-areas“. That’s where poverty lives, where a permanent existential emergency dominates the daily routine, and yes, where based on all this distress also criminality finds a new home again and again.

It’s a land, where racism is still alive, where colored people take over the minor jobs, while the whites reign over in high positions. A land of injustice, of inconsistency, a land of religious fanaticism.

Nevertheless, beauty can be found everywhere. When the setting sun illuminates the colorful water of the Red river or shines on lying around rusty metal scrap, then a  spectacle of glowing colors blinds the eyes of the audience. When I walked across the fields and forests, then I found an inspiring silence, a flood of harmonic nature impressions, giant millipedes of Polydesmida hiding under freely lying stone chunks, butterflies colonizing rotting fruits and fluttering with a gentle noise in the air, colorful water turtles taking their sun baths around ponds, and under suitable weather conditions I witnessed wedding celebrations of a very special kind: winged ants rose in the air to mate for their first and only time.

The most common ant species is the Red Imported fire Ant, Solenopsis invicta, a fascinating social insect, but far away from being native to Louisiana. It is a so called invasive species, which was transferred to the Southern US via ballast substrate of ships coming from Southern America. The high frequency of ant colonies in Louisiana makes that species to a worthwhile research object, and even especially being an unwelcome invader, which needs to be better understood to successfully be fought.

As most known ant species, also S. invicta is characterized by hosting a remarkable number of non-ant-inhabitants in their nests, for example mites. One mite species attracted a special attention due to its habit to appear in great numbers on winged ant females and rarely also on their males. Nobody was competent to describe it taxonomically, but I was, that’s why I travelled in 2009 to the Southern Research Station of the USDA Forest Service in Pineville, funded by the German DFG (German Research Foundation). I was very friendly and courteously hosted by the 80 years old colleague John C. Moser, who supported my research by providing access to a microscope and preparation equipment. Although he did not participate directly in my taxonomic work, I honored his contributions of ideas and his interest in my work by offering him a co-authorship.

After the species description was already almost finished and the discussion was about the species‘ name, he unexpectedly insisted in the epitheton „blomquisti“, to honor his assistant Stacy Blomquist. Although he surely was depending on her young dynamic power, I was certainly not amused about this choice. Mrs. Blomquist appeared me being too much involved into the kind of spiritual devoutness, which seemed me to be typical for the whole land. But there was no way out, the species was finally named Histiostoma blomquisti Wirth & Moser, 2010. As a consequence, my name would be forever  connected with hers, an immutable fact. But I still have the freedom to emphasize that I until today think that a biological assistant without a high and internationally well known scientific reputation never deserves a species being named after her. I additionally insist in the fact that I unsolicited would never honor somebody I consider a religious activist with my scientific work. Thus I announce herwith my strict distance to Mrs. Blomquist, who accidentally became namesake of my species.

As all Southern US-States, Louisiana is a land dominated by the creationism, being part of the so called bible belt. I was told that the separation between blacks and whites even goes thus far that there exist black and white churches, but I experienced for sure that Chinese inhabitants are priviledged to be considered white, thus visiting the white churches.

Once I was invited to a private video evening. It was organized by a Chinese assistant of the research institute and a white colleague of him, a hobby marathon runner. They presented the 2003 US/ German/ British co-production „Luther“ with Joseph Fiennes in the main role. Directed by the British Eric Till, this very average movie with a Martin Luther, attractive, slim, completely unlike the historical original, fat with a strong penchant for alcohol, was a strange choice for me as a cineaste, but I expected an entertaining popcorn evening with discussions about good and bad movies. But what I then witnessed was very unexpected.

It was so silent that I could hear the air breath, the flies buzzing around, a mysterious expectation filled the room, while my two hosts stared to the screen, awaiting the first appearance of „Martin Luther“ with religious reverence and deistic adoration. I landed in a private divine service, and when Joseph Fiennes appeared for the first time, both raised their arms ecstatically into the air, praising Luther as the great only one. It kept going on like this, no popcorn for me, but very frequent cigarette breaks instead, I fled outside as often as I could.

It is a well known phenomenon that in areas of unjustice worldwide natives tend to protect their own conscience with an unfounded belief to stand under a special supervision by a god. Only a god of immorality and misanthropy claimes to have created the planet and all life on it within six days, only such a god supports the inequality of races and the discrimination of minorities.

