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Kategorie: Medien

What happens with our trees in Winter? A forest area of the naturerefuge Teufelsberg Berlin in air-view

The Berlin forest Grunewald in winter, shown from the area of the urban nature refuge Teufelsberg. The colors, brownish and grey with a little bit of green, dominate the winter landscape. This has biological reasons: Trees of a forest drop their leaves during the autumn-period. This happens in order to reduce water loss due to evaporation. Before they fall, leaves change their colors, sometimes into powerful red or yellow forms.

Why do trees drop their leaves?

 

Chemically, the plant modifies chlorophyll into colorless components. Proteins (result of photosynthesis) out of these chlorophylls are resorbed by the plant (tree) in order to save nutrients for the cold season. Carotinoids then retain inside the leaves and appear in red or yellow shades. In winter, most trees are completely leafless and remind to skeletons, waiting for the next warm period.

Leafless trees in winter at nature refuge area Teufelsberg in Berlin, copyrights Stefan F. Wirth. Please like my videos also on youtube, in case you like them.

 

The Teufelsberg area in Berlin, a nature and  sports refuge

 

The Teufelsberg represents the second biggest mountain inside Berlin/Germany. It consists of rubble from the Second World War and extends about 80 m out of the plain around. It is named after a lake, which is located very nearby: the Teufelssee. The Teufelsberg is part of the „Grunewald“, an urban forest in the west of Berlin. Since 1950 the area was filled up with rubble from the city of Berlin, which was almost completely bombed down during the second World War.

Until 1972 about a third of all rubble from bombed buildings in Berlin were transported to the top of this mountain. After 1970 finally, the Teufelsberg was formed into a nature and free time area. Skiing and mountainbiking for example were enabled.

Kites, US-listening-station and drone footage

 

Today, also during the summer, people use the winds on the top of the mountain to fly kites. Since the late 1950s during the Cold War a listening station was built close to the Teufelsberg, which still exists as a ruin. The footage was captured with a drone (Dji Mavic Pro).

 

Copyrights Stefan F. Wirth, Berlin December 2018.

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Der Aufstand der Sioux

Der Begriff der Menschlichkeit wird oft falsch verwendet oder beschönigt. Sich um Mitmenschen zu sorgen und ihnen Gutes zuzufügen gilt ja ja üblicher Weise als „menschliches Handeln“. Doch aus biologischer Sicht scheint auch das Gegenteil menschlich, also typisch für unsere Art, zu sein, nämlich Schwächere zu unterdrücken und auszubeuten oder selbst unterdrückt und ausgebeutet zu werden. Macht durch Menschen über andere Menschen ist eine instinktive Leit-Motivation des Homo sapiens. Es handelt sich dabei um vorwiegend genetisch fixierte Verhaltensstrategien, die daher offenbar nicht weitgehend beeinflussbar sind durch Aspekte wie die Bewegung der Aufklärung, die Globalisierung oder die zunehmende Technisierung. Der Mensch kann von diesem Verhaltensdrang auch in der Moderne und dem vergleichsweise weltweit hohen Bildungsniveau nicht ablassen.

Die Scheußlichkeiten der Geschichte wiederholen sich immer wieder aufs Neue, weil der Mensch seinen Erfahrungen und Errungenschaften zum Trotz in wesentlichen Zügen ein Savannenbewohner mit urtümlichen Gesellschaftsstrategien geblieben ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn man kein Anhänger der reinen Savannen-Theorie ist, sondern davon ausgeht, dass die Evolution früher Hominiden in sehr enger Beziehung zu afrikanischen Gewässern vonstatten gegangen sein muss. Es galt damals wie heute, in der Nachbarsippe einen Konkurrenten zu sehen und zum eigenen Vorteil nach dessen Besitz zu trachten. Das prähistorische Prinzip hat sich auch in der Neuzeit nicht verändert. Und wenn doch, dann sogar ins Nachteilige, denn die Bevölkerungsdichte ist weltweit explodiert, so dass nun der Neid um die Ressourcen des Nachbarn gravierendere Dimensionen erreichen konnte. Die technischen Errungenschaften für effizientere Kriegsführungen erlaubten es dabei schon vor Jahrhunderten, nicht mehr nur einzelne Sippschaften, sondern gleich ganze Völker gezielt auszurotten, um so an gewichtigere Ressourcen zu gelangen.

Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Überfall durch europäische Kolonialmächte auf den amerikanischen Kontinent. Dabei traf es die indianischen Völker auf dem Nordkontinent besonders hart. Man wollte, anders als in Südamerika, keine Sklaven, die unter Zwang und zugunsten der Eroberer ihr eigenes Land bewirtschaften mussten. Nein, nicht die Früchte, die das Land abwerfen konnte, stellten das Ziel der Begehrlichkeiten dar, sondern das Land selbst. Und dies ließ sich nur durch die umfassende Vernichtung der Ureinwohner erreichen.

Doch nicht alle Indianerstämme Nordamerikas konnten restlos ausgelöscht werden. Daher wurden überlebende Sippen in Reservationen gezwungen, wodurch sich naturgemäß immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den weißen Eroberern und den in umzäunten Ländereien eingepferchten Ureinwohnern ergaben. Ort der Austragung empfindlicher Kampfhandlungen im Verlaufe des 19. Jahrhunderts waren die Bundesstaaten South-Dakota und Montana im Nordwesten der USA. So mussten die Sioux 1890 ein blutiges Massaker nahe der Ortschaft Wounded Knee im Areal der heutigen Pine Ridge Reservation über sich ergehen lassen. Das Gemetzel gilt als letzter Höhepunkt der so genannten Indianerkriege, die den langen Zeitraum zwischen 1620 und 1890 überschatteten. Maßgeblich verantwortlich für die Bluttat am Wounded Knee zeichnete sich der US-Colonel James William Forsyth (1834-1906), der den Auftrag der US-Regierung verfolgte, Sioux-Indianer um die bekannten Häuptlinge Spotted Elk und Sitting Bull in ein Militärlager in Nebraska zu eskortieren.

Die US-Regierung fürchtete nämlich zunehmend den indianischen Widerstand, der bereits 1876 eskaliert war und in der Schlacht am Little Bighorn hunderte Soldaten des 7. Kavallerie-Regiments unter George Armstrong Custer (1839-1876) das Leben kostete. Zwar lag dies bei den Geschehnissen am Wounded Knee schon lange zurück, doch inzwischen war eine neue spirituelle Strömung in den Indianer-Lagern aufgekommen, die starke Ängste seitens der US-Regierung schürte. Der Geistertanz des Wovoka, eines bedeutenden Propheten der Paviotso-Paiute-Indianer, war nichts anderes als eine Bemühung, indianisches Kulturgut mit der christlichen Religion des weißen Mannes in Harmonie zu bringen, um dadurch ein friedlicheres Miteinander zu ermöglichen. Doch die zunehmende Verbreitung des Friedens-Tanzes wurde durch die US-Regierung als Drohung missverstanden.

