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Tag: katholische Kirche

Kardinal Brandmüller und seine Heuchelei über vorgebliche Heuchelei

Missbrauchsskandale in erheblichem Ausmaße erschüttern bereits seit geraumer Zeit die Katholische Kirche. Seit geraumer Zeit? Im Grunde muss man doch annehmen, dass es in Wahrheit um einen Zeitraum geht, der die gesamte Dauer der Existenz dieser Kirche umfasst, doch dazu später mehr.

Missbrauch an Minderjährigen im Deutschland der vergangenen 68 Jahre

Papst Franziskus hat sich mehrfach deutlich gegen Täter in den eigenen Reihen ausgesprochen, womöglich aber erst, als Leugnung oder Ignoranz aufgrund offen gelegter Fakten nicht mehr möglich waren. Einer Studie aus dem letzten Jahr konnte entnommen werden, dass im Zeitraum zwischen 1946 und 2014 in Deutschland insgesamt 1670 katholische Geistliche sexuellen Missbrauch an 3677 Minderjährigen betrieben, wobei es sich bei den Opfern zumeist um heranwachsende Männer handelte.

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Papst Franziskus, für viele ein Reformverweigerer, für manch hochbetagten Kleriker jedoch unzumutbar modern, Quelle Foto: Wikipedia

Der deutsche Kardinal Walter Brandmüller und seine Bemühung zur Verniedlichung sexueller Straftaten durch Mitarbeiter der Kirche

Der fast 90-jährige deutsche Kardinal Walter Brandmüller nimmt dies zum Anlass, eine gegen die Kirchenmoral sprechende Statistik ins vermeintlich richtige Licht zu rücken. „Was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, ist nichts anderes, als was in der Gesellschaft überhaupt geschieht“, so seine Stellungnahme. Sexueller Missbrauch sei kein spezifisch katholisches Phänomen. Außerdem sei darauf hinzuweisen, dass „80 Prozent der Missbrauchsfälle“ an männlichen Jugendlichen begangen worden seien, womit er den direkten Zusammenhang zwischen Homosexualität und dem Missbrauch an heranwachsenden Männern konstruiert.

Kardinal Brandmüller gilt als erzkonservativ und zählt zu den offenen Kritikern von Papst Franziskus, der aus Sicht vieler Intellektueller zu wenige Reformen durchsetzt, in den Augen von Hardlinern wie Brandmüller jedoch mit Neuerungen allzu sehr über die Stränge schlägt. So hat er zusammen mit dem ebenfalls konservativen Joachim Meisner (inzw. verstorben) einen offenen Kritik-Brief an den Papst verfasst, der als „Dubia-Brief“ bezeichnet wird und vor allem die Öffnung der Kirche gegenüber wieder verheirateten Geschiedenen kritisierte.

Die Katholische Kirche als Refugium

In seinen Einlassungen zu den Missbrauchsfällen, die die Kirche erschüttern, hat Kardinal Brandmüller keineswegs grundsätzlich Unrecht. Sexueller Missbrauch findet auch außerhalb von Institutionen der katholischen Kirche statt. Außerdem legen sexuelle Straftaten männlicher Kleriker an männlichen Jugendlichen in der Tat einen homosexuellen Zusammenhang nahe. Doch bleibt uns Herr Brandmüller eine Erklärung dafür schuldig, welche Institution in Deutschland außer der Katholischen Kirche eine Statistik vorweisen kann, die es im Verlaufe von nur 68 Jahren auf ganze 3677 Missbrauchsfälle an Minderjährigen gebracht hat. Wohlgemerkt die Dunkelziffer nicht nachgewiesener Straftaten außer Acht gelassen!

