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Tag: Regierung

Der Aufstand der Sioux

Der Begriff der Menschlichkeit wird oft falsch verwendet oder beschönigt. Sich um Mitmenschen zu sorgen und ihnen Gutes zuzufügen gilt ja ja üblicher Weise als „menschliches Handeln“. Doch aus biologischer Sicht scheint auch das Gegenteil menschlich, also typisch für unsere Art, zu sein, nämlich Schwächere zu unterdrücken und auszubeuten oder selbst unterdrückt und ausgebeutet zu werden. Macht durch Menschen über andere Menschen ist eine instinktive Leit-Motivation des Homo sapiens. Es handelt sich dabei um vorwiegend genetisch fixierte Verhaltensstrategien, die daher offenbar nicht weitgehend beeinflussbar sind durch Aspekte wie die Bewegung der Aufklärung, die Globalisierung oder die zunehmende Technisierung. Der Mensch kann von diesem Verhaltensdrang auch in der Moderne und dem vergleichsweise weltweit hohen Bildungsniveau nicht ablassen.

Die Scheußlichkeiten der Geschichte wiederholen sich immer wieder aufs Neue, weil der Mensch seinen Erfahrungen und Errungenschaften zum Trotz in wesentlichen Zügen ein Savannenbewohner mit urtümlichen Gesellschaftsstrategien geblieben ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn man kein Anhänger der reinen Savannen-Theorie ist, sondern davon ausgeht, dass die Evolution früher Hominiden in sehr enger Beziehung zu afrikanischen Gewässern vonstatten gegangen sein muss. Es galt damals wie heute, in der Nachbarsippe einen Konkurrenten zu sehen und zum eigenen Vorteil nach dessen Besitz zu trachten. Das prähistorische Prinzip hat sich auch in der Neuzeit nicht verändert. Und wenn doch, dann sogar ins Nachteilige, denn die Bevölkerungsdichte ist weltweit explodiert, so dass nun der Neid um die Ressourcen des Nachbarn gravierendere Dimensionen erreichen konnte. Die technischen Errungenschaften für effizientere Kriegsführungen erlaubten es dabei schon vor Jahrhunderten, nicht mehr nur einzelne Sippschaften, sondern gleich ganze Völker gezielt auszurotten, um so an gewichtigere Ressourcen zu gelangen.

Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Überfall durch europäische Kolonialmächte auf den amerikanischen Kontinent. Dabei traf es die indianischen Völker auf dem Nordkontinent besonders hart. Man wollte, anders als in Südamerika, keine Sklaven, die unter Zwang und zugunsten der Eroberer ihr eigenes Land bewirtschaften mussten. Nein, nicht die Früchte, die das Land abwerfen konnte, stellten das Ziel der Begehrlichkeiten dar, sondern das Land selbst. Und dies ließ sich nur durch die umfassende Vernichtung der Ureinwohner erreichen.

Doch nicht alle Indianerstämme Nordamerikas konnten restlos ausgelöscht werden. Daher wurden überlebende Sippen in Reservationen gezwungen, wodurch sich naturgemäß immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den weißen Eroberern und den in umzäunten Ländereien eingepferchten Ureinwohnern ergaben. Ort der Austragung empfindlicher Kampfhandlungen im Verlaufe des 19. Jahrhunderts waren die Bundesstaaten South-Dakota und Montana im Nordwesten der USA. So mussten die Sioux 1890 ein blutiges Massaker nahe der Ortschaft Wounded Knee im Areal der heutigen Pine Ridge Reservation über sich ergehen lassen. Das Gemetzel gilt als letzter Höhepunkt der so genannten Indianerkriege, die den langen Zeitraum zwischen 1620 und 1890 überschatteten. Maßgeblich verantwortlich für die Bluttat am Wounded Knee zeichnete sich der US-Colonel James William Forsyth (1834-1906), der den Auftrag der US-Regierung verfolgte, Sioux-Indianer um die bekannten Häuptlinge Spotted Elk und Sitting Bull in ein Militärlager in Nebraska zu eskortieren.