Die daher angeordnete Überführung der vermeintlich Aufsässigen nach Nebraska kam jedoch nicht mehr zustande. Leibesvisitationen an den zu Unrecht Verdächtigten führten zu einem Unglücksfall. Als nämlich der wehrhafte Medizinmann Yellowbird einen Geistertanz andeutete und Black Coyote die Herausgabe seiner Winchester verweigerte, kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sich ein Schuss löste. In der Folge erschoss das anwesende US-Militär gnadenlos über 300 Männer, Frauen und Kinder.

Dies alles liegt nun fast 120 Jahre zurück. Und die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Begriffe wie Moral und Menschenrechte nehmen zumindest formell einen hohen Stellenwert in modernen westlichen Gesellschaften ein. Und doch gehören die heutigen Nachfahren Sitting Bulls keineswegs zu den Begünstigten moderner Wertevorstellungen. Damit ergeht es ihnen zumindest nicht anders als der schwarzen US-Bevölkerung, die den Bemühungen Martin Luther Kings (1929-1968) zum Trotz noch immer Opfer von Rassismus und Polizeigewalt wird.

Derzeit versammeln sich entlang des Cannonball River in einem der größten Indianer-Reservate innerhalb der USA zunehmend zahlreiche Sympathisanten des Sioux-Häuptlings Dave Archambault II, um mit ihm gegen Pläne des Bundesstaates North-Dakota und des United States army Corps of Engineers zu protestieren. Stein des Anstoßes ist eine Ölpipeline, die sich über eine Strecke von fast 2000 Kilometern aus dem westlichen North-Dakota kommend bis in den Bundesstaat Illinois im mittleren Westen erstrecken soll. Die geplante Konstruktion sieht vor, dass täglich beeindruckende 470000 Barrel Öl verschickt werden können. Ein in wirtschaftlicher Hinsicht ohne Zweifel lukratives Unternehmen, gäbe es nicht gleich zwei Leidtragende, nämlich die indianische Bevölkerung und die intakte Natur. Wie schon vor zweihundert Jahren gelten die Ureinwohner des Landes offenbar auch heute nicht allzu viel.

Denn die Pipeline soll nicht irgendwo verlaufen, sondern durch indianisches Gebiet. Die Bauarbeiten würden das geschichtsträchtige Land der Sioux verschandeln, denen man ohnehin wahrlich nicht viel aus ihrer Vergangenheit übrig gelassen hat. Noch schlimmer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Indianer in keiner Weise in die Entscheidungsfindung mit einbezogen worden sind. Das durch die Landesregierung im Schnellverfahren gebilligte Projekt soll auf dem Rücken der eigentlichen Landbesitzer, nämlich der Sioux, ausgetragen werden, die sich hiergegen entschieden zur Wehr setzen, durch Demonstrationen und in Form offizieller Genehmigungsverfahren.

Denn es geht keineswegs „nur“ um den Erhalt der ehrwürdigen Gräber und Kultstätten. Auch ihre Gesundheit sehen die Ureinwohner Dakotas durch den Bau der Ölleitung in Gefahr. Da die Pipeline in der Tiefe unterhalb der Flüsse verlaufen soll, wird eine Verschmutzung des natürlichen Trinkwassers befürchtet. Mindestens genauso schwerwiegend sind jedoch die Folgen für das Gleichgewicht der Natur. Artensterben könnten die Folge sein und die Sioux ihrer traditionellen Nahrungsgrundlage berauben.

Doch wo der Dollar regiert, bleiben Gewissen und Vernunft nur allzu häufig auf der Strecke. Archambault II bemüht in Interviews daher zurecht Vergleiche mit der Zeit der Indianerkriege. Jack Dalrymple, der Gouverneuer von North-Dakota ist und als ein Berater des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gilt, vergleicht er gar mit einem General Custer der Moderne.

Doch wie reagiert die Regierung North-Dakotas auf die Bemühungen der Sioux? Mit Gesprächsbereitschaft und einem offenen Ohr, einem schlechten Gewissen womöglich sogar? Weit gefehlt, stattdessen mit blanker Polizeigewalt, denn unter dem Vorwand, womöglich Rohrbomben herstellen zu wollen, ist der couragierte Häuptling mitsamt über zwanzig Mitstreitern kurzerhand verhaftet worden. Die vorgeblichen Bomben waren in Wahrheit nichts anderes als Indianerpfeifen, die rituellen Zwecken dienten. Die Gefangenen sind daher offenbar wieder auf freiem Fuß, und somit dazu imstande, den Kampf um das Erbe ihrer Vorfahren und um ihre längst überfällige gesellschaftliche Akzeptanz fortzuführen.

In einer westlichen Welt, in der Political Correctness als Zeichen guter Erziehung gilt, in der jedes Unternehmen mindestens zehn Frauenbeauftragte beschäftigt und in der diskutiert wird, ob jeder Mensch sein Geschlecht willkürlich festlegen kann oder nicht, in einer Welt, in der die christliche Kirche Nächstenliebe predigt, damit aber die Diskriminierung anderer Kulturkreise meint, in einer Welt, in der Hollywood zuhause ist, die aber ihre indianische Urbevölkerung wie vor zweihundert Jahren ausgrenzt und übergeht, in einer solchen Welt stimmt etwas nicht!

 

Copyrights Stefan F. Wirth,

Berlin 29.08.2016

Invasion der Gammaeule beim EM-Finale im Stade de France

 

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  Gammaeule (Autographa gamma), Bildquelle Wikipedia, nicht im Stade de France aufgenommen.

 

Im Grunde gibt es doch nichts Langweiligeres als ein Fußballspiel, das im Fernsehen übertragen wird. Doch Fußball gilt als wichtig, insbesondere dann, wenn große Meisterschaften anstehen, wie beispielsweise eine EM. Selbst die edelsten Restaurants stellen plötzlich Fernseher auf und scheren sich einen feuchten Kehricht darum, ob der Gast Fußball schauen möchte oder nicht.

Es wissen aber die Gastronomie-Betriebe auch sehr wohl, dass ohnehin nur eine Minderheit der Anwesenden ihre Abneigung gegen den Anblick grün übersättigter Fernsehbilder mit darin durchgeknallt umherzuckenden Kamikaze-Farbklecksen offen zugeben würde. Wie wild geworden hüpfen grell leuchtende T-Shirts einem Ball hinterher und entblößen dabei immer wieder mit dem Gehabe eines wütenden Orang-Utans auf GHB ihre nackten Oberkörper. So soll wenigstens auf erotische Weise die Aufmerksamkeit der Zuschauer erfolgreich zum Geschehen auf dem Rasen zurückgeführt werden. Schlägereien und Beschimpfungen unter Gästen in den Zuschauer-Tribünen werden ja regelmäßig zu Selbstzwecken und lassen das eigentliche Spiel im Hintergrund verblassen.