Klar ist, dass die Neigung zu sexuellen Straftaten unter hetero-, bi- und homosexuellen Männern generell gleich verteilt ist. Nicht ganz so klar ist allerdings, warum sich homoerotisch motivierte Straftaten in beeindruckender Dichte nun ausgerechnet in den Reihen der Katholischen Kirche häufen. Hierzu äußert sich der betagte Kardinal ebenfalls nicht. Legt eine Betrachtung der gesamten Kirchengeschichte denn nicht nahe, dass es sich bei dieser Institution schon seit jeher um ein Refugium für Menschen mit ungewöhnlichen sexuellen Vorlieben handelte? Ist ja klar, mag mancher jetzt argumentieren, Schwule neigen nun einmal zur Perversion. Aber mitnichten!! Lediglich ist es so, dass die strukturelle Organisation der Kirche gezielt schon immer diejenigen erotischen Abweichler aus einem großen Pool der Bevölkerung herausfilterte, die zudem zufällig schwul oder bisexuell veranlagt waren. Denn wer sonst fühlt sich in Gemeinschaften wohl, die fast ausschließlich aus Männern zusammengesetzt sind? Doch warum das besondere Potential für sexuelle Straftaten? Weil die Kirche zum einen legale erotische Verbindungen verbietet, Stichwort Zölibat, und weil es wenige vergleichbare Großorganisationen gibt, in denen persönliche Willkür, Machtmissbrauch und Korruption eine ähnlich lange und vor allem erfolgreiche Tradition haben, geradezu eine Einladung also an alle, die nach Unmoralischem und striktem Eigennutz streben.

Kritik wird von Kardinal Brandmüller harsch zurückgewiesen. „Da benimmt sich die Gesellschaft ziemlich heuchlerisch“, äußert er im Zusammenhang mit den stattlichen Missbrauchszahlen durch Kleriker. Ist es nicht heuchlerisch, dort Heuchelei zu unterstellen, wo berechtigte Kritik vorgebracht wird, die eigentlich nur eine Reaktion moralisch vertretbar macht: die Bitte um Vergebung begangener zahlreicher und schwerer Sünden sowie die Gelobigung der Besserung? Zumindest in diesem Punkt ist der eigentlich selbst viel zu rückständige Papst Franziskus in der Tat in seinem Handeln weit voraus!

Wünschenswerte und notwendige Reformen

Ich bin kein Fan der Katholischen Kirche, wahrlich nicht. Sie hat seitdem sie existiert Leid über die Menschheit gebracht, hat gemordet, Kriege geführt und gefoltert, sich gegen die Aufklärung und selbstbestimmte Denker gestellt. Es ist ihr nach all den Jahrhunderten endlich eine Erkenntnis der Werte zu wünschen, für die ihr Namensgeber ursprünglich eingestanden ist: Nächstenliebe, Toleranz und Moral! Zwar muss man bei aller kritischen Haltung auch anerkennen, dass es genau diese Kirche war, die sich zwar stets bemühte, unerwünschtes Wissen zu bekämpfen, andererseits jedoch durch Vertreter der eigenen Reihen auch erheblich zu Erkenntnisgewinn beigetragen hat, nicht zuletzt auch dadurch, die Literatur der letzten Jahrtausende in hervorragend organisierten Bibliotheken für die Nachwelt zu erhalten. Auch die Entwicklungen in der Kunstgeschichte wurden maßgeblich durch die Kirche mit beeinflusst. Da jedoch all dies heute längst durch andere Einrichtungen übernommen wird, kommt die katholische Kirche nicht mehr umhin, sich vollständig umzustrukturieren, um vergangene Fehler zu vermeiden. Es muss das Prinzip Vorrang finden: weniger Dogmatismus, stattdessen unbegrenzte geistige Freiheit und vor allem mehr soziale Verantwortung. Wird das nicht ernst genug genommen, wird diese Kirche keinen Platz mehr in der Zukunft haben, die uns bevorsteht!

Berlin, Januar 2018, copyrights Stefan F. Wirth

Eine absurde Bestrafung für den Tatbestand der Geschichtsverfälschung?

Im alltäglichen Leben muss grob zwischen zwei verschiedenen Formen von Thesen unterschieden werden: Die einen sind durch nachprüfbare Fakten begründet, die anderen durch Glauben. Die Existenz eines christlichen Gottes und der wundersame Niedergang des Heiligen Geistes über die Jünger Jesu Christi gehören dabei eindeutig zu Letzterem.