Berlin, November 2017

Histiostoma blomquisti on fire ant queens

Copyrights Stefan F. Wirth

 

Der Aufstand der Sioux

Der Begriff der Menschlichkeit wird oft falsch verwendet oder beschönigt. Sich um Mitmenschen zu sorgen und ihnen Gutes zuzufügen gilt ja ja üblicher Weise als „menschliches Handeln“. Doch aus biologischer Sicht scheint auch das Gegenteil menschlich, also typisch für unsere Art, zu sein, nämlich Schwächere zu unterdrücken und auszubeuten oder selbst unterdrückt und ausgebeutet zu werden. Macht durch Menschen über andere Menschen ist eine instinktive Leit-Motivation des Homo sapiens. Es handelt sich dabei um vorwiegend genetisch fixierte Verhaltensstrategien, die daher offenbar nicht weitgehend beeinflussbar sind durch Aspekte wie die Bewegung der Aufklärung, die Globalisierung oder die zunehmende Technisierung. Der Mensch kann von diesem Verhaltensdrang auch in der Moderne und dem vergleichsweise weltweit hohen Bildungsniveau nicht ablassen.

Die Scheußlichkeiten der Geschichte wiederholen sich immer wieder aufs Neue, weil der Mensch seinen Erfahrungen und Errungenschaften zum Trotz in wesentlichen Zügen ein Savannenbewohner mit urtümlichen Gesellschaftsstrategien geblieben ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn man kein Anhänger der reinen Savannen-Theorie ist, sondern davon ausgeht, dass die Evolution früher Hominiden in sehr enger Beziehung zu afrikanischen Gewässern vonstatten gegangen sein muss. Es galt damals wie heute, in der Nachbarsippe einen Konkurrenten zu sehen und zum eigenen Vorteil nach dessen Besitz zu trachten. Das prähistorische Prinzip hat sich auch in der Neuzeit nicht verändert. Und wenn doch, dann sogar ins Nachteilige, denn die Bevölkerungsdichte ist weltweit explodiert, so dass nun der Neid um die Ressourcen des Nachbarn gravierendere Dimensionen erreichen konnte. Die technischen Errungenschaften für effizientere Kriegsführungen erlaubten es dabei schon vor Jahrhunderten, nicht mehr nur einzelne Sippschaften, sondern gleich ganze Völker gezielt auszurotten, um so an gewichtigere Ressourcen zu gelangen.

Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Überfall durch europäische Kolonialmächte auf den amerikanischen Kontinent. Dabei traf es die indianischen Völker auf dem Nordkontinent besonders hart. Man wollte, anders als in Südamerika, keine Sklaven, die unter Zwang und zugunsten der Eroberer ihr eigenes Land bewirtschaften mussten. Nein, nicht die Früchte, die das Land abwerfen konnte, stellten das Ziel der Begehrlichkeiten dar, sondern das Land selbst. Und dies ließ sich nur durch die umfassende Vernichtung der Ureinwohner erreichen.

Doch nicht alle Indianerstämme Nordamerikas konnten restlos ausgelöscht werden. Daher wurden überlebende Sippen in Reservationen gezwungen, wodurch sich naturgemäß immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den weißen Eroberern und den in umzäunten Ländereien eingepferchten Ureinwohnern ergaben. Ort der Austragung empfindlicher Kampfhandlungen im Verlaufe des 19. Jahrhunderts waren die Bundesstaaten South-Dakota und Montana im Nordwesten der USA. So mussten die Sioux 1890 ein blutiges Massaker nahe der Ortschaft Wounded Knee im Areal der heutigen Pine Ridge Reservation über sich ergehen lassen. Das Gemetzel gilt als letzter Höhepunkt der so genannten Indianerkriege, die den langen Zeitraum zwischen 1620 und 1890 überschatteten. Maßgeblich verantwortlich für die Bluttat am Wounded Knee zeichnete sich der US-Colonel James William Forsyth (1834-1906), der den Auftrag der US-Regierung verfolgte, Sioux-Indianer um die bekannten Häuptlinge Spotted Elk und Sitting Bull in ein Militärlager in Nebraska zu eskortieren.