Schließlich sind die meisten Zuschauer auch ohnehin viel zu betrunken, um sich ernsthaft auf die sportlichen Taktik-Manöver der athletischen Elf konzentrieren zu können. Anspruchsvolle Strategien lassen sich im Alkoholrausch nun einmal prinzipiell nicht angemessen würdigen. Väterchen Alkohol blockiert stets zuverlässig alle Nervenleitungen, die für einen konstruktiven Intellekt verantwortlich sind. In der Folge dringen nur noch niedere Gefühlsregungen nach draußen, die für mich oft klingen wie ein trostlos-aggressives „Muuuh“ und „Määäh“.

Zum Glück erfordert blöder Nationalismus keine nennenswert differenzierten Abwägungen. Gelingt der richtigen Nationalfahne ein Tor, schreit man einfach „muuh“. Geht stattdessen der gegnerischen Mannschaft ein Ball ins Netz, stöhnt man hingegen missmutig „määäh“ oder schlägt wahlweise dem Nachbarn, der eine andere Fahne wedelt, aufs Maul.

Und so geht das wochenlang, Spiel für Spiel, Abend für Abend, immer wieder lautes Gekreische, paranoides Grunzen und stakkatoartig gelallte Ratschläge an die Fußballspieler, die diese nie befolgen.

Doch dann geschieht es: Beim EM-Finale am Sonntag, dem 10.07.2016, landet ein waschechtes UFO direkt vom Heimat-Planeten der Klingonen auf dem grünen Fussel-Parkett, und kleine grüne Männchen befallen das gesamte Spielfeld und tanzen auf den Köpfen der Fußball-Milliardäre einen argentinischen Tango.

Die Medien nehmen das Ganze jedoch sehr gefasst auf. Lapidar heißt es da nur: „Merkwürdige kleine grüne Dinger haben den Spielverlauf gestört. Techniker konnten sie am Ende dann doch noch erfolgreich mit einem Besen entfernen“.

Gut, ich gestehe, es ist kein UFO im Stade de France gelandet. Auch die Ausbreitung kleiner grüner Männchen war eine glatte Lüge.

Und doch ist eigentlich etwas sehr Ähnliches geschehen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel stellt nämlich kurzerhand das alberne finale Ballgehopse in den Schatten. „Mottenplage im Stade de France“, verkündet sportschau.de, „Ekel-Alarm beim EM-Finale: Motten im Stade de France“, weiß express.de. Doch auch Spiegel Online nimmt nichts als kleine geflügelte Lästlinge zur Kenntnis und meldet: „EM-Finale in Paris: Motten stören im Stade de France“.

Schande über die dümmlich piefige Ignoranz unserer Medien. Denn der Schmetterling Autographa gamma (Noctuidae, Lepidoptera), auf Deutsch „Gammaeule“ genannt, bietet weit mehr Spektakel als etwas, das hastig mit dem Besen weggeputzt werden muss.

Die Gammaeule ist ein Wanderfalter, der aus Südeuropa kommend in nördlichere Regionen über Mitteleuropa bis nach Skandinavien ausfliegt, um dort weitere Generationen hervorzubringen. Im Herbst treten dann Teile dieser Nachkommen wieder den Rückflug an. Nur gelegentlich wird ein Massenauftreten der Falter dokumentiert, wie nun offenbar im Stade de France zu sehen. Ich vermute, dass der Falter sich noch im Süden massenhaft vermehrt hat und die daraus hervorgegangenen erwachsenen Tiere nun zeitgleich auf der Durchreise waren. Es könnte sich jedoch auch bereits um eine Folgegeneration handeln, die kürzlich im Umfeld von Paris besonders zahlreich geschlüpft ist.

Die Gammaeule gehört zu den häufigsten Faltern, die hierzulande angetroffen werden können. Dies liegt unter anderem an der flexiblen Lebensweise der Art. Denn der Schmetterling ist tag- und nachtaktiv und daher auch bei Sonnenschein regelmäßig Nektar sammelnd im Schwebeflug über Blüten zu beobachten. Bei Nacht fliegen die Tiere häufig Lichtquellen an, wie zum Beispiel im Stade de France am gestrigen Abend.

Denn Berichten zufolge war das Stadion aus Sicherheitsgründen angesichts einer möglichen Terrorgefahr auch vor dem Finalspiel schon Tag und Nacht beleuchtet worden.

Aber warum um alles in der Welt fliegen diese Schmetterlinge, bei denen es sich wirklich nicht im Mindesten um „Motten“ handelt, überhaupt bei Nacht ins Licht?

Weil sie Opfer einer Verwechslung geworden sind, lautet eine wissenschaftlich gut begründete Hypothese. Ein heller Lichtschein in der Nacht ist für ein im Dunkeln aktives Insekt nämlich immer der Mond, der einen wichtigen Beitrag zur Orientierung dieser Hexapoden leistet. Indem das Tier einen bestimmten Winkel zu dem weit entfernten und aus seiner Sicht daher unbewegten Gestirn einhält, gelingt es ihm auch bei Dunkelheit, zuverlässig geradeaus zu fliegen. Erstrahlt eine künstliche Lichtquelle heller als der Mond, wird diese vom Insekt, hier dem Falter, mit dem leuchtenden Erdtrabanten verwechselt. Es bemüht sich nun instinktiv, den üblichen Flug-Winkel zum vermeintlichen Gestirn einzunehmen, das sich allerdings unerwartet nicht im All, sondern in unmittelbarer Nähe befindet. In der Folge umkreist das Tier eine Lampe, bis es an ihr verbrennt oder nicht weit entfernt erschöpft zu Boden geht, offenkundig so geschehen im Stade de France.

Die hier vorgestellte sogenannte Navigationstheorie ist allerdings nur eine von mehreren Theorien, um den zuverlässigen Flug  nachtaktiver Insekten zu künstlichen Lichtquellen zu erklären. Sie gilt jedoch als besonders plausibel.

Biologen machen sich die Eigenart des Lichtfluges vieler Insektenarten übrigens oft gezielt zunutze, wenn es darum geht, bestimmte Arten aus Forschungsgründen einzufangen. Leuchtstoffe, die Zoologen aus wissenschaftlicher Motivation mit dem Ziel aufstellen, Insekten anzulocken, werden als „Lichtfallen“ bezeichnet.

Selbst aktiv Fußball zu spielen macht Spaß, möchte ich noch hinzufügen. Doch anderen bei der sportlichen Betätigung zuzuschauen, ist für mich eine ganz besonders perfide Folter mit dem grausamen Werkzeug der hoffnungslos grenzenlosen Langeweile. Da muss erst ein solches Naturspektakel aufkommen, um mein Interesse an den Geschehnissen der Europameisterschaft zu erwecken.

