biologe

Just another WordPress.com site

Tag: Stefan Wirth

Gleichgeschlechtliche erotische Handlungen unter Männern in der Evolutionsgeschichte des Homo sapiens

In einem aktuellen Radiointerview äußerte sich der renommierte Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera zu den Themen Kreationismus und Gender-Mainstreaming (Genderismus). Ich unterstütze mit all meinen Kräften den Einsatz Kutscheras und anderer international bekannter Evolutionsbiologen gegen spirituell motivierte, alternative Erklärungsversuche zur Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Kirchliche Einrichtungen, Lobby-Verbände und sektenartige Zusammenschlüsse aller Art verfolgen mit der Verbreitung kreationistischen Gedankengutes die Bekämpfung der Aufklärung und Bildung in modernen Gesellschaften. Ziel ist es, das Niveau des Wissens und des Verstehens durch frei erfundene Wundergeschichten vorsätzlich herabzusetzen, um dadurch die Bereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen, nicht mehr nach klaren Argumenten zu fragen, sondern unkritisch zu glauben. In der Regel verfolgt der Kreationismus daher Macht- und Wirtschaftsinteressen.

Im genannten Radiointerview äußerte sich Herr Kutschera allerdings auch zu seinem Verständnis zum Thema „Homosexualität“ (Anführungszeichen, weil der Begriff „Sexualität“ zurecht und auch gemäß Kutschera in diesem Zusammenhang biologisch inkorrekte Verwendung findet) bei Männern, und zwar aus der Sicht des Evolutionsbiologen. Von diesen Äußerungen muss ich mich jedoch distanzieren. Dies erscheint mir auch in dieser Schriftform notwendig zu sein, da Herr Kutschera und ich zusammen einen Artikel zum Thema Kreationismus veröffentlicht haben. Ich möchte nicht, dass Außenstehende daraus automatisch schlussfolgern, dass ich auch in anderen Äußerungen mit dem Fachkollegen übereinstimme.

Im Interview wird der Eindruck vermittelt, gleichgeschlechtliche erotische Neigungen („Homosexualität“) bei Männern seien ein äußerst seltenes Phänomen, das als eine Art zufälliger Fehlkonstruktion zu interpretieren sei. Aus den Erläuterungen geht ferner hervor, homophil veranlagte Männer seien grundsätzlich nicht befähigt zum sexuellen Akt mit einer Frau. Konsequenterweise seien sie also grundsätzlich nicht in der Lage, sich fortzupflanzen. Ein biologischer Nutzen homophiler Männer in menschlichen Gesellschaften wird daher bestritten. Als Beispiel wird die Biographie Tschaikowskis angeführt. Dieser habe zeitlebens vergeblich versucht, sich die Homosexualität abzugewöhnen. Obgleich er verheiratet gewesen sei mit einer deutlich jüngeren und vorgeblich attraktiven Frau, sei es ihm nicht gelungen, über seinen homophilen Schatten zu springen und die Gattin sexuell begehren zu können. Es wird der Eindruck vermittelt, diese Tragik veranschauliche das Dilemma aller homophil veranlagten Männer.

Alle diese Äußerungen weise ich vollständig als falsch zurück. Sowohl die Literatur, die Geschichtsbücher wie auch die alltägliche Wahrnehmung zeichnen nämlich ein völlig anderes Bild. So scheint mir der homoerotische Drang integraler Bestandteil männlichen Erotikverhaltens zu sein. Ich gehe davon aus, dass „Bisexualität“ den Normalzustand menschlicher Männer charakterisiert. Das Merkmal scheint dabei einer genetischen Variabilität zu unterliegen, an deren Randbereichen es selten auch zu vollständig „hetero-“ orientierten und vollständig „homo-“ orientierten Individuen kommt. Diese sind daher beide als Minderheiten zu interpretieren.

Der homophile Anteil im normalen männlichen Erotikverhalten ist durch Evolution entstanden. Merkmale, die durch Evolution hervorgebracht wurden, konnten sich nur deswegen in einer Population derselben Art etablieren, weil ein Selektionsdruck sie dauerhaft erhalten hat. Ein Merkmal erhält sich also, weil es einer Art in der Umgebung, in der sie lebt, Vorteile verschafft. Auch verhaltensbiologische Merkmale, denen erotische Handlungen zuzuordnen sind, unterliegen diesem Prinzip. Daher muss auch homoerotisches Verhalten unter Männern für frühe Hominiden-Gesellschaften vorteilhaft gewesen sein, sofern man nicht im Kutschera’schen Sinne von Missbildungen ausgeht. Welche Vorteile das gewesen sein mögen, ist noch zu erforschen.

Eine mögliche Hypothese könnte sein, dass erotische Handlungen unter Männern Spannungen in männlichen Gemeinschaften auf friedliche Weise abbauen konnten. Denn auch den Lehren Kutscheras zufolge ist davon auszugehen, dass in frühen Hominiden-Gesellschaften Männer- und Frauengruppen häufig voneinander getrennt waren.