Die US-Regierung fürchtete nämlich zunehmend den indianischen Widerstand, der bereits 1876 eskaliert war und in der Schlacht am Little Bighorn hunderte Soldaten des 7. Kavallerie-Regiments unter George Armstrong Custer (1839-1876) das Leben kostete. Zwar lag dies bei den Geschehnissen am Wounded Knee schon lange zurück, doch inzwischen war eine neue spirituelle Strömung in den Indianer-Lagern aufgekommen, die starke Ängste seitens der US-Regierung schürte. Der Geistertanz des Wovoka, eines bedeutenden Propheten der Paviotso-Paiute-Indianer, war nichts anderes als eine Bemühung, indianisches Kulturgut mit der christlichen Religion des weißen Mannes in Harmonie zu bringen, um dadurch ein friedlicheres Miteinander zu ermöglichen. Doch die zunehmende Verbreitung des Friedens-Tanzes wurde durch die US-Regierung als Drohung missverstanden.

Die daher angeordnete Überführung der vermeintlich Aufsässigen nach Nebraska kam jedoch nicht mehr zustande. Leibesvisitationen an den zu Unrecht Verdächtigten führten zu einem Unglücksfall. Als nämlich der wehrhafte Medizinmann Yellowbird einen Geistertanz andeutete und Black Coyote die Herausgabe seiner Winchester verweigerte, kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sich ein Schuss löste. In der Folge erschoss das anwesende US-Militär gnadenlos über 300 Männer, Frauen und Kinder.

Dies alles liegt nun fast 120 Jahre zurück. Und die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Begriffe wie Moral und Menschenrechte nehmen zumindest formell einen hohen Stellenwert in modernen westlichen Gesellschaften ein. Und doch gehören die heutigen Nachfahren Sitting Bulls keineswegs zu den Begünstigten moderner Wertevorstellungen. Damit ergeht es ihnen zumindest nicht anders als der schwarzen US-Bevölkerung, die den Bemühungen Martin Luther Kings (1929-1968) zum Trotz noch immer Opfer von Rassismus und Polizeigewalt wird.

Derzeit versammeln sich entlang des Cannonball River in einem der größten Indianer-Reservate innerhalb der USA zunehmend zahlreiche Sympathisanten des Sioux-Häuptlings Dave Archambault II, um mit ihm gegen Pläne des Bundesstaates North-Dakota und des United States army Corps of Engineers zu protestieren. Stein des Anstoßes ist eine Ölpipeline, die sich über eine Strecke von fast 2000 Kilometern aus dem westlichen North-Dakota kommend bis in den Bundesstaat Illinois im mittleren Westen erstrecken soll. Die geplante Konstruktion sieht vor, dass täglich beeindruckende 470000 Barrel Öl verschickt werden können. Ein in wirtschaftlicher Hinsicht ohne Zweifel lukratives Unternehmen, gäbe es nicht gleich zwei Leidtragende, nämlich die indianische Bevölkerung und die intakte Natur. Wie schon vor zweihundert Jahren gelten die Ureinwohner des Landes offenbar auch heute nicht allzu viel.

Denn die Pipeline soll nicht irgendwo verlaufen, sondern durch indianisches Gebiet. Die Bauarbeiten würden das geschichtsträchtige Land der Sioux verschandeln, denen man ohnehin wahrlich nicht viel aus ihrer Vergangenheit übrig gelassen hat. Noch schlimmer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Indianer in keiner Weise in die Entscheidungsfindung mit einbezogen worden sind. Das durch die Landesregierung im Schnellverfahren gebilligte Projekt soll auf dem Rücken der eigentlichen Landbesitzer, nämlich der Sioux, ausgetragen werden, die sich hiergegen entschieden zur Wehr setzen, durch Demonstrationen und in Form offizieller Genehmigungsverfahren.

Denn es geht keineswegs „nur“ um den Erhalt der ehrwürdigen Gräber und Kultstätten. Auch ihre Gesundheit sehen die Ureinwohner Dakotas durch den Bau der Ölleitung in Gefahr. Da die Pipeline in der Tiefe unterhalb der Flüsse verlaufen soll, wird eine Verschmutzung des natürlichen Trinkwassers befürchtet. Mindestens genauso schwerwiegend sind jedoch die Folgen für das Gleichgewicht der Natur. Artensterben könnten die Folge sein und die Sioux ihrer traditionellen Nahrungsgrundlage berauben.

Doch wo der Dollar regiert, bleiben Gewissen und Vernunft nur allzu häufig auf der Strecke. Archambault II bemüht in Interviews daher zurecht Vergleiche mit der Zeit der Indianerkriege. Jack Dalrymple, der Gouverneuer von North-Dakota ist und als ein Berater des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gilt, vergleicht er gar mit einem General Custer der Moderne.