 

Copyrights für den Text: Stefan F. Wirth, 2016.

Die künftige historische Bedeutung der modernen Flüchtlingsströme nach Europa

Seit über einem Jahr berichten die Medien über ein scheinbar ganz neues und ungewöhnlich bedrohliches Phänomen: Flüchtlinge aus dem mittleren Osten, zumeist politisch Verfolgte, überschreiten in Scharen Europas Grenzen. Als illegale Einwanderer bitten sie um Asyl, ersuchen um Hilfe in der Not. Denn in ihren Herkunftsländern herrschen schwerwiegende Bürgerkriege. Terror und Tod sind an der Tagesordnung.

Also haben sich die Menschen auf die Reise in Gebiete begeben, in denen sie sich ein besseres Leben erhoffen.

 

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multikulturelles Leben in Berlin (Copyrights Stefan F. Wirth)

 

Ausländerfeindlichkeit in Deutschland

 

Deutschland war und ist ein besonders bevorzugtes Ziel dieser Flüchtlinge, denn zu Unrecht erhält sich in ihrer Heimat standhaft das Gerücht, dass Deutschland reich sei und dort daher niemand mehr Not leiden müsse. Ein Irrtum, wie zahlreiche Asylanten längst festgestellt haben. Dennoch zeigen sich viele Deutsche hilfsbereit und bemühen sich aus Kräften, die Neuankömmlinge zu unterstützen.

Ein Großteil der deutschen Bevölkerung jedoch reagiert ablehnend und feindselig. Und das ist zunächst keineswegs ein Grund für falsche Scham. Ich bin viel gereist und weiß daher, dass die meisten Länder dieser Welt nicht einmal annähernd so freundlich mit Ausländern umgehen wie es in Deutschland seit Dekaden üblich ist.

Und doch muss diese deutsche Fremdenfeindlichkeit konstruktiv hinterfragt und dann auch scharf kritisiert werden. Denn es geziemt sich für ein modernes und aufgeklärtes Land nicht, in unkontrolliertes und grundloses Wutbürgertum zu verfallen.

Für den Berichtsmonat Februar 2016 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind 66,127 Asyl-Erstanträge vermerkt, vorwiegend handelt es sich dabei um Flüchtlinge der oben benannten Gruppen. Selbstverständlich gibt es Dunkelziffern, manch einer reist mit gefälschten Papieren ein und stellt gleich mehrere Anträge, während andere das formelle Procedere umgehen und einfach untertauchen. Im Oktober 2015 befanden sich nach Schätzungen der FAZ insgesamt etwa 800 000 Flüchtlinge in Deutschland. Die Zahl ist bis heute natürlich drastisch gestiegen und überschreitet sicher eine Million.

Dennoch möchte ich diese hier nur vage erfasste Zahl anwesender Flüchtlinge der Einwohnerzahl Deutschlands gegenüber stellen. Ende 2015 waren nämlich immerhin 81,2 Millionen Menschen als Bundesbürger registriert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Bundesbürger unter aktuellen Bedingungen niemals einen Flüchtling überhaupt nur zu sehen bekommen, ist daher ausgesprochen groß.

Doch warum dann diese unbestimmte Angst, die so schnell in unbändige Wut umschlagen kann? Das deutsche Finanz- und Steuerwesen wird nicht unter den Neuankömmlingen zu leiden haben. Auch ist die Unterstellung krimineller Vorsätze durch Asylanten nicht mit vernünftigen Argumenten oder klaren Indizien zu begründen.

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eingeschränkte Wahrnehmung (copyrights Stefan F. Wirth)

Es bleibt als Erklärungsansatz lediglich eine Abscheu vor Andersartigkeit, die Befürchtung, irgendetwas am althergebrachten Alltag könne sich verändern. Leider haben wir es also vorwiegend mit diffusen Emotionen zu tun, die zu Ablehnung, Brandstiftung und unsäglichen Diffamierungen führen.

Dabei könnten gebildete Asylanten-Gegner durchaus versuchen, ihren Unmut und etwaige existentielle Befürchtungen historisch zu begründen. Doch dies gibt das derzeit in Deutschland vorherrschende Bildungsniveau schlichtweg nicht her. Historische Kenntnisse reichen allenfalls bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Damals hat sich Deutschland sehr effizient gegen alles Andersartige zur Wehr gesetzt. Wie stark und durchsetzungsfähig das Land damals gewesen ist, damit befasst man sich zunehmend sehr gerne. Schon allein deswegen, weil in jenen Zeiten alles so einfach war. Ausländer und politisch Andersdenkende wurden ohne großes Wenn und Aber eliminiert, man schätzte lange Diskussionen nicht. Jeder radikalisierte Hauptschüler, der im Unterricht nie folgen konnte, darf sich heute wieder schamlos öffentlich mit dem Ideengut seiner Urgroßeltern identifizieren. Und doch werden weder die Flut der Flüchtlinge selbst noch der Hass der Deutschen auf diese Einwanderer jemals von historischer Bedeutung sein.

Die Zukunft nämlich stellt ganz andere Herausforderungen an die Menschheit. Und für eine strenge Trennung der Nationalitäten, für ethnische Diffamierungen und Gewalt bleiben dabei kein Ressourcen übrig. Religionen als Haupttriebkräfte für rohe Gewalt unter Ethnien können weltweit im öffentlichen Leben keine Toleranz mehr erfahren. Der Klimawandel, die zunehmende Knappheit an Energierohstoffen, steigende Lebenserwartungen und Umweltkatastrophen dominieren die nächsten Jahrhunderte und verlangen von künftigen Gesellschaften Vernunft, Innovation und Zusammenhalt.

 

Invasion der Goten ins Römische Reich

 

Die Einwanderung der Terwingen

 

Dass Ströme aus Migranten innerhalb Europas und Vorderasiens letztmalig bestehendes Kulturgut seiner dauerhaften Vernichtung zuführten, liegt wahrlich lange zurück.

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römische Stadt (Pompeji, copyrights Stefan F. Wirth)

In einem Sommer des Jahres 376 wird es unruhig entlang der Donau, jener natürlichen Barriere, die das zweigeteilte römische Imperium vom Land der germanischen Barbaren trennt.

Die Hunnen, eine Völkerschar aus Zentralasien, suchen Osteuropa heim. Sie überfallen Dörfer und Städte in den Ländern der Ost- und Westgoten, die sich damals entlang der nördlichen Regionen des schwarzen Meeres erstreckten. Das Reitervolk plündert, was ihm in den Weg gelangt. Und es stößt dabei auf wenig ernst zunehmende Gegenwehr seitens der betroffenen Germanen-Völker, die schlicht überrumpelt werden, wohl auch, weil ihnen eine zentrale Organisation fehlt.