Da durch Aggression in den Männergruppen hervorgerufene Gewaltakte mit Verletzungen und womöglich sogar dem Tod mancher Individuen einhergegangen wären, hätte dies die Fitness dieser Gruppe und somit auch der gesamten Population gefährdet. Friedliche Aggressionsbewältigung erhielt hingegen diese Fitness. Daher könnte in diesem Zusammenhang die Erklärung für die Entstehung homorerotischer Aktivität unter Männern zu finden sein. Zumindest ist dieser Zusammenhang aus der Forschung an Menschenaffen bekannt, und zwar genauer: Das Phänomen ist bei Bonobos in diesem Sinne interpretiert worden, betrifft dort allerdings Akte unter Weibchen und ist daher eventuell eher als ein analoges Szenario zu betrachten denn als besonderes Verwandtschaftsargument.

In der Evolutionsbiologie muss man sich übrigens gleich zwei Fragen stellen, wenn es um Erklärungsansätze für die Entstehung von Merkmalen gehen soll: Unter welchen Bedingungen konnte sich das Merkmal etablieren? Und warum hat es sich auch bei veränderten Bedingungen weiterhin erhalten? Diese zweite Frage lässt sich speziell für die Evolutionsgeschichte des Menschen oft nur schwer beantworten. Dies betrifft aber zahlreiche menschliche Eigenschaften (= Merkmale), so zum Beispiel den aufrechten Gang.

Doch zurück zu meiner These der Ausprägung eines Merkmals, hier der Homoerotik unter Männern, in Form einer sogenannten genetischen Variabilität. Laien mag dieser Ausdruck ebenso befremdlich erscheinen wie die Kutschera-These einer Missbildung oder eines Konstruktionsfehlers. In der Tat jedoch sind beide Erklärungsansätze in der Evolutionsbiologie völlig legitim. Denn Zwei- oder Vielgestaltigkeit eines Merkmals in derselben Population einer Art kann über das gesamte Tierreich hinweg grob nur auf drei Weisen erklärt werden. Zwei davon wurden schon genannt. Tritt ein Merkmal in vielfältigen Ausprägungen auf, die sich graduell in allen Zwischenformen voneinander unterscheiden, spricht man von genetischer Variabilität. Erscheint ein Merkmal hingegen in zwei oder mehreren Ausprägungen, die sich distinkt, also ohne Zwischenstufen, voneinander unterscheiden, bezeichnet der Evolutionsbiologe das Phänomen als Dimorphismus oder Polymorphismus. Ist eine bestimmte Ausprägung eines Merkmals, es können auch mehrere Erscheinungsformen dieses Merkmals sein, signifikant deutlich seltener als eine andere Ausprägung auf, die dann den Standard repräsentiert, birgt sie zudem offensichtliche Fitness-Nachteile für die betroffenen Individuen, muss die begründete Vermutung einer Missbildung (oder mehrerer Missbildungen = Konstruktionsfehler)) überprüft werden.

Meiner Hypothese zufolge ist das Beispiel der Tschaikowsky-Biographie alles andere als eindeutig. Da Tschaikowsky offenbar an dem Versuch scheiterte, eine bestimmte Frau sexuell begehren zu können, darf nicht ausgeschlossen werden, dass ihm Selbiges mit einer anderen Frau womöglich gelungen wäre. Er kann aber auch zu jener Minderheit gehört haben, die tatsächlich ausschließlich zur homophilen Erotik befähigt ist.

Der von mir verwendete Begriff der Variabilität darf nicht missverstanden werden. Es handelt sich nämlich um einen Fachterminus, den ich hier ausschließlich gemäß der oben benannten Definition verwende. Mit Variabilität ist ausdrücklich nicht gemeint, dass dasselbe Individuum beliebig variieren kann, welche erotischen Neigungen es pflegt. Dies entspräche lediglich dem Wunschgedanken der Genderismus-Anhänger, für den es jedoch keine Belege gibt und den ich daher negieren muss. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich dem Individuum Lern- und Erfahrungsprozesse absprechen möchte, die dazu führen können, seine erotischen Praktiken im Rahmen seiner genetisch festgelegten Veranlagung im Verlaufe eines Lebens ausreifen zu lassen.

Auch in anderem Zusammenhang kollidiert eine wissenschaftliche Herangehensweise übrigens mit den Thesen der Genderismus-Bewegung: Da es als mit höchster Wahrscheinlichkeit erwiesen gilt, dass frühe Hominiden-Gesellschaften aus häufig oder sogar weitgehend voneinander getrennten Männer- und Frauengruppen bestanden haben, müssen auch die Phänomene weibliche Homoerotik und männliche Homoerotik voneinander unterschieden werden. Es handelt sich um zwei verschiedene Phänomene, die in unterschiedlichen Kontexten entstanden sind. Hierin stimme ich mit den Thesen Kutscheras wieder überein.

Political Correctness und wissenschaftlich fundierte Thesen lassen sich nun einmal oft nicht miteinander vereinbaren. Dies beinhaltet jedoch keine moralische Bewertung der Vielfalt von Verhaltensformen in menschlichen Gesellschaften, die ich selbstverständlich alle gleichermaßen toleriere und respektiere.

