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Tag: Verhalten

Invasion der Gammaeule beim EM-Finale im Stade de France

 

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  Gammaeule (Autographa gamma), Bildquelle Wikipedia, nicht im Stade de France aufgenommen.

 

Im Grunde gibt es doch nichts Langweiligeres als ein Fußballspiel, das im Fernsehen übertragen wird. Doch Fußball gilt als wichtig, insbesondere dann, wenn große Meisterschaften anstehen, wie beispielsweise eine EM. Selbst die edelsten Restaurants stellen plötzlich Fernseher auf und scheren sich einen feuchten Kehricht darum, ob der Gast Fußball schauen möchte oder nicht.

Es wissen aber die Gastronomie-Betriebe auch sehr wohl, dass ohnehin nur eine Minderheit der Anwesenden ihre Abneigung gegen den Anblick grün übersättigter Fernsehbilder mit darin durchgeknallt umherzuckenden Kamikaze-Farbklecksen offen zugeben würde. Wie wild geworden hüpfen grell leuchtende T-Shirts einem Ball hinterher und entblößen dabei immer wieder mit dem Gehabe eines wütenden Orang-Utans auf GHB ihre nackten Oberkörper. So soll wenigstens auf erotische Weise die Aufmerksamkeit der Zuschauer erfolgreich zum Geschehen auf dem Rasen zurückgeführt werden. Schlägereien und Beschimpfungen unter Gästen in den Zuschauer-Tribünen werden ja regelmäßig zu Selbstzwecken und lassen das eigentliche Spiel im Hintergrund verblassen.

Schließlich sind die meisten Zuschauer auch ohnehin viel zu betrunken, um sich ernsthaft auf die sportlichen Taktik-Manöver der athletischen Elf konzentrieren zu können. Anspruchsvolle Strategien lassen sich im Alkoholrausch nun einmal prinzipiell nicht angemessen würdigen. Väterchen Alkohol blockiert stets zuverlässig alle Nervenleitungen, die für einen konstruktiven Intellekt verantwortlich sind. In der Folge dringen nur noch niedere Gefühlsregungen nach draußen, die für mich oft klingen wie ein trostlos-aggressives „Muuuh“ und „Määäh“.

Zum Glück erfordert blöder Nationalismus keine nennenswert differenzierten Abwägungen. Gelingt der richtigen Nationalfahne ein Tor, schreit man einfach „muuh“. Geht stattdessen der gegnerischen Mannschaft ein Ball ins Netz, stöhnt man hingegen missmutig „määäh“ oder schlägt wahlweise dem Nachbarn, der eine andere Fahne wedelt, aufs Maul.

Und so geht das wochenlang, Spiel für Spiel, Abend für Abend, immer wieder lautes Gekreische, paranoides Grunzen und stakkatoartig gelallte Ratschläge an die Fußballspieler, die diese nie befolgen.

Doch dann geschieht es: Beim EM-Finale am Sonntag, dem 10.07.2016, landet ein waschechtes UFO direkt vom Heimat-Planeten der Klingonen auf dem grünen Fussel-Parkett, und kleine grüne Männchen befallen das gesamte Spielfeld und tanzen auf den Köpfen der Fußball-Milliardäre einen argentinischen Tango.

Die Medien nehmen das Ganze jedoch sehr gefasst auf. Lapidar heißt es da nur: „Merkwürdige kleine grüne Dinger haben den Spielverlauf gestört. Techniker konnten sie am Ende dann doch noch erfolgreich mit einem Besen entfernen“.

Gut, ich gestehe, es ist kein UFO im Stade de France gelandet. Auch die Ausbreitung kleiner grüner Männchen war eine glatte Lüge.

Und doch ist eigentlich etwas sehr Ähnliches geschehen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel stellt nämlich kurzerhand das alberne finale Ballgehopse in den Schatten. „Mottenplage im Stade de France“, verkündet sportschau.de, „Ekel-Alarm beim EM-Finale: Motten im Stade de France“, weiß express.de. Doch auch Spiegel Online nimmt nichts als kleine geflügelte Lästlinge zur Kenntnis und meldet: „EM-Finale in Paris: Motten stören im Stade de France“.