Doch wie reagiert die Regierung North-Dakotas auf die Bemühungen der Sioux? Mit Gesprächsbereitschaft und einem offenen Ohr, einem schlechten Gewissen womöglich sogar? Weit gefehlt, stattdessen mit blanker Polizeigewalt, denn unter dem Vorwand, womöglich Rohrbomben herstellen zu wollen, ist der couragierte Häuptling mitsamt über zwanzig Mitstreitern kurzerhand verhaftet worden. Die vorgeblichen Bomben waren in Wahrheit nichts anderes als Indianerpfeifen, die rituellen Zwecken dienten. Die Gefangenen sind daher offenbar wieder auf freiem Fuß, und somit dazu imstande, den Kampf um das Erbe ihrer Vorfahren und um ihre längst überfällige gesellschaftliche Akzeptanz fortzuführen.

In einer westlichen Welt, in der Political Correctness als Zeichen guter Erziehung gilt, in der jedes Unternehmen mindestens zehn Frauenbeauftragte beschäftigt und in der diskutiert wird, ob jeder Mensch sein Geschlecht willkürlich festlegen kann oder nicht, in einer Welt, in der die christliche Kirche Nächstenliebe predigt, damit aber die Diskriminierung anderer Kulturkreise meint, in einer Welt, in der Hollywood zuhause ist, die aber ihre indianische Urbevölkerung wie vor zweihundert Jahren ausgrenzt und übergeht, in einer solchen Welt stimmt etwas nicht!

 

Copyrights Stefan F. Wirth,

Berlin 29.08.2016

Die PISA-Studie und Deutschlands Bildungsarmut

Sie ist blond und selbstbewusst. Sie verfügt über eine beachtliche Oberweite und ist es gewohnt zu bekommen, was sie gerne möchte (Haarfarbe verfremdet, um keine individuelle Person durch diesen Artikel erkennbar werden zu lassen). Und sie ist verärgert, redet sich geradezu in Range. Doch was war geschehen?

Wir befinden uns in meinem Kurs „Ökologie und Evolution“ für Lehramtsstudenten im Masterstudiengang an der FU Berlin vor ungefähr drei Jahren. Eigentlich beginnt der Kurstag mit einer Vorlesung und geht dann in ein mehrstündiges Praktikum über.

Doch am ersten Tag der Lehrveranstaltung verschiebt sich üblicher Weise alles erheblich nach hinten, an ein konzentriertes Arbeiten während des praktischen Teils ist daher meist kaum zu denken. Denn auf den ersten Kurstag pflegten sich die Studenten stets so außergewöhnlich gut vorzubereiten, dass die damit verbundenen Diskussionen leicht Stunden in Anspruch nehmen konnten. Die Anlässe des Gesprächsbedarfs waren immer ähnlich und ließen sich unter einem gemeinsamen Nennern zusammenfassen: Lehramtsstudenten, insbesondere im fortgeschrittenen Studium, sind gerne faul. Sie möchten die zu erbringende Leistung schon von Beginn an erheblich verringert wissen. Denn vorgeblich sind sie durch die Anforderungen ihres Studiums bereits so sehr beansprucht, dass ihnen wahrlich nicht noch viel mehr aufgebürdet werden könne. In Wahrheit üben sie bereits für die nicht mehr ferne praktische Arbeit an deutschen Schulen. Und die sieht mehrheitlich bekanntermaßen so aus: hohe Gehälter, luxuriöse Urlaubsreisen in den Ferienzeiten der Schüler, kein Engagement und kein Interesse an der Lehre, häufige Krankschreibungen und Unkündbarkeit aufgrund des Beamtenstatus. Was für ein Leben!

An jenem Tage also ließ mich Sabine Schwund (Name geändert) gar nicht erst zu Wort kommen. Noch bevor ich meinen ersten Gruß an die neuen Studenten entrichten konnte, sprudelte es aus ihr heraus: Sie habe die im Vorlesungsverzeichnis offiziell angekündigte Gesamtstundenzahl, die für den Kurs veranschlagt worden war, überprüft und sei zu dem Ergebnis gelangt, dass der Kurs in seiner Gesamtdauer einige Stunden zu lang sei. Gut, natürlich hätte sie auch schweigen und sich darüber freuen können, mehr Lehre als normaler Weise vorgesehen erfahren zu dürfen. Doch das entspricht nun gar nicht der Neigung von Frau Schwund, auch nicht der Neigung der Mehrzahl ihrer Kommilitonen. Der Kurs sollte, so die unerbittliche Forderung, auf das rechte Maß hinunter gekürzt werden. Ich war beeindruckt und kündigte an, dies durch die zuständige Sachbearbeiterin der Universität überprüfen zulassen. Im Ergebnis war der Kurs dann in der Tat entsprechend zu verringern.