Die US-Regierung fürchtete nämlich zunehmend den indianischen Widerstand, der bereits 1876 eskaliert war und in der Schlacht am Little Bighorn hunderte Soldaten des 7. Kavallerie-Regiments unter George Armstrong Custer (1839-1876) das Leben kostete. Zwar lag dies bei den Geschehnissen am Wounded Knee schon lange zurück, doch inzwischen war eine neue spirituelle Strömung in den Indianer-Lagern aufgekommen, die starke Ängste seitens der US-Regierung schürte. Der Geistertanz des Wovoka, eines bedeutenden Propheten der Paviotso-Paiute-Indianer, war nichts anderes als eine Bemühung, indianisches Kulturgut mit der christlichen Religion des weißen Mannes in Harmonie zu bringen, um dadurch ein friedlicheres Miteinander zu ermöglichen. Doch die zunehmende Verbreitung des Friedens-Tanzes wurde durch die US-Regierung als Drohung missverstanden.

Die daher angeordnete Überführung der vermeintlich Aufsässigen nach Nebraska kam jedoch nicht mehr zustande. Leibesvisitationen an den zu Unrecht Verdächtigten führten zu einem Unglücksfall. Als nämlich der wehrhafte Medizinmann Yellowbird einen Geistertanz andeutete und Black Coyote die Herausgabe seiner Winchester verweigerte, kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sich ein Schuss löste. In der Folge erschoss das anwesende US-Militär gnadenlos über 300 Männer, Frauen und Kinder.

Dies alles liegt nun fast 120 Jahre zurück. Und die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Begriffe wie Moral und Menschenrechte nehmen zumindest formell einen hohen Stellenwert in modernen westlichen Gesellschaften ein. Und doch gehören die heutigen Nachfahren Sitting Bulls keineswegs zu den Begünstigten moderner Wertevorstellungen. Damit ergeht es ihnen zumindest nicht anders als der schwarzen US-Bevölkerung, die den Bemühungen Martin Luther Kings (1929-1968) zum Trotz noch immer Opfer von Rassismus und Polizeigewalt wird.

Derzeit versammeln sich entlang des Cannonball River in einem der größten Indianer-Reservate innerhalb der USA zunehmend zahlreiche Sympathisanten des Sioux-Häuptlings Dave Archambault II, um mit ihm gegen Pläne des Bundesstaates North-Dakota und des United States army Corps of Engineers zu protestieren. Stein des Anstoßes ist eine Ölpipeline, die sich über eine Strecke von fast 2000 Kilometern aus dem westlichen North-Dakota kommend bis in den Bundesstaat Illinois im mittleren Westen erstrecken soll. Die geplante Konstruktion sieht vor, dass täglich beeindruckende 470000 Barrel Öl verschickt werden können. Ein in wirtschaftlicher Hinsicht ohne Zweifel lukratives Unternehmen, gäbe es nicht gleich zwei Leidtragende, nämlich die indianische Bevölkerung und die intakte Natur. Wie schon vor zweihundert Jahren gelten die Ureinwohner des Landes offenbar auch heute nicht allzu viel.

Denn die Pipeline soll nicht irgendwo verlaufen, sondern durch indianisches Gebiet. Die Bauarbeiten würden das geschichtsträchtige Land der Sioux verschandeln, denen man ohnehin wahrlich nicht viel aus ihrer Vergangenheit übrig gelassen hat. Noch schlimmer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Indianer in keiner Weise in die Entscheidungsfindung mit einbezogen worden sind. Das durch die Landesregierung im Schnellverfahren gebilligte Projekt soll auf dem Rücken der eigentlichen Landbesitzer, nämlich der Sioux, ausgetragen werden, die sich hiergegen entschieden zur Wehr setzen, durch Demonstrationen und in Form offizieller Genehmigungsverfahren.

Denn es geht keineswegs „nur“ um den Erhalt der ehrwürdigen Gräber und Kultstätten. Auch ihre Gesundheit sehen die Ureinwohner Dakotas durch den Bau der Ölleitung in Gefahr. Da die Pipeline in der Tiefe unterhalb der Flüsse verlaufen soll, wird eine Verschmutzung des natürlichen Trinkwassers befürchtet. Mindestens genauso schwerwiegend sind jedoch die Folgen für das Gleichgewicht der Natur. Artensterben könnten die Folge sein und die Sioux ihrer traditionellen Nahrungsgrundlage berauben.

Doch wo der Dollar regiert, bleiben Gewissen und Vernunft nur allzu häufig auf der Strecke. Archambault II bemüht in Interviews daher zurecht Vergleiche mit der Zeit der Indianerkriege. Jack Dalrymple, der Gouverneuer von North-Dakota ist und als ein Berater des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gilt, vergleicht er gar mit einem General Custer der Moderne.