Die Motivation der Hunnen, Landstriche zu überfallen, die so fern ihrer ursprünglichen Heimat liegen, ist durch die Geschichtsforschung noch nicht gut verstanden. Womöglich, so heißt es, seien die Nahrungsmittel in den asiatischen Territorien einfach knapp geworden.

Zigtausende Menschen, die verschiedenen gotischen Stämmen angehören, verlassen fluchtartig ihre Dörfer und Städte und wenden sich der Donau zu. Ziel ist es, Zuflucht innerhalb der Grenzen des mächtigen Römischen Reiches zu finden.

Das Imperium Romanum wird zu jener Zeit durch zwei Herrscher regiert: Flavius Valens (328-378) in Ostrom und Gratian (359-383) im Westen.

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Kaiser Valens

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Kaiser Gratian

Während nun das gotische Volk der Terwingen unter den beiden Herrschern Fritigern und Alaviv an der Grenze zum römischen Herrschaftsgebiet lagert, fast 100 000 Menschen, Kinder, Alte, das eigene Hab und Gut nur notdürftig verpackt, bereitet Valens gerade einen Krieg gegen die Perser an der östlichen Grenze des Reiches vor.

Daher entscheiden sich Fritigern und Alaviv zu einem Schritt, der in damaliger Zeit keineswegs als ungewöhnlich gilt. Sie entsenden einen Boten, der Valens ein Asylgesuch überbringen soll. Da das römische Asylverfahren stets eine lukrative Gegenleistung voraussetzt, ist es durchaus ein geschickter Schachzug der Terwingen, dem römischen Kaiser zugleich Soldaten zur Unterstützung seines Vorhabens gegen die Perser anzubieten. Das Unterfangen ist dann auch tatsächlich von Erfolg gekrönt. Valens gestattet die Einreise der Terwingen, die daraufhin unter der strengen Kontrolle römischer Soldaten unter geordneten Bedingungen und dennoch in Scharen über die Donau setzen.

Der Kaiser, der die Situation nördlich der Donau nicht richtig einzuschätzen vermag, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er gerade selbst seine Mörder ins Land eingelassen hat.

Obwohl Rom Jahrhunderte lange Erfahrungen im Umgang mit legalen Einwanderern besitzt, ist man plötzlich unvorsichtig geworden und begeht bei der Abfertigung der nun im römischen Territorium befindlichen Terwingen zahlreiche schwere Fehler. Zunächst erfolgt die Entwaffnung der Männer nur unzureichend, die Bedingungen in den Auffanglagern sind schlecht, die Menschen hungern und begehren zunehmend auf.

So ist der zuständige römische Statthalter zum schnellen Handeln gezwungen. Er muss den Einwanderern irgendwie ein Signal setzen, dass die verhassten Notunterkünfte nur ein vorübergehendes Provisorium sind. Also schickt er überstürzt einen Flüchtlingstreck auf den Weg nach Marcianopolis. Hier soll allerdings nur ein großer Teil der Terwingen ankommen, denn ein wichtiger Aspekt des römischen Asylverfahrens besteht in der Dezentralisierung der Ankömmlinge. Dennoch werden zur Sicherung des langen Trosses um die gotischen Flüchtlinge Richtung Marcianopolis, das im heutigen Bulgarien liegt, ausgerechnet jene Legionen abgezogen, deren ursprüngliche Aufgabe die Bewachung der Donau war.

In der Folge eskaliert die Situation an verschiedenen Orten mehr oder weniger gleichzeitig. Der Treck mit den beiden Herrschern Fritigern und Alaviv steht schon kurz vor Marcianopolis als sich der römische Statthalter dazu entschließt,  die beiden Goten-Führer unkompliziert beseitigen zu lassen. Der Meuchelmord an fremdländischen Autoritätspersonen  wird in Rom als probates Mittel angesehen, um die Fähigkeit von Einwanderern zur Selbstbestimmung zu verringern. Doch das Attentat wird unprofessionell ausgeführt und Fritigern überlebt, im Gegensatz zu Alaviv.

Es verwundert daher nicht, dass Fritigern sein Volk nun in einen bewaffneten Aufstand gegen die römischen Unterdrücker führt, während zur selben Zeit die Greutungen, auch ein gotisches Volk, das nie um Asyl gebeten hat, ungehindert die Donau überqueren. Und sie sind dabei keineswegs allein. Einige alanische und hunnische Truppen haben sich ihnen angeschlossen.

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Schildbuckel der Greutungen

Die Terwingen unter Fritigerns Kommando befreien sich indes erfolgreich aus ihren Lagern und schlagen die römische Armee erfolgreich, die sich ihnen in den Weg stellt. Von nun an ziehen sie marodierend über den gesamten südöstlichen Balkan. Dabei kommt ihnen zugute, dass Valens zur Vorbereitung seines Kriegszuges gegen die Perser weit entfernt in Antiochia weilt. Es ist daher keine Legion mehr verfügbar, die sich den entfesselten Terwingen noch in den Weg stellen kann.

In seiner Verzweiflung bittet Valens seinen Mitregenten, den weströmischen Kaiser Gratian, um Verstärkung gegen die brandschatzenden Terwingen. Und tatsächlich gelingt es mit Hilfe weströmischer Legionen, die revoltierenden Eindringlinge zur Donau zurückzudrängen, zumindest vorübergehend. Unerwartet für Rom kommt dies den Terwingen jedoch zugute. Erneut schlagen sich  Römer und revoltierende Goten in einer Schlacht, die zwar dieses mal unentschieden endet,  jedoch die Terwingen geradewegs den noch immer nahe der Donau lagernden Greutungen zuführt. Es gelingt Fritigern nun, die beiden gotischen Stämme zu einem Bündnis zu vereinen, dem sich auch einige abtrünnig gewordene Hunnen-Trupps sowie Alanen-Verbände anschließen. Das Ergebnis ist eine große wehrhafte Armee, der Rom zunächst nichts mehr entgegensetzen kann.

 

Die Schlacht bei Adrianopel 378

 

Nun sehen die beiden Machthaber des Imperiums keine andere Möglichkeit mehr, als den den Eindringlingen selbst entgegen zu marschieren. Während Gratian sich mit seinen Armeen über das Balkangebirge nähert, zieht Valens Richtung Adrianopel in der heutigen Türkei.

Hier begeht der oströmische Kaiser nun einen äußerst verhängnisvollen Fehler als er sich dazu entschließt, das nahe gelegene und übermächtige Heer der Goten ganz im Alleingang anzugreifen, ohne zuvor die Ankunft Gratians abzuwarten. In der Folge werden Valens‘ Truppen vernichtend geschlagen. Die Erde auf dem Schlachtfeld färbt sich rot vor Blut, und die Römer erleben eine Niederlage, wie es sie seit der Varusschlacht nicht mehr gegeben hat. Valens selbst stirbt vermutlich noch auf dem Schlachtfeld.