Doch das genügte Frau Schwund nicht, die diesen Erfolg sicherlich bereits vor Beginn der ersten Vorlesung absehen konnte. Denn auch an der täglichen Dauer der Kurstage störte sie sich empfindlich, und damit war sie unter ihren Kommilitonen nicht allein. Einen solch langen täglichen Praktikums-Teil wollte sich Frau Schwund nicht vorstellen müssen. Allerdings musste sie in diesem Anliegen trotz ihrer eisigen fordernden Blicke als Bittstellerin auftreten, denn die tägliche Stundenzahl entsprach exakt derjenigen, die von der Lehrveranstaltung erwartet wurde. Da ich zunächst entsprechend abweisend reagierte, sah sich Frau Schwund schnell gezwungen, andere Seiten aufzuziehen. Auf ein Zeichen von ihr hin fiel ein Großteil der Studenten in ihr Gezeter ein, so dass ich mich bedrängt fühlte und im Namen eines harmonischen Ablaufes zustimmte, den Praktikumsteil etwas zu verkürzen. Wahrhaft unglaublich, mag sich der Leser an dieser Stelle wohl denken. Doch dann kennt der Leser moderne Lehramtsstudenten noch nicht und insbesondere nicht Sabine Schwund. Denn noch vor Beginn meiner ersten Vorlesung kündigte ich an, über die Zeitdauer des gesamten Kurses hinweg gleich mehrere Exkursionen durchführen zu wollen.

Natürlich wusste ich längst, dass Lehramtsstudenten, vor allem, wenn sie bereits das Master-Niveau erreicht haben, für Inhalte ihres eigenen Lehrfachs eher nicht zu begeistern sind. Diese also durch anstrengende und unspektakuläre Exkursionen vertiefen zu wollen, kann nur zum Scheitern verurteilt sein. Also bot ich stets besonders attraktive Ziele an, um die Studenten zu ermutigen, sich in exklusivem Ambiente der Vertiefung ihrer Kenntnisse zur Ökologie und Evolutionsbiologie widmen zu können. So fanden in meinen Lehrveranstaltungen regelmäßige Sammelexkursionen ins „Tropical Islands“ statt, einer riesigen Wasser-Wellness-Freizeitanlage, die auch tropische Pflanzen in großer Zahl beinhaltet. Bekanntermaßen sind in der Einrichtung interessante kleine Organismen anzutreffen, die tropischen Ursprungs sind und über den internationalen Pflanzen-Versand verbreitet werden. Diese Organismen schaden niemandem, können auch nur innerhalb von Gewächshäusern überleben, sind aber aus biologischer Sicht oft sehr spannend. Als Beispiel hierfür sind die Zwerggeißelskorpione aufzuführen, die in der Einrichtung regelmäßig angetroffen werden können. Selbstverständlich war der Eintritt für Studenten frei. Außerdem war es erlaubt, nach Beendigung der offiziellen Exkursion privat im Tropical Islands zu verbleiben. Eine weitere Exkursion führte hinter die Kulissen des Berliner Naturkundemuseums oder in die Gewächshäuser des Botanischen Gartens, die ebenfalls eine tierische Artengemeinschaft tropischen Ursprungs zu verzeichnen haben. Im Sommer stand zudem eine Sammelexkursion in den Berliner Grunewald auf dem Programm. Hier galt es, sich dem komplexen Ökosystem eines Areals aus ehemaligen Kiesgruben zu widmen. Wer noch nie eine Ringelnatter, eine Blindschleiche und diverse Amphibien „in echt“ gesehen hatte, kam hier stets auf seine Kosten.

Und doch wurde mein Engagement, den Studenten mehr als üblich nahebringen zu wollen, keineswegs positiv gewürdigt. Schon erst recht nicht durch Frau Schwund, die sofort, nachdem die geplanten Exkursionen Erwähnung fanden, wusste, dass dies eine Überforderung von Lehramtsstudenten im Masterstudiengang darstellte. Also erkämpfte sich die wackere Sabine zusammen mit den ihr zur Seite stehenden Kommilitonen eine Exkursion weniger.