Doch wie reagiert die Regierung North-Dakotas auf die Bemühungen der Sioux? Mit Gesprächsbereitschaft und einem offenen Ohr, einem schlechten Gewissen womöglich sogar? Weit gefehlt, stattdessen mit blanker Polizeigewalt, denn unter dem Vorwand, womöglich Rohrbomben herstellen zu wollen, ist der couragierte Häuptling mitsamt über zwanzig Mitstreitern kurzerhand verhaftet worden. Die vorgeblichen Bomben waren in Wahrheit nichts anderes als Indianerpfeifen, die rituellen Zwecken dienten. Die Gefangenen sind daher offenbar wieder auf freiem Fuß, und somit dazu imstande, den Kampf um das Erbe ihrer Vorfahren und um ihre längst überfällige gesellschaftliche Akzeptanz fortzuführen.

In einer westlichen Welt, in der Political Correctness als Zeichen guter Erziehung gilt, in der jedes Unternehmen mindestens zehn Frauenbeauftragte beschäftigt und in der diskutiert wird, ob jeder Mensch sein Geschlecht willkürlich festlegen kann oder nicht, in einer Welt, in der die christliche Kirche Nächstenliebe predigt, damit aber die Diskriminierung anderer Kulturkreise meint, in einer Welt, in der Hollywood zuhause ist, die aber ihre indianische Urbevölkerung wie vor zweihundert Jahren ausgrenzt und übergeht, in einer solchen Welt stimmt etwas nicht!

 

Copyrights Stefan F. Wirth,

Berlin 29.08.2016

Warum das Fälschen einer Doktorarbeit kein Kavaliersdelikt ist

Der Regisseur Robert Zemeckis hat uns das Jahr 2015 in seiner Zukunftsvision „Zurück in die Zukunft“ aus dem Jahre 1989 als ein Zeitalter der fliegenden Autos präsentiert. Blanke Fantasie, die sich so schnell nicht erfüllen wird. Und doch beweist der Filmemacher in seiner Komödie intelligente Weitsicht und sieht den Flachbildschirmfernseher im Kinoleinwandformat ebenso zutreffend voraus wie das 3D-Kino, Computerspiele ohne Konsole oder die Multimedia-Brille, wie sie beispielsweise Google entwickelt hat. Doch eines konnte man sich offenbar damals nicht vorstellen: die Möglichkeiten des Internets!

Die Hollywood-Produktion ging stattdessen davon aus, dass Fax-Geräte an Bedeutung zunehmen würden. Und so sieht man in einer Szene, wie via Fax solche Kurzmitteilungen ankommen, wie wir sie heute via Facebook oder Whatsapp versenden würden.

Die Möglichkeiten und auch Gefahren großer öffentlich zugänglicher Internet-Datenbanken im 21. Jahrhundert konnte sich mancher in den 1980er Jahren noch nicht vorstellen.

So ganz offensichtlich auch nicht die späteren Politiker Annette Schavan (CDU) und Margarita Mathiopoulos (FDP). Sie hatten in jener Zeit noch allen Grund zu der Annahme, dass ihre gefälschten Doktorarbeiten schnell und unauffällig in einem schwarzen Loch ewigen Vergessens verschwinden würden. Übrig bleiben sollte nur eines: der Doktortitel mit all seinen positiven Eigenschaften, die er der Trägerin unterstellt.

Auf ein deutlich glatteres Eis hingegen wagten sich jene Fälscher aus den Reihen prominenter Politiker, die nach 2000 noch hofften, ihre späteren Ämter würden ihr damaliges gesetzeswidriges Gemauschel so sehr überschatten, dass ihnen keine Gefahr drohe. Schließlich haben sich die künftigen Möglichkeiten des Internets in jenen Zeiten bereits deutlich erahnen lassen.

Die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden, war jedoch eine Fehleinschätzung! Denn seit 2011 gibt es das „VroniPlag“ und ähnliche Internetseiten, die sich auf die Entlarvung gefälschter wissenschaftlicher Arbeiten in Deutschland spezialisiert haben. Ein besonderes Augenmerk gilt und galt dabei natürlich jenen Promovierten, die in hohen Ämtern und Würden eine besondere Vorbildfunktion darzustellen haben. Dank VroniPlag und Co. mussten inzwischen schon einige bekannte Persönlichkeiten der deutschen Politik die Aberkennung ihrer Doktorgrade hinnehmen, meist einhergehend mit einer beachtlichen Medienaufmerksamkeit und dem Verlust ihrer politischen Ämter.