Dennoch findet das Geschehen in der Folge zu einem vergleichsweise guten Ende, im Herbst 382 nämlich gelingt es, mit Gratian einen Friedensvertrag zu schließen, der den Goten eine Aufenthaltsgenehmigung sowie Ländereien zusichert. Es ist dies ein durch die gotischen Einwanderer erzwungener Kompromiss, etwas, das es in Rom seit Jahrhunderten so nicht mehr gegeben hat.

Das Römische Reich ist angreifbar geworden. Es folgen weitere Invasionen, in deren Verlauf sogar das Herz des Imperiums, Rom, schon im ersten vorchristlichen Jahrhundert durch Tibullus als Ewige Stadt bezeichnet, mehrfach eingenommen wird. Die so genannten Völkerwanderungen haben eingesetzt. Sie sind es,  die das einst so machtvolle große Imperium in den Untergang führen werden.

Das Weströmische Reich hört bereits irgendwann im 5. Jahrhundert auf zu existieren. Ostrom besteht hingegen noch bis ins 15. Jahrhundert fort, eine Zeit, die Historiker als spätbyzantinische Epoche bezeichnen werden.

Die nicht mehr unter römischer Herrschaft stehenden Gebiete werden ab dem 5. Jahrhundert zwischen Vandalen, Westgoten (den früheren Terwingen) und Franken aufgeteilt.

 

Untergang des Reiches und mittelalterliche Finsternis

 

Obwohl der Untergang des römischen Reiches schrittweise erfolgte und nicht alleine auf die Angriffe benachbarter Völkergruppen zurückgeführt werden kann, hat die missglückte Integration von Flüchtlingen Ereignisse eingeleitet oder zumindest beschleunigt, die das zuvor unbesiegbare Rom von innen und von außen her zersetzten.

Was für Konsequenzen hat so etwas nun für ein Land?  Neue Herrscher, eine ethnische Vermischung und andere Gesetze sind natürlich Folgen, die den Lebensalltag der einheimischen Bevölkerung stark erschüttern. Doch gravierende Umstrukturierungen hat es in der Geschichte der Menschheit immer wieder gegeben. Es zeichnet den Menschen sogar seit jeher besonders aus, sich Veränderungen erfolgreich anpassen zu können. Letztlich evolvierte der Homo sapiens sogar nur dadurch zu seinem heutigen Erscheinungsbild, dass sich die Umwelt, in der frühzeitliche Hominiden lebten, ständig abwandelte.

Auch Rückschritte hinsichtlich kultureller Kompetenzen hat der Mensch immer wieder durchleben müssen. Nun eben auch in der Folge der Einfälle germanischer Völkerscharen ins Römische Imperium. Und obwohl die Existenz neuer Herrscher sowie die genetische Vermischung der Ethnien die Bevölkerung auf keinen Fall ernsthaft überfordert haben kann, katapultiert der zunehmende Verlust römischen Wissens und römischer Technologien Europa und den nahen Osten in den folgenden Jahrhunderten in ein andauerndes Zeitalter der Düsternis.

Bahnbrechende römische Errungenschaften geraten spätestens ab dem Mittelalter weitgehend in Vergessenheit. Das Straßensystem veraltet. Die Kanalisation, jenes ausgeklügelte System aus Rohren und Leitungen, das jedes römische Haus versorgt und damit hygienische Bedingungen ermöglicht hat, geht in seiner fortschrittlichen Form verloren. Das hochentwickelte Bildungssystem, das die gesamte Bevölkerung Roms quer durch alle sozialen Schichten systematisch mit Wissen versorgt hat, wird abgeschafft und durch spirituelle Dogmen ersetzt. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden vernichtet, und nicht zuletzt hat man den freien Geist und die Lebensfreude zerstört und zu Gott ungefälligen Sünden erklärt.

Erst Aufklärung und moderne Technisierung, einhergehend mit der Industrialisierung, haben wieder einen hochentwickelten Standard erschaffen, ein Niveau, das zum Teil in Grundlagen bereits den antiken Römern bekannt war.

 

Moderne Zukunftsperspektiven

 

Lässt sich also mein Beispiel einer eskalierten Flüchtlingsinvasion der Spätantike als Mahnmal dafür anführen, dass die freundliche Aufnahme von Immigranten aus anderen Kulturkreisen auch heute noch zur ernsten Bedrohung unserer modernen Zivilisation heranreifen kann?

Ich muss sagen, dass es mir im Grunde vollständig gleichgültig ist, ob sich deutsche Bürger der Zukunft durch eine vorwiegend dunkle Hautfarbe mit schwarzen Haaren auszeichnen oder nicht. Wichtig ist doch, dass wir nicht befürchten müssen, durch bedrohliche Migrationsbewegungen erneut in einen dunklen Abgrund des Unwissens und einer Diktatur der Religionen zurückversetzt zu werden. Das kann niemals mehr geschehen, denn zu sehr sind wir auf unsere intellektuellen Fähigkeiten, die Grundlage allen technologischen Fortschritts, angewiesen.

Wir würden sonst die letzten Ressourcen sinnlos verschwenden und aussterben.

Unsere Zukunft wird uns mit ganz anderen Dingen konfrontieren, die alle Völker gemeinsam unter Ausschluss des religiösen Wahns erleben werden. Der Mars wird besiedelt werden, Dinosaurier entstehen durch genetische Manipulation aus Vögeln heraus neu, und Mammuts besiedeln die Steppen Sibiriens. Humanoide Roboter werden zum Alltag gehören und Reisen ins All einen neuen Tourismus-Zweig eröffnen.

Blood Moon signiert

Reisen ins All (copyrights Stefan F. Wirth)

 

 

(Historische Quellen: divers, darunter „Geo Epoche“ Nr. 76: „Die Völkerwanderung, Germanen gegen Rom“)

 

Copyrights, März 2016: Gesamter Artikel Stefan F. Wirth, ausgenommen Fotos, die nicht explizit mit meinen Copyrights versehen sind.

 

 

 

 

 

 

 

Warum Flüchtlinge in Deutschland ein Recht auf freundliche Behandlung verdienen und durch Wirtschaftsflüchtlinge dem deutschen Steuerzahler keine dauerhafte Gefahr droht

Ich reise viel, meist aus beruflichen Gründen. Daher weiß ich, wie es sich anfühlt, Gast in einem fremden Land zu sein. Oft bin ich dauerhaft auf die Gastfreundlichkeit in anderen Kulturkreisen angewiesen und mache die Erfahrung, dass mir diese auch stets freundlich entgegen gebracht wird.