Doch bereits im Vorfeld hatte nicht nur Frau Schwund ein gutes Argument parat, um letztlich auch eine der noch verbliebenen Exkursionen schamlos schwänzen zu können. Denn irriger Weise gingen die Studenten dieser Kursreihe fast immer davon aus, ihnen stünde eine bestimmte Anzahl an Fehltagen per se zu. So nahmen also in jenem Semester nur 50 Prozent der Kursteilnehmer (also etwa 12 Studenten) an der Exkursion ins Tropical Islands teil.

Der Kurs wurde dann bei Ablauf des Semesters durch eine Klausur beendet. Und die unterschied sich stets deutlich von Klausuren anderer Lehrveranstalter im Institut. Denn das Multiple-Choice-Prinzip ist für mich indiskutabel, verhindert es doch, den Studenten zum Denken in klaren Zusammenhängen zu nötigen. Stattdessen war, sehr zum Missfallen von Sabine Schwund, neben Aufzählungen und Beschriftungen wissenschaftlicher Skizzen auch ein anderer Lösungsweg zu begehen: Fragen sollten in Form eines zusammenhängenden schriftlichen Textes beantwortet werden.

Die haarsträubenden Konsequenzen unseres desaströs schlechten Bildungssystems kamen hier nicht selten deutlich zum Ausdruck: Rechtschreibeschwäche, grammatikalische Unkenntnis der eigenen Sprache sowie die Unfähigkeit, in logischen Zusammenhängen zu formulieren, ließen meine Korrektur-Arbeiten häufig zu einem traurigen Erlebnis werden.

Heute sind Frau Schwund und ihre Kommilitonen von damals längst in deutschen Schulen unterwegs. Doch was können sie dort tatsächlich leisten, was sind sie imstande, unserem Nachwuchs zu vermitteln, mit auf den Weg zu geben?

Die inzwischen unter Lehrern verhassten Pisa-Studien zeigen im internationalen Vergleich eindeutig immer und immer wieder auf, dass nur wenig an die Schüler vermittelt wird. Die fehlende Allgemeinbildung der Erstsemester-Studenten an den Universitäten belegt dies zusätzlich, wie mir Kollegen immer wieder bestätigten.

Man darf von Lehrern, die einmal solche Studenten gewesen sind, wie ich sie oben beschreibe, auch nicht allzu viel erwarten. Im Grunde darf man von ihnen sogar nichts, absolut überhaupt nichts erwarten.

Da nutzt es gar nichts, dass wir derzeit so viele unterschiedliche Schulsysteme aufweisen können wie niemals zuvor. Denn auch bei herabgesetztem Autoritätsverhältnis zwischen Schülern und Lehrern kann nur dann der Lehrer dem Schüler ein rundes Wissen vermitteln, wenn er selbst auch über ein solches verfügt. Das ist aber oft nicht der Fall. Und die aktuelle Regierung scheint weit davon entfernt zu sein, diesen Zustand ändern zu wollen. Was durchaus nachvollziehbar erscheint, wenn man bedenkt, dass das Bildungsniveau selbst in den höchsten politischen Kadern derzeit eher nicht sehr hoch angesiedelt zu sein scheint.

Ein weitreichendes Bildungssystem, wie es Deutschland einmal besessen hat, würde wohl kaum Wähler hervorbringen, die ihr Kreuz für die aktuellen Regierungsparteien setzen würden.

Aber auch einer Regierung aus Bräsköpfen muss doch klar sein, dass Unbildung einer breiten Bevölkerung letztlich zu ökonomisch unvorteilhaften Konsequenzen führen muss.

Ich sehe das Problem an unseren Schulen nicht bei den Schülern und auch nicht in deren familiärem Umfeld. Die schlechte Schulbildung in Deutschland ist ganz alleine auf inkompetentes und unmotiviertes Lehrpersonal zurückzuführen. Dies wird zudem durch eine kontraproduktive und hilflose Politik gefördert.

Es besteht daher dringender Handlungsbedarf. Es müssen die richtigen Charaktere motiviert werden, sich für das Lehramt zu entscheiden. Nicht die Faulen und Hirnentleerten sollten auf unseren Nachwuchs losgelassen werden. Nur die richtigen Arbeitsvoraussetzungen werden dazu führen, bereits im studentischen Vorfeld die Spreu vom Weizen zu trennen.