Zwar berichtete auch die populäre Presse ausführlich und zumeist aus kritischer Perspektive heraus. Doch immer wieder wurden Stimmen laut, die in einer gefälschten Doktorarbeit ein Kavaliersdelikt wahrnehmen, das kaum der Rede wert sei. Viele Nicht-Akademiker sind offenbar der Ansicht, dass manchen Persönlichkeiten die Dekoration mit einem Doktortitel per se zustehe, anderen eben nicht. Dass dieser akademische Grad Ausdruck einer erheblichen Lebensleistung ist, scheint vielen deutschen Normalbürgern nicht klar zu sein.

Doch selbst manch ein promovierter Akademiker hält den Medien-Hype um Plagiate in Dissertationen einschließlich der beruflichen Konsequenzen für die Entlarvten für übertrieben. Denn immer wieder werden gerade aus diesen Reihen Meinungen geäußert, die darauf beharren, dass man trennen müsse zwischen damaligem akademischem Fehlverhalten und den Leistungen im heutigen beruflichen Umfeld. Ein wohlwollender und oft auch akademisch differenziert daherkommender Ansatz, der mir dennoch überhaupt gar nicht einleuchten kann.

Zunächst muss einmal klar gestellt werden, was eine Dissertation oder Doktorarbeit überhaupt ist. Was unterscheidet ein solches Werk von einer gewöhnlichen Semesterarbeit oder gar einer Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit?

Erst die Dissertation ist eine vollwertige wissenschaftliche Leistung. Denn neben der korrekten wissenschaftlichen Arbeitsweise ist auch die Veröffentlichung der Doktorarbeit Pflicht und somit integraler Bestandteil des Promotionsverfahrens. Nur solche wissenschaftlichen Ergebnisse sind dabei  auch von wissenschaftlicher Relevanz, die publiziert und so einem Fachpublikum zugänglich gemacht worden sind.

Zwar besteht natürlich jedem ehrgeizigen Akademiker auch die Möglichkeit, schon frühere Leistungen wie eine Bachelor- oder Masterarbeit zu publizieren, das geschieht dann jedoch auf rein freiwilliger Basis.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass beispielsweise eine Bachelorarbeit eine kleine wissenschaftliche Abhandlung sein kann, die den Rang der Publikationswürdigkeit jedoch noch nicht erreicht haben muss. Viele solcher Arbeiten liefern eher erste Grundlagenkenntnisse, um dann darauf aufbauend ein umfassenderes wissenschaftliches Projekt, zum Beispiel eine Dissertation, zu beginnen.

Anders verhält es sich eben mit der Promotionsarbeit, die so umfassend und tief gehend zu sein hat, dass sie sich einer Publikation als würdig erweist.  Ernst zu nehmende wissenschaftliche Beiträge schüttelt jedoch niemand mal eben so im Vorbeigehen aus dem Ärmel. Stattdessen erfordert wissenschaftliches Arbeiten bestimmte Fähigkeiten, die im Vorfeld zu erwerben sind. Manch einer gelangt jedoch niemals zur Qualifikation, um eine Doktorarbeit oder ähnliche Leistungen abschließen zu können. Diejenigen sind natürlich dann daher auch nicht in der Lage, die entsprechenden Lorbeeren zu ernten.

Wer hingegen eine Dissertation erfolgreich beenden konnte, erhält hierfür als Auszeichnung zurecht einen akademischen Titel. Es ist in Deutschland der einzige akademische Titel, der als Namenszusatz im Personalausweis oder Reisepass aufgeführt werden darf.

Hat jedoch jemand eine Doktorarbeit auf unlautere Art und Weise beendet, obwohl er über die dafür notwendigen akademischen Fähigkeiten gar nicht verfügt, trägt er den Titel natürlich zu Unrecht. Abgesehen von kriminellen Aktivitäten, wie beispielsweise dem Verstoß gegen Urheberrechte und allgemein betrügerischem Vorgehen, muss in diesen Fällen zudem die Titel-Anmaßung gerügt werden. Und das unabhängig davon, ob der Betroffene im Anschluss an seine Dissertation eine weitere wissenschaftliche Karriere geplant hatte oder nicht.

Welche Fähigkeiten benötigt der Doktorand denn überhaupt? Er muss Ausdauer beweisen, zielstrebig arbeiten, in der Lage sein, etwas nicht nur zu beginnen, sondern auch zu Ende zu bringen. Er muss mit Begeisterung aus eigenem Antrieb arbeiten können und darf nicht strikt nach definierten Arbeitszeiten fragen. Der Doktorand arbeitet am Tage und in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen, wenn dies für sein Projekt gerade erforderlich ist. Er ist befähigt zur Kooperation mit Wissenschaftlern oder anderen Doktoranden, weiß, wie man recherchiert, zitiert und wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert. Ein künftiger Promovierter hat dazu imstande zu sein, die Eigenschaften Fleiß, Talent, Disziplin, Zielstrebigkeit und Kompetenz miteinander zu vereinen.