Nun ist in der deutschen Gesetzgebung ein Paragraph verankert, der die so genannte Volksverhetzung unter Strafe stellt. Wo jedoch beginnt jene strafbare Hetze? Die Grauzone ist groß. Überschritten wird sie ganz eindeutig durch die absurde Behauptung, die über den Religionsunterricht an Kinder weitergegeben wird, eine Jungfrau irgendwo im heutigen Israel habe vor rund 2020 Jahren in Form einer Jungfernzeugung ein Kind durch Gott empfangen. Dieses Kind sei schließlich im Erwachsenenalter zum Tode durch Kreuzigung verurteilt worden, hernach jedoch von den Toten auferstanden.

Die Lehre im Zusammenhang mit dieser fantasievollen Hokuspokus-Geschichte wird auch heute noch ungehindert an deutschen Schulen, Universitäten und kirchlichen Einrichtungen gelehrt. Opfer dieser Volksverhetzung sind vor allem Kinder, die aufgrund ihrer nicht vorhandenen Lebenserfahrung besonders leicht vom Wahrheitsgehalt eines Märchens überzeugt werden können. Und doch bestraft niemand die Verantwortlichen wegen des Vergehens der Volksverhetzung .

Märchen kann jeder fantasiebegabte Mensch leicht erfinden, durch klare Fakten gestützte Hypothesen aufzustellen, das hingegen erfordert besondere Erfahrung und ein adäquates Bildungsniveau.

Jeder könnte beispielsweise die frei erfundene Hypothese verbreiten, in Berliner Wäldern gäbe es keine Eichen. Niemand würde dieser Lüge jedoch besondere Beachtung schenken, denn alle kundigen Berliner können das Gegenteil leicht beweisen, in dem sie einfach die nächst beste Eiche durch geeignete Mittel dokumentieren.

Es unterscheidet allerdings die deutsche Gesetzgebung im Unterschied zur Biologie ganz klar zwischen Pflanze, Tier und Mensch. Wenn also Ursula Haverbeck (87) eine absurde Geschichte erfindet, die der törichten Leugnung der Existenz Berliner Eichen im Grunde sehr ähnlich ist, gehen die möglichen Konsequenzen ihres Aktivismus jedoch deutlich über diejenigen aus meinem Baum-Beispiel hinaus. Denn hier sind die Opfer der Falschbehauptung nicht Pflanzen, sondern reale Menschen. Es könnte nämlich Menschen geben, die Haverbecks Geschichten Glauben schenken, ohne nach den zugrunde liegenden Fakten überhaupt nur zu fragen. Im Falle der Holocaust-Leugnung durch Frau Haverbeck könnte es also geschehen, dass leichtgläubige Zuhörer und Leser ihrer Vorträge und Publikationen die Nicht-Existenz des Holocaust als wahre Tatsache missinterpretieren und somit einer ethnischen Volksgruppe, den Juden nämlich, konkretes Unrecht zufügen. Wäre nämlich der Holocaust in Zeiten des deutschen Nationalsozialismus kein historischer Fakt, hätte man zahllose Menschen zu Unrecht für ihre Beteiligung an diesem frei erfundenen Holocaust bestraft. Eine wichtige treibende Kraft der Holocaust-Verfahren waren jüdische Kläger und jüdische Zeitzeugen. Gemäß der Haverbeck’schen Thesen wären diese dann nicht Opfer und rechtmäßige Kläger, sondern menschenverachtende Täter.