Lehrer müssen bei Fehlverhalten, nachweislicher Inkompetenz und ungewöhnlicher Urlaubsfreudigkeit unkompliziert kündbar sein, so wie in anderen Berufen auch. Daher muss der Beamtenstand für Lehrer deutschlandweit vollständig abgeschafft werden!

Zwar haben sich bereits einzelne Bundesländer, wie zum Beispiel Berlin, dazu entschieden, entsprechende Schritte einzuleiten, doch dies bleibt ohne Erfolg, solange der Umweg über andere Bundesländer ins Beamtentum noch möglich ist. Üblich ist es beispielsweise, den fehlenden Beamtenstatus in Berlin zu umgehen, in dem man sich über Hamburg anstellen und dann nach Berlin versetzen lässt.

Doch nicht nur unkündbares Lehrpersonal belastet unseren Nachwuchs. Auch ausgeprägte Renitenzen bezüglich der Verweigerung, an regelmäßigen Fortbildungen teilzunehmen, verschlimmern die fehlende Wissensvermittlung durch Lehrer an ihre Schüler. Daher sind solche Lehrer, die die Ferienzeiten ihrer Schüler als eigene Urlaubszeiten betrachten, umgehend fristlos zu entlassen.

Leider sind für viele Lehramtsstudenten die guten Verdienstmöglichkeiten im Zusammenhang mit häufigen Urlaubszeiten ein großer Ansporn, diesen Berufsweg überhaupt einschlagen zu wollen. Dies ist unter anderem auch dadurch zu verhindern,  Lehrergehälter auf ein vernünftiges Maß zu kürzen.

Im Beamten-Stand verdient ein Gymnasiallehrer (abhängig von der konkreten Besoldungsstufe) netto mindestens um die 2800-3000 Euro. In Ländern wie Sachsen oder Berlin, in denen Lehrer nicht mehr verbeamtet werden können, liegt das Gehalt deutlich niedriger. Ein Einstiegsgehalt von netto um 1900 Euro ist für Lehrer weiterführender Schulen offenbar nicht ungewöhnlich.

Ich sage: Wer Reichtum anstelle fleißigen Engagements anstrebt, ist im Lehrberuf Fehl am Platze. Derjenige sollte lieber mit Aktien spekulieren oder eine Manager-Laufbahn in einer Bank absolvieren.

Der Blick auf einschlägige Internet-Foren zeigt klar, wofür sich angehende Lehrer interessieren: die Höhe der Gehälter in den verschiedenen Bundesländern, die Anzahl an Schulferien-Tagen sowie die Möglichkeit der Verbeamtung. All diese Anwärter auf das Lehramt müssen bei ihren Recherchen bereits im Vorfeld so sehr enttäuscht werden, dass sie sich für Tätigkeiten in anderen Berufsfeldern entscheiden. Nur hochmotivierte Idealisten können ein Bildungssystem voran bringen!

Wenn es dann auch noch gelingt, die zahlreichen Pädagogik-Veranstaltungen, die angehende Lehrer während ihres Studiums zu absolvieren haben, stark zu reduzieren, und zwar zugunsten der fachlichen Ausbildung, wird man feststellen, dass sich ganz andere Persönlichkeiten berufen fühlen, ihr Leben dem Lehramt zu widmen. Bessere Leute werden dies sein, die Freude an der Vermittlung von Wissen haben und eben nicht nach luxuriöser Faulheit streben. Wer aus Überzeugung und Begeisterung für das eigene Fach Wissen an Heranwachsende vermitteln möchte, wird automatisch nach etwas Übung dabei auch pädagogisch überzeugen. Überbordende Schwerpunkte der Lehramtsstudenten im Bereich der theoretischen Pädagogik sind redundant.

Auch die neueste Pisa-Studie fällt ernüchternd für Deutschland aus, und das, obwohl leichte Fortschritte hervorgehoben werden. Die Förderung leistungsschwacher Schüler habe sich nämlich immerhin verbessert. Dies ändert jedoch offenbar nichts daran, dass Schüler allgemein auch einfachste Aufgaben nicht zu lösen imstande sind (Quellen: z. B. Berichte der „Tagesschau“).

Ein Regierungswechsel (nach links, nach deutlich links!) scheint mir deutlich angeraten, um Deutschland nicht in einer breitgefächerten Bildungsarmut versumpfen sehen zu müssen.

Copyrights Stefan F. Wirth, 2016