Selbstverständlich kann dies nur erwarten, wer die Bereitschaft besitzt, sich den Gegebenheiten anzupassen. Dies jedoch wird den Flüchtlingen, die Deutschland derzeit in großer Zahl erreichen, von vielen pauschal abgesprochen. Es gibt zwar keine Fakten, die diese Vorurteile fremdenfeindlicher deutscher Bürger zu begründeten Anschuldigungen machen. Doch das scheint wenig von Belang für all diejenigen zu sein, die schon immer mit sich selbst unzufrieden waren und nun nach schwächeren Sündenböcken für das eigene verpfuschte Leben suchen.

Nur sehr selektiv interessiert sich der kleingeistige deutsche Wutbürger für die Verwendung seiner Steuergelder. Häufig fürchten sogar insbesondere diejenigen Steuerzahler eine Veruntreuung ihrer Abgaben, deren Steuerleistung aufgrund eines dauerhaften Arbeitslosengeld-II-Bezuges kaum der Rede wert ist.

Vieles geschieht mit Steuergeldern in diesem Land, das kritikwürdig ist, aber kaum je Kritik erfährt. Dies liegt in der tumben Bräsigkeit vieler Bürger begründet, die sich nur dann den Mund zerreißen, wenn ihnen die Medien entsprechende mundgerechte Häppchen vor die Nasen setzen.

Die sozialen Netzwerke schäumen über vor unreflektiertem Unfug. Äußerungen wie „bevor Du Gäste in Dein privates Zuhause einlädst, überlegst du Dir doch auch, ob Du Dir das überhaupt leisten kannst“ oder „die können sich doch alle Handys leisten, was wollen die also hier?“ lassen mir vor Entsetzen und Fremdscham regelmäßig die Nachkenhaare aufrecht stehen.

Deutschland ist seit jeher ein Land, dessen Bevölkerung sich aus verschiedenen Kulturen zusammensetzt, die meist miteinander harmonieren konnten. Wer will denn heute  noch ernsthaft die Nachkommen all derjenigen Gastarbeiter, die in den 1960-er und 70-er Jahren in Deutschland dringend benötigt wurden, verunglimpfen? Das wäre doch absurd, zahlen doch viele von ihnen heute längst mehr Steuern als mancher Deutsche. Auch Muslime tragen mindestens seit jenen Zeiten mit dazu bei, dass unsere Gesellschaft reichhaltiger geworden ist.

Und dennoch muss leider manchmal auch davon berichtet werden, dass gewisse muslimische Mitbürger die Aufklärung, die Freiheit und die hart erkämpften Menschenrechte in Deutschland mit Füßen treten, und dadurch sogar nicht selten schlicht gegen das deutsche Grundgesetz verstoßen. Dies darf natürlich nicht hingenommen werden, ganz im Gegenteil muss unsere freie und demokratische Gesellschaft rigoros seine modernen Werte verteidigen. Das steht immer außer Frage.

Dennoch ist es inakzeptabel, unter verschiedenen Deckmänteln der Ausländerfeindlichkeit zu frönen, zu verallgemeinern, zu pauschalisieren und zu diffamieren.

Unwillkürlich gelangt man in solchen Diskussionen zur Thematik der Religionen. Ich halte alle Religionen für gleichermaßen gefährlich, denn ihr Feind ist die Bildung, ihr Feind ist auch die Kritikfähigkeit. Religionen funktionieren dann am besten, wenn den Gläubigen ihre Mündigkeit vorenthalten werden kann. Religionen sind Machtinstrumente, die sich mit allem, nur nicht dem Jenseits befassen.

Doch zu kritisieren ist in diesem Zusammenhang nicht allein der Islam. Zwei Jahrtausende lang war man beispielsweiser als männlicher Homosexueller, der seine erotische Neigung frei ausleben wollte, ohne Diskriminierungen und eingeschränkte Karrierewege befürchten zu wollen, bestens damit beraten, in einen katholischen Orden einzutreten. Das sogenannte „Zölibat“ war in Wirklichkeit stets ein Deckmantel für ein homoerotisches Leben, das in der Öffentlichkeit zu Unrecht als sittenwidrig galt, als nicht gottgefällig diskriminiert wurde. Es waren die katholischen Mönchsorden schon immer elitäre Geheimbünde, exzentrische Erotikgemeinschaften im Namen eines Gottes, die über schier unmenschliche Reichtümer verfügten. Daran haben auch die Orden, die vorgeblich die Armut predigten, nichts geändert. Religionen sind immer rein weltlicher Natur.

Und doch sind die Religionen nur als Institutionen scharf zu kritisieren. Vorbehalte gegen ihre Anhänger dürfen niemals als Scheinargument für tatsächlichen Menschenhass dienen. Diejenigen nämlich, die andere mit blinder Wut übersäen, hassen in Wahrheit sich selbst für ihre Inkompetenz, ihre Talentlosigkeit, ihren beschränkten Intellekt und ihre allgemeine Hilflosigkeit, im eigenen Leben einen Sinn zu finden.

Eben jene Eigenschaften, Frustration, Depression, Selbsthass, das Empfinden eines unerfüllten Lebens, sind aber oft die Ursachen für ablehnende Reaktionen, die Flüchtlinge in Deutschland erdulden müssen. Wahre Flüchtlingsströme scheinen nämlich derzeit das Land zu überfluten. Und doch droht hierdurch keine Gefahr. Allerdings ist die kritische Frage nach den Ursachen, die ausgerechnet Deutschland zum beliebtesten aller Flüchtlingsziele gemacht haben, durchaus mehr als legitim.

Flüchtlinge nehmen alle denkbaren Strapazen auf sich, um auf unerhörten Umwegen letztlich nach Deutschland gelangen zu können. Warum nur, wenn nicht, weil Deutschland schlicht die falschen Signale setzt, sich mit einer erlogenen Fassade der Welt präsentiert, die im Ausland den Eindruck erweckt, als sei dies ein Land, in dem Milch und Honig fließen.

Die Wahrheit ist: Deutschland ist reich, und doch hat die breite Bevölkerung kein Geld. Die Lebenshaltung ist in vielen Bereichen geradezu unverschämt teuer. Das wird einen Großteil jener Flüchtlinge, die durch vorwiegend wirtschaftliche Interessen beflügelt wurden, sehr rasch enttäuschen, ja vermutlich geradezu bestürzen. Insbesondere solche Gäste müssen wir daher besonders freundlich und hilfsbereit empfangen. Denn sie sind keine potentiellen Täter, sondern vielmehr Opfer deutscher Großkotzigkeit. Selbstverliebtes Auftreten nach außen, internationale Machtdemonstrationen und skrupellose Vertuschung der eigenen stetig zunehmenden sozialen Verelendung werden nicht dauerhaft über die wahren Zustände im Land hinweg täuschen können.