Wer diese Eigenschaften jedoch nicht aufbringen kann, verwirkt somit auch das Recht, jemals einen Doktortitel zu tragen. Das sollte doch auch jedem Nicht-Akademiker einleuchten können. Oder etwa nicht?

Doch warum wünscht nun jemand, der zur Promotion nicht taugt, den Titel dennoch zu ergattern? Die Antwort liegt auf der Hand: der Doktortitel kann unter bestimmten Umständen ein ausgesprochener Türöffner sein. Kann insbesondere den Zugang zu allgemein nicht notwendiger Weise akademischen Berufsfeldern erheblich erleichtern. Das scheint insbesondere in der Politik regelmäßige Anwendung zu finden. Wer ein hohes Amt möchte, muss beweisen, mehr zu können als die Mitbewerber. Was eignet sich denn hierzu besser als ein Doktortitel. Ist der doch ein klarer Beleg dafür, dass sein Träger über die weiter oben ausgeführten Fähigkeiten nachweislich verfügt.

Fälscher beschaffen sich also zudem einen Vorteil in Bewerbungsverfahren, einen unberechtigten Vorteil. Dies stellt aus meiner Sicht bereits hinreichend die Verbindung zwischen akademischem Fehlverhalten und der neuen Tätigkeit im Anschluss an den akademischen Werdegang her.

Doch damit nicht genug. Gerne bemühe ich auch die Kriminalstatistik. Diese sagt uns etwas aus über die Wahrscheinlichkeit einer Rückfälligkeit von Verbrechern. So haben Wissenschaftler aus Göttingen im Jahre 2014 analysiert, dass insgesamt 34 Prozent aller untersuchten Straftäter wieder rückfällig geworden sind. Im Falle von Raubdelikten ist die Prognose sogar noch schlechter, denn von der analysierten Personengruppe haben 50 % das rekapituliert, wofür sie einst bestraft worden sind. Im Grunde sind Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten mit Raubdelikten durchaus vergleichbar, so meine Einschätzung. Daher ist aus meiner Sicht unbedingt davon auszugehen, dass die Fälscher von Doktorarbeiten auch in ihren Tätigkeiten danach nicht von unmoralischem Handeln und gesetzeswidrigem Vorgehen lassen können.

Politiker mit nachweislich vorsätzlich erschummelten Doktortiteln sind meiner Ansicht nach in der Konsequenz umgehend von ihren Ämtern zu entbinden. Denn Deutschland benötigt in seiner Regierung weder Verbrecher noch potentielle Verbrecher.

Nun sieht man den Mitgliedern der aktuellen Regierung nicht auf den ersten Blick an, dass aus ihren Reihen die meisten Doktorarbeit-Vergehen zu verzeichnen sind. Doch wer auch als Politiker fälscht, tut dies ja gerade im Geheimen, will natürlich mit allen Mitteln nicht publikumswirksam durch seine Zweifelhaftigkeit in Erscheinung treten. Daher kann die Öffentlichkeit nur vermuten, inwieweit die einstigen Täter auch in ihren neuen Ämtern den rechten Weg verlassen haben oder nicht. Ich als Wissenschaftler denke stets nach dem Prinzip der sparsamsten Erklärung. Der zufolge ist zu erwarten, dass die Fälscher von Dissertationen auch als Politiker mehrheitlich keine Skrupel kennen, zum eigenen Vorteil vom rechten Weg abzuweichen.

Zumindest darf hinzugefügt werden, dass noch keiner (modernen) Regierung zuvor so explizit Manipulationen der Arbeitslosenstatistiken nachgewiesen wurden. Auch die politische Kontrolle der vorgeblich freien Medien wird zunehmend aufgedeckt. Namhafte Nachrichtensendungen werden dabei erwischt, bewusst falsches Bildmaterial in aktuellen Zusammenhängen zu präsentieren.

Für wie verdorben darf man die aktuelle Regierung in Deutschland denn überhaupt halten? Diese komplexe Frage will ich hier nicht pauschal beantworten.