Zahlreiche Hinweise aus unterschiedlichen Kulturkreisen heutiger Zeit unterstützen im Übrigen meine These, dass „Bisexualität“ den Normalzustand männlichen Erotikverhaltens darstellt. Auf nur einen davon möchte ich jedoch hiermit näher eingehen.  In zahlreichen modernen Kulturen ist männliche Homoerotik, meist nicht weibliche Homoerotik, unter drakonische Strafen gestellt. Es wird offenbar befürchtet, dass erotische Spiele unter Männern so stark ausufern können, dass diese nicht mehr die Zeit finden, ihren gesellschaftlichen und biologischen Aufgaben nachzugehen. Solche Befürchtungen wären jedoch redundant, ginge man in diesen Kulturkreisen davon aus, dass von jener Form der erotischen Versuchung lediglich eine vernachlässigbar kleine Minderheit betroffen sei.

Solche gesetzlichen Kontrollen männlicher Homoerotik lassen sogar sich bis in die Antike verfolgen. So argwöhnte Kaiser Augustus in Zeiten seiner späteren Regentschaft – sicherlich zu Unrecht – , dass die bis dahin erstaunlich frei und offen gelebte erotische Vielfalt römischer Bürger deren biologischen Fortbestand gefährden könnte. Daher führte er eine Heiratspflicht für Männer über 25 ein und verordnete zudem, dass jede Ehe drei Kinder zustande bringen musste.

Abschließend ist mir in diesem Artikel nur noch wichtig zu betonen, dass biologisches Vokabular im richtigen Zusammenhang verwendet werden muss. Das Gender-Mainstreaming, das vorgibt, ein eigener Wissenschaftszweig zu sein, verfügt nicht über das Recht, klar festgelegte Fachbegriffe aus den Naturwissenschaften umzudefinieren.

Die Bedeutung des Begriffes der Sexualität definiert und erläutert Herr Kutschera sehr ausführlich. Zwar bin ich der Ansicht, dass die Umgangssprache schon immer dazu neigte, Begrifflichkeiten zu lockern und zu vereinfachen. Jedoch halte ich es für wichtig, in der offiziellen Sprache ein korrektes Vokabular zu verwenden. Hierin stimme ich mit Herrn Kutschera und anderen Biologen völlig überein.

Schulbücher aus dem Dunstkreis des Genderismus, die Schüler lehren, das Geschlecht sowie erotische Neigungen seien nicht Ergebnis biologischer, sondern ausschliesslich gesellschaftlicher Phänomene, lehne ich genauso wie andere Kollegen ausdrücklich ab. diese tückische Form eines modernen Kreationismus darf nicht Einzug in unser Bildungssystem halten!

Advertisements

Das Geheimnis der Bernstein-Tierchen

Image    Stefan F. Wirth betreibt Forschung in den Bereichen Zoologie, Acarologie, Evolutionsbiologie und Ökologie in Kooperation mit verschiedenen internationalen Instituten. Sein Forschungsschwerpunkt sind Milben, die an Insekten und andere Arthropoden gebunden sind. Außerdem doziert er an der FU Berlin zur Biologie der Insekten und Milben sowie zu evolutionsbiologischen und ökologischen Themen. 

© aller Textpassagen Stefan F. Wirth. Alle Rechte der Textpassagen vorbehalten, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie Übersetzung. Kein Teil dieser Seite darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung von Stefan F. Wirth reproduziert werden oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Die Weiterverwendung der Fotos erfortert zudem die Zustimmung weiterer Personen des Urheberrechts. 

Da ich mich von nun an selbst publizieren möchte, habe ich den Artikel, für den nur ich die Urheberrechte besitze, von der Seite natur.de entfernen lassen.

DAS GEHEIMNIS DER BERNSTEIN-TIERCHEN

Bernsteine stammen aus längst vergangenen Zeitaltern. Manchmal sind in diesen Steinen winzige Tiere eingeschlossen, Milben oder kleinste Spinnen beispielsweise. Noch steht die Erforschung dieser Wesen am Anfang. Doch sie verspricht spannende Erkenntnisse über die Frühzeit des Lebens. Von Stefan F. Wirth .

Fast jeder kennt die orange-gelb schimmernden und häufig durchsichtigen Steine und hat womöglich schon Museums-Stücke bewundert, die manchmal im Innern winzige Tierchen beinhalten – wie im Foto links: eine Spinne. Bernstein ist ein ungemein ästhetisch anmutendes Gestein. Nicht umsonst gilt das legendäre Bernsteinzimmer des Preußenkönigs Friedrich I. als  „achtes Weltwunder“.

Bernstein ist dabei nur der Sammelbegriff für vorzeitliches Baumharz, das die Jahrmillionen überdauerte. Im Detail gibt es unterschiedliche Sorten aus verschiedenen Zeitaltern, die sich im chemischen Aufbau voneinander unterscheiden.

Doch welchen Nutzen hat Bernstein für die Forschung? Warum sind mikroskopisch kleine Milben darin zum Beispiel interessante Studienobjekte, und warum ist davon auszugehen, dass manche Tier- und Pflanzenarten, die gemeinsam im Bernstein eingeschlossen wurden, sich dort nicht zufällig begegnet sind, sondern vielmehr üblicherweise gemeinschaftlich auftreten?

Die Frage lässt sich zunächst allgemein beantworten: Fossilien, um die es sich ja auch im Falle der Bernstein-Organismen handelt, gewinnen häufig durch den Vergleich mit heutigen Lebewesen erst an wissenschaftlicher Aussagekraft.

Finden wir zunächst also scheinbar nichts weiter als eine Hummel, eine Ameise, einen Käfer oder eine Spinne im Bernstein erhalten, dann stellt sich bei genauem Hinsehen heraus, dass diese Tiere selten allein sind. Winzige Organismen sitzen auf ihnen drauf. Sind das natürliche Bedingungen oder Zufälle?

Blinde Passagiere, Mitflieger und Reisegesellschaften

An Fossilien kann man das manchmal nicht mit Sicherheit beantworten. Untersucht man jedoch noch heute lebende Gliedertiere, wird man feststellen, dass es tatsächlich „Mitreisende“ gibt. Und die kann man mitunter sogar leicht mit dem Transport-Tier zusammen züchten und die Zusammenhänge derartiger Bindungen zueinander im Detail studieren. Erst wenn solche Erkenntnisse aus der heutigen Welt der Tiere vorliegen, können Wissenschaftler Fossilien hinreichend verstehen und im richtigen Kontext interpretieren.

Tatsächlich zeigen Vergleiche mit heutigen Organismen, dass die oben genannten Tiere regelmäßig Mitläufer oder Mitflieger an sich tragen. Man kann sogar sagen: Das Insekt oder die Spinne wird zum Lebensraum, einem Mini-Ökosystem, obwohl manche dieser blinden Passagiere eher an ruhende Taxi-Passagiere erinnern und weniger an aktive Lebewesen.

Ökosysteme sind für Biologen interessante Forschungsobjekte. Darunter versteht man meist die Gemeinschaft verschiedener Arten, die in einer Wechselwirkung mit ihrer (unbelebten) Umwelt stehen. Manchmal finden sich sogar Hinweise auf eine gemeinsam verlaufene Evolutionsgeschichte der verschiedenen Organismen, die zu solch einer Artengemeinschaft gehören, zum Beispiel der auf einem Insekt. Das Phänomen, in dem nicht näher miteinander verwandte Organismen sich schrittweise durch Evolution aufeinander spezialisiert haben, bezeichnet man als Koevolution.

Man kennt solche Hinweise auf parallel verlaufene Evolutionen zum Beispiel von Blütenpflanzen und einigen sie bestäubenden Insekten. Wie man eine solche Koevolution überhaupt nachweisen kann?

Hierzu müssen die Evolutionsbiologen Stammbäume rekonstruieren und nachprüfen, ob die der betroffenen Organismen an entsprechenden Stellen ein ähnliches Verzweigungsmuster aufweisen.

Im Zusammenhang mit Insekten und anderen Gliedertieren sind parasitische „blinde Passagiere“ bekannt, die es häufig auf das Blut ihrer Wirte abgesehen haben. Aber auch solche „Mitreisenden“ kennt man, die nur transportiert werden wollen, weil sie zu klein und zu langsam sind, um neue Lebensräume selbstständig erreichen zu können. Manche der Parasiten und auch einige dieser neutralen „Mitreisenden“ haben offenbar einen langen Abschnitt ihrer Evolution in Wechselwirkung mit der ihres Insektes durchlaufen. In vielen anderen Fällen ist die Forschung noch immer gefordert, diese Zusammenhänge zu klären.

In Bernstein eingeschlossen: Farne, Moose, Flechten und kleine Wirbeltiere

In meiner Forschung sind besonders solche Milben dankbare Studienobjekte, die sich bei einer Größe von weniger als einem halben Millimeter mit komplizierten Saugnäpfen auf Insekten und anderen Tieren festheften, um so transportiert zu werden – (das unten stehende Foto zeigt die Milbe bei lichtmikroskopischer Vergrößerung).

Es handelt sich dabei nicht um Parasiten, sondern vielmehr um neutrale „Mitflieger“. Häufig werden nämlich fliegende Insekten von Milben als Transportmittel bevorzugt, denen im Übrigen trotz mitunter recht zahlreichen Passagieren kein bemerkbarer Schaden entsteht.

Derlei „Reisegesellschaften“ gab es bereits in längst vergangenen Zeitperioden unserer Erde. Sie sind bislang aber sehr unzureichend untersucht worden. Besonders ergiebig für die Milbensuche ist Baltischer Bernstein, der wissenschaftlich übrigens als „Succinit“ bezeichnet wird. Bernsteineinschlüsse werden der Forschung noch Überraschende Erkenntnisse liefern.

Doch was hat es mit diesem Gestein auf sich? Bernstein mit Einschlüssen konnte sich bilden, indem Organismen wie Moose, Farne, Flechten, kleine Wirbeltiere und insektenartige Gliedertiere zufällig in das noch flüssige Baumharz von Nadelbäumen gelangten, wo sie festklebten und vollständig umschlossen wurden. Nach dem Erhärten des Harzes, das die eingeschlossenen Organismen nun luftdicht eingebettet vor bakterieller Zersetzung bewahrte, sorgten chemische Veränderungen dafür, dass aus dem Baumharz-Brocken Schritt für Schritt Bernstein wurde, wie wir ihn heute kennen.

Was simpel klingt, konnte im Detail noch nicht durch die Wissenschaft erklärt werden. So ist zum Beispiel nichts über den Artenreichtum Succinit-bildender Bernstein-Baumarten bekannt. Stittig ist auch, welche Verwandten der Bernsteinbäume es unter den heutigen Nadelholz-Gruppen gibt.

Nicht mehr bezweifelt wird indes, dass die Bernstein-Bäume ungewöhnliche Eigenschaften hatte: Sie besaßen ein besonders schnell aushärtendes Harz, wie wir es bei modernen Nadelbäumen in dieser Ausprägung nicht finden können. Es gibt klare Hinweise, die belegen, dass es bereits am lebenden Baum zu seiner endgültigen Gestalt erstarrt sein muss. Nur so ist zu erklären, dass die tierischen und pflanzlichen Einschlüsse unversehrt in ihrer ursprünglichen Form erhalten bleiben konnten, ohne dass es durch den späteren Druck beim Einlagern in die Erde zu Verformungen kam. Deformationen kennen wir von Fossilien aus Schieferlagerstätten nur zu gut.

Baltische Bernsteine sind etwa 30 bis 50 Millionen Jahre alt und entstammen einer Region, bestehend aus der heutigen Ostsee und der skandinavischen Halbinsel, die einst mit ausgedehnten Wäldern bedeckt war.

Erforschung einer weitgehend unbekannten Mikrowelt

Obwohl Bernstein in unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung und auch aus verschiedenen Zeitepochen erhalten ist, erweist sich der Baltische Bernstein als besonders zahlreich mit darin eingeschlossenen Organismen versehen. Dies ist jedoch vor allem auf seine Fundhäufigkeit und die damit einhergehende bessere wissenschaftliche Bearbeitung zurückzuführen.

Vertreter von Insekten, aber auch Asseln als Repräsentanten der Krebse, Hundertfüßer und Spinnentiere sind in all ihren mikroskopisch kleinen Strukturen so wunderbar erhalten, dass man glauben könnte, sie seien erst gestern verstorben.

Die Mikrowelt aus Milben und Insekten, Spinnen oder Tausendfüßern im Bernstein ist nur unzureichend erforscht und wenn überhaupt, dann nur lückenhaft dargestellt, was oft vor allem auf technische Beschränkungen zurückzuführen ist. Denn wie soll man eine Milbe aussagekräftig sichtbar machen, die weniger als einen halben Millimeter groß ist? Selbst hoch auflösende Lichtmikroskope sind überfordert, zumindest solange der Anspruch erhoben wird, den Bernstein nicht zu beschädigen. Denn dies wird häufig von den Museen oder Sammlungsbesitzern nicht gestattet.

In dieser Situation befand sich auch die Bernstein-Milbe, die ich zusammen mit einem Kollegen des Museums für Naturkunde in Berlin und weiteren Wissenschaftlern aus Manchester untersuchte. Das nur etwa 176 µm lange Tier, ein Jugendstadium, das als „Deutonymphe“ bezeichnet wird, sitzt festgesaugt auf dem Vorderkörper einer ausgestorbenen Sechsaugenspinne (eine bedrohlich aussehende Webspinnen-Gruppe, die auch heute noch vorkommt), bei der es sich um genauso ein Original handelt, das als Vorlage für die neue Beschreibung dieser Spinnenart diente. Daher durfte das Bernsteinstück nicht zerschnitten werden, um beispielsweise mikroskopisch dünne Schliffe für die Untersuchung mithilfe normaler Lichtmikroskope anzufertigen.

Um die winzige Milbe, die aus der recht großen Gruppe der so genannten „astigmaten Milben“ stammt, dennoch dreidimensional sichtbar machen zu können, entschlossen wir uns, die Computertomographie einzusetzen. Ein eventuell wegweisendes und ungewöhnliches Unterfangen!

Unserer Kenntnis nach haben wir in unserer Publikation aus dem Jahre 2011 weltweit erstmalig ein Tier dieser winzigen Größe (176 µm) mithilfe der einfachen Mikro-CT  dreidimensional und in sehr guter Auflösung darstellen können.

Wir wissen jetzt: Schon vor Millionen von Jahren gab es „Taxis“

Unser Erkenntnisgewinn: Es handelt sich scheinbar um den ältesten bekannten Nachweis einer Milbe aus der Familie der Histiostomatidae (wobei aufgrund der fossil erhaltenen Merkmalssituation – die Milbe war teilweise beschädigt – des Tieres auch die Zugehörigkeit zu einer anderen, nah verwandten Milben-Gruppe nicht  auszuschließen ist). Das Alter des Tieres aus dem Eozän (44 bis 49 Millionen Jahre) wird von uns als Mindestalter angesehen, dennoch wissen wir nun sicher, dass die eigenartige Verbreitungsweise dieser Milben, nämlich ein größeres und schnelleres Tier als „Taxi“ zu gebrauchen, schon Millionen Jahre alt ist.

Aus der Milben-Gruppe, mit der ich mich derzeit befasse, sind bislang nur wenige Fossilien bekannt, was auf die geringe Größe dieser besonders kleinen Tiere zurückzuführen ist. Sie werden dadurch nämlich oft übersehen. Bessere optische Technologien, aber auch die gewachsene Aufmerksamkeit der interessierten Zoologen, werden dazu führen, dass bislang im Bernstein kaum beachtete Vertreter winziger Tiere wie diesen Milben, künftig viel besser wissenschaftlich bewertet werden können.

Auch das aus evolutionsbiologischer Sicht äußerst spannende Phänomen der gemeinsamen, aneinander gebundenen Evolutionsgeschichte unterschiedlicher Tiergruppen kann durch Bernsteinfossilien künftig wohl besser verstanden werden.

Ein gutes Beispiel für diesen Forschungsansatz sind Milbenarten, die an unterschiedlichen Arten von Borkenkäfern gebunden sind. Möglicherweise hat man es hier mit Koevolution zu tun. So bearbeite ich derzeit ein Bernsteinstück, das einen heute ausgestorbenen Borkenkäfer mit winzigen Milben behaftet enthält. Diese Milbenart zeigt bereits äußerliche Merkmale, die man auch bei heutigen Borkenkäfermilben aus dieser Verwandtschaftsgruppe finden kann.

Es ist im Übrigen ganz grundsätzlich bei der Bewertung von Fossilien stets zu berücksichtigen, dass sie die Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge vergangener Zeitalter, abhängig von zufälligen Einbettungsereignissen, stets nur lückenhaft wiedergeben. Fossilien sind daher als kleines Puzzlestück aus einem großen Ganzen zu bewerten, das zu einem beträchtlichen Teil auf immer verloren ist.

Image

Foto oben: Spinne im Bernstein – Copyright: Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin.

CT-Foto unten – Copyright: University of Manchester/Andrew McNeil.

Image

Stefan F. Wirth

ich

Stefan Friedrich Wirth is a freelance German biologist, zoologist, evolutionary biologist and acarologist, living in Berlin.

– born in 1972 in the South-West of Germany.

– studies at the FU (Free University) Berlin 1994-2000

– phd thesis at the FU Berlin 2000-2004

– since 2004 research in the fields of systematics, evolution und ecology of mites (Histiostomatidae, Astigmata, Acari)  in cooperation with different international scientific institutions and  videografie/ macro-Videography as documentary contributions, for example to the „arte“-channel documentaries „Voyage sous nos pieds“ by the French director Vincent Amouroux.

selected publications:

Wirth, S. (2003): Das Stammartmuster der Histiostomatidae (Acari) und Beschreibung der durch zwei Männchen-Typen charakterisierten Histiostoma palustre n. sp.. Acarologia 42, 3: 257-270.

Wirth, S. (2004): Phylogeny, biology and character transformations of the Histiostomatidae (Acari, Astigmata). Promotionsarbeit. Internet Publikation, URL:http://www.diss.fu-berlin.de/2004/312.

Wirth, S. (2004): Phylogeny, Morphology and habitats of the Histiostomatidae (Astigmata). Proceedings of the V Symposium of the European Association of Acarologists. Phytophaga, XIV: 389-407.

Wirth, S. (2005): Description of a new species Bonomoia opuntiae (Histiostomatidae, Astigmata) with observations on the function of its eyes. Acarologia, vol. 45, no 4: 303-319. (URL:http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&cpsidt=18276055)

Wirth, S. (2005): Transformations of copulation structures and observations on the male polyphenism in the phylogeny of the Histiostomatidae. Internat. J. Acarol., Vol. 31, No. 2: 91-100.

Wirth, S. (2006): Development of the prelarva and larval behavior to open the eggshell in the Histiostomatidae (Astigmata). Abh. Ber. Naturkundemus. Görlitz 78,1: 93-104.

Wirth, S. (2006): Morphology and function of the gnathosoma in the Histiostomatidae (Astigmata). Acarologia,  vol. 46, no. 1-2: 103-109. (URL:http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&cpsidt=18695493)

Wirth, S. (2007): Phylogeny and characteristic transformations of the Histiostomatidae. In: J.B. Morales-Malacara, V. Behan-Pelletier, E. Ueckermann, T.M. Pérez, E.G. Estrada-Venegas and M. Badii (Eds.), Acarology XI. Proceedings of the XI International Congress of Acarology: 607-615, México.

Wirth, S. & Moser, J.C. (2008): Interactions of histiostomatid mites (Astigmata) and leafcutting ants. In: M. Bertrand, S. Kreiter, K.D. McCoy, A. Migeon, M. Navajas, M.-S. Tixier, L. Vial (Eds.), Integrative Acarology. Proceedings of the 6th Congress of the European Association of Acarologists: 378-384; EURAAC 2008, Montpellier, France.

Wirth S. (2009): Necromenic life style of Histiostoma polypori (Acari, Histiostomatidae). Experimental and applied acarology. DOI number: 10.1007/s10493-009-9295-6. URL:http://www.springerlink.com/openurl.asp?genre=article&id=doi:10.1007/s10493-009-9295-6

Wirth, S. (2010): Food competition and feeding behaviour and its implications for the phylogeny of the Histiostomatidae (Astigmata). – In: Sabelis, M. W. & Bruin, J. (eds.). Trends in Acarology: 37-40.

Wirth S. & Moser J. C. (2010): Histiostoma blomquisti N. SP. (Acari: Histiostomatidae) A phoretic mite of the Red Imported Fire Ant, Solenopsis invicta Buren (Hymenoptera: Formicidae). Acarologia 50(3): 357-371.

DunlopJ. A., Wirth1 S., Penney2 D.,  McNeilA., Bradley3R.S.,  Withers3 P. J.,Preziosi2 R. F. (2011): A tiny phoretic mite deutonymph in Baltic amber recovered by X-ray computed tomography. Biology letters doi:10.1098/rsbl.2011.0923.

Krüger J. & Wirth S. (2011): Life cycle of  Sarraceniopus nipponensis (Histiostomatidae: Astigmata) from the fluid-filled pitchers of Sarracenia alata (Sarraceniaceae). Acarologia 51(2): 259-267.

Koller L., Wirth S. and Raspotnig G. (2012): Geranial-rich oil gland secretions: a common phenomenon in the Histiostomatidae (Acari, Astigmata)? International journal of Acarology 38(5-38): 420-426.

Pernek M.1,2, Wirth S.3, Blomquist S. R.4, Avtzis D. N.5, Moser J. C.4 (2012): New associations of phoretic mites on Pityokteines curvidens (Coleoptera, Curculionidae, Scolytinae). Central European Journal of Biology. Volume 7, Issue 1: 63-68.

Pernek M. (1),  Novak Agbaba S.(1), Lackovic N. (1), Dod(1) N., Lukic I. (2), Wirth S. (3) (2012): The role of biotic factors on pine (Pinus spp.) decline in north dalmatia (croat: uloga biotičkih čimbenika u sušenjuborova (Pinus spp.) na područjusjeverne dalmacije). Šumarski list, 5–6, cxxxvi: 343–354.

Wirth S. (1), Pernek M. (2) (2012): First record of the mite Histiostoma ulmi in silver fir and indication of a possible phoretic dispersal by the longhorn beetle Acanthocinus reticulates. Šumarski list, 11–12, CXXXVI: 597–603.

Wirth S. & Garonna A. P.  (2015): Histiostoma ovalis (Histiostomatidae, Acari) associated with Ips sexdentatus (Scolytinae, Curculionidae, Coleoptera): ecology and mite redescription on the basis of formerly unknown adults and nymphs . International Journal of Acarology DOI: 10.1080/01647954.2015.1050062

WIRTH S., WEIS O., PERNEK M. (2016): A comparison of phoretic mites associated with bark beetles Ips typographus and Ips cembrae from Central Croatia. Šumarski list, in press.

WIRTH S. (2016): Description of developmental instars of Bonomoia sibirica n. sp. (Astigmata: Histiostomatidae) with ecological observations and phylogenetic conclusions. Acarina, December issue; in press.

Stefan F. Wirth

ich

Stefan Friedrich Wirth ist ein freischaffender deutscher Biologe, Zoologe, Evolutionsbiologe und Acarologe, der jedoch durch Geburt auch über italienische Wurzeln verfügt.  Er lebt in Berlin.

– Geboren 1972 im Südwesten Deutschlands.

– Studium an der FU Berlin 1994-2000

– Promotion an der FU Berlin 2000-2004

– Ab 2004 bis heute: Forschung (bis 2014 auch Lehre an der FU Berlin) in den Bereichen Systematik, Evolution und Ökologie der Milben (am Beispiel bestimmter Milben aus der Gruppe der Astigmata) in Kooperation mit diversen internationalen Forschungseinrichtungen, sowie Videografie/ Makro-Videographie für künstlerisch-dokumentarische Zwecke, z.B. als Beiträge zu den Dokumentarfilmen „Voyage sous nos pieds“ des französischen Regisseurs Vincent Amouroux, die 2016 auf dem französisch-deutschen Fernsehsender „arte“ ausgestrahlt wurden.

Ausgewählte Publikationen:

Wirth, S. (2003): Das Stammartmuster der Histiostomatidae (Acari) und Beschreibung der durch zwei Männchen-Typen charakterisierten Histiostoma palustre n. sp.. Acarologia 42, 3: 257-270.

Wirth, S. (2004): Phylogeny, biology and character transformations of the Histiostomatidae (Acari, Astigmata). Promotionsarbeit. Internet Publikation, URL:http://www.diss.fu-berlin.de/2004/312.

Wirth, S. (2004): Phylogeny, Morphology and habitats of the Histiostomatidae (Astigmata). Proceedings of the V Symposium of the European Association of Acarologists. Phytophaga, XIV: 389-407.

Wirth, S. (2005): Description of a new species Bonomoia opuntiae (Histiostomatidae, Astigmata) with observations on the function of its eyes. Acarologia, vol. 45, no 4: 303-319. (URL:http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&cpsidt=18276055)

Wirth, S. (2005): Transformations of copulation structures and observations on the male polyphenism in the phylogeny of the Histiostomatidae. Internat. J. Acarol., Vol. 31, No. 2: 91-100.

Wirth, S. (2006): Development of the prelarva and larval behavior to open the eggshell in the Histiostomatidae (Astigmata). Abh. Ber. Naturkundemus. Görlitz 78,1: 93-104.

Wirth, S. (2006): Morphology and function of the gnathosoma in the Histiostomatidae (Astigmata). Acarologia,  vol. 46, no. 1-2: 103-109. (URL:http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&cpsidt=18695493)

Wirth, S. (2007): Phylogeny and characteristic transformations of the Histiostomatidae. In: J.B. Morales-Malacara, V. Behan-Pelletier, E. Ueckermann, T.M. Pérez, E.G. Estrada-Venegas and M. Badii (Eds.), Acarology XI. Proceedings of the XI International Congress of Acarology: 607-615, México.

Wirth, S. & Moser, J.C. (2008): Interactions of histiostomatid mites (Astigmata) and leafcutting ants. In: M. Bertrand, S. Kreiter, K.D. McCoy, A. Migeon, M. Navajas, M.-S. Tixier, L. Vial (Eds.), Integrative Acarology. Proceedings of the 6th Congress of the European Association of Acarologists: 378-384; EURAAC 2008, Montpellier, France.

Wirth S. (2009): Necromenic life style of Histiostoma polypori (Acari, Histiostomatidae). Experimental and applied acarology. DOI number: 10.1007/s10493-009-9295-6. URL:http://www.springerlink.com/openurl.asp?genre=article&id=doi:10.1007/s10493-009-9295-6

Wirth, S. (2010): Food competition and feeding behaviour and its implications for the phylogeny of the Histiostomatidae (Astigmata). – In: Sabelis, M. W. & Bruin, J. (eds.). Trends in Acarology: 37-40.

Wirth S. & Moser J. C. (2010): Histiostoma blomquisti N. SP. (Acari: Histiostomatidae) A phoretic mite of the Red Imported Fire Ant, Solenopsis invicta Buren (Hymenoptera: Formicidae). Acarologia 50(3): 357-371.

DunlopJ. A., Wirth1 S., Penney2 D.,  McNeilA., Bradley3R.S.,  Withers3 P. J.,Preziosi2 R. F. (2011): A tiny phoretic mite deutonymph in Baltic amber recovered by X-ray computed tomography. Biology letters doi:10.1098/rsbl.2011.0923.

Krüger J. & Wirth S. (2011): Life cycle of  Sarraceniopus nipponensis (Histiostomatidae: Astigmata) from the fluid-filled pitchers of Sarracenia alata (Sarraceniaceae). Acarologia 51(2): 259-267.

Koller L., Wirth S. and Raspotnig G. (2012): Geranial-rich oil gland secretions: a common phenomenon in the Histiostomatidae (Acari, Astigmata)? International journal of Acarology 38(5-38): 420-426.

Pernek M.1,2, Wirth S.3, Blomquist S. R.4, Avtzis D. N.5, Moser J. C.4 (2012): New associations of phoretic mites on Pityokteines curvidens (Coleoptera, Curculionidae, Scolytinae). Central European Journal of Biology. Volume 7, Issue 1: 63-68.

Pernek M. (1),  Novak Agbaba S.(1), Lackovic N. (1), Dod(1) N., Lukic I. (2), Wirth S. (3) (2012): The role of biotic factors on pine (Pinus spp.) decline in north dalmatia (croat: uloga biotičkih čimbenika u sušenjuborova (Pinus spp.) na područjusjeverne dalmacije). Šumarski list, 5–6, cxxxvi: 343–354.

Wirth S. (1), Pernek M. (2) (2012): First record of the mite Histiostoma ulmi in silver fir and indication of a possible phoretic dispersal by the longhorn beetle Acanthocinus reticulates. Šumarski list, 11–12, CXXXVI: 597–603.

Wirth S. & Garonna A. P.  (2015): Histiostoma ovalis (Histiostomatidae, Acari) associated with Ips sexdentatus (Scolytinae, Curculionidae, Coleoptera): ecology and mite redescription on the basis of formerly unknown adults and nymphs . International Journal of Acarology DOI: 10.1080/01647954.2015.1050062

WIRTH S., WEIS O., PERNEK M. (2016): A comparison of phoretic mites associated with bark beetles Ips typographus and Ips cembrae from Central Croatia. Šumarski list, in press.

WIRTH S. (2016): Description of developmental instars of Bonomoia sibirica n. sp. (Astigmata: Histiostomatidae) with ecological observations and phylogenetic conclusions. Acarina, December issue; in press.