Schande über die dümmlich piefige Ignoranz unserer Medien. Denn der Schmetterling Autographa gamma (Noctuidae, Lepidoptera), auf Deutsch „Gammaeule“ genannt, bietet weit mehr Spektakel als etwas, das hastig mit dem Besen weggeputzt werden muss.

Die Gammaeule ist ein Wanderfalter, der aus Südeuropa kommend in nördlichere Regionen über Mitteleuropa bis nach Skandinavien ausfliegt, um dort weitere Generationen hervorzubringen. Im Herbst treten dann Teile dieser Nachkommen wieder den Rückflug an. Nur gelegentlich wird ein Massenauftreten der Falter dokumentiert, wie nun offenbar im Stade de France zu sehen. Ich vermute, dass der Falter sich noch im Süden massenhaft vermehrt hat und die daraus hervorgegangenen erwachsenen Tiere nun zeitgleich auf der Durchreise waren. Es könnte sich jedoch auch bereits um eine Folgegeneration handeln, die kürzlich im Umfeld von Paris besonders zahlreich geschlüpft ist.

Die Gammaeule gehört zu den häufigsten Faltern, die hierzulande angetroffen werden können. Dies liegt unter anderem an der flexiblen Lebensweise der Art. Denn der Schmetterling ist tag- und nachtaktiv und daher auch bei Sonnenschein regelmäßig Nektar sammelnd im Schwebeflug über Blüten zu beobachten. Bei Nacht fliegen die Tiere häufig Lichtquellen an, wie zum Beispiel im Stade de France am gestrigen Abend.

Denn Berichten zufolge war das Stadion aus Sicherheitsgründen angesichts einer möglichen Terrorgefahr auch vor dem Finalspiel schon Tag und Nacht beleuchtet worden.

Aber warum um alles in der Welt fliegen diese Schmetterlinge, bei denen es sich wirklich nicht im Mindesten um „Motten“ handelt, überhaupt bei Nacht ins Licht?

Weil sie Opfer einer Verwechslung geworden sind, lautet eine wissenschaftlich gut begründete Hypothese. Ein heller Lichtschein in der Nacht ist für ein im Dunkeln aktives Insekt nämlich immer der Mond, der einen wichtigen Beitrag zur Orientierung dieser Hexapoden leistet. Indem das Tier einen bestimmten Winkel zu dem weit entfernten und aus seiner Sicht daher unbewegten Gestirn einhält, gelingt es ihm auch bei Dunkelheit, zuverlässig geradeaus zu fliegen. Erstrahlt eine künstliche Lichtquelle heller als der Mond, wird diese vom Insekt, hier dem Falter, mit dem leuchtenden Erdtrabanten verwechselt. Es bemüht sich nun instinktiv, den üblichen Flug-Winkel zum vermeintlichen Gestirn einzunehmen, das sich allerdings unerwartet nicht im All, sondern in unmittelbarer Nähe befindet. In der Folge umkreist das Tier eine Lampe, bis es an ihr verbrennt oder nicht weit entfernt erschöpft zu Boden geht, offenkundig so geschehen im Stade de France.

Die hier vorgestellte sogenannte Navigationstheorie ist allerdings nur eine von mehreren Theorien, um den zuverlässigen Flug  nachtaktiver Insekten zu künstlichen Lichtquellen zu erklären. Sie gilt jedoch als besonders plausibel.

Biologen machen sich die Eigenart des Lichtfluges vieler Insektenarten übrigens oft gezielt zunutze, wenn es darum geht, bestimmte Arten aus Forschungsgründen einzufangen. Leuchtstoffe, die Zoologen aus wissenschaftlicher Motivation mit dem Ziel aufstellen, Insekten anzulocken, werden als „Lichtfallen“ bezeichnet.

Selbst aktiv Fußball zu spielen macht Spaß, möchte ich noch hinzufügen. Doch anderen bei der sportlichen Betätigung zuzuschauen, ist für mich eine ganz besonders perfide Folter mit dem grausamen Werkzeug der hoffnungslos grenzenlosen Langeweile. Da muss erst ein solches Naturspektakel aufkommen, um mein Interesse an den Geschehnissen der Europameisterschaft zu erwecken.

 

Copyrights für den Text: Stefan F. Wirth, 2016.