Zumindest steht fest, dass seit 2011 acht führenden Politikern zurecht die Doktorwürde aberkannt wurde. Ein weiterer Politiker, Andreas Scheuer, wurde dabei ertappt, sich mit einem Schmalspur-Doktortitel aus dem Ausland zu profilieren, der in Deutschland nur in den Bundesländern Berlin und Bayern geführt werden darf.

Von diesen 9 Politikern, die sich des Missbrauchs eines Doktortitels schuldig gemacht haben, sind drei der CSU, einer der CDU, vier der FDP und einer der SPD zugehörig. Ein aktuelles Verfahren zur Aberkennung des akademischen Grades läuft zudem gerade gegen Ursula Gertrud von der Leyen (CDU).

Man kommt also nicht umhin herauszustellen, dass Politiker linker Parteien ihre Doktortitel offenbar zurecht erworben haben, während in den Zwillingsparteien CDU und CSU sowie in deren Lieblings-Koalitionspartner FDP der durch Betrug erschlichene Doktorgrad offenbar Methode hat.

Das ist nicht nur aus bereits genannten Gründen Anlass für berechtigte höchste Kritik an den entsprechenden Personen. Auffällig ist zudem, dass häufig in Disziplinen promoviert wurde, die vergleichsweise niedrige Ansprüche an eine ordentliche Doktorarbeit stellen. Hierzu gehören die Fächer Jura, Medizin und Sozialwissenschaften.

Diese verteilen sich wie folgt auf die Politiker, deren Doktortitel bereits aberkannt wurden, bzw. deren Aberkennungsverfahren noch läuft: zwei mal Jura, zwei mal Sozialwissenschaften und einmal Medizin.

Nun hat man also in Deutschland extra Schmalspur-Doktorgrade aus dem Boden gestampft, um es Karrieristen zu ermöglichen, ihren Titel mit minimalem Aufwand legal erlangen zu können. Und trotzdem wussten sich die betroffenen späteren führenden Politiker nicht anders zu helfen, als auch unter niedrigen Anforderungen Plagiate anstelle eigener Leistung einzureichen und zu veröffentlichen. Dies wiegt aus meiner Sicht besonders schwer, beweist es doch nicht nur die fehlende moralische Integrität der betreffenden Persönlichkeiten, sondern auch ihre offensichtliche Unfähigkeit zum selbstständigen Denken und seriösen Arbeiten.

Was Deutschland braucht, sind souveräne Politiker, gerne ohne je eine Doktorarbeit verfasst zu haben. Oder solche, die zusätzlich zur allgemeinen Souveränität auch noch einen fleißig verdienten Doktorgrad vorweisen können. Und die können offenkundig nur im linken politischen Segment angetroffen werden.

Manchmal gibt es sogar eine Diskrepanz zwischen juristischer Korrektheit und moralischer Verwerflichkeit. So hat Frau von der Leyen ihren Lebenslauf nebst Doktortitel auch dadurch beschönigt, Stationen an der kalifornischen Elite-Universität Stanford absolviert zu haben.

Die zunächst hierüber entrüstete Elite-Einrichtung, die ihren Namen missbraucht wähnte, musste inzwischen aus juristischen Gründen einlenken. Schließlich seien unter bestimmten Gründen universitäre Aufenthalte denkbar, die im Nachhinein nicht mehr überprüft werden können.

Doch nicht nur aus moralischer, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sachlage eindeutig: Wer weder einen Schein noch die Teilhaberschaft an einer wissenschaftlichen Publikation (Co-Autorenschaft oder Benennung in den Danksagungen) vorzeigen kann, die durch Mitglieder dieser Einrichtung veröffentlicht wurde, schmückt sich zu Unrecht mit seinem Aufenthalt an einer ehrenwerten Universität. Wenn Frau von der Leyen nichts dergleichen geleistet hat, ist es aus akademischer Sicht als verwerflich zu beurteilen, Stationen in Stanford im Lebenslauf aufzuführen.

Namhafte Politiker der aktuellen Regierungsparteien haben sich im Sinne dieses Artikels schuldig gemacht, schuldig auch denjenigen gegenüber, die ihre Doktorarbeiten durch Fleiß, Kompetenz und Disziplin, sogar meist mit Begeisterung für das Thema, beendet haben.

Schuldig gemacht haben sie sich aber auch denjenigen gegenüber, die sich keiner Prominenz erfreuen, aber dennoch ihre Arbeiten gefälscht haben. Denn die werden zusätzlich häufig strafrechtlich belangt, was ich hiermit auch für nachweislich schuldige Spitzenpolitiker fordere.

Quellen: u.a. http://de.vroniplag.wikia.com

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