Frau Haverbeck erklärt also unschuldige Menschen zu Verbrechern gegen die Menschlichkeit, was ihre frei erfundene Holocaust-Leugnung ganz grundsätzlich zu einem sehr folgenschweren Vergehen macht. Und dennoch ist Haverbeck’sches Gedankengut durchaus gut mit meinem Beispiel der Leugnung der Berliner Eichenbestände vergleichbar. Nämlich durch die leichte Widerlegbarkeit einer fantastischen Behauptung.  Hinsichtlich seiner schwerwiegenden Konsequenzen für heute lebende Menschen ist das Gedanken-Konstrukt Haverbecks allerdings eher den christlichen Wunder-Dichtungen ähnlich. Wer tatsächlich dem spirituellen Mumpitz Glauben schenkt, mit dessen Erfindung der Vatikan in Rom seit beinahe zweitausend Jahren befasst ist, der geht auch davon aus, dass Masturbation eine Sünde und gleichgeschlechtliche Liebe wider Gottes Willen sei oder dass die Frau dem Manne Untertan sein und jeder Andersgläubige in der Hölle schmoren müsse. Der religiöse Wahn kann nicht anders, als Unwissen, Unfriede, Misstrauen und Hass in der menschlichen Gemeinschaft zu schüren. Und doch hilft dagegen nicht, die Verantwortlichen ins Gefängnis zu schicken.

Stattdessen muss die Glaubensbereitschaft in der deutschen Gesellschaft durch eine bessere Bildung verringert werden. Bildung ist dabei zu definieren als durch Fakten begründete Erkenntnis. Es ist eine moderne Geisteshaltung in der Bevölkerung erforderlich, die nicht nach Glauben, sondern nach Wissen fragt. Seriöses Wissen kann sich immer nur auf nachprüfbare Argumente stützen.

Warum also Frau Haverbeck ins Gefängnis schicken, wo doch ihre Holocaust-Leugnung so leicht zu widerlegen ist wie die Existenz der Berliner Eichen aus meinem Beispiel für eine nicht belegbare und daher unseriöse Hypothese?

Statt mit fundierter Aufklärung auf ihre willkürlichen Thesen zu reagieren, verurteilt man Haverbeck aufgrund eines dogmatischen Gesetzes. Der Holocaust ist aber kein Dogma, sondern eine belegbare historische Tatsache. Dies der Bevölkerung immer wieder im Detail vorzuführen ist doch wesentlich hilfreicher, als ein mittelalterlicher Hexenprozess in moderner Zeit.

 

Copyrights Stefan F. Wirth, September 2016

Gottesglaube und Wissenschaft? Neue Formen des Kreationismus bedrohen die Bildung in Deutschland!

Welcher Zoologe hat sich jemals mit der wichtigen Frage auseinandergesetzt, ob Tiere ebenso wie der verstorbene Mensch Zugang zum ewigen Himmelreich erhalten können? Keiner? Ein Versäumnis! Obwohl man als Naturwissenschaftler natürlich gute Argumente vorbringen kann, die den nicht gedachten Gedanken plausibel erklären: Denn der aufgeklärte Biologe tut sich auch mit dem göttlichen Paradies für verstorbene Menschenseelen schwer. Wissenschaftler sind es nämlich gewohnt, zu verstehen, zu argumentieren und begründete Thesen auszuformulieren. Eine begründete These zur Existenz eines himmlischen Paradieses lässt sich jedoch nicht aufstellen. Es existieren nämlich nicht die geringsten Indizien für die Wahrhaftigkeit einer Seele, geschweige denn für die Realität eines göttlichen Ortes, der durch Seelen bevölkert wird.

Also ist es ausgemachter Humbug, sich als Zoologe wissenschaftlich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob Hundeseelen in den Himmel kommen. Oder nicht?

Nun, als ich im vorletzten Jahrzehnt mein Biologie-Studium in Berlin aufnahm, ging ich fest davon aus, mich in eine Welt des Wissens und der Beweise zu begeben. Das war damals auch der tatsächliche Stand der Dinge. Wundergläubige Zoologen, die öffentlich Gottes Schöpfung lehren, hätten uns Studenten demonstrierend auf die Straßen getrieben. Denn wir alle folgten dem Gedanken der Aufklärung. Scharlatanerie, das Verbreiten frei erfundener Wundergeschichten unter dem Deckmantel der Naturwissenschaften, das hätte uns alle in höchstem Maße empört.