Sklavenarbeit war hier bis Anfang 2015 noch völlig legal. Erst danach wurde der sogenannte Mindestlohn eingeführt. Noch heute müssen Praktikanten häufig hinnehmen, schwere Arbeit ganz ohne finanzielle Vergütung zu verrichten.

Flüchtlinge dürfen in Deutschland maximal mit Einkünften in Höhe des Regelsatzes nach ALG II rechnen. Dieser beträgt derzeit 399 Euro und soll zum 01.01.2016 auf 404 Euro erhöht werden. Insbesondere Alleinstehende erwarten trotz dieses geringen Aufschlages auch weiterhin starke Einbußen in der Lebensqualität, mit denen sie gerade in Deutschland sicher nicht gerechnet hätten.

Zwar werden vom Staat auch die Kosten für eine Unterkunft übernommen. Aber der ALG II Regelsatz erlaubt es Alleinlebenden nur schwerlich, einen Monat gut zu überstehen.

Ein gutes und frisches Brot kostet in Deutschland zwischen 6,20 € und mehr als 10 €. Hiervon benötigt eine einzelne Person, die sich gesund ernähren möchte, zwei Leiber pro Woche. Gehen wir vom genannten Höchstpreis aus, verschlingt der monatliche Bedarf allein an Brot um die 80 Euro. Ein passender Belag ist darin jedoch noch nicht enthalten. Käse, beispielsweise ein „Gouda jung am Stück“, kostet ab 5, ein Rinderhüftsteak (375 g) sogar mindestens 6 Euro. Ein namhafter Dresdner Christmas Stollen schlägt mit um die 30 Euro ins Leder. Für ein Kabeljau-Filet sind luxuriöse 17 Euro zu berappen. Eine Biosalami kann in Deutschland schon einmal 35 Euro wert sein. Ein Postpaid-Handyvertrag kostet einschließlich notwendiger Flatrates mindestens 30 Euro monatlich, ein Festnetz-Internetzugang noch einmal dasselbe.

Auch der Besuch einer deutschen Apotheke kann einen unkundigen neuen Staatsbürger in Angst und Schrecken versetzen. Stolze 10 Euro blättert man für ein kombiniertes Arzeimittel gegen grippale Infekte hin. Nicht deutlich günstiger ist eine Standard-Packung des Schmerzmittels Ibuprofen 400. Wer gar ein Antibiotikum benötigt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Im Land des überbordenden Kapitalismus ist das Leben für die Mehrheit der Bevölkerung kein Zuckerschlecken mehr. Ein „Billigflug“ von Berlin nach Saarbrücken kostet einfach um die 350 Euro. Für denselben Preis gelangt man von Berlin nach Sibirien und gleich auch noch einmal zurück. Der Extremkapitalismus hebelt sich in Deutschland zunehmend selbst vom Sockel.

Während die deutsche Kanzlerin monatlich brutto fast 16000 Euro einstreicht (und sich offenbar trotzdem keinen Rhetoriklehrer leisten kann), verdient ein Friseur netto 800 bis 1000 Euro bei Vollzeitanstellung. Das Einstiegsgehalt einer Bäckereifachverkäuferin beträgt in etwa dasselbe. Ihr Ausbildungsgehalt beläuft sich allerdings im ersten Ausbildungsjahr auf nur etwa 600 Euro (ich fürchte brutto). Der Mauerer erreicht dagegen immerhin ein Einstiegsgehalt von etwa 1200 Euro netto, muss dafür aber im ersten Ausbildungsjahr hungern, und zwar mit etwa 700 Euro monatlich.

Ein Assistenzarzt im ersten Jahr verdient in einem Krankenhaus an die 3000 Euro netto. Ein deutscher Jurist gehört ebenfalls zu den wenigen Gewinnern des modernen Superkapitalismus. Ein Bruttogehalt als Rechtsberater eines Unternehmens kann schon einmal bei 7000 Euro brutto angesiedelt sein.

Deutschland ist eine Zweiklassengesellschaft, in der die Armen nichts zu lachen haben. Und zu denen werden sich auch die neuen Bürger hinzugesellen müssen.

Die schrecklichen Gewaltorgien durch muslimische Radikalisten, die die Welt seit Oktober 2015 erneut in Atem halten (23. 10. Anschlag auf eine Moschee in Nigeria mit 28 Toten, 31.10 Bombenexplosion in einem russischen Passagierflugzeug mit 224 Toten, 13.11. Angriffe im Zentrum der französischen Hauptstadt Paris mit 130 Toten, 20.11. Geiselnahme in Malis Hauptstadt Bamako mit 22 Toten) werden nun, wen wundert es, zunehmend instrumentalisiert, um zusätzliche Stimmung gegen Flüchtlinge zu entfachen.

Doch diese Hilfe-Suchenden verdienen nicht nur deswegen das gesamte Repertoire unserer Gastfreundschaft, weil wir schlicht ein freundliches Land sein wollen. Wir haben als westlicher Bündnispartner sogar die Pflicht, mit unserer Hilfsbereitschaft für diejenigen Schäden aufzukommen, die die Westmächte, allen voran die USA,  im nahen Osten vorsätzlich verursacht haben.

Wer westliche Interventionen in arabischen Ländern, insbesondere dem Irak, neutral, aber konsequent beurteilen möchte, kann beispielsweise nicht umhin, eindeutige Angriffskriege durch die USA gegen den Irak einzuräumen. Der Hass, der sich daraufhin in Teilen der geschädigten Regionen ausgebildet hat, sollte daher nicht allzu sehr verwundern.

Nun ist es zwar leicht gesagt, dass der islamische Terrorismus in Teilen eine Schöpfung des Westens ist, andererseits muss dennoch die Frage erlaubt sein, wie gegen diese immer weiter um sich greifende Gewaltbereitschaft aus Gruppierungen des Nahen Ostens vorgegangen werden sollte. Kriege alleine können meiner Ansicht nach den Terror nicht besiegen. Die Unterstützung der Terrorgruppen in den dortigen Bevölkerungen ist schlicht zu groß. Neue Extremisten-Verbände würden schnell aus dem Boden spießen, da die Ursachen für die tief sitzenden Missstimmungen nicht durch immer weitere Gewaltakte seitens westlicher Großmächte ausgeräumt werden können.

Die USA und ihre Bündnispartner müssen endlich damit aufhören, nach antikem Vorbild weltweite Expansionen anzustreben.

Drastischere Worte hierzu fand der emeritierte Professor für Linguistik und Intellektuelle Noam Chomsky, der in einem Fernsehinterview nicht im IS die international bedeutsamste Terrororganisation sieht, sondern stattdessen vor allem Die USA beschuldigt, die Welt unentwegt mit globalen Terrorakten zu traktieren (Interview euronews: https://www.youtube.com/watch?v=Jm3fiiBMZ9w).