Gleichgeschlechtliche erotische Handlungen unter Männern in der Evolutionsgeschichte des Homo sapiens

In einem aktuellen Radiointerview äußerte sich der renommierte Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera zu den Themen Kreationismus und Gender-Mainstreaming (Genderismus). Ich unterstütze mit all meinen Kräften den Einsatz Kutscheras und anderer international bekannter Evolutionsbiologen gegen spirituell motivierte, alternative Erklärungsversuche zur Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Kirchliche Einrichtungen, Lobby-Verbände und sektenartige Zusammenschlüsse aller Art verfolgen mit der Verbreitung kreationistischen Gedankengutes die Bekämpfung der Aufklärung und Bildung in modernen Gesellschaften. Ziel ist es, das Niveau des Wissens und des Verstehens durch frei erfundene Wundergeschichten vorsätzlich herabzusetzen, um dadurch die Bereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen, nicht mehr nach klaren Argumenten zu fragen, sondern unkritisch zu glauben. In der Regel verfolgt der Kreationismus daher Macht- und Wirtschaftsinteressen.

Im genannten Radiointerview äußerte sich Herr Kutschera allerdings auch zu seinem Verständnis zum Thema „Homosexualität“ (Anführungszeichen, weil der Begriff „Sexualität“ zurecht und auch gemäß Kutschera in diesem Zusammenhang biologisch inkorrekte Verwendung findet) bei Männern, und zwar aus der Sicht des Evolutionsbiologen. Von diesen Äußerungen muss ich mich jedoch distanzieren. Dies erscheint mir auch in dieser Schriftform notwendig zu sein, da Herr Kutschera und ich zusammen einen Artikel zum Thema Kreationismus veröffentlicht haben. Ich möchte nicht, dass Außenstehende daraus automatisch schlussfolgern, dass ich auch in anderen Äußerungen mit dem Fachkollegen übereinstimme.

Im Interview wird der Eindruck vermittelt, gleichgeschlechtliche erotische Neigungen („Homosexualität“) bei Männern seien ein äußerst seltenes Phänomen, das als eine Art zufälliger Fehlkonstruktion zu interpretieren sei. Aus den Erläuterungen geht ferner hervor, homophil veranlagte Männer seien grundsätzlich nicht befähigt zum sexuellen Akt mit einer Frau. Konsequenterweise seien sie also grundsätzlich nicht in der Lage, sich fortzupflanzen. Ein biologischer Nutzen homophiler Männer in menschlichen Gesellschaften wird daher bestritten. Als Beispiel wird die Biographie Tschaikowskis angeführt. Dieser habe zeitlebens vergeblich versucht, sich die Homosexualität abzugewöhnen. Obgleich er verheiratet gewesen sei mit einer deutlich jüngeren und vorgeblich attraktiven Frau, sei es ihm nicht gelungen, über seinen homophilen Schatten zu springen und die Gattin sexuell begehren zu können. Es wird der Eindruck vermittelt, diese Tragik veranschauliche das Dilemma aller homophil veranlagten Männer.

Alle diese Äußerungen weise ich vollständig als falsch zurück. Sowohl die Literatur, die Geschichtsbücher wie auch die alltägliche Wahrnehmung zeichnen nämlich ein völlig anderes Bild. So scheint mir der homoerotische Drang integraler Bestandteil männlichen Erotikverhaltens zu sein. Ich gehe davon aus, dass „Bisexualität“ den Normalzustand menschlicher Männer charakterisiert. Das Merkmal scheint dabei einer genetischen Variabilität zu unterliegen, an deren Randbereichen es selten auch zu vollständig „hetero-“ orientierten und vollständig „homo-“ orientierten Individuen kommt. Diese sind daher beide als Minderheiten zu interpretieren.

Der homophile Anteil im normalen männlichen Erotikverhalten ist durch Evolution entstanden. Merkmale, die durch Evolution hervorgebracht wurden, konnten sich nur deswegen in einer Population derselben Art etablieren, weil ein Selektionsdruck sie dauerhaft erhalten hat. Ein Merkmal erhält sich also, weil es einer Art in der Umgebung, in der sie lebt, Vorteile verschafft. Auch verhaltensbiologische Merkmale, denen erotische Handlungen zuzuordnen sind, unterliegen diesem Prinzip. Daher muss auch homoerotisches Verhalten unter Männern für frühe Hominiden-Gesellschaften vorteilhaft gewesen sein, sofern man nicht im Kutschera’schen Sinne von Missbildungen ausgeht. Welche Vorteile das gewesen sein mögen, ist noch zu erforschen.

Eine mögliche Hypothese könnte sein, dass erotische Handlungen unter Männern Spannungen in männlichen Gemeinschaften auf friedliche Weise abbauen konnten. Denn auch den Lehren Kutscheras zufolge ist davon auszugehen, dass in frühen Hominiden-Gesellschaften Männer- und Frauengruppen häufig voneinander getrennt waren.

Da durch Aggression in den Männergruppen hervorgerufene Gewaltakte mit Verletzungen und womöglich sogar dem Tod mancher Individuen einhergegangen wären, hätte dies die Fitness dieser Gruppe und somit auch der gesamten Population gefährdet. Friedliche Aggressionsbewältigung erhielt hingegen diese Fitness. Daher könnte in diesem Zusammenhang die Erklärung für die Entstehung homorerotischer Aktivität unter Männern zu finden sein. Zumindest ist dieser Zusammenhang aus der Forschung an Menschenaffen bekannt, und zwar genauer: Das Phänomen ist bei Bonobos in diesem Sinne interpretiert worden, betrifft dort allerdings Akte unter Weibchen und ist daher eventuell eher als ein analoges Szenario zu betrachten denn als besonderes Verwandtschaftsargument.

In der Evolutionsbiologie muss man sich übrigens gleich zwei Fragen stellen, wenn es um Erklärungsansätze für die Entstehung von Merkmalen gehen soll: Unter welchen Bedingungen konnte sich das Merkmal etablieren? Und warum hat es sich auch bei veränderten Bedingungen weiterhin erhalten? Diese zweite Frage lässt sich speziell für die Evolutionsgeschichte des Menschen oft nur schwer beantworten. Dies betrifft aber zahlreiche menschliche Eigenschaften (= Merkmale), so zum Beispiel den aufrechten Gang.

Doch zurück zu meiner These der Ausprägung eines Merkmals, hier der Homoerotik unter Männern, in Form einer sogenannten genetischen Variabilität. Laien mag dieser Ausdruck ebenso befremdlich erscheinen wie die Kutschera-These einer Missbildung oder eines Konstruktionsfehlers. In der Tat jedoch sind beide Erklärungsansätze in der Evolutionsbiologie völlig legitim. Denn Zwei- oder Vielgestaltigkeit eines Merkmals in derselben Population einer Art kann über das gesamte Tierreich hinweg grob nur auf drei Weisen erklärt werden. Zwei davon wurden schon genannt. Tritt ein Merkmal in vielfältigen Ausprägungen auf, die sich graduell in allen Zwischenformen voneinander unterscheiden, spricht man von genetischer Variabilität. Erscheint ein Merkmal hingegen in zwei oder mehreren Ausprägungen, die sich distinkt, also ohne Zwischenstufen, voneinander unterscheiden, bezeichnet der Evolutionsbiologe das Phänomen als Dimorphismus oder Polymorphismus. Ist eine bestimmte Ausprägung eines Merkmals, es können auch mehrere Erscheinungsformen dieses Merkmals sein, signifikant deutlich seltener als eine andere Ausprägung auf, die dann den Standard repräsentiert, birgt sie zudem offensichtliche Fitness-Nachteile für die betroffenen Individuen, muss die begründete Vermutung einer Missbildung (oder mehrerer Missbildungen = Konstruktionsfehler)) überprüft werden.

Meiner Hypothese zufolge ist das Beispiel der Tschaikowsky-Biographie alles andere als eindeutig. Da Tschaikowsky offenbar an dem Versuch scheiterte, eine bestimmte Frau sexuell begehren zu können, darf nicht ausgeschlossen werden, dass ihm Selbiges mit einer anderen Frau womöglich gelungen wäre. Er kann aber auch zu jener Minderheit gehört haben, die tatsächlich ausschließlich zur homophilen Erotik befähigt ist.

Der von mir verwendete Begriff der Variabilität darf nicht missverstanden werden. Es handelt sich nämlich um einen Fachterminus, den ich hier ausschließlich gemäß der oben benannten Definition verwende. Mit Variabilität ist ausdrücklich nicht gemeint, dass dasselbe Individuum beliebig variieren kann, welche erotischen Neigungen es pflegt. Dies entspräche lediglich dem Wunschgedanken der Genderismus-Anhänger, für den es jedoch keine Belege gibt und den ich daher negieren muss. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich dem Individuum Lern- und Erfahrungsprozesse absprechen möchte, die dazu führen können, seine erotischen Praktiken im Rahmen seiner genetisch festgelegten Veranlagung im Verlaufe eines Lebens ausreifen zu lassen.

Auch in anderem Zusammenhang kollidiert eine wissenschaftliche Herangehensweise übrigens mit den Thesen der Genderismus-Bewegung: Da es als mit höchster Wahrscheinlichkeit erwiesen gilt, dass frühe Hominiden-Gesellschaften aus häufig oder sogar weitgehend voneinander getrennten Männer- und Frauengruppen bestanden haben, müssen auch die Phänomene weibliche Homoerotik und männliche Homoerotik voneinander unterschieden werden. Es handelt sich um zwei verschiedene Phänomene, die in unterschiedlichen Kontexten entstanden sind. Hierin stimme ich mit den Thesen Kutscheras wieder überein.

Political Correctness und wissenschaftlich fundierte Thesen lassen sich nun einmal oft nicht miteinander vereinbaren. Dies beinhaltet jedoch keine moralische Bewertung der Vielfalt von Verhaltensformen in menschlichen Gesellschaften, die ich selbstverständlich alle gleichermaßen toleriere und respektiere.

Zahlreiche Hinweise aus unterschiedlichen Kulturkreisen heutiger Zeit unterstützen im Übrigen meine These, dass „Bisexualität“ den Normalzustand männlichen Erotikverhaltens darstellt. Auf nur einen davon möchte ich jedoch hiermit näher eingehen.  In zahlreichen modernen Kulturen ist männliche Homoerotik, meist nicht weibliche Homoerotik, unter drakonische Strafen gestellt. Es wird offenbar befürchtet, dass erotische Spiele unter Männern so stark ausufern können, dass diese nicht mehr die Zeit finden, ihren gesellschaftlichen und biologischen Aufgaben nachzugehen. Solche Befürchtungen wären jedoch redundant, ginge man in diesen Kulturkreisen davon aus, dass von jener Form der erotischen Versuchung lediglich eine vernachlässigbar kleine Minderheit betroffen sei.

Solche gesetzlichen Kontrollen männlicher Homoerotik lassen sogar sich bis in die Antike verfolgen. So argwöhnte Kaiser Augustus in Zeiten seiner späteren Regentschaft – sicherlich zu Unrecht – , dass die bis dahin erstaunlich frei und offen gelebte erotische Vielfalt römischer Bürger deren biologischen Fortbestand gefährden könnte. Daher führte er eine Heiratspflicht für Männer über 25 ein und verordnete zudem, dass jede Ehe drei Kinder zustande bringen musste.

Abschließend ist mir in diesem Artikel nur noch wichtig zu betonen, dass biologisches Vokabular im richtigen Zusammenhang verwendet werden muss. Das Gender-Mainstreaming, das vorgibt, ein eigener Wissenschaftszweig zu sein, verfügt nicht über das Recht, klar festgelegte Fachbegriffe aus den Naturwissenschaften umzudefinieren.

Die Bedeutung des Begriffes der Sexualität definiert und erläutert Herr Kutschera sehr ausführlich. Zwar bin ich der Ansicht, dass die Umgangssprache schon immer dazu neigte, Begrifflichkeiten zu lockern und zu vereinfachen. Jedoch halte ich es für wichtig, in der offiziellen Sprache ein korrektes Vokabular zu verwenden. Hierin stimme ich mit Herrn Kutschera und anderen Biologen völlig überein.

Schulbücher aus dem Dunstkreis des Genderismus, die Schüler lehren, das Geschlecht sowie erotische Neigungen seien nicht Ergebnis biologischer, sondern ausschliesslich gesellschaftlicher Phänomene, lehne ich genauso wie andere Kollegen ausdrücklich ab. diese tückische Form eines modernen Kreationismus darf nicht Einzug in unser Bildungssystem halten!