Heute sieht das in weiten Kreisen der Biologie anders aus. Ein privates Institut, das sich selbst als Forschungsinstitut bezeichnet, und von einem katholischen Priester geleitet wird, der einst zusätzlich in Zoologie promoviert hat, kann heutzutage nahezu ungebremst über das Himmelreich für Hunde und den 5. Schöpfungstag in namhaften Printmedien fabulieren.

Eine Zeit, in der die organismische Biologie in Deutschland zurückgedrängt wird, in der niemand mehr Forschungsgelder in morphologische Artbeschreibungen, Verhaltensstudien und die Erforschung ökologischer Zusammenhänge investiert, in der vorwiegend Studien auf molekularem Niveau förderwürdig erscheinen,  ist der klare Gedanke auch in den Köpfen vieler Biologen verloren gegangen. Man argumentiert mit DNA-Sequenzen, einer Aneinanderreihung von Buchstaben also, ist häufig so einseitig gebildet, dass man einen Käfer nicht mehr von einer Schabe unterscheiden kann. Systematik ist zu einer Blackbox verkommen, in der einem Organismus keine anderen Aspekte mehr abgewonnen werden können als die, die das Genom bereithält. Für viele jüngere Biologen von heute sind Organismen amorphe Säcke, die alle gleich aussehen, jedoch unterschiedliche Buchstabenabfolgen beinhalten.

Moderne Biologen in Deutschland verfügen über keine Artenkenntnisse mehr, wissen nichts über die Lebensweise ihrer Organismen, interessieren sich auch nicht dafür. Phylogenetische Stammbäume sind verkommen zu bloßen statistischen Verzweigungsmustern, die Verwandtschaftsverhältnisse aufzeigen. Warum das Verzweigungsmuster dichotom ist, was die jeweiligen Linien bedeuten, was eine Ahnenlinie und was eine Stammlinie ist, welche Bedeutung die Stammart hat und was Apomorphien und Plesiomorphien sind, das weiß man nicht mehr, es scheint auch nicht mehr von Interesse zu sein. Dass phylogenetische Stammbäume in den 1950er Jahren eingeführt wurden, um die Evolution der Organismen nachvollziehbar werden zu lassen, hat man längst vergessen. Vorträge, die die Entwicklung der Vögel aus den Dinosauriern heraus an einem begründeten Kladogramm vorführen, findet man nicht mehr, der Ansatz gilt als gestrig.

Moderne Evolutionsbiologen argumentieren nicht mehr mit Stammbäumen als gut begründeten  Hypothesen für die schrittweise Evolution von Merkmalen, die geeignet sind, die Evolutionsgeschichte anhand konkreter Organismengruppen nachzuweisen. Sie konzentrieren sich stattdessen vorwiegend auf das Vortragen der evolutionsbiologischen Grundphänomene. In Vorträgen heißt es dann: So funktioniert die Evolution grundsätzlich. Und weil sie so funktioniert, müssen wir schlussfolgern, dass alle Organismen nach diesem Prinzip evolviert sind. Alles klar?

Äh, nein. Nichts ist klar. Wie sind die Vögel aus Dinosauriern evolviert? Sind sie überhaupt aus den Dinosauriern heraus entstanden? Diese Fragen bleiben offen. Der Nachweis für die Evolutionsgeschichte der Organismen bleibt offen. Und wer die Evolutionsgeschichte nicht klar vertreten kann, nicht vor anderen und nicht vor sich selbst, der öffnet dem Kreationismus die Tore!

Die Evolutionsbiologie ist zu einer Wissenschaft verkommen, die ausschließlich für Insider halbwegs nachvollziehbar ist. Eine Nischen-Wissenschaft, voller wirrer Gedanken, in denen die Abfolge eintöniger Basenpaarungen, durch Buchstabenkombinationen dargestellt, alles und nichts erklären kann. Evolutionsbiologen, die ihre eigene Forschung nur im Rahmen einer Blackbox mit abstraktem Vokabular verstehen können, vermögen niemanden mehr vom ursprünglich klaren, argumentativen Gedanken der Evolutionsbiologie zu überzeugen. Nicht andere und auch nicht sich selbst.

Sie sind daher die Schwachstelle, die der moderne Kreationismus sich zunutze macht. Wenn Systematiker und sogar Evolutionsbiologen nicht mehr klar denken können, warum dann nicht gleich die Spiritualität wieder einführen? Gensequenzen hin oder her. Widersprechen sie denn klar nachvollziehbar der biblischen Schöpfungsgeschichte? Vielleicht ja nicht? Welcher der modernen Fachidioten, die sich heutzutage in Deutschland als Biologen bezeichnen dürfen, vermag das schon zu sagen?

Darum stört sich auch keiner an jener perfiden Innovation aus Münster, schleichend und zunächst unauffällig eingeführt durch die katholische Kirche, mit dem Ziel, die kirchliche Lehre wieder als vollwertige Alternative zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen anzubieten. Und wer ist dafür besser geeignet als der Theologe Dr. Rainer Hagencord, der nicht nur katholischer Priester, sondern zudem auch promovierter Zoologe ist? Ein knallharter Naturwissenschaftler also, der zudem das Wort Gottes predigt? Nun, ob die Dissertation mit dem Titel „Das Tier: Eine Herausforderung für die christliche Anthropologie. Theologische und verhaltensbiologische Argumente für einen Perspektivenwechsel“  als knallharte wissenschaftliche Leistung gewertet werden kann, halte ich für mehr als fraglich. Die meisten kompetenten Betreuer der älteren Schule hätten die Annahme einer spirituellen Fragestellung in einer naturwissenschaftlichen Disziplin schlicht verweigert. Und doch fand Herr Hagencord einen Betreuer, weswegen er sich völlig legal als promovierten Naturwissenschaftler bezeichnen darf.

Wenn ein promovierter Naturwissenschaftler über die Schöpfung spricht und die Dackel und Schäferhunde dieser Nation von einem friedlichen Hundehimmel träumen lässt, muss doch da was dran sein, an diesen Wundergeschichten. Schließlich werden sie immerhin durch einen Wissenschaftler vorgetragen.

Zwar spricht nach wie vor kein klares Argument für die Existenz eines biblischen Gottes, auch nicht für eine himmlische Erlösung oder einen Schöpfungsakt in wenigen Tagen.  Doch da moderne Systematiker und Evolutionsbiologen vor lauter Fachidiotie ebenfalls keine klaren Argumente mehr vorzubringen wissen, also argumentativ nichts  gegen ein angebliches göttliches Wirken einwenden können, begegnet man sich also heutzutage auf Augenhöhe mit den Verkündern spiritueller Zauberwelten.

Daher wird der Kreationismus in Deutschland zunehmend an Einfluss gewinnen, ein Phänomen, das ich mir noch vor 10 Jahren niemals hätte vorstellen können. Nur noch Wenige haben das Potential und die Kraft, sich zur Wehr zu setzen. Denjenigen gilt mein Aufruf: Lasst es im Namen der Aufklärung und unserer wertvollen Bildung nicht zu!

Lasst Euch nicht täuschen durch den Tarnmantel des Tierschutzes. Dies ist nicht, was das Institut für Theologische Zoologie in Münster tatsächlich antreibt. Lasst Euch auch nicht durch den prominenten Namen der Schirmherrin in die Irre führen. Noch vor Jahren schimpfte Jane Goodall in einem Fernsehinterview über ihre verstorbene Kollegin Dian Fossey. Zum Berggorilla sei sie mutiert und habe während einer Vortragsveranstaltung hinter den Kulissen einen Wutanfall erlitten und dabei gebrüllt wie ein gestandener Silberrücken.

Schaut Euch das Video an, das die Rede Jane Goodalls zur Eröffnung der Theologischen Zoologie in Münster zeigt. Da blökt sie plötzlich aus heiterem Himmel die Zuhörer an, denn sie glaubt allen Ernstes, im Verlaufe ihrer Arbeit die Sprache der Schimpansen erlernt zu haben. Wer sich als vermeintlicher Primatenforscher auf das intellektuelle Niveau von Schimpansen begibt, ist in der Konsequenz selbstverständlich für allen spirituellen Quatsch